China – ein Vorwort

Womöglich gäbe es einen besseren Zeitpunkt, um etwas über China zu schreiben. Oder vielleicht gerade nicht? Diejenigen, die das Land jedenfalls kennen und sogar lieben gelernt haben, wissen es auch nach wie vor zu schätzen. Allerdings diejenigen, die strikt an ihren Vorurteilen festhalten und gerne einen Schuldigen suchen, werden höchstwahrscheinlich nicht von ihrer Meinung abweichen. Es ist auch nicht mein Ziel, Jemanden zu bekehren. Doch gerne möchte ich etwas von meinen positiven Erfahrungen weitergeben und zeigen, dass China auch seine schönen Seiten hat.

China polarisiert, China spaltet die Gemüter, das ist nicht von der Hand zu weisen. Sicher nicht zu Unrecht, hat das Land doch über sein eigenes Volk und andere Nationen in der Vergangenheit viel Leid gebracht und ist in der Gegenwart auf dem besten Weg, die Fehler der Geschichte in abgewandelter Form wiederholen zu lassen.
Mao ist sicher allen ein Begriff, Xi Jinping wohl inzwischen auch, aber vergessen wir nicht, wenn wir mit dem Finger stets auf andere zeigen, dass in diesem Land auch Menschen wie du und ich leben? Menschen, die nichts anderes wollen, als glücklich zu sein, die sich nach friedlichen Zeiten sehnen. Machen wir denn nicht alle Fehler? Oder um noch weiter zu gehen, profitieren wir nicht sogar vom „Reich der Mitte“, welches uns im Moment wieder ganz Recht als Sündenbock daher kommt? Warum versuchen wir es nicht einfach mal mit ein wenig Toleranz und schauen, was China noch zu bieten hat?

Ich habe es mir jedenfalls zur Aufgabe gemacht, mich mit dem Land, in welches ich reisen will, auch schon im Vorfeld intensiv zu beschäftigen. Mich interessieren nicht nur die kulturellen Highlights und Hotspots, sondern auch der geschichtliche Werdegang, tief verankerte Traditionen, die Kultur und letztendlich die derzeitige globale Rolle.

Superlative China

China hat einiges an Superlativen zu bieten. Mit einer Gesamtfläche von 9,6 Mio. km² ist es Asiens größtes Land und steht global immerhin an Position 4. Auch wenn ein Großteil davon durch unwirtliche Gebirge, Hochebenen, Becken und Wüsten als nahezu unbewohnbar gilt, gibt es vorwiegend küstennah zig Millionenstädte, in denen sich die Bevölkerung (insgesamt 1,4 Mrd.) ballt.
Der Qomolangma – hierzulande besser bekannt als Mt. Everest – ist mit 8848 m der höchste Berg der Welt. Er gehört zur autonomen Region Tibet (Himalaya-Gebirge), wo sich ebenfalls das Qinghai-Tibet-Plateau befindet – mit 5000 m die dem entsprechend höchstgelegene Hochebene.
Auch 3 der weltweit längsten Flüsse entspringen in Tibet – Yangzi (6300 km), Huang He (5464 km) und Mekong (4500 km).
Während der Westen von rauen Gebirgen beherrscht wird, nehmen lebensfeindliche Wüsten insgesamt 20% Prozent von Chinas Gesamtfläche ein – im Norden Teile der Wüste Gobi und im Nordwesten die Wüste Taklamakan.

Die Küste entlang des Ostchinesischen Meeres erstreckt sich über sagenhafte 14500 km. In dieser Gegend und an den Flussdeltas leben die meisten Menschen. Doch die Flüsse sind Fluch und Segen zugleich. Sowie sie auf der einen Seite den Boden fruchtbar machen und ihre Anwohner ernähren, sorgen sie zum anderen immer wieder für Unheil durch Überschwemmungen.
Ca. 8000 v. Chr. jedoch wurde nur ein kleines Gebiet an der Ostküste und um die Flussdeltas herum besiedelt, welches sich immer mehr in alle Himmelsrichtungen auszudehnen begann.

Wie man deutlich sehen kann, ist China nicht gleich China. Aufgrund seiner enormen Ausmaße erstreckt sich das Land über mehrere Klimazonen und ist somit an landschaftlichen Unterschieden und den damit verbunden Artenreichtum in Flora und Fauna kaum zu übertreffen. Es ist einfach unmöglich, dem „Land des Lächelns“ nur einen Besuch abstatten und damit alles kennenlernen zu können.

Chinas Dynastien

Die Geschichte Chinas ist geprägt von Jahrtausend langer Zerrissenheit und ständigen externen und internen Konflikten verschiedener Machtlager. Schon zu Zeiten der Dynastien vertrieb ein Herrscher den anderen und legitimierte dies dem Volk gegenüber, dass sein jeweiliger Vorgänger die Götter erzürnt habe.
Die Macht des Kaisers war von den Göttern gegeben und absolut unantastbar. Er war somit einem Gott gleichzusetzen.

Shang-Dynastie – 1600-1050 v. Chr.

Das Herrschaftsgebiet Chinas erster nachweislicher Dynastie umfasste im Durchmesser gerade einmal 200 km. In jener Zeit entstanden Vorläufer chinesischer Schriftzeichen auf Orakelknochen.

Westl. & Östl. Zhou-Dynastie – 1066-221 v. Chr.

Die Westlichen Zhou gründeten ihre Hauptstadt in Chang’an (dem heutigen Xi’an) und blieben den Traditionen der Shang weitgehend treu, reformierten allerdings das politische System. Während der Epoche der Östlichen Zhou wurde die Hauptstadt dann nach Luoyang verlegt, und es kam zu ständigen und andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen – Zeit der „Streitenden Reiche“.
Doch es vollzog sich auch ein ökonomischer und intellektueller Fortschritt, und Konfuzius hielt Einzug in den chinesischen Köpfen.

Qin-Dynastie – 221-206 v. Chr.

Erst unter dem grausamen, machtversessenen Qin Shi Huangdi fanden die Kriege ein Ende, und das Reich wurde wieder vereint. Daraufhin ernannte er sich selbst zum ersten Kaiser Chinas.
Unter seiner Regentschaft begann man mit der Errichtung der Chinesischen Mauer, die Währung wurde vereinheitlicht, und er führte eine standardisierte Schriftsprache ein.
Seine Terrakotta-Armee ist aller Welt bekannt und sollte ihn nach seinem Tod vor Feinden beschützen.

Han-Dynastie – 206 v. Chr. – 220 n. Chr.

Ein Bauer wagte einen Aufstand, eroberte China und gründete die Han-Dynastie. In diesem „Goldenen Zeitalter“ breitete sich das Reich bis Zentralasien aus und gliederte Vietnam und Korea an. Entlang der Seidenstraße wurde reger Handel betrieben. Auch gelang Konfuzius immer mehr an Bedeutung, und schließlich wurden Eignungsprüfungen für Beamte eingeführt. Diese Dynastie war so bedeutend, dass sich daraus heute noch die Bezeichnung für den Großteil der Han-Chinesen ableitet.
Wirtschaftliche Probleme und Aufstände der „Gelben Turbane“ (Taoisten) ließen das Reich zunehmend bröckeln, bis es letzten Endes geteilt wurde.

350 Jahre Krieg folgten nun, in denen 14 verschiedene Dynastien und 16 Königreiche versuchten, das Reich zu vereinen. In dieser Zeit gelangten immer mehr fremde Völker (Wei-Dynastie) an Einfluss im Norden des Landes und drängten die Han weiter und weiter in den Süden zurück.

Sui-Dynastie – 581-618

Erst unter der recht kurzen Herrschaft der Sui wurde China wiedervereint und stabilisierte sich. Kaiser Wendi begann mit dem Bau des „Großen Kanals“, der den Norden und den Süden miteinander verbindet und nahm Beziehungen zu Japan und Taiwan auf.

Tang-Dynastie – 618-907

Die Tang-Dynastie gilt als die Glanzperiode der chinesischen Geschichte und bescherte dem Land relativen Wohlstand und politische Stabilität. Die Kunst blühte auf, und man begann, sich auch für fremde Kulturen zu öffnen. Im Zuge dessen wurden ausländische Religionen – wie Christentum und Buddhismus – neben Konfuzianismus und Daoismus nun geduldet.
Während der Regierungszeit von Chinas einziger allein herrschenden Kaiserin – Wu Zetian – erreichte das Land seine größte Ausdehnung – von Südsibirien im Norden, bis Korea im Osten und Vietnam im Süden. Sie war es auch, die den Buddhismus förderte, was ihre konfuzianischen Ministern gegen sie aufbrachte.
Im letzten Jahrhundert der Tang-Herrschaft wurde die offene Haltung schließlich immer mehr abgelegt. Man konzentrierte sich wieder auf die Lehren Konfuzius‘ und verbot den Buddhismus sogar vollends. Auch wenn das Dekret später wieder etwas gelockert wurde, konnte sich seither diese Religion in China nie wieder so frei entfalten.

Im Volk breitete sich wachsender Unmut aus, der Glaube an den Kaiser war vorerst gebrochen. Es kam zu Unruhen, die letztendlich im Untergang der Tang-Dynastie gipfelten. Wieder einmal folgten turbulente Zeiten, in denen der Norden von nichtchinesischen Nomadenvölkern beherrscht wurde und im Süden eine Dynastie die andere ablöste; bis das Land erneut von den Song vereint wurde.

Song-Dynastie – 960-1279

Während der Song-Dynastie konzentrierte man sich weniger auf die Ausdehnung des Territoriums, sondern auf Fortschritte in der Wirtschaft. Das erste Mal bildete sich eine Art Mittelschicht heraus. Ebenso florierten Kunst (insbesondere Kalligrafie, Malerei und Dichtkunst) und Wissenschaft. Auch das Füßebinden soll in jener Zeit seinen Ursprung haben.
Doch mit dem aufkommenden Neo-Konfuzianismus und der Rückkehr zu alten Strukturen waren die Konflikte vorprogrammiert.

Yuan-Dynastie – 1279-1368

Immer mehr fiel China nun in die Hände der mongolischen Steppenvölker. Im Jahre 1215 nahm schließlich Dschingis Khan Beijing (Peking) ein, und 1279 schlug sein Enkel Kublai Khan die Songs endgültig. China war nunmehr ein Teil eines riesigen Imperiums, was von Böhmen bis zum Ostchinesischen Meer reichte.
Die Militärherrschaft der Mongolen stand im völligen Kontrast zum chinesischen Beamtentum. Alle wichtigen Posten wurden von Khans Gefolgsleuten besetzt und die Chinesen mehr und mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Ihre einzige Chance war es, sich nun ausschließlich ihren eigenen Ländereien zu widmen.
Auf Dauer führten diese unregierbaren Zustände zu Konflikten. Geheimbünde wie die „Roten Turbane“ führten Bauernaufstände an, und so wurden die Mongolen letztendlich aus dem Land vertrieben.

Ming-Dynastie – 1368-1644

Unter Kaiser Hongwu wurde Nanjing zu Hauptstadt ernannt. Doch schon kurz darauf verlagerte Kaiser Yongle den Regierungssitz wieder zurück nach Beijing und begann dort mit dem Bau der „Verbotenen Stadt“. Im gleichen Atemzug wurde die Große Mauer erweitert und die Seemacht verstärkt.
Mit den Portugiesen begann 1514 die ausländische Bedrohung durch die Europäer. Waren es anfangs noch einfache Handelstreibende, kamen jedoch ab 1538 verstärkt Missionare ins Land, um das Christentum zu verbreiten – allen voran der Jesuitenpater Matteo Ricci. Doch auch wenn die Ausländer nur wenige Chinesen rekrutieren konnten, gingen sie schon bald am kaiserlichen Hof ein und aus.
Naturkatastrophen, innere Unruhen und die zunehmende Bedrohung der Mandschu – ein Nomadenvolk aus dem Norden – läuteten schließlich das Ende dieser Ära ein.

Qing-Dynastie – 1644-1911

Die letzte kaiserliche Dynastie lag wieder ganz in den Händen ausländischer Nomadenvölker – den Mandschu. Doch auch wenn die neuen Herrscher das Land militärisch unter ihre Kontrolle gebracht hatten und sesshaft wurden, waren sie keineswegs mit der fremden Kultur vertraut. So versuchten die Qing, die chinesische Elite in ihre Dienste zu stellen und zweigleisig zu fahren, jedoch nicht ohne die eigenen Traditionen und Privilegien zu schützen.
Nahm im 18. Jh. noch der Handel mit dem Westen zu, wurde das allerdings recht schnell wieder unterbunden. Mit dem ersten Opiumkrieg (1840-42) wollten die Briten China zwingen, ihre Märkte wieder zu öffnen und das Geschäft mit Opium zu legalisieren.
Obwohl dieser Handel eigentlich schon seit Ende des 18. Jh. per kaiserliches Dekret verboten wurde, überschwemmte man das Kaiserreich um 1830 herum regelrecht mit dem Rauschgift. Millionen Einheimische wurden süchtig nach der Droge, und das Land drohte förmlich zu kollabieren. Der Kaiser sah sich daraufhin gezwungen, dem Ganzen ein für alle Mal ein Ende zu bereiten und setzte dafür den Sonderbeauftragten Lin Zexu ein, der mit äußerster Härte gegen die Schmugglerbanden vorzugehen wusste. Deren Boote wurden zerstört, die Händler und Käufer hingerichtet, und mehr als 20000 Kisten Opium gingen in Flammen auf. Das kam einer Kriegserklärung gleich, und so schickten die wütenden Briten ein 4000-köpfiges Expeditionskorps der Royal Navy aus, um von China eine Entschädigung zu fordern.
In den „ungleichen“ Verträgen von Nanjing wurden hohe Reparationszahlungen, die Abtretung Hongkongs an Großbritannien und die Öffnung von 4 Häfen für den Handel festgelegt. Danach eskalierte es und führte zum 13 Jahre andauernden Taiping-Aufstand (1850-64), welcher den Sturz der Qing zum Ziel hatte.
Im zweiten Opiumkrieg (1856-60) zwang man China, sich noch mehr zu öffnen, und weitere Küstenstädte wurden zu ausländischen Konzessionen oder Halbkolonien gemacht.

Der Japanisch-Chinesischen Krieg (1894-95) tat sein Übriges, und so verlor China nicht nur seinen politischen Einfluss über Korea, sondern musste Taiwan auch noch an Japan abtreten.
1900 war das Schicksal der Qing endgültig besiegelt. Unter Duldung von Kaiserwitwe Cixi kam es zum Boxeraufstand. Aufständische Bauer aus dem Norden – deren Name von ihren Kampfkünsten her rührt – hatten es sich zur Aufgabe gemacht, alle Ausländer aus dem Land zu vertreiben und die Christen auszumerzen. Die Revolte wurde schließlich von einer „Acht-Nationen-Armee“ niedergeschlagen.
Letzter Herrscher dieser Dynastie, und letzter Kaiser Chinas überhaupt, war der Kindkaiser Pu Yi, der mit 3 Jahren auf den Drachenthron gehievt wurde und 1911 bereits wieder abdanken musste, bevor 1912 von Sun Yat-sen die Republik ausgerufen wurde.

Nationalisten versus Kommunisten

Reformen nach westlichem Vorbild breiteten sich zunehmend im Land aus und verhalfen dem Republikaner Sun Yat-sen an die Macht. Doch seine Amtszeit als „Übergangspräsident“ währte nicht lang. Schon bald musste er wieder zugunsten von Militärführer Yuan Shikai abdanken. Dessen Unterstützung benötigte Sun dringend, da Yuan – mit der Beiyang-Armee – das Militär Nordchinas unterstand, und somit nur er die Macht hatte, sich noch kaisertreuen Truppen in den Weg zu stellen und Pu Yi zum Abdanken zu zwingen. Im Gegenzug wurde ihm das Amt des Präsidenten in Aussicht gestellt.
Im August 1912 erhielt Suns neu gegründete „Partei des nationalen Volkes“ (Kuomintang/KMT), bei den ersten demokratischen Parlamentswahlen in China, noch die Stimmmehrheit. Doch kurz darauf verbot Yuan die ihm als Bedrohung befundene KMT, und die Kuomingtan-Führung – einschließlich Sun Yat-sen – mussten sich ins Exil nach Japan absetzten.
Ende 1915 beging Yuan Shikai den unglaublichen Fehler, sich selbst zum Kaiser zu ernennen und erneut eine Monarchie zu installieren. Nur 3 Monate später musste er dem Druck der Opposition nachgeben und zurücktreten. Im Juni gleichen Jahres verstarb er an Nierenversagen.
Nach seinem Tod zersplitterte die Armee in rivalisierender Warlords, die verschiedene Gebiete militärisch regierten und China letztendlich in einen Bürgerkrieg trieben.
1917 wagte ein gewisser General Zhang Xun einen Militärputsch, um die Monarchie wieder einzuführen – ein allerletztes Mal. Für ganze 12 Tage blieb diese bestehen und Pu Yi, der noch immer in der „Verbotenen Stadt“ leben durfte, wurde noch einmal auf den Thron gesetzt.

1921 kam es schließlich zur Gründung einer weiteren Partei – der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) -, die in Zukunft noch eine große Rolle in der Volksrepublik spielen sollte. Einer seiner Gründungsmitglieder war Mao Zedong.
Zur gleichen Zeit organisierte Sun Yat-sen auch seine Kuomintang neu.

Um ihre Macht in China zu sichern, hofften unterdessen die Kuomintang schon lange auf internationale Unterstützung. In der neu gegründeten Sowjetunion fanden sie nun endlich einen Bündnis-Partner. Auf Anraten der Sowjets schlossen sich 1923 KMT und KPCh zur „Vereinigten Front“ zusammen und traten 1926-28 gemeinsam den „Nordfeldzug“ an, um China gewaltsam wiederzuvereinen.
Chiang Kai-shek – nach dem Tod Suns Yat-sens (1924) seit 1926 der neue Führer der Kuomintang – begann schon 1927 mit einer Unterdrückungskampagne gegen die Kommunisten, was gleichzeitig das Startsignal für einen zehnjährigen Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten bildete. Während letztere von nun an in den Untergrund flüchten mussten, zog Chiang selbst mit seinen Truppen weiter nach Nanjing, und baute dort eine nationalchinesische Hauptstadt auf.

Ziel Chiangs war es, China zu industrialisieren, seine Infrastruktur voran zu treiben und traditionelle konfuzianische Werte zu fördern. Politisch Andersdenkende wurden unterdrückt und bekamen die volle Härte des Regimes zu spüren.
Doch das Einflussgebiet der Kuomintang deckte nur einige entscheidende Provinzen im Osten ab. Immer noch herrschten die Warlords über den Westen Chinas.
Die politische Zerrissenheit bildete auch einen guten Nährboden für die Japaner, die 1931 die Mandschurei besetzten und dort den neuen Staat Mandschukuo („Land der Mandschu“) gründeten. An die Spitze setzten sie zum dritten und letzten Mal Pu Yi, als Marionettenkaiser.
Von nun an mussten die Kuomintang allerdings an 2 Fronten kämpfen – gegen die Japaner und gegen die Kommunisten.

In der Zwischenzeit bezog die KPCh in den Bergen der Provinz Jiangxi ihre Basis und wendete sich an die gebeutelten Arbeiter und Bauern, an die sie das Land umverteilten. Doch schon bald wurde die Rote Armee von ihrem Gegner eingekesselt und musste sich 1934 auf den „Langen Marsch“ begeben.
Vom 16. Oktober 1934 bis zum 19. Oktober 1935 machten sich ca. 80000 Kommunisten zu Fuß auf, um die 6400 km von ihrer Basis aus bis nach Yan’an zurückzulegen. Bei einem Pensum von 32 km täglich, welches hauptsächlich in der Nacht zurück gelegt wurde, erreichten gerade einmal 4000 Mann ihr Ziel – mit dabei: Mao Zedong, Zhu De (Oberbefehlshaber der Roten Armee) und Zhou Enlai (ab 1949 Premierminister).
Yan’an wurde das neuen Hauptquartier, von wo aus nun die KPCh operieren sollte – und blieb es bis 1945.
So unterlegen die Kommunisten in dem Moment auch noch waren, konnten sie sich bei der Bevölkerung schon allein deshalb behaupten, da der Unmut gegenüber den Nationalisten stetig wuchs. Doch als Japan 1937 nun auch noch Nordchina besetzte, entführte die KPCh Chiang Kai-shek, um die Kuomintang zu einer zweiten Einheitsfront im Kampf gegen die Japaner zu nötigen.
Das Ende des 2. Weltkrieges bedeutete schließlich auch das Ende der japanischen Invasion.

China wird Rot

Nachdem der gemeinsame Gegner aus dem Osten bekämpft war, kam es 1946 zum 3jährigen Bürgerkrieg zwischen den Kuomintang und der erstarkten Roten Armee. Als Sieger trat die KPCh hervor. Am 01. Oktober 1949 rief Mao Zedong vom Tor des Himmlischen Friedens (in Beijing) die Volksrepublik China aus.
Chian Kai-shek floh unterdessen auf die Insel Formosa (Taiwan), die inzwischen wieder an China zurück gefallen war, und gründete dort die „Republik China“.

Zu Beginn der neuen Ära musste schließlich auch eine neue Flagge eingeführt werden. Die Farbe Rot, die zuvor schon für die Han-Chinesen stand, wurde zum Symbol für den Kommunismus. Der größte der 5 Sterne steht sowohl für China als auch für die Partei. Die vier sich darum gruppierenden, kleinen Sterne verkörpern die sozialen Klassen – Arbeiter, Bauern, Kleinbürger und nationale Bourgeoisie. (Historisch gesehen steht die traditionelle Zahl 5 auch für die fünf Volksgruppen bzw. Teile Chinas – das eigentliche China (Han), die Mongolei (Mongolen), die Mandschurei (Mandschu), Xijiang (Hui/Muslime) und Tibet(er).)

Chinaflagge

Nach all den kriegerischen Jahren war Chinas Industrie und Landwirtschaft nun am Boden und musste wieder aufgebaut werden. Mao wollte dies ganz nach dem Vorbild Stalins erreichen. Am Anfang war die Bevölkerung noch völlig zuversichtlich und freute sich über ihre Befreiung; doch das sollte sich schon bald ändern.

Mit der Verbannung aller Ausländer, startete Mao die „Säuberung“ Chinas. Das missfiel natürlich den Amerikanern, woraufhin sich die Rote Armee immer mehr auf Russlands Seite stellte. Doch nach Chruschtschows „Entstalinisierungs-Politik“, die Mao als Verrat an marxistisch-leninistischen Werten sah, kam es auch hier zunehmend zur Distanzierung.

Maos Ziel war es, die Klassenunterschiede aufzuheben. So begann er damit, Landbesitzer zu enteignen, zu verfolgen und ihr Land an mittellose Bauern zu verteilen. Es wurde nun eine Kampagne nach der anderen ins Leben gerufen.
Mit der Kampagne zur „Unterdrückung von Konterrevolutionären“ versuchte man systematisch die Opposition auszuschalten und all diejenigen ausfindig zu machen und zu eliminieren, die den Kuomintang angehört oder mit diesen kollaboriert haben.
Es folgten ferner die „Drei-Anti-Kampagne“ (Korruption, Verschwendung und Bürokratie), die sich gegen die Funktionäre in den eigenen Reihen richtete, sowie die „Fünf-Anti-Kampagne“ (Bestechung, Steuerhinterziehung, Veruntreuung von Staatseigentum, Betrug und Verrat von Staatsgeheimnissen), die auf Handwerker, Kaufleute und kleine Unternehmer abzielte.

1957 erweckte Mao mit der „Hundert-Blumen-Bewegung“ den Anschein der Liberalisierung, indem er Systemkritiker aus der Reserve lockte und zur freien Meinungsäußerung animierte, nur um diese kurz darauf in der „Kampagne gegen Rechtsabweichler“ auszuschalten.
Mit allen Mittel versuchte man, zukünftig jegliche Kritik zu unterbinden und sogar aus den Köpfen der Leute zu bekommen.

„Der Große Sprung nach vorn“

Mao wollte allen zeigen, dass er vom Rest der Welt wirtschaftlich unabhängig und sogar in der Lage ist, Großbritannien zu überholen. So startete er 1958 mit grundlegenden Reformen der Industrie (allen voran Stahl, Kohle, Elektrizität) und der Landwirtschaft – „Dem Große Sprung nach vorn“. Von nun an sollten sich die chinesischen Bürger in Volkskommunen organisieren, um die Produktivität zu steigern.
Die Familienstrukturen wurden komplett aufgelöst, indem sich alle in gemeinsamen Speisesälen einzufinden hatten.
Es blieb den Leuten auch gar nichts anderes übrig, denn alle Kochtöpfe und -utensilien wurden vom Staat einkassiert, um in den Brennöfen der Stahlindustrie dahinzuschmelzen und deren Produktion künstlich in die Höhe zu treiben.
Bald ging man sogar noch einen Schritt weiter und veranlasste die Bevölkerung, aus den einfachsten Materialien Hochöfen zu zimmern. Jeden Wok, jeden Topf, jedes Stück Besteck, jedes noch so minderwertige Metall brachte man darin zum Schmelzen. Es gab bald kaum einen Hof mehr, von dem kein Rauch aufstieg. Eine gesamte Nation war damit beschäftigt, flüssiges Metall den ganzen Tag vor sich hin köcheln zu lassen und zu rühren. Selbst den Bauern blieb nun gar keine Zeit mehr, sich um ihre Ländereien zu kümmern. Die Ernte vergammelte quasi auf den Feldern. Somit waren auch die landwirtschaftlichen Erfolge zum Scheitern verurteilt.
Über alle Zweifel erhaben, war die Obrigkeit der festen Überzeugung, dass ihre neuen Anbaumethoden zwangsläufig zum Erfolg führen müssten. Das Volk sollte sich ruhig satt essen, es würde in Zukunft ja genug für alle da sein.
Von den Vorstehern der landwirtschaftlichen Kommunen erwartete man, dass sie immer höhere Erträge einfuhren. Also blieb ihnen irgendwann gar keine andere Wahl mehr, als die Zahlen zu beschönigen und immer mehr und mehr in die Höhe zu treiben, wenn sie das Plansoll erfüllen und ihrer eigenen Liquidierung aus dem Weg gehen wollten.
Fremd von jeglichen Realitätssinn taten weitere Fehlschläge und Naturkatastrophen ihr Übriges. Was folgte, war eine verheerende Hungersnot, die landesweit ca. 40 Millionen Tote forderte.
Deng Xiaoping, der Pragmatiker an der Führungsspitze, erkannte die Probleme und stellte sich auf die Seite der Mao-Kritiker. Er schlug vor, wieder zurück in Richtung 50er Jahre Sozialismus zu rudern. Doch all das konnte Maos Tatendrang nicht stoppen, und er holte zum letzten und radikalsten Schritt aus – der Kulturrevolution.

Kulturrevolution – 1966-76

Auch wenn sich nach dem Scheitern des „Großen Sprungs nach Vorn“ im Zentralkomitee der KPCh ein Affront gegen Mao auftat, war immer noch er der Vorsitzende der Partei. So beschloss er dieses Mal eine „ideologische Erneuerungskampagne“, die sich zu allererst gegen seine eigenen Reihen richtete, um politische Gegner und verhasste Kader auszuschalten.
Mit den Wandzeitungen installierte Mao ein wichtiges Machtinstrument und läutete so 1966 die Kulturrevolution ein. Diese „Schwarzen Bretter“ hingen in allen Schulen, Fabriken und anderen wichtigen öffentlichen Einrichtungen aus. Für jeden sichtbar erschienen immer wieder die Namen reaktionärer und konterrevolutionärer „Elemente“, die von nun an als vogelfrei galten. Auf diese Weise wurden u.a. Deng Xiaoping und Liu Shaoqi (von 1959-66 Präsident der VR) an den Pranger gestellt. Auch Maos Vize Lin Biao, ein weiterer Kandidat, der dem Großen Vorsitzenden seine Macht hätte streitig machen können, wurde zum Opfer der Kulturrevolution. 1971 kam er unter unerklärlichen Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.
Um die personellen Verluste wieder halbwegs auszugleichen, holte sich Mao nun unbedeutende Persönlichkeiten in seine Partei, von denen er sich sicher war, dass sie ihm gegenüber loyal sein würden und seine Macht nicht gefährden. Eine davon war seine 4. Frau – die Schauspielerin Jiang Qing. Mit ihren Verbündete hat sie sich später unter der „Viererbande“ einen Namen gemacht, welche für einige der schlimmsten Exzesse der Kulturrevolution verantwortlich sind.

Nach seiner Säuberungsaktion blieb Mao noch die Jugend, die leicht zu indoktrinieren war und mit dem Revolutionsgeist geimpft werden konnte. Als ideologische Waffe diente auch „Das kleine rote Buch“ (oder auch „Mao-Bibel“ genannt), welches von nun an jeder Bürger mit sich zu führen und die Zitate des „Großen Vorsitzenden“ auswendig zu lernen hatte. Mit einem beispiellosen Personenkult entfesselte Mao eine regelrecht fanatische Hysterie, und so begannen bald schon die Schüler und Studenten ihm blindlinks zu folgen und ihre Lehrer zu lynchen. Es entstanden die „Roten Garden“, in deren Hände Mao das Schicksal der Revolution legte.

Anfangs waren noch die Dozenten die Opfer, welche man beschimpfte, bespuckte und teilweise bis zum Tote prügelte. Später griffen Hass und Feindlichkeit auf sämtliche Autoritäten über. Intellektuelle, Wissenschaftler, Landbesitzer, Vorgesetzte, ja sogar Nachbarn, Freunde und Verwandte wurden denunziert. Selbst die eigenen Eltern waren irgendwann nicht mehr vor dem Verrat durch die eigenen Kinder gefeit, welche von Mao angehalten wurden, Reaktionäre, Konterrevolutionäre und Dissidenten ausfindig zu machen.
Schon ein falsches Wort, ein falscher Blick, eine falsche Geste, Mitgefühl oder das öffentliche zur Schau tragen von Trauer, all das machte einen sofort verdächtig.
Unterricht fand schon lange keiner mehr statt, und so hatten die Roten Garden genügend Zeit, um von Haus zu Haus zu ziehen und Verräter ausfindig zu machen. Dabei gingen die Heranwachsenden besonders brutal vor.
Wer nichts zu gestehen hatte, klagte seinen unschuldigen Nachbarn an oder eine ihm verhasste Person, die er schon lange am Pranger sehen wollte; nur um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Auch hier wurde wieder einmal ein Plansoll vorgeschrieben, wie viele Schuldige ausfindig zu machen sind. Wer nicht geliefert hat, galt demzufolge selbst als verdächtig. Kinder mordeten, legitimiert vom „Großen Vorsitzenden“ höchstpersönlich.

Doch schon bald herrschten chaotische Zustände im Land, und die gesamte Wirtschaft schien still zu stehen. So langsam zeichnete sich ab, dass die Kulturrevolution zum Scheitern verurteilt war. Mao benötigte die Roten Garden nun nicht mehr. Mit Hilfe der Armee vertrieb er 1969 nicht nur die gewalttätigen Jugendlichen aus den Städten, sondern trennte auch alle anderen Kinder von ihren Familien und schickte diese zur Arbeit aufs Land.

Aus Angst vor einem Angriff der inzwischen feindlich gesinnten Sowjetunion, willigte die Führung der KPCh ein, sich langsam wieder den USA anzunähern. Richard Nixons Staatsbesuch (1972) besiegelte das Versprechen, und so begann China letztendlich, sich dem Westen wieder zu öffnen.
Noch bis zu Maos Tod 1976 dümpelte die Kulturrevolution dahin, wenngleich sie sich auch allmählich abschwächte.
Das Ende Maos bedeutete auch den Untergang der „Viererbande“, die sich nur dank des „Steuermanns“ noch halten und ihr Unwesen treiben konnte. Die 4 gehörten zu den wenigen Schuldigen, denen man 1981 der Prozess machte, und die schließlich für ihre Morde und Gräueltaten verurteilt wurden.

Die Jahre nach Mao

Bereits 8 Monate vor Maos Tod verstirbt Premierminister Zhou Enlai. Auch wenn er dem Großen Vorsitzenden stets treu ergeben war, ist es hauptsächlich ihm zu verdanken, dass die Wirtschaft zu Zeiten der Kulturrevolution nicht komplett zusammenbrach. Als Außenminister damals weltweit anerkannt, war auch er es, der 1972 den Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten in die Wege geleitet hat.
Dem schwer erkrankten Premier, der unbedingt operiert werden sollte, verweigerte Mao zunächst die OP; bis Zhous Krebs gestreut hat und jegliche Behandlung zu spät kam. Sein Ableben (am 08.01.1976) löste im Volk allgemeine Trauer aus.
Am 05. April 1976 kam es dann zum so genannten „Tian’anmen-Zwischenfall“. Tausende trauernde Chinesen trafen sich zum Gedenken an den kürzlich verstorbenen Zhou auf dem Tian’anmen-Platz in Peking ein und mussten feststellen, dass die Polizei sämtliche Blumen und Kränze entfernt hat, die sie am Vorabend dort abgelegt haben. Als daraufhin Proteste laut wurden, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen und Inhaftierung.

Für die nächsten 2 Jahre regierte nun der relativ unbekannte Hua Guofang – als Maos Nachfolger – das Land. Doch schon 1978 betrat Deng Xiaoping erneut die Bildfläche und verhalf China endlich aus seiner desaströsen Lage. Mit Reformen in Industrie, Landwirtschaft, Verteidigung, Wissenschaft und Technik sollte die Wirtschaft nun endlich wieder angekurbelt werden.
Als ersten Schritt löste Deng die landwirtschaftlichen Kollektive auf und gab den Bauern ihr Land zurück. Endlich durften sie wieder einen Teil ihrer Erträge auf dem freien Markt verkaufen. Auch in der Stadt wurden neue Anreize gesetzt und die Menschen ermutigt, eigene Unternehmen zu gründen. An den Küsten entstanden Sonderwirtschaftszonen, um ausländische Investoren anzuziehen.
Die politische Freiheit hingegen war ein anderes Thema. Während Deng dem Ganzen gegenüber eine entspanntere Einstellung hatte, befürchteten andere Führungsmitglieder die Zuwendung zum Materialismus. Es kam zu parteiinternen Konflikten.
1987 wurde der liberale Premierminister Hu Yaobang zum Bauernopfer. Als Studenten für eine weitere Öffnung der Politik und ein Ende der Korruption demonstrierten, machte man Hu schließlich für diese Unruhen verantwortlich und drängte ihm von seinem Posten. Seinen Tod im April 1989 nahmen die Studenten zum Anlass, um gegen die KPCh zu protestieren.

Tian’anmen-Massaker

Im Frühjahr 1989 trafen sich ca. eine Millionen Arbeiter und Studenten vor dem Tor des Himmlischen Friedens in Peking, um gegen das System zu demonstrieren. Als der sowjetische Präsident und Reformer Michael Gorbatschow im Mai auf Staatsbesuch kam, versprachen sich die Studenten endlich die lang erhoffte Wende. Für die KPCh kam das einer riesen Blamage bei, wurde dieses Ereignis nun auch noch weltweit über die Medien ausgestrahlt.
Doch auch wenn die Massenversammlungen allmählich abflauten und im Juni nur noch einige Tausend täglich auf dem Tian’anmen-Platz ausharrten, wollten die Demonstrationen dennoch kein Ende finden. Die Regierung sah sich schließlich veranlasst, den Ausnahmezustand auszurufen. In der Nacht vom 03. auf den 04. Juni 1989 rollten die Panzer auf den Platz und schlugen die Aufstände blutig nieder.
Die Zahl der Toten wurde nie bestätigt. Hunderte kamen unter Arrest, ins Gefängnis oder flohen ins Ausland.
Hört man sich heute in China um, hat es dieses Ereignis nie gegeben. Dieses Datum wurde komplett ausradiert. Allein darüber zu reden, würde eine Strafe nach sich ziehen.

China heute

Chinas Politik fiel nach diesem Vorfall für die nächsten 3 Jahre erst einmal nahezu in eine Lethargie, bis Deng Xiaoping 1992 beschloss, die Wirtschaftsreformen weiter voranzutreiben und sich dem Weltmarkt zu öffnen. Shanghai und Shenzhen wurden zu Sonderwirtschaftszonen erklärt und etablierten jeweils eine Börse für ihre Unternehmen. Ein beispielloses Wachstum setzte ein und veränderte zunehmend das Stadtbild; allerdings mussten die traditionellen Bauten von einst nun auch immer mehr Wolkenkratzern weichen.

1993 ernannte man Shanghais Bürgermeister – Jiang Zemin – zum neuen Präsident, initiiert durch Deng, der 1997 schließlich verstarb. Im gleichen Jahr ging Hongkong wieder an China zurück, 2 Jahre später letztendlich auch Macau.

Doch die Kluft zwischen Arm und Reich wurde zunehmend größer und provozierte neue Unruhen. 2002 löste Hu Jintao den amtierenden Präsidenten Jiang Zemin ab und versuchte, dem sozialen Ungleichgewicht weiter entgegenzuwirken.
Während man bestrebt war, innerpolitische Reformen zurückzuhalten, gewann China außenpolitisch immer mehr an Bedeutung. So trat die Volksrepublik 2001 der WTO bei und behauptete sich 2008 sogar gegen Japan – als Austragungsort für die Olympischen Spiele in Beijing.
Zeitgleich kam es in Lhasa zu blutigen Aufständen, die sich bald auf ganz Tibet und weitere Gebiete in Westchina ausweiteten. Ein Jahr später machte auch Ürümqi (in der autonomen Region Xinjiang) auf sich aufmerksam. Hunderte Menschen starben bei den Gefechten zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen. Die Armee schritt ein, verhaftete die Uiguren und riegelte das Gebiet temporär vollständig ab. In den folgenden Jahre kam es immer wieder zu Ausschreitungen. So hat die Regierung letztendlich nicht davor zurückgeschreckt, Internierungslager zu errichten.
Auch heute noch gehören die autonomen Regionen Tibet und Xinjiang zu den absolut umstrittenen Gebieten, die nur mit Militärgewalt in Schach gehalten werden können. Es brodelt stark unter der Oberfläche. Das Reisen in diese Gebiete ist, wenn überhaupt, nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Im Fall von Xinjiang ist sogar gänzlich davon abzuraten.

Area Xi Jinping

2013 war endlich Xi Jinpings Jahr. Seit 2008 bereits Vizepräsident, sollte er nun Hu Jintao ablösen. Sein ambitioniertes Vorhaben, die Korruption zu bekämpfen, legte er jedoch schnell wieder auf Eis. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf 2 Punkte; einerseits bis zum Jahre 2025 mit den Industrienationen gleichzuziehen, sie gar zu überholen, andererseits die Kontrolle der sozialen Medien (insbesondere dem Internet) zu verschärfen.

2018 verhalf ihm der Nationale Volkskongress zur weiteren Stabilisierung seiner Macht und hob die verfassungsmäßige Beschränkung seiner Amtszeit auf. Mit diesem Akt wurde Xi Jinping zum stärksten Mann nach Mao Zedong, die KPCh erneut zum totalitären Kontrollorgan.

Allen Anschein nach lebt es sich momentan in Xis China besser als in Maos. Doch wird das ewig so bleiben?
Im Unterschied zum „Großen Vorsitzenden“ verfolgt Xi noch ein paar andere Ziele und zeigt auch kapitalistisch-imperialistische Tendenzen. Dabei geht es ihm vorrangig darum, sich selbst als vorherrschende Weltmacht zu etablieren.
Schon früher bezeichnete man sich als „Reich der Mitte“ und sah sich anderen Nationen gegenüber als überlegen. Lange hatte man es deshalb nicht für nötig erachtet, über den Tellerrand hinweg zu schauen. Wofür sollte man seine Grenzen öffnen? Man war sich selbst genug. In dieser Selbstüberschätzung übersah man völlig, dass andere Länder China schon längst überholt hatten. Nachdem dies ins Bewusstsein der Nation vorgedrungen war, wurde ein Spätstart hingelegt und es galt, alles daran zu setzten, um wieder die Spitze zu erreichen.

Definitiv geht es vielen Menschen in einigen Lebensbereichen – nach all den Jahren unter dem strengen Regime Maos – wieder besser. Sie können sich endlich frei bewegen, ins Ausland reisen, konsumieren, mit ihren Familien zusammenwohnen, für den eigenen Haushalt arbeiten, Freunde treffen und sich übers Internet austauschen. Alles scheint genauso zu sein, wie in vielen anderen Ländern auch. Doch all das geschieht unter einer lückenlosen Kontrolle, denn Xi hat ein viel subtileres Machtinstrument gefunden, welches Mao noch nicht zur Hand hatte: das Internet.
Mit Hilfe eines gut durchdachten Systems, ist es der Regierung nun möglich, ihre Bürger bis in den kleinsten Winkel ihres Lebens zu kontrollieren. Jetzt braucht quasi Niemand mehr seinen Nachbarn, Mitarbeiter, Freund oder Verwandten offiziell anzuklagen. Das Volk fühlt sich frei und bemerkt gar nicht die unsichtbaren Ketten.
Anstatt WhatsApp, Facebook und das Zahlsystem Paypal nutzen die Chinesen WeChat, gechattet wird hauptsächlich über Tencent, Weibo ist das Pendant zu Twitter und Alibaba ist Suchmaschine und Ebay-Alternative zugleich. Die hierzulande gebräuchlichen Webseiten führender amerikanischer Anbieter sind hingegen in China gesperrt.
Was diesen aufgezählten chinesischen Beispielen u.a. gemein ist, dass sie alle vom Staat kontrolliert werden. Ferner wurden Milliarden dafür investiert, um diese Netzwerke und Apps in Auftrag zu geben und weiter daran zu forschen, wie man die Gesellschaft noch transparenter werden lassen kann.
Wohin man auch geht, mit wem man sich trifft, was man erwirbt, wie viel Geld man besitzt, welche Weltanschauung man teilt, welche kritischen Gedanken man hat, nichts soll mehr der KPCh verborgen bleiben.
Sollte in den Jahren nach der Kulturrevolution einmal so etwas wie künstlerische Freiheit aufgekommen sein, wurde diese nun sofort wieder kastriert oder gleich im Keim erstickt, wie man auch am Beispiel von Ai Weiwei sehen konnte.
Die Kontrolle geht inzwischen soweit, dass man ein Sozialkredit-System (ein digitales Punktekonto) entwickelt hat, welches Ende diesen Jahres (2020) flächendeckend im ganzen Land an den Start gehen soll. Dabei will man gute von schlechten Bürgern unterscheiden, indem man Punkte für wünschenswertes Verhalten vergibt und wieder entzieht, wenn diese negativ auffallen – wie z.B. bei Rot die Ampel überqueren, den Müll nicht ordnungsgemäß trennen usw…
Wenn man in Folge mehrerer solcher Verfehlungen ein entsprechend niedriges Level erreicht hat, verliert man seine Bonität und darf zum Beispiel nicht mehr ins Ausland fliegen oder einen Schnellzug nutzen. Das nur mal als ein kleiner Auszug…
Kurzum, wenn man ein rechtschaffener Bürger ist, der alles so macht wie es die KPCh vorschreibt, hat man in China nichts zu befürchten.

Mein Fazit:

Trotz alledem, was man über China so hört und liest, tut das meiner Begeisterung für dieses Land keinen Abbruch. Wir können von Glück sprechen, dass wir in Deutschland das Privileg haben, unsere Gedanken jederzeit und ungestraft frei äußern zu dürfen. Wie man auch an dieser Stelle sehen kann, ist das ein Recht, das nicht jedem Menschen in der Welt zu Gute kommt.
Von daher steht es für mich überhaupt nicht im Widerspruch, sich mit der Vergangenheit und dem System eines Landes auseinanderzusetzen und es dann trotzdem gerne zu bereisen. Denn China hat aufgrund seiner immensen Größe und seiner Jahrtausende alten Geschichte einfach so viel zu bieten.
Auch die Menschen sind mir durch ihre freundliche und hilfsbereite Art in positiver Erinnerung geblieben. Das sollte uns zeigen, dass man sich auch ein Stück weit mit seinem Schicksal arrangieren kann, ohne seelisch komplett zu verkümmern.
Mir jedenfalls ist dieses Land sehr ans Herz gewachsen, und ich freue mich schon auf meine nächste Reise dorthin.

Bevölkerung – Ethnien, Sprache, Glaube

Zum Schluss möchte ich noch auf ein paar Aspekte zu Chinas Bevölkerung eingehen.
Die Chinesen sind ein fleißiges, aufmerksames, aber auch sehr stolzes Volk und leben ganz nach den konfuzianischen Prinzipien.
Von den 1,4 Mrd. Einwohnern gehören ca. 92 % zu den Han, die restlichen Prozente verteilen sich auf 55 weitere Ethnien.
Die meisten Minderheiten findet man in den grenznahen Gebieten, wie auch die muslimischen Hui in der Region Xinjiang.

2015 wurde endlich auch die Ein-Kind-Politik aufgehoben, die in der Vergangenheit zu vielen Abtreibungen und Kindstötungen führte, bis der gewünschte männliche Nachfolger geboren war. Zur Folge hatte das ein problematisches Ungleichgewicht zu Gunsten der Jungen.

Zudem hat sich inzwischen viel in Sachen Frauenemanzipation getan. Auch wenn diese noch nicht völlig gleichberechtigt sind, haben sie seit Maos Zeiten stark aufgeholt.
Eine besondere Demütigung erfuhren diese während der Song-Dynastie, als das Füßebinden eingeführt wurde.
Schon im Kleinkindalter brach man den Mädchen die Zehen und band diese mit straffen Bandagen in Richtung Fußsohle, damit die Füße ziemlich winzig (möglichst unter 10 cm) blieben. Man kann sich bestimmt denken, dass die Schmerzen unerträglich gewesen sein müssen, sobald die Nägel der gebrochenen Glieder auch noch ins Fleisch hineinwuchsen.
Mütter, die ihre Kinder vor dem Übel bewahren wollten, taten ihnen jedoch auch keinen Gefallen. Spätestens im heiratsfähigen Alter waren die jungen Frauen die Geächteten, wenn die Füße nicht den Vorstellungen ihres zukünftigen Gemahls oder der Schwiegermutter entsprachen.
Diese sogenannten „Lotusfüße“ galten als ungemein anziehungswürdig; zudem waren die Ehegattinnen nun kaum noch fähig, auf ihren mickrigen, schmerzenden Füßen davon zu trippeln. Selbst in der Hochzeitsnacht blieben die Zehen eingebunden; den Geruch hätte Mann sicher auch nicht ertragen.
Es bleibt noch zu erwähnen, dass sich nur die Chinesinnen diesem Ritual fügen mussten. Mädchen aus Mandschukuo blieb das zwar erspart, dafür waren sie allerdings bei dem männlichen Geschlecht weniger gefragt.

Sprache & Schrift

Offizielle Landessprache ist Putonghua (ehem. Mandarin), doch die regionalen Dialekte weichen mitunter so stark voneinander ab, dass sich die einzelnen Gebiete untereinander mündlich kaum verständigen können. Die Schriftzeichen dagegen wurden schon während der Qin-Dynastie vereinheitlicht, und ermöglichen somit den Chinesen wenigstens die Kommunikation auf diesem Weg.
Laut Bildungsministerium in Taiwan gibt es insgesamt bis zu 100000 chinesische Schriftzeichen. Um eine Zeitung lesen zu können, ist die Kenntnis über 3000 Logogramme erforderlich. Gebildete Menschen hingegen kennen mehr als 5000 Zeichen. Um Chinesisch überhaupt lesen und schreiben zu können, benötigt es ca. 1500-2000.
Das Schreiben hat sich regelrecht zur eigenen Kunstform entwickelt – der Kalligrafie.

Pinyin ist die lateinische Transkription und heute häufig in größer Städten zu finden. In allen anderen Regionen tut man sich jedoch wesentlich leichter, wenn man etwas Chinesisch beherrscht, denn Englisch wird in der Volksrepublik generell kaum gesprochen.

Religion & Philosophie

Chinas Kultur ist eng verwoben mit den Lehren des Philosophen Konfuzius (551-479 v. Chr.), dessen Prinzip auf Tugend und Menschlichkeit beruht. Diese Lebensregeln gab er an seine Schüler weiter, die es schließlich in den Analekten niederschrieben. Bis zum 20. Jahrhundert bildeten diese auch die Basis für die Beamtenprüfungen.
In der Gesellschaft spiegeln sich die Grundsätze im Respekt gegenüber Älteren und übergeordneten Personen wider oder im umgekehrten Falle, dass Eltern für ihre Kinder und Herrschende für ihre Untergebenen sorgen.

Der Buddhismus kam ca. im 1. Jh. n. Chr. über die Seidenstraße nach China. Speziell in Tibet nahm er eine gesonderte Ausprägung – Mischung aus Tantra- und Mahayana-Buddhismus – an und unterscheidet sich u.a. darin, dass die Lehrer Lama genannt werden.
Diese Religion hat dem Land zu einigen der bedeutendsten kulturellen Schätzen verholfen, wie den Grotten von Magao, Yungang und Longmen. Leider wurde während der Kulturrevolution sehr viel zerstört.

Dritte Glaubensrichtung ist der von Laotse begründete Taoismus, der sich selbst als „der Weg“ bezeichnet und Prinzipien wie Zurückhaltung lehrt. Im Grunde genommen ist diese Konfession aber eher schwer zu erklären.

Neben diesen 3 Hauptreligionen gibt es in der VR natürlich auch noch einige Christen, Muslime, Animisten und Anhänger anderer Glaubensgemeinschaften. Letzten Endes ist das chinesische Volk aber eher pragmatischer veranlagt und praktiziert von jedem ein bisschen. Da es zwischen den entsprechenden Gottheiten einige Überschneidungen gibt, pilgern Buddhisten, Taoisten und Konfuzianisten oft gleichermaßen zu den selben sakralen Orten.
Im Allgemeinen wird der Glaube heute wieder von Seiten des Staats geduldet. Dennoch überwacht die KPCh religiöse Handlungen und verbietet diese, wenn sie einen zu ausschweifenden Charakter annehmen oder die Partei gar als Bedrohung befindet – wie die Sekte Falun Gong.
Haben sich denn vor Tausenden von Jahren nicht schon die Kaiser als gottgleich gesehen? Hat sich Mao nicht auch wie ein Gott verehren lassen?

Jetzt konntet ihr jedenfalls eine ganze Menge über das Reich der Mitte erfahren. Was mir aber noch viel mehr am Herzen liegt, ist, euch mit auf meine eigene Reise durch dieses wunderbare Land zu nehmen. Wer dennoch weitere Interna erfahren oder sich selbst auf einen Trip durch China vorbeireiten möchte, dem kann ich zumindest eine ganze Menge Bücher empfehlen, die ich alle auch persönlich gelesen und mein umfangreiches Wissen daraus entnommen habe. Ich wünsche euch schon mal viel Spaß damit und natürlich auch mit meinen Reiseberichten.

Lesetipps:

Vis-à-Vis Reiseführer China – Dorling Kindersley

Mein Lieblings-Reiseführer, um mir einen ersten Überblick vom Land zu verschaffen. Mit sehr vielen Bildern und 3D-Skizzen zu Sehenswürdigkeiten, detaillierten Stadtplänen und nützlichen Grundinformationen. 660 Seiten

>>Hier erhältlich<<

Lonely Planet Reiseführer China

Die Backpackers-Bibel schlechthin. Ohne diesen Individualreiseführer geht gar nichts. Er beinhaltet zwar kaum Bilder, aber alles an nützlichen Grund- und Hintergrundinformationen, die Gold wert sind, wenn man das Land auf eigene Faust erkunden möchte, z.B. was für die Reise benötigt wird, im Vorfeld zu beachten ist, wo man am besten unterkommt, gut und günstig essen kann, wie man von A nach B kommt, was wann geöffnet hat und kostet. Außerdem detaillierte Reiserouten, Beschreibungen zu den Sehenswürdigkeiten, Informationen zum Land, zur Geschichte und jede Menge weitere Tipps. Dafür haben die 1200 Seiten aber auch ihr Gewicht.

>Hier erhältlich<<

DuMont Reise-Handbuch China – Oliver Fülling

Wem 2 Reiseführer noch nicht ausreichen sollten, dem empfehle ich diesen als Ergänzung. Oliver Fülling hat selbst schon im Reich der Mitte gelebt. Die Hintergrundinfos sind recht detailliert, und dieses Buch enthält endlich auch mal eine Übersichtskarte über ganz China. 584 Seiten

>Hier erhältlich<<

Bildband – Unterwegs in China

Wunderschöner Bildband über China mit wirklich großartigen Fotografien. Das Buch liefert des Weiteren jede Menge an Informationen und dient gleichermaßen als Atlas und Reiseführer. 344 Seiten

>Hier erhältlich<<

Bildband – Highlights China

Ein weiterer Bildband, der allerdings nur 50 Reiseziele als Highlights vorstellt – gut gegliedert in 5 geografische Regionen. Auch hier war wieder Oliver Fülling an der Gestaltung beteiligt. 168 Seiten

>Hier erhältlich<<

KulturSchock China – Reise Know-How

Wenn man die Chinesen etwas besser verstehen will, um sich als Gast in ihrem Land entsprechend zu verhalten, ist dieses Buch unerlässlich. Der Autor geht nicht nur auf Geschichtliches oder die Politik im heutigen China ein, sondern erklärt auch Hintergründe und Zusammenhänge zu Traditionen, Glauben, Alltagsthemen, die Rollenverteilung in Familien und Tabus.

>Hier erhältlich<<

Anchee Min – Die letzte Kaiserin

Auch Kaiserwitwe Cixi erging es wie vielen anderer Mädchen zu ihrer Zeit und auch schon zuvor. Als 17jähriges Mädchen „Orchidee“ wurde sie zur Konkubine gemacht. Doch sie hatte das Glück (oder Pech) als eine der Ehefrauen Kaiser Xianfengs in die Verbotene Stadt in Peking einzuziehen und ihm sogar einen Thronfolger zu gebären.
Welchen Intrigen und Gefahren die junge „Nebenfrau“ dabei am Hof ausgesetzt war, hat Anchee Min sehr gut in ihrem historischen Roman recherchiert.
Cixi hat mehr als 40 Jahre lang die Geschicke des zerfallenden Reichs gelenkt und wird oft (vielleicht auch zu Unrecht) als grausame Herrscherin dargestellt.

>Hier erhältlich<<

Pu Yi – Ich war Kaiser von China

Pu Yi, war nicht nur der letzte Kaiser von China, seine Geschichte ist auch eine der unglaublichsten und traurigsten zugleich. Mit gerade einmal 2 1/2 Jahren wurde er auf den Thron gehievt und musste 3 Jahre später auch schon wieder abdanken. Selbst als ihn die Kuomintang 1924 aus Peking vertrieben haben, gab er die Hoffnung nicht auf, den Thron noch einmal zu besteigen und die Monarchie wieder aufleben zu lassen. 1934 setzten die japanischen Besatzer Pu Yi als Marionettenkaiser des Satellitenstaats Mandschukuo ein. Nach Japans Rückzug verbrachte er viele Jahre erst in sowjetischer, dann in chinesischer Gefangenschaft und musste sich schließlich der Umerziehung Maos beugen.

>Hier erhältlich<<

Jung Chang – Wilde Schwäne

Das vielleicht beste Buch, welches aus autobiografischer Sicht – über 3 Generationen hinweg – schildert, was sich in China zu Kaisers Zeiten bis zur Kulturrevolution abspielte. Jung Chang hat es mit ihrer Familienbiografie geschafft, mich als Leser zu fesseln und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich das Leben des Einzelnen sowohl während der Qing-Dynastie, als auch unter japanischer Besatzung, später unter den Kuomintang und schließlich unter Mao gestaltet hat.

>Hier erhältlich<<

Anchee Min – Rote Azalee

In Anchee Mins Autobiografie erfährt man viel über die Arbeitslager zu Maos Zeiten. Als 17jährige Rotgardistin wurde sie selbst in eine Landkommune verschickt und musste dort hart unter strengster Kontrolle schuften. Doch sie hatte das Glück, aus 20000 Bewerberinnen für die Hauptrolle in Jiang Qings (Mao Zedongs Ehefrau) Revolutionsfilm „Rote Azalee“ ausgewählt zu werden.

>Hier erhältlich<<

Kai Strittmatter – Die Neuerfindung der Diktatur

Kai Strittmatter, Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung in China, wagt sich an ein sehr delikates Thema: Die totale Überwachung der KPCh übers eigene Volk via Big Data und Künstlicher Intelligenz. Mit diesen neuen Instrumenten des 21. Jahrhunderts ist Xi Jinping auf dem besten Weg, Mao Zedongs Regime zu übertrumpfen und eine neue Diktatur zu erschaffen. Doch selbst für den Rest der Welt hat die Politik des Reichs der Mitte ungeahnte Folgen. China kehrt nun seine Macht auch nach außen.

>Hier erhältlich<<

Geo Epoche – Das kaiserliche China

221 v. Chr. vereinigte der blutrünstige Herrscher Qin Shi Huangdi sämtliche Nachbarstaaten und errichtete das Chinesische Imperium. Über mehr als 2000 Jahre wechselten sich verschiedene Kaiser ab und waren unaufhörlich damit beschäftigt, ihr Reich auszudehnen oder wieder zu einen. Ständig galt es, sich Bedrohungen von außen und innen zu widersetzen; sei es durch Invasionen aus der Steppe, unter den verfeindeten Königreichen oder später durch ausländische Mächte. Lange Zeit schottete sich das Reich der Mitte gänzlich von der Außenwelt ab, wurde dann aber schließlich doch zur Öffnung gezwungen, bis 1912 das Zeitalter der Dynastien durch eine Revolution ihr jähes Ende erfuhr.

>Hier erhältlich<<

Geo Epoche – Das China de Mao Zedong

Wer noch mehr über Mao Zedong erfahren will, findet in dieser umfassenden Zeitschrift sehr viele gut recherchierte Artikel über die Anfänge, das Wirken und schließlich den Tod des „Großen Vorsitzenden“. Wie kam es überhaupt zur Revolution und zur Ausbreitung des Kommunismus? Wer stellte sich der Partei in den Weg? Was geschah nach Maos Ägide?

>Hier erhältlich<<

Geo Spezial – China

Wenn auch nicht mehr ganz aktuell (2012), ist diese Zeitschrift eine nette Ergänzung zu oben aufgelisteten Bildbänden und Reiseführern. Schöne Fotografien und weitere Einblicke bezüglich Land und Leute machen Lust auf einen persönlichen Exkurs.

>Hier erhältlich<<

Chinesisch Superleicht – für Anfänger

Wer sich ein wenig Chinesisch aneignen möchte, dem sei dieses Buch – mit beiliegender Audio-CD – zu empfehlen. Schritt für Schritt wird man an die Schriftzeichen und die Aussprache herangeführt, erfährt gleichzeitig aber auch noch etwas über den chinesischen Alltag.

>Hier erhältlich<<

Langenscheidts OhneWörterBuch

Eine echt witzige Idee. Dieses Mini-Büchlein passt in jede Hosentasche und kann nicht nur nach China mitgenommen werden. Auch wenn man kein einziges Wort der Landessprache kennen sollte, ist das mit dem OhneWörterBuch kein Problem mehr. In 9 Kapiteln kategorisch aufgegliedert, findet man 650 Zeigebilder zu Situationen wie Unterkunft, Transport, Essen, Einkaufen, Unterhaltung, Notfälle usw.

>Hier erhältlich<<

markiert

Ein Gedanke zu „China – ein Vorwort

  1. […] In diesem Maßstab dachten die Briten vermutlich noch nicht, als ihnen Shanghai im Jahre 1842 als einer jener extraterritorialen Vertragshäfen zugesprochen wurde, die man nach den Opiumkriegen im Vertrag von Nanking festgehalten hat. Somit wurde den Insulaner – welche per Dekret nur den Gesetzen ihres Heimatlandes unterlagen – zugestanden, von dieser Hafenstadt aus freien Handel zu betreiben. Im gleichen Atemzug teilte man die Stadt in verschiedene Konzessionsbezirke auf, in welchen sich neben den Briten auch die Franzosen (1947), Amerikaner und Japaner niederlassen konnten. Jede davon verfügte von nun an über ihre eigene Polizeigewalt und Rechtsprechung.Da Chinas längster Fluss – der Jangzi – durch die Provinzen Zentralchinas fließt und schließlich in der Nähe von Shanghai ins Ostchinesische Meer mündet, war dieser Landstrich schon immer besonders fruchtbar. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich vor allem in Shanghai, welches am Huangpu – einem Nebenarm des Jangzis – liegt, besonders viele Menschen angesiedelt haben. Die strategisch günstige Lage dieser Stadt weckte natürlich auch in den ausländischen Kaufleuten Begehrlichkeiten, und so wählten sie diesen Hafen als Stützpunkt, um mit Opium, Seide und Tee zu handeln. Das wiederum rief schon bald die großen internationalen Geldinstitute auf den Plan, die ihresgleichen umgehend am „Bund“ ihre repräsentativen Bankhäuser hochzogen. – Noch heute kann man an der Promenade des Huangpu das koloniale Erbe aus jener Zeit bewundern.Die Kehrseite der Medaille ist, dass diese rasant wachsende Stadt auch ein geeigneter Nährboden für Kriminelle aller Art war. Unzählige Opiumhöhlen, Bordelle und Spielhöllen entstanden im Zuge dessen, die sich fest in den Händen organisierter Banden befanden. Von den Ausländern gefördert und später durch die Kuomintang geduldet, gipfelte die zunehmende Ausbeutung der Armen in dem unabdingbaren Wunsch nach einer gesellschaftlichen Veränderung. Paradoxerweise war es die Kommunistischen Partei, die es 1949 endlich schaffte, ihre Bevölkerung dahingehend zu befrieden und den Hunger, den Sklavenhandel und die Hunderttausend Süchtigen beseitigte. Doch mit den Kommunisten verabschiedete sich auch erst einmal aller Glanz und Gloria.Wenn man die Chroniken der Partei studiert, war diese Stadt für sie schon immer von herausragender Bedeutung; hier traf sich 1921 die KPCh zum ersten Mal, hier nahm die Kulturrevolution ihren Lauf, und hier schloss sich auch die „Viererbande“ zusammen.Und nach wie vor hat Shanghai weder an politischen Einfluss im eigenen Lande, noch an seiner Position am Weltmarkt eingebüßt. Die direkt der Zentralregierung unterstellte Stadt, zählt inzwischen mehr als 25,6 Millionen Einwohner (Stand 2019) und wächst schier explosionsartig. Fast täglich schießen neue, immer noch höhere Wolkenkratzer aus dem Erdboden und versuchen sich gegenseitig an Größe und architektonischer Extravaganz zu überbieten – insbesondere im Stadtteil Pudong – auf der rechten Seite des Huangpu -, welcher 1990 zur Sonderwirtschaftszone erklärt wurde. Doch genau das macht auch irgendwie den Charme von Shanghai aus und zeigt einem, dass China alles andere als ein rückschrittliches Land ist und nach vorne schaut bzw. in den Westen schielt. Detaillierte Infos u.a. zu den Themen Opiumkriege und britische Besatzung, KPCh, Kulturrevolution und Viererbande erhaltet ihr auch in meinem Beitrag >>China – ein Vorwort<<. […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.