Norwegen 2020 – Halden & Go

Heute begrüßte uns gleich in den frühen Morgenstunden die Sonne, doch was Oslo anbetrifft, sollte uns das allerdings nicht mehr viel nützen, denn jetzt ging es schließlich über Schweden auf die Heimreise. Da wir aber sowieso unmöglich alles in einem Ritt durchziehen konnten, visierten wir nun das Grenzstädtchen Halden an, um dort noch ein allerletztes Mal norwegische Luft zu inhalieren. Hier sollte es nämlich auch eine der Verteidigungsanlagen geben, die einst errichtet wurden, um den machthungrigen Schweden Einhalt zu gebieten.

Halden

Das Fylker Østfold – östlich des Oslofjords – gilt wohl als die älteste Regionen Norwegens. In dieser wald- und seenreichen, fruchtbaren Gegend siedelten sich bereits vor 10000 Jahren die ersten Landsmänner an. So begann vor ca. 8000 Jahren auch die Entstehung Haldens – am Fuße eines Hügels (worauf auch der Name zurückgeht: Hang, Schräge) – direkt an der Flussmündung der Tista in den Iddefjord, welcher wiederum in den Oslofjord mündet und somit seinerzeit die Handelsbeziehungen (Holzhandel) über das offene Nordmeer sicherte.
Heute hat Halden schätzungsweise 31400 Einwohner (Stand 01.01.2021) und liegt nur (noch) 3 Kilometer von Schweden entfernt. Die Landesgrenze verläuft mitten durch den Iddefjord, von dessen Uferregion übrigens auch der 2600 Tonnen schwere Granitblock stammt, aus dem Gustav Vigeland seinen Skulpturen-Monolith im gleichnamigen Park (in Oslo) erschaffen hat.

Festung Fredriksten

Entstehungsgeschichte

Die Lage unmittelbar an der schwedischen Grenze, welche nun immer näher an Halden rückte – als die Unionspartner Dänemark und Norwegen im Krieg (Hannibal Fehde) gegen Schweden an diese 2 Regionen (Jämtland, Härjedalen) abtreten mussten -, machte es fast unumgänglich, zwischen 1643-45 eine vorläufige Verteidigungsanlage gegen die verfeindeten Nachbarn aus dem Osten hochzuziehen. Nachdem 1658 (mit dem Friedensvertrag von Roskilde) nun auch noch die Region Bohuslän an Schweden überging – und Halden quasi über Nacht direkt zur Grenzstadt wurde – befehligte der amtierende dänisch-norwegische König Fredrik III. am 16. Juli 1660 den Ausbau dieses Bollwerks. Über 2 parallel verlaufende Bergrücken entstand so zwischen 1661-71 diese sternförmige Festung, 128 Meter über dem Fjord, die den Namen ihres Gründers verliehen bekam. Im gleichen Atemzug (1665) nannte man auch die Stadt Halden in Fredrikshald um; welche dann erst im Jahre 1928 ihre ursprüngliche Bezeichnung zurückerhielt.
Zweimal (von insgesamt 6 schwedischen Angriffen) versuchte der Schwedenkönig Karl XII. während des großen nordischen Kriegs (1709-21) die dicken Mauern zu durchbrechen und die Bastion einzunehmen; beide Male scheiterte er. Bei seinem zweiten Invasionsversuch im Jahre 1718 musste er dafür schließlich mit dem Leben bezahlen, nachdem die Haldener ihre eigene Stadt in Brand gesetzt hatten und den König erschossen. (Eine andere Theorie geht davon aus, dass die Kugel für Karl XII. aus den eigenen Reihen stammte.)
Erst als – mit der Auflösung der Union – Dänemark 1814 Norwegen an Schweden abtreten musste, fiel damit auch die lang umkämpfte Festung in schwedische Hände. Doch bereits ein Jahr später ging diese wieder zurück an Norwegen.
Wie so oft in der norwegischen Geschichte, kam es 1826 auch hier zu einem verheerenden Brand, bei dem nahezu ganz Fredrikshald sowie die Reste des Bollwerkes zerstört wurden. Daraufhin baute man die Festung wieder im französischen Empire-Stile auf. In den folgenden Jahren verlor diese Bastion immer mehr an militärischer Bedeutung, wurde dann aber kurzfristig wieder reaktiviert und modernisiert, bis man sie 1905 endgültig als Verteidigungsanlage aufgab. Zwischen 1983-2004 nutze noch eine Militärschule das weitläufige Areal, die jedoch auch im Jahre 2005 ihre Pforten schloss. Seitdem gilt die nun aufgelassene Festung Fredriksten als das wichtigste militärgeschichtliche Denkmal Norwegens und beherbergt neben dem Kriegshistorischen Museum auch noch ein Bäckerei-Museum, eine alte Großbrauerei und eine Apotheke aus dem Jahre 1870.

Festung Fredriksten in Halden im Østlandet in Norwegen

Aufbau

Wie bereits erwähnt, erstreckt sich die Anlage über 2 Hügel, wobei auf dem nördlichen die Dronningens (Königinnen) und die Prins-Christian-Bastion sowie auf dem südlichen die Prins-Georg-Bastion und die Hauptbastion Overkongen liegen; dazwischen befindet sich innerhalb der inneren Mauer die rein militärisch genutzte Zitadelle. Westlich davon sollte der Borgerskansen (Bürgerwall) der Stadtbevölkerung Schutz bieten, die sich in diese riesige Verteidigungsanlage (Gesamtfläche von 20000 m²) aus Angst vor den schwedischen Übergriffen zurückgezogen hatte. Als dritter Bestandteil gehören im Süden noch 3 weitere vorgelagerte Bastionen – Gyldenløve, Stortårnet und Overberget – dazu.
Um die Versorgung der tausendköpfigen Besatzung und all den Schutzsuchenden zu sichern, war es notwendig, neben Waffen und Ausrüstung, auch Lebensmittel und medizinischen Bedarf bereitzustellen. Dafür zeugen auch heute noch vor Ort die große Bäckerei, eine Apotheke und sogar eine Brauerei, die den Durst der Verteidiger (2,5l am Tag) bewältigen musste.

Ortsbesichtigung – 20. August 2020

Leider hatten wir auch dieses Mal wieder das Problem, dass zu solch früher Stunde natürlich noch kein Museum geöffnet hatte. Aber immerhin fanden wir die Eingangspforten unverschlossen vor, so dass wir nun zumindest das Festung-Areal einschließlich der Zitadelle im Inneren frei erkunden konnten. Überall waren auf den dicken Mauern Kanonen (mit ihren zum Fjord ausgerichteten Rohren) aufgestellt, die einem den eigentlichen Zweck dieser Anlage gleich wieder ins Gedächtnis rufen sollten. Doch wir mussten uns heute von nichts und niemand bedroht fühlen und ließen uns auch gleich erst einmal an einem dicken Geschützturm der Festung nieder, um dort zu frühstücken und dabei die friedliche Aussicht über Halden, die Schären im Iddefjord bis hinüber nach Schweden zu genießen. Bevor dann halb zehn die ersten Touristen so langsam eintrudelten, hatten wir unsere Besichtigung bereits beendet und waren für die lange Heimreise gewappnet.

Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland

… und das an nur einem Tag!!! Von Schweden bekamen wir allerdings genauso wenig mit, wie von Dänemark; wobei wir uns in Schweden zumindest an einem Parkplatz mal eben schnell ein Süppchen gekocht haben. Dafür können wir uns allerdings rühmen, vom schwedischen Malmö nach Kopenhagen über die fast 8 Kilometer lange Öresundbrücke gefahren zu sein. Diese sowohl für den Straßen- als auch für den Eisenbahnverkehr kombinierte Verbindung über den Öresund gilt als die längste Schrägseilbrücke der Welt; und ich würde fast behaupten, ebenso als die teuerste Mautstrecke der Welt. 😉 Gesehen haben wir jedoch aufgrund der tief hängenden Wolken leider kaum mehr als den Straßenbelag und ein paar Drahtseile, aber das konnten wir ja ein paar Wochen später mit der dänisch-schwedischen Krimiserie „Die Brücke – Transit in den Tod“ nachholen. (Die ich auch wärmstens weiterempfehlen kann – vor allem die ersten beiden Staffeln!)
Logischerweise haben wir es an diesem Tag nicht mehr bis Lenggries geschafft; jedoch am folgenden Nachmittag fuhren wir mit sagenhaften 7999,8 Kilometern auf dem Tacho vor unser Garagentor. (Flo wollte sich allerdings nicht dazu überreden lassen, den Kalkofenweg noch einmal auf- und abzufahren, um die 8000 noch voll zu bekommen. Spielverderber!!!) 😀

Fazit

Wenn ihr meine Berichte und unsere Bilder verfolgt habt, dann gibt es dem nun eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Das Einzige, was ich abschließend noch sagen will: Ich bin so froh, jetzt für länger Zeit erst einmal nicht mehr die Tastenkombinationen Alt+0248, Alt+0229, Alt+0230, Alt+0216, Alt+0197 und Alt+0198 für die norwegischen Buchstaben ø, å, æ, Ø, Å und Æ zu drücken zu müssen! 😀 😀 😀

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