Island 2021 – Goðafoss, Aldeyjarfoss & Hvítserkur

Unsere nächsten Etappenziele auf unserer Weiterreise gen Westen sollten 2 wunderschöne Wasserfälle sein. Je weiter wir uns dabei von der Mývtn-Region entfernten, umso mehr begann sich nun die Sonne hinter dicken Wolken zu verkriechen. An manchen Stellen war die Straße bereits nass. Hier hatte es ganz offensichtlich geregnet. – Sollte unsere Glückssträhne jetzt etwa vorbei sein? – Trotzdem wollten wir es uns nicht nehmen lassen, dem Goðafoss bereits heute Abend einen Besuch abzustatten.

Goðafoss

Der “Götterwasserfall” ist nicht nur ein weiterer Kandidat unter den Top 10 der beeindruckendsten Wasserfälle Islands, sondern ebenso ein geschichtsträchtiger Ort. Hier soll nämlich im Jahre 1000 der damals amtierende Gode und Priester dieser Region – Þorgeir Þorkelsson – aus religiöser Dankbarkeit all seine Götzenbilder versenkt haben. Um die Jahrtausendwende war Þorgeir ebenso Vorsitzender des Alþings und wurde so, bei der alljährlichen Zusammenkunft der Goden des Landes, mit einer sehr heiklen Aufgabe betraut. Er sollte unbedingt eine friedliche Lösung finden, wie sich denn der neue Glaube (dessen Annahme von Seiten der norwegischen Krone drängte) mit der alten Volksreligion vereinbaren lässt. So entschied er sich letztendlich dafür, das Christentum zwar offiziell zur Staatsreligion zu erklären, jedoch durften im Verborgenen die alten Götter weiter angebetet werden. Glücklicherweise akzeptierten die Isländer seine Entscheidung und ließen sich daraufhin widerstandslos taufen. Somit kam es schließlich zu dieser (o.g.) bedeutungsschweren Geste, wodurch der Goðafoss seinen Namen erhielt.

Infotafel am Goðafoss (Nordisland)

An so etwas wie göttliche Fügung wollten wir auch jetzt fast glauben, wo wir nun selbst am “Wasserfall der Götter” standen. Plötzlich tat sich ganz unerwartet der Himmel für ein kurzes Zeitfenster auf und entließ ein paar Sonnenstrahlen auf die Erde. So standen wir nun erst einmal überglücklich vor der 30 Meter breiten hufeisenförmigen Fallstufe, über die sich die schäumenden Wassermassen auf der einen Seite gerade einmal 9 Meter und auf der anderen Seite 17 Meter in die Tiefe stürzen.

Wie immer liegt es im Auge des jeweiligen Betrachters, ob ein Wasserfall denn nun von oben oder doch eher von unten schöner anzuschauen ist. Deshalb sind wir jetzt auch noch ein paar Schritte weiter am rechten Ufer des Skjálfandafljót entlangspaziert; über den schließlich der Goðafoss (durch das ablaufende Schmelzwasser des Vatnajökull und des Tungafelljökull) gespeist wird. Es mag mit Sicherheit spektakulärere Artgenossen geben, doch vielleicht war es gerade auch dieses gewisse Maß an Unspektakularität, welche diesen Wasserfall für uns umso attraktiver machte.

Dalakofinn Camping in Laugar

Zum Campen fast noch zu früh, für den Aldeyjarfoss am Rande des Hochlands jedoch schon zu spät, entschieden wir uns schließlich, heute bereits 19 Uhr Feierabend zu machen. So fuhren wir nun noch einmal ein paar Kilometer bis nach Laugar zurück, wo es einen kleinen Campingplatz direkt an der Sportarena geben sollte. Zwar konnten wir leider auch dieses Mal wieder nicht unsere Campingkarte ausnutzen, aber immerhin war das heiße Duschen inklusive. So genehmigten wir uns dann endlich die lang ersehnte Generalreinigung, währenddessen sich der Zeltplatz so langsam füllte. Noch etwas Sortieren und Korrespondieren, danach gönnten wir uns eine Mütze voll Schlaf.

Dalakofinn Camping in Laugar (Nordisland)

09. August 2021

So sanft wir noch am Vorabend einschlummerten, so unsanft wurden wir allerdings auch in der Früh geweckt. Zwar sind wir ziemlich weit davon entfernt, als Langschläfer durchzugehen, jedoch hört dann auch bei uns irgendwann mal der Spaß auf, wenn man um 6 Uhr in der Früh bei laufenden Motor seinen Kaffee direkt neben unserem Auto trinken muss. So viel Rücksichtslosigkeit brachte mich erst einmal ordentlich auf die Barrikaden, und ich war froh, als wir dann ebenfalls wieder abrücken konnten. Das jedoch ganz diskret, ohne weitere Übernachtungsgäste aus ihrem Tiefschlaf zu reißen.

Goðafoss am Morgen

Morgens ist einfach der optimale Zeitpunkt, um den Anblick des Goðafoss adäquat genießen zu können. Es ist weniger los, das Licht fällt generell in einem besseren Winkel in die Schlucht hinein, und zudem ließ sich die Sonne heute erfreulicherweise bereits in der Früh schon wieder blicken. So nahmen wir uns jetzt etwas mehr Zeit, um diesen reizenden Wasserfall noch einmal von beiden Ufern aus zu erkunden, bevor es schließlich weiterging. Auf diese Weise startete unser Tag gleich mit einem herrlichen Regenbogen.

Sprengisandur

Bevor die dicken Reisebusse eintreffen sollten, waren wir auch schon wieder auf dem Weg zum Aldeyjarfoss. Zu diesem Wasserfall fährt allerdings nicht mehr jeder Island-Newbie, da man dafür die asphaltierte Ringstraße verlassen und gegen die staubige 842 Richtung Hochland austauschen muss. Noch einmal interessanter wird es dann nach ca. 40 Kilometern, wenn man bei der Farm Mýri links auf die F26 abbiegen darf. Auch wenn die Sprengisandur eher zu den harmloseren Hochlandpisten (spannend wird es bei 3-stelligen F-Straßenbezeichnungen) gehören mag, ist es trotzdem nicht zu empfehlen, sich ohne Allradantrieb und vor allem ohne die entsprechende Bodenfreiheit aufzumachen. Durchgerüttelt wird man auch so ordentlich, jedoch minimiert sich mit einem geeigneten Fahrzeug das Risiko deutlich, nun zusätzlich auch noch die Stoßstange & Co einzubüßen.

Etwas aufgeregt waren wir dennoch, als wir nun zum ersten Mal das Gatter öffnen mussten, was für gewöhnlich auf den Beginn solch einer F-Straße hindeutet. Darum störte es uns auch nicht im Geringsten, dass man die Furt durch den Skjálfandafljót inzwischen durch eine Brücke entschärft hatte. Für uns stand immer noch das Ziel Aldeyjarfoss im Vordergrund und nicht das 4×4-Adventure.

Aldeyjarfoss

Gegen Mittag steht die Sonne hier immer am günstigsten, so dass sich die einfallenden Strahlen im Wasser brechen und dabei einen wunderschönen Regenbogen direkt ins Antlitz des Aldeyjarfoss zaubern. Um das zu erleben, wollten wir unbedingt zu dieser Zeit vor Ort sein.
10:40 Uhr rollten wir schließlich mit unseren Isuzu vor, wodurch wir nun also noch genügend Luft hatten, die Umgebung des Wasserfalls bereits im Vorfeld etwas zu erkunden. Allein schon der Blick vom leicht erhöhten Parkplatz aus, ließ in einem umgehend ein gewisses Hochlandfeeling aufkommen. Lavawüste soweit das Auge reicht, durchbrochen lediglich von dem weißen Band des Skjálfandafljóts (Islands viertlängster Strom), der 43 km weiter nördlich auch den Goðafoss durch sein Gletscherwasser nährt.

Was den Aldeyjarfoss jedoch so besonders macht, sind die 4500 Jahre alten Basaltsäulen, die durch den Ausbruch des Schildvulkans Trölldyngia entstanden sind. Die gesamte Schlucht ist von diesen seltsam geformten Pfeilern durchzogen. Doch am beeindruckendsten wirken diese im Zusammenspiel mit den aus 20 Meter Höhe herunterdonnernden Wassermassen.
Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen, auch einmal in die Schlucht hinabzuklettern (was ich ungeübten Nachahmern in Turnschuhen allerdings nicht empfehlen würde) und mich von der Gischt berieseln zu lassen. Es ist einfach immer wieder unglaublich, wieviel Lärm doch die Natur hervorrufen kann. Und obwohl ich für gewöhnlich recht geräuschempfindlich bin, war dieser Krach fast schon Musik in meinen Ohren.

Wir lieben es, mit unseren Fotografien den unverfälschten Moment einzufangen und ein reales Bild zu skizzieren, egal ob es gut oder schlecht ist. Wenn es regnet, dann regnet es halt; wenn es grau ist, ist es eben grau; und wenn glücklicherweise die Sonne scheint, dann freuen wir uns natürlich umso mehr. Deshalb halten wir auch nicht so viel davon, endlos lang auf den passenden Augenblick zu warten und ewig auf ein spezielles Foto hinzuarbeiten, bis es denn schließlich genauso aussieht wie im Bildband im Wandregal. So zogen wir nun an all den wartenden, optimal positionierten Hobbyfotografen mit ihren hochpreisigen Kameras und Stativen vorbei, denn auch oberhalb der Fallstufe gab es noch so einiges Interessantes zu entdecken; was ehrlich gesagt nicht weniger ein Foto wert ist. An manchen Stellen war das kantige Gestein schon so vom Wasser rundgeschliffen, dass man fast schon meinen konnte, als wäre die heiße Lava erst kürzlich hier reingeströmt.

Ich hätte noch ewig weiter über das Lavafeld Suðurárhraun entlang dieses Flusses spazieren können, doch wollten wir uns zumindest noch eine geringe Chance offenhalten, vielleicht doch noch den Regenbogen zu sehen, bevor wir den Aldeyjarfoss wieder verlassen würden. – Das Glück sollte auch in diesem Augenblick noch einmal auf unserer Seite sein. Jedoch auch ohne diesen letzten Pinselstrich wäre für mich das Gemälde vollständig gewesen.

Aufgepasst bei der Weiterreise über Akureyri

Nachdem ich mich schweren Herzens von meinem persönlichen Lieblingswasserfall losgeeist hatte, ging es nun erst einmal wieder über dieselbe staubige Piste bis zum Goðafoss zurück. Dort angekommen, folgte nun eine etwas längere Autofahrt auf der Ringstraße weiter Richtung Westen. Bei der Gelegenheit mussten wir auch Akureyri – Islands “Hauptstadt des Nordens” – passieren. So, und jetzt sollten alle potentiellen Islandreisenden unbedingt weiterlesen, damit bei euch nicht etwa die Touristenfalle zuschnappt:
Wer nämlich weiter blind der Beschilderung “1” folgt, kann zwar Zeit und auch Kilometer sparen, aber gewiss kein Geld, da der neu gebaute Vaðlaheiðartunnel zu den wenigen mautpflichtigen Straßen (1500 ISK – ca. 11 €) des Landes gehört. Grundsätzlich sollte das ja kein Problem darstellen, würde man sich nicht dafür bereits im Vorfeld online anmelden und zudem mit der Kreditkarte zahlen müssen – oder das spätestens 3 Stunden nach der Tunnelpassage nachholen. Allerdings muss man davon erst einmal in Kenntnis gesetzt werden. Denn wenn man einfach mal so durchfährt, folgt die Strafe spätestens bei der nächsten Kreditkartenabrechnung.

Dank meinem Stefan Loose Reiseführer waren wir zum Glück bestens informiert und entschieden uns somit, der etwas längeren Route zu folgen. Über die alte Passstraße Viskurskarð (84) ließ sich darüber hinaus auch noch die Landschaft am Eyjarförður genießen, die tausendmal attraktiver war als das dunkle Innenleben eines Tunnels. Die dunkelgrünen Tafelberge, die das linke Ufer dieses tiefblauen Fjords säumten, und auf der anderen Seite die rotbraunen Gipfel mit ihren ausladenden Schneefeldern, hatten durchaus auch ihren Reiz.

Halbinsel Vatnsnes

Als wir endlich vor den Toren Vatnsnes eintrafen, war es bereits 16:30 Uhr. Nun stand uns aber noch immer die zeitraubende Umrundung (87 km) dieser Halbinsel, auf der ebenso wenig asphaltierten 711, bevor. Aber was tut man nicht alles, um eventuell ein paar Seehunde live zu sehen und vor allem einen, der wohl ungewöhnlichsten Brandungsfelsen überhaupt.

Übersichtskarte zu Beginn der 711 - auf unserer Vatnsnes-Umrundung (Nordisland)

Hvítserkur

Der Hvítserkur ist ein 15 Meter hoher Vogelfelsen, der vor allem Dreizehenmöven, Eissturmvögeln und Kormoranen als Brutplatz dient. So dominiert hier nun auch nicht die schwarze, für den Basalt so typische Farbe, sondern eher die weißen Schattierungen, die von den Exkremten der Tiere herrühren. Das alles wäre aber noch lange kein Grund, so einen Umweg in Kauf zu nehmen, wäre dieser Basaltfelsen nicht an 2 Stellen durch die permanente Brandung so unterhöhlt, dass er in seiner Form einem trinkenden Nashorn ähneln würde.
Entscheidend ist jedoch, dass man den Hvítserkur nicht gerade dann besucht, wenn Ebbe herrscht, sonst steckt dieses steinerne Säugetier seinen Rüssel quasi in den Sand. In der Kürze der Zeit hatten wir jetzt leider nicht mehr die Möglichkeit, uns rechtzeitig nach den Gezeiten zu erkunden, aber dennoch ein sehr günstiges Zeitfenster erwischt. So stand diese Basalterscheinung nun weder komplett im Trocknen, noch herrschte Flut, die den schwarzen Sandboden mit den grünen Algen und dem gelben Seetang einfach so verschluckt hätte. Denn gerade dieser Kontrast machte erst recht diesen Anblick so besonders. Schöner hätten wir den Hvítserkur fast nicht erleben können.

Und auch hierzu gibt es wieder eine etwas andere Entstehungstheorie: Der nach soll nämlich dieser Fels ein zu Stein erstarrter Troll sein, der sich einst erdreistet hat, das nahegelegene Kloster Þingeyri mit Steinen zu bewerfen. Von der Strafe profitieren wir nun alle.

Seehunde

Nicht weit vom Hvítserkur (um genau zu sein bei Ósar) führt ein weiterer kleiner Weg zum Húnafjörður hinab. Von dort blickt man direkt auf eine riesige Sandbank, auf der sich mit etwas Glück eine Seehundkolonie in der Sonne aalt.
Die Halbinsel Vatnsnes ist bekannt für ihr besonders hohes Aufkommen dieser harmlos wirkenden Wasserraubtiere; die Stadt Hvammstangi (im Südwesten der Insel) gilt sogar als “Hauptstadt der Seehunde”. Wer Interesse hat, kann dort das Robbenzentrum Selasetur besuchen, um noch mehr über diese Tiere zu erfahren.

Wir mussten schon wirklich sehr genau hinschauen, um diese gut getarnten grauen Flossenfüßer überhaupt auf dem schwarzen Untergrund auszumachen. Aber sie waren tatsächlich da und schienen sich von uns herzlich wenig beeindrucken zu lassen. Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass wir auf diese Entfernung für sie wohl keine Bedrohung darstellten, denn mit bloßem Auge konnten auch wir kaum mehr als ein paar größere Punkte erkennen. Um die Robben etwas besser zu sehen, benötigt man schon einen wirklich guten Zoom oder eben gleich ein Fernglas.
Aus Sicht des Artenschutzes ist eine entsprechende Distanz zum Mensch aber auch mehr als notwendig, da diese Meeressäuger sehr sensibel sind und selbst zu anderen Artgenossen einen gewissen Mindestabstand brauchen. Auf Berührungen reagieren sie empfindlich und fangen sofort an zu rangeln. (Ich glaub ich bin ein Seehund im Menschenpelz!) Genauso wenig mögen sie auffällige Farben.
Jetzt stellt euch doch einmal vor, wie man aussehen müsste, wenn man jeden Tag mehrere 10000 kcal (!) mit der Muttermilch zu sich nehmen würde. Bei Seehundbabys ist das in den ersten Monate nach der Geburt jedenfalls der Fall, damit sie sehr schnell heranwachsen und sich selbst versorgen können; denn schon kurz darauf werden sie von der Mutter allein zurückgelassen. – Die Tierwelt ist wirklich immer wieder gnadenlos, Darwin lässt grüßen! Aber wenn man das weiß, dann wäre es schlichtweg ignorant, diese Tiere auch noch unnötig zu stressen.

Kirkjuhvammur Camping bei Hvammstangi

Wir befanden uns aktuell noch im Nordosten von Vatnsnes und mussten für den Campingplatz unserer Wahl jetzt in den Südwesten der Halbinsel fahren. Dort hatten wir nämlich in der Nähe von Hvammstangi einen Zeltplatz gefunden, auf dem wir endlich auch einmal unsere Campingkarte nutzen konnten; was bisher ja noch kein einziges Mal der Fall war. Etwas unsicher waren wir allerdings schon, ob wir denn überhaupt noch einen Stellplatz bekommen würden. Man malt sich in seiner Fantasie ja immer die unmöglichsten Dinge aus (vor allem wenn man ein gebranntes Kind ist – Siehe am Ende des verlinkten Beitrags unter >>Das dicke Ende kommt immer zum Schluss!<<) und denkt, dass nun gleich jeder Besitzer einer Campingcard ausgerechnet heute dorthin fahren muss. Natürlich war das absoluter Quatsch und der Platz fast leer, als wir schließlich gegen 19 Uhr dort eintrafen. Wir fanden zwischen ein paar Büschen sogar noch ein windstilles und zudem einsames Plätzchen mit einer Sitzgrube zum Kochen obendrein. So endete nun auch der fünfte Tag auf Island zu unserer vollsten Zufriedenheit. So darf es dann gerne weitergehen!

Muss man mal probiert haben! - typische Süßigkeit in Island - saftige Zimtschnecken
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