Laos 2018

Wenn man nur Luang Prabang gesehen hat, kann man noch nicht davon reden, Laos wirklich kennengelernt zu haben. Gerne hätten wir mehr von diesem Land bereist, doch alles geht nun einmal nicht innerhalb von 3 Wochen. Doch vielleicht kommen wir einmal wieder, denn auch hier warten viele spannende Ziele und sehr freundliche Menschen. Menschen in einem Land, welches stets neutral bleiben wollte und trotzdem immer wieder zwischen die Fronten von Siam und Vietnam geraten ist, die Loas gerne unter sich aufgeteilt hätten. So sahen sie ihre einzige Chance darin, sich freiwillig Frankreich zu unterwerfen, um den territorialen Machtansprüchen ihrer Nachbarn zu entkommen. 
Auch der Kommunismus ging an Laos nicht spurlos vorbei. Am stärksten hat dem Land allerdings der Vietnamkrieg zugesetzt, und ein Viertel seiner Bevölkerung wurde in dieser Zeit ausgelöscht. Um den Nachschub für die Nordvietnamesen über den Ho Chi Minh Pfad zu unterbinden, bombardierten die USA ab 1964 weite Teile von Ostlaos. Ich meine irgendwo einmal gelesen zu haben, dass hier mehr Bomben abgeschmissen wurden als im gesamten 2. Weltkrieg zusammen.
Ironischerweise fand Laos im Kommunismus etwas Stabilität. 1975 wurde die Monarchie abgeschafft und die Demokratische Volksrepublik ausgerufen. Inzwischen öffnet sich Laos, der Buddhismus blüht wieder auf, die Beziehung zu Thailand hat sich stabilisiert, und der Tourismus hat Einzug gehalten.

08./09.10.2018 – Tempelstadt Luang Prabang

Wir haben glatt etwas verschlafen und sind erst 7 Uhr aufgestanden. Dementsprechend konfus ging es von unserer Unterkunft los. Der Geldautomat wollte keine Kip ausspucken, wahrscheinlich da wir vor wenigen Stunden in Vietnam noch Dongs wollten. So schnell kann wohl keine Master Card umdenken. Am 4. Automaten hat es dann doch endlich geklappt, und so hatten wir endlich Bares in der Hand, um etwas Essbares aufzutreiben, bevor ich noch richtig grantig werden konnte.
Zugegebenermaßen, roher Fleischgeruch im nüchternen Zustand, da wird selbst mir irgendwann etwas flaumig um die Magengegend. Aber in die kleinen Kokosmilch-Pancakes habe ich mich rasch verliebt. Noch ein halber Liter Eiscafé hinterher, und die Welt war wieder in Ordnung und ich bereit, mich in den Wat-Marathon zu stürzen.


Luang Prabang war einst der Sitz der Könige des ersten laotischen Königreichs Lane Xangs, was in seiner vollen Länge soviel wie „Das Königreich der Millionen Elefanten und des Weißen Sonnenschirms“ bedeutet.

Im 14. Jahrhundert hat König Fa Ngum den Theravada-Buddhismus eingeführt und zum Dank, den heiligen Phabang aus Sri Lanka geschenkt bekommen. Von diesem goldenen Buddha-Bildnis leitet sich heute der Name ab. Es befindet sich momentan im Königspalast und wird nur einmal im Jahr der Öffentlichkeit zur Schau gestellt.
65 Klöster entstanden hier im 18. Jahrhundert, davon sind heute in etwa die Hälfte noch in Betrieb. Zwischen der Mündung vom Mekong und dem Nam Khan liegt die Stadt auf einer Halbinsel und gehört seit 1995 zum UNESCO-Welterbe. Mit zunehmenden Besucherzahlen steigen leider auch kontinuierlich die Preise, so dass sich die Einheimischen kaum noch ein Leben in der Stadt leisten können. Ein Dilemma, da die vielen Mönche, die in den zahlreichen Wats leben, auf die Almosen der Gläubigen angewiesen sind. Denn wenn man weiß, dass die Laien (Gläubigen) dadurch Verdienste erwerben, indem sie spenden und somit den Mönchen dafür dankbar sind, dass diese die Almosen annehmen und nicht anders herum, dann macht es wenig Sinn, wenn sich dem buddhistischen Glauben ferne Touristen hinstellen und Reis in die Behälter der Mönche werfen, als wären es Affen, denen man Futter zuschmeißt. Aber so hat halt alles sein Für und Wider. Schließlich sind auch wir hergekommen, um dem Ritual beizuwohnen.

Es würde zu weit gehen, jetzt jeden einzelnen Wat im Detail zu erläutern. Dafür haben wir zu viele gesehen, und irgendwann wiederholt sich doch alles irgendwie. Es dürfte nicht allzu viel geben, was wir ausließen. Nur den Königspalast haben wir uns gespart, da wir uns nicht so für Museen interessieren und auch nicht, unser gesamtes Hab und Gut am Eingang abzugeben.


Mit den zum Himmel geschwungenen Dächern, den zahlreichen goldenen Flachreliefs an den Wänden, den kunstvollen Goldschablonierungen an Säulen und Decken, den filigranen Verzierungen an den Veranden und Giebel, konnte man sich aber auch einfach nicht satt sehen.

Ein besonders hübsches Beispiel war gleich zu Anfang der größte und bedeutendste Wat Mai Suwannaphumaham. Während wir uns den Tempel anschauten, haben sich die Mönche nicht beirren lassen und gingen pflichtbewusst ihrer Arbeit nach.


Bevor die Hitze unerträglich wird, macht es Sinn, den Berg Phou Si mit seiner 24 Meter hohen Stupa zu besteigen. Von hier oben hat man eine grandiosen Sicht auf Luang Prabang, die 2 großen Flüsse und das gegenüberliegende Westufer mit weiteren Wats. Doch auch schon 10 Uhr brennt die Sonne erbarmungslos, und das Hemd ist schnell zum Auswringen.


Die uns angebotenen Vögel, die man am Tempel frei lassen kann und was demjenigen dann Glück bringen soll, haben wir dankend abgelehnt. Die Freiheit währt nicht lang, sind sie doch so dressiert, dass sie wieder zu ihren „Herrchen“ zurückfliegen, um an den nächsten Gläubigen verkauft zu werden. Glaube und Geschäftssinn stehen sich hier nicht im Weg.

Auf dem Pilgerweg nach unten findet man in regelmäßigen Abständen immer wieder kleine Tempel, an denen die Gläubigen beten können.


Nun hatten wir aber schon ganz schön Hunger bekommen und waren gespannt auf die Laotische Küche. 2 typische Gerichte wollte ich gerne probieren. Laap, eine Art Salat aus Fleischhack, Limettensaft, Zwiebeln, Knoblauch und Minze, kann man ganz gut weiterempfehlen. Or Lam ist ein gewöhnungsbedürftiger Eintopf aus Rindfleisch, getrockneter Büffelhaut, Thai-Auberginen und einer bitteren Wurzel, an der man sich fast die Zähne ausbeißt, und die nach unsrigem Dafürhalten gruselig schmeckt. Flo hat sich dann doch lieber auf das Laab beschränkt. Eins können wir nun allerdings sagen: Freunde der Laotischen Küche werden wir eher nicht. 


Frisch gestärkt konnte es nun aber weitergehen mit dem Kulturprogramm.
Sehr nett fand ich den Wat Pa Phai, der zwar nicht besonders groß ist, aber dafür super hübsch verziert und ganz idyllisch gelegen. Veilleicht heißt er deshalb auch „Bambuswaldkloster“.


Wat Sene
gehört zu den wichtigsten buddhistischen Zentren der Stadt und beherbergt neben einem 6 Meter hohen stehenden Buddha 2 der schönsten und größten Drachenboote, die beim jährliche Suan-Heua-Bootsrennen ihren Einsatz finden.


Doch das bedeutendste religiöse Bauwerk des Landes ist Wat Xieng Thong, Luang Prabangs ältester Tempel, welcher zum Glück von der Zerstörung der Ho verschont blieb. Hier steht die imposante, 12 Meter hohe, vergoldete königliche Begräbniskutsche und weitere Drachenrennboote. Die Wände einiger Gebäude sind mit aufwändigen Mosaiken verziert.


Einen letzten Tempel will ich abschließend noch erwähnen. Wat Visounarat, mit seinem markanten Wassermelonen-Stupa, ist der älteste buddhistische Sakralbau der Stadt. Leider fiel er in großen Teilen der Zerstörung durch die Ho zum Opfer.


Da dieser allerdings nicht weit von unserer Unterkunft lag, brauchten wir die nächsten 2 Nächte nicht ans Ausschlafen zu denken. Pünktlich 4 Uhr weckten die Mönche mit Trommel und Gong ihre geistlichen Brüder und die Hähne, die wiederum uns aus dem Tiefschlaf rissen. Um ehrlich zu sein, hört sich der Sound aber echt gut, fast schon modern, an.


Zu den übrigen Tempeln will ich jetzt nichts mehr schreiben, aber wenigstens noch ein paar Impressionen, in Form von Bildern, einstellen:


Nach einem herrlichen Sonnenuntergang am Mekong sind wir zeitig ins Bett, da wir vorhatten, am nächsten Tag noch früher als sonst aufzustehen, um dem Almosengang beizuwohnen.


Was auch dagegen spricht, man sollte das einmal erlebt haben. Man kann das Ganze ja auch mit dem nötigen Respekt tun, ohne gleich einem Mönch vor die Füße zu springen und ihm die Kamera ins Gesicht zu halten – leider nichts Ungewöhnliches bei manchem asiatischen Touristen.

Mir ist mal ein netter Spruch vor die Augen gekommen:
„Monks and Monkeys aren’t different.“ Das trifft es sehr gut, denn beides löst bei Touris einen starken Foto-Reflex aus.


Interessant war es jedenfalls zu beobachten, wie alles für den Almosengang hergerichtet wurde. Kleine Stühle stellte man für die Laien am Rand der Straße in langen Reihen auf, Reis zum Spenden wurde verkauft, Teppiche ausgerollt und sich schließlich wartend mit dem Topf voller Reis an den Rand gesetzt. Noch war es dunkel, doch pünktlich 6 Uhr strömten die Mönche aus ihren Klöstern und schritten still die Strasse entlang.
Ich habe schon das Schlimmste erwartet, Gedränge, wildes Umherfotografieren usw., aber viele Stühle blieben leer. Schon fast etwas enttäuscht, sind wir kurzerhand in eine kleine Seitenstrasse umgezogen. Hier war alles gleich viel authentischer, ohne viele Touristen und ohne Plastikstühle. Die Gläubigen hatten ihre Teppiche ausgerollt und knieten mit den Töpfen voller Reis im Arm am Straßenrand nieder. Eine nicht enden wollende Kette von Mönchen kam die Straße entlang, um ihre morgendlichen Almosen zu empfangen, da es ihnen untersagt ist, nach Sonnenuntergang noch etwas zu essen. 
Die Ältesten gingen voran, die Jüngsten zum Schluss, Wat für Wat. Manche bekamen gerade so viel Reis von jedem, wie zwischen 3 Finger passt, andere wiederum kleine Tüten mit Reis oder sogar auch mal eine Banane. 


Doch am Wegesrand saßen auch noch einige Bedürftige, bei denen es genau anders herum ist. Sie bekommen eine kleine Ration von den Mönchen, damit sie überhaupt etwas zu essen haben und ihre Familie ernähren können.

Ein paar Schnappschüsse haben wir gemacht, dann aber die Kameras bei Seite gelegt, um der Zeremonie anmutig beizuwohnen.

Kurioses gibt es immer und überall, vor allem aber auf asiatischen Märkten. Neben Insekten, Larven, zotteligen Innereien, die noch nicht einmal mir bekannt sind, gibt es Eiscafé in der 1/2 l Plastiktüte, getarnt als Papiertüte. Gut, dass das bei uns nicht erhältlich ist, sonst müsste ich mir irgendwann einen Tropf legen lassen.


Tatsächlich hatten wir nun alle Tempel auf der Halbinsel abgeklappert und wollten nun an das Westufer übersetzen. Gesagt, getan. In einem wackeligen Kahn ging es schaukelnd über das braune Wasser des hier sicher über 100 Meter breiten Mekongs. Nur das Boot auf der Rückfahrt sollte noch spartanischer sein. 


Von Touristen wohl nur wenig frequentiert, hat man ein recht authentisches Bild vermittelt bekommen, in was für Behausungen die Leute außerhalb von Luang Prabang wohnen. An was ich mich allerdings nie gewöhnen werde, ist nicht die Armut, sondern wie man inmitten des ganzen Mülls und Drecks hausen kann. Es scheint einfach keinen zu stören. Deshalb wird es wohl auch noch lange dauern, bis man das in die Köpfe rein bekommt und ein Umdenken in ganz Südostasien in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz stattfindet. In Vietnam ist es schon etwas besser geworden, aber je weiter unsere Reise nach Westen ging, je ärmer das Land, umso so krasser ist es uns aufgefallen.


Auf der Westseite ist das nette kleine Wat Xieng Mene zu erwähnen, in welchem wir die Gläubigen bei ihrem Gebet beobachten konnten.


Außerdem ist das Waldkloster Vat Long Khoun von Bedeutung, wohin sich 1975 zeitweise die Könige zurückgezogen haben, und Thronanwärter an diesem Ort 3 Tage lang vor ihrer Krönung meditierten. Die Wandmalereien aus dem 18. Jh. fand ich dort besonders schön.


Die Höhle in der Nähe hätte man sich allerdings sparen können; das laotische Pendant zur schon erwähnten Hölle im „Verbotenem Tal“ in der Trockenen Halong-Bucht.

Der eigentliche Grund hierher zu kommen, war zweifelsohne die Aussicht vom Vat Chom Phet, der auf einem kleinen Hügel liegt. Auch wenn der Tempel selbst in einem kläglichen Zustand ist, lohnt sich der Blick über den Mekong auf Luang Prabang, aus dem der Phou Si mit seiner vergoldeten Stupa herausblitzt.


Jetzt hatten wir aber erst einmal genug und wollten vorerst keine Tempel mehr sehen. Schnell mit der „Fähre“ zurück nach Luang Prabang, dann haben wir auch gleich wieder ein Boot für unsere Sonnenuntergangsfahrt klar gemacht. Denn schon 17 Uhr mussten wir aufbrechen, da es ja eine Stunde später schon wieder stockdunkel ist. 


Wie sich herausstellte, waren wir neben unserem sehr jungen Fährmann die einzigen an Board. Uns hat das weniger gestört. 

Er verfügte über erstaunliche Englischkenntnisse, was bei diesem Berufsbild nicht oft der Fall ist. So konnten wir sehr viel über das Leben in Laos, auf dem Mekong und über ihn und seine Familie erfahren. Man sollte wirklich immer wieder froh und dankbar sein, dass man in Deutschland geboren ist.
Da wir noch das letzte Sonnenlicht mitnehmen konnten, und der Wasserstand in diesem Jahr etwas früher als gewohnt zurückging, war es uns möglich, einen Blick auf die Gärten am Fluss zu werfen, die die Einheimischen gerade anlegten.


Dann kam die Zeit, unseren Aufenthalt in Laos beim Sundown ausklingen zu lassen. Man könnte es schlimmer treffen.

markiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.