Island 2021 – Mývatn-Region

Vorsichtig strecke ich gegen 6 Uhr meinen Kopf aus dem Dachzelt. Strahlend blauer Himmel streichelt meine Seele. Kann das denn wirklich möglich sein? – Es ist nun tatsächlich schon unser vierter Tag auf Island, und mit solch herrlichen Wetter hatten wir eigentlich gar nicht gerechnet; noch weniger so lange an einem Stück. Nicht etwa, dass ich mich darüber ernsthaft beschweren wollte, doch man darf ja gerne auch einmal im positiven Sinne überrascht sein.

Das Klima auf Island

Wenn mir bei all der Informationsflut nicht hin und wieder doch mal etwas durch die Lappen geht, dann hätte ich auch gewusst, dass die Region um den Mývatn als sonnigster Fleck dieser Insel gilt. Die umliegenden Berge halten die polaren Winde aus dem Norden ab, sowie der Vatnajökull eine natürliche Barriere zu den feuchten Luftmassen aus dem Süden bildet. Dadurch verzeichnet der Nordosten Islands jedoch nicht nur die durchschnittlich wärmeren Temperaturen, sondern ist zum Leidwesen manch einer Population auch trockener als vergleichbare Landesteile.
Aufgrund des relativ warmen Irmingerstroms (ein nördlicher Zweig des Golfstroms, benannt nach einem dänischen Kapitän & Klimaforscher) herrschen auf Island insgesamt für diesen Breitengrad ungewöhnlich milde Temperaturen vor. Zwar sind die Sommer sehr kurz und mit durchschnittlich 10-15°C nicht mit den unseren zu vergleichen, dafür wird aber im Winter nur selten die Nullgradgrenze unterschritten.

Mývatn

Bevor ich nun allerdings über unsere Unternehmungen in diesem Gebiet berichte, möchte ich zuvor noch ein paar Worte über den Mývatn im Zentrum dieser Region vorwegschicken:
Dort, wo sich heute Islands viertgrößter (37 km²) See erstreckt, floss einst nur der kleine Bach Laxá í Aðaldal. Vor 3500 Jahren kam es dann zu einem ersten großen Vulkanausbruch (am Schildvulkan Ketildyngja), bei dem die hervorquellenden Lavaströme (die Ältere Laxá-Lava) den Bachabfluss sozusagen verstopften, einen Damm aufwarfen und somit die Urform dieses Gewässers entstehen ließen. Ein weiterer größerer Vulkanausbruch (der Kraterreihe Lúdentsborgir-Þrengslaborgir vor ca. 2000 Jahren) verhalf dem Mývatn – mit seinen rund 50 Inselchen – jedoch erst zu seiner heutigen Form.
Da dieser See im Durchschnitt gerade einmal 1-2,5 Meter tief ist (an seiner tiefsten Stelle 4 Meter) und insbesondere im nördlichen Teil von vielen heißen Quellen gespeist wird, erwärmt er sich relativ schnell und gefriert selbst im Winter nicht zu. Aufgrund der geringen Wassertiefe kommt das Gewässer auch fast zum Stehen, was es wiederum für unzählige Mücken attraktiv macht; deshalb auch der Name “Mývatn” (zu Deutsch: Mückensee). Die hier vorkommende Gattung sticht jedoch nicht, ist in so großer Zahl aber trotzdem lästig; vor allem, wenn man diese kleinen Plagegeister selbst auf den Zeltplätzen noch ständig in den Rachen bekommt, wenn man sich mal einen Happen in den Mund schieben will. Doch laut dem Motto “Des einen Freud’, ist des anderen Leid!” freuen sich abertausende Enten, Zugvögel und Fische über deren Existenz, und über deren reichhaltiges Vorkommen freuen sich wiederum zig Ornithologen.
Dank des warmen seichten Wassers kommt es hier zudem zu einer erhöhten Bildung von Kieselalgen und ferner – was es nur noch in 3 weiteren Seen weltweit (Japan, Ukraine und Estland) gibt – von grünen Algenbällen, die rund wie eine Kugel sind und deshalb auch als “Mooskugeln” bezeichnet werden.
All das waren Gründe, den Mývatn 1974 schließlich unter Naturschutz zu stellen.

Blick vom Hverfjall über den Mývatn mit seinen Pseudokratern Richtung Südwesten (Nordisland)

Dimmuborgir

Nein, wir haben kein Konzert jener norwegischen Black Metall-Band besucht, die auf diesen Namen hört! Aber jedenfalls waren diese “Dunklen Burgen” (so die Übersetzung) auch für die Musiker Inspirationsquelle genug, um diese letzten Endes als ihren Bandnamen auszuerkoren.
Entstanden sind diese düsteren, burgartigen Gesteinsformationen als Folge des Ausbruchs der Kraterreihe Lúdentsborgir-Þrengslaborgir vor ca. 2300 Jahren und die damit einhergehenden glühenden Lavaströme (Jüngere Láxa-Lava), welche über die Sumpfebene östlich des Mývatn abflossen. An ihren Ausläufern erstarrte das flüssige Magmagestein und bildete dort einen riesigen Wall, hinter dem sich die nun nachrückende Lava in einem 4 km² großen Becken sammeln konnte. Ähnlich wie in einem Milchtopf, begann sich die obere Schicht als erstes zu verfestigen, während es darunter munter weiterbrodelte. Beim Kontakt des heißen Magmas mit dem kalten Sumpfwasser entstanden allerdings auch Gase, die irgendwohin entweichen mussten. So stiegen diese nun in Form von Dampf über kleine Öffnungen an die Oberfläche des Lava-Sees, härteten an den Rändern der neu entstandenen Schlote ebenfalls aus und türmten sich so mit der Zeit zu diesen markanten Gesteinsskulpturen auf.
Geologen vermuten, dass irgendwann der Damm schließlich brach, so dass die Lavaströme wieder ungehindert abfließen konnten. Dadurch entstand ein Hohlraum unter der verkrusteten Decke, und sie begann einzustürzen. Zurückblieben nur die ausgehärteten Schlote, die wir heute als dunkle Burgen, Türme, Kirchen, Pfeiler, Trolle, und was auch immer unserem kreativen Geist noch so einfällt, wahrnehmen.

Infotafel bei den Dimmuborgir am Mývatn (Nordisland)

Da wir gelesen hatten, dass man diesen Ort entweder ganz in der Früh oder aber erst am späten Abend besuchen soll, wenn man den Busladungen von Touristen entgehen möchte, stand diese Attraktion heute gleich als erstes auf unserem Programm. Also schnell noch das warme Merinoshirt gegen ein kurzes Baumwoll-Leibchen ausgetauscht, dann ging es auch schon los. Der erste Wegweiser bremste uns jedoch genauso schnell wieder aus, da wir nun erst einmal überlegen mussten, welchen Weg wir denn eigentlich durch das Labyrinth einschlagen sollten. Im Zweifelsfall orientierten wir uns dann einfach an dem, mit den meisten Kilometer, und dann ging es aber wirklich los!

Nachdem wir die ganzen letzten Tage auf recht Fuß freundlichen, natürlichen Pfaden unterwegs waren, empfanden wir die asphaltierten, rollstuhlgerechten Wege hier alles andere als ansprechend. Jedoch vermochten uns die ersten Borgir gleich wieder versöhnlich zu stimmen.
Wir hatte unsere Runde so geplant, dass wir die Eindrücke langsam steigern konnten. So wurden aus den noch klobigen Burgen zu Beginn, immer filigranere Wesen; jedoch düster waren sie alle.

Die zwei Hauptattraktionen in diesem Areal sind: zum einen die dreieckige Höhle “Kirkja” (zu dt. Kirche) sowie ein riesiges Felstor – der Gatklettur (zu dt. Lochfelsen). Diese Highlights will natürlich erst einmal jeder sehen. Doch wie so oft, schätzen wir aber eben auch die Dinge, die bei manch anderen nicht unbedingt auf der Prioritätenliste ganz oben stehen. Und sei es die Fladenlava, die ihrem Namen alle Ehre macht oder 2 formschöne monolithische Tafelberge (Bláfjall und Sellandafjall) inmitten der angrenzenden Lavawüste Grænavatnsbruni, die außer uns wohl kaum ein Tourist überhaupt benennen kann. Und sei es ein kleines Sichtfenster, welches den benachbarten Ringwall Hverfjall besonders fotogen einrahmt oder ein unscheinbares Fels-Paar, was sich im Kuss vereint. Oder seien es die kleinen lila Krähenbeeren inmitten all der Zwergbirken oder aber die weiß-grauen Flechten, die sich wie ein dicker Pelzmantel über die dunklen Türme gelegt haben. – Ja, uns hat es gefallen, was wir zu sehen bekommen haben. 😉

Hverfjall

Eigentlich wollten wir ja die Dimmuborgir und den Hverfjall zu einer kleinen Rundwanderung verbinden. Da diese nachgerechnet dann wohl doch erheblich länger ausgefallen wäre, als ursprünglich gedacht, und wir außerdem für heute eh noch Einiges geplant hatten, fuhren wir schließlich doch gleich mit dem Auto zu unserem zweiten Ziel. Das brachte uns eine deutliche Zeitersparnis, so dass wir nun nicht mehr nur an dem formschönen Tuffring aufsteigen, sondern diesen auch auf seinem gigantischen Kraterrand einmal komplett umrunden konnten (3,2 km).

Infotafel am Ringwall Hverfjall am Mývatn (Nordisland)

Das würde ich allerdings auch Jedem uneingeschränkt empfehlen, denn von dem – zwischen 80 bis 180 Meter aus dem Erdboden ragenden – Ringwall hat man wirklich eine absolut geniale Aussicht auf die Umgebung. So schaut man im Westen auf den Mývatn bis hin zu den Pseudokratern bei Skútustaðir, im Nordosten zum orange-gelben, von Solfataren durchsetztem Námafjall, im Süden auf die Dimmuborgir bis zum (eben schon erwähnten) Lavafeld Grænavatnsbruni und im Norden schließlich auf die Badelagune Jarðböðin bis hin zum Zentralvulkan Krafla. Und natürlich blickt man permanent auch ins Innere dieses einzigartigen Walls, in dessen Mitte sich das lockere Gesteinsmaterial gugelhupfförmig zu einem kleinen Hügel aufgewölbt hat.

Der Hverfjall ist ein Tuffring, der im Wesentlichen aus Tephra (= Lockermaterial) besteht. Entstanden ist dieser (in Island eher seltener vorkommende) Ringwall vor ca. 2500 Jahren, als während sich der Vulkan erbrach, Grundwasser in dessen Schlot gelangte. Das ließ natürlich die Wassertemperatur signifikant in die Höhe schnellen und führte somit zu einer gewaltigen Wasserdampfexplosion. (Die hier ausgetretene Dampfsäule soll sagenhafte 1000 Meter in die Höhe geschossen sein.)
Ein weiteres Merkmal dieser sogenannten phreatischen (griech: phréar = Brunnen) – oder auch hydromagmatischen – Eruptionen ist, dass sich das ausgeworfene Lockermaterial kreisförmig um die jeweilige Ausbruchsstelle absetzt, und der Schlot in der Mitte ein mehr oder weniger tiefes Loch hinterlässt. (In manchen Fällen füllt sich dieses mit Grundwasser, und ein Maar entsteht – wie z.B. beim bereits besichtigten >>Víti-Krater<<.) Da der Wind bei diesem Spiel auch immer etwas mitspielt, je nachdem aus welcher Richtung er kommt, sind die Seitenwände des Kraters oftmals unterschiedlich hoch.
Mit einem Durchmesser von einem Kilometer gehört der Hverfjall jedenfalls zu den größten Explosionskratern der Welt. Jetzt selbst einmal auf diesem gigantischen Wasserkocher zu stehen, war natürlich sensationell.

Hochtemperaturengebiet Hverir bei Námaskarð

Währenddessen ich nun an diesem Bericht schreibe, wandert mein Blick immer wieder hinüber zu meinem aktuellen Kalenderbild. Und wie es manchmal eben der Zufall so will, schauen von dort nun ausgerechnet den ganzen Mai lang die grau-blauen Schlammtöpfe des Hochtemperaturengebiets Hverir auf mich herab. Auch wenn wir das natürlich bei unserer Kalendergestaltung Ende letzten Jahres unmöglich wissen konnten, eins war jedoch da schon klar, dass dieses phänomenale Foto zu Recht seinen Platz an unserer Wand verdient hat. Kaum ein anderes Umfeld steht mehr für Islands vulkanische Aktivität als solch ein Geothermalgebiet (= Erdwärme-) mit seinen frischen, klaffenden Wunden.

Kalenderfoto Mai 2022 - Hochtemperaturengebiet Hverir bei Námaskarð am Mývatn (Nordisland)

Kurzer Exkurs in die Isländische Sprache

Wenn man sich auch nur ein bisschen mit der Isländischen Sprache beschäftigt, dann kommt man recht schnell dahinter, dass sich u.a. die Landschaftsbezeichnungen von ihrer natürlichen Umgebung ableiten. Ohne nun zu sehr ins Detail gehen zu wollen, lässt sich das bei sämtlichen Namen mit den Wortendungen Jökull (= Gletscher), Hraun (= Lava), Hnjúkur (= Gipfel), Fell oder Fjall (= Berg), Ljúfur (= Schlucht), Ey (= Insel) usw. ablesen. So weiß man dann auch, dass z.B. beim Snæfelljökull vom “Schneeberggletscher” oder aber bei der Jökulsárgljúfur von der “Gletscherflussschlucht” die Rede ist.
Genauso trifft das auch bei Bezeichnungen wie “hver” und “laug” zu, bei dem Ersteres so viel wie “heiße Quelle” und Zweiteres so viel “warme Quelle” bedeutet. Mit diesem Hintergrundwissen lässt es sich folglich unschwer erraten, dass es sich bei Hverir eben um ein Hoch- und nicht etwa um ein Niedrigtemperaturengebiet handeln muss.

Merkmale und Entstehung eines Hochtemperaturengebiets

Wo poröses Gestein großflächig den wüstenartigen Untergrund ausmacht, können Niederschläge mit Leichtigkeit sehr tief in den zerklüfteten Boden eindringen. Sobald diese dort mit dem heißen Magma in Berührung kommen, erwärmen sie sich und steigen entweder als Dampf oder heiße Quellen wieder auf. Wenn die Temperaturen in 1000 Meter Tiefe noch weniger als 150 °C verzeichnen, so sprechen wir von einem Niedrigtemperaturgebiet, wenn jedoch aufgrund hoher vulkanischer Aktivität mehr als 150 °C vorherrschen, handelt es sich allerdings um ein Hochtemperaturgebiet. Während man in den heißen Quellen der Niedrigtemperaturen-Variante (den Hot Pots) eventuell noch angenehm baden kann, sollte man hingegen bei den anderen “Pools” lieber gebührenden Abstand halten.
Ein sicheres Zeichen, welches auf ein Hochtemperaturengebiet hindeutet, sind die qualmenden Solfataren-Felder. Merkmal dieser sind zum einen die zischenden Fumarolen (lat. fumus = Dampf), aus denen unter hohem Druck das Wasser aus der Tiefe dampfartig (bis zu 800 °C) entweicht; des Weiteren die knallgelben Solfataren (bis zu 250 °C), bei denen das Ganze zusätzlich noch mit Schwefelwasserstoff angereichert wird und entsprechend beißend in die Nase steigt; und als Drittes die grau-blauen Schlammtöpfe, in denen sich das siedend heiße Wasser mit dem Ton aus dem Erdreich vermischt und beständig vor sich hin köchelt (bis zu 100 °C).
Auch die unterschiedlichen Farben verraten etwas über den chemischen Elementen-Cocktail. So deuten rot-braune Ablagerung auf Eisenanreicherungen hin, weiße auf Kieselsäure (Siliciumdioxid) und neongelbe auf Schwefel. – Man sagt, je heller die Farbe sei, umso gefährlicher. Ich würde jedoch Jedem dringend dazu raten, unabhängig der Farbe den Absperrungen Folge zu leisten.
Früher wurde übrigens in diesem Gebiet der Schwefel abgebaut und für die Produktion von Schießpulver verwendet. Heute ist Hverir ausschließlich noch ein touristischer Hot Spot.

Islands ältestes Geothermalkraftwerk Bjarnarflag - am Mývatn (Nordisland)

Solfataren-Feld

Dieses hochaktive Solfataren-Feld live erleben zu dürfen, war für mich persönlich eins der Highlights auf unserer Islandreise. So konnte ich es nun auch kaum erwarten, “Lucifers Kitchen” endlich zu betreten. Hurtig eilte ich zu der kleinen Plattform am Rande des Geschehens, um wie all die anderen Touristen auch, erst einmal mit offenem Munde dazustehen. Überall dampfte, zischte, blubberte und brodelte es. Vor allem aber faszinierten mich die riesigen kesselförmigen Vertiefungen, an dessen Rändern die Krusten immer wieder wegbrachen und in die tönernen Schlammtöpfe abzurutschen drohten. Manche waren dagegen eher erhaben, so dass man sich den Hals etwas verrenken musste, um ins Innere hineinschauen zu können; jedoch auch hier stets mit einem angemessenen Distanzpolster.

Einem idyllischen Bergbächlein gleich, suchte sich die übergelaufene bläuliche Suppe ihren Weg und mäanderte fast schon friedlich über den orange-gelben Untergrund, vor der Kulisse des zerfurchten Námafjall. Hier und da ließ sie dabei auf dem Boden ein paar weiße Krusten zurück, die man jedoch unter keinen Umständen für harmlose Salzlaken halten sollte. (Dieser Irrtum könnte sich als fatal erweisen.) Doch sobald man dieses Flüsschen erst einmal überschritten hatte, und der Wind aus einer anderen Richtung wehte, wurde man auch schnell wieder ziemlich unsanft aus seinen inneralpinen Illusionen gerissen. Inzwischen zog nämlich dieser ätzende Geruch auch zu uns herüber, und löste damit in mir prompt einen heftigen Hustenreiz aus. So fasziniert ich einerseits doch von diesem Ort war, so schwer viel es mir allerdings in diesem Augenblick auch, den natürlichen Reflex meiner Atemwege zu unterdrücken.

Námafjall

Ein Entkommen gab es nur in Richtung Námafjall. Zu diesem 482 Meter hohen “Bergwerksberg” wollten wir nun als nächstes aufsteigen, um das Solfataren-Feld auch noch einmal von oben zu inspizieren.
Als alte Berghasen bewältigten wir den steilen Anstieg über die Südostflanke natürlich ganz souverän. Jedoch muss man sagen, dass dieser teilweise recht rutschige Pfad nicht unterschätzt werden sollte, da man aufgrund des lockeren Untergrunds nicht immer den optimalen Halt findet. Leute, die mit so etwas nicht vertraut sind, kommen dabei schnell einmal an ihre Grenzen und müssen (wie erlebt) wieder umkehren. (Wer dem entgegenwirken will, sollte lieber den anderen Zustieg im Nordosten nehmen!)

Auch der langgezogene Rücken dieses aktiven Vulkans war von den eitrigen Krusten übersät. Mal glichen diese nur kleinen aufgekratzten Bläschen, an anderer Stelle zogen sich diese in ihrer giftigen Farbpalette bis zum Fuße des Berges hinab. Nichts desto trotz (oder vielleicht auch gerade deshalb) begeisterte uns das Gesehene auf seine ganz eigene Art und Weise.

Nicht weniger beeindruckend war von hier oben auch der Ausblick auf die Umgebung. Während in westlicher Richtung Islands ältestes Geothermalkraftwerk Bjarnarflag vor dem grün-blauen Inselparadies des Mývatn vor sich hin rauchte, schien im Osten das bunte Solfataren-Feld der einzige Farbklecks vor dem ausladenden Lavafeld Búrfellshraun zu sein. Ganz im Süden präsentierten sich uns noch einmal die zwei auffallenden Monolithe Bláfjall und Sellandafjall, sowie im Norden die schlummernde Krafla.

Für den Abstieg wählten auch wir dann den besser begehbaren Pfad im Norden, so dass wir insgesamt auf eine kleine Rundtour kamen und auf dem Weg zum Auto abschließend noch einmal das Solfataren-Feld durchstreifen konnten. Wirklich einfach überwältigend!

Badelagune Jarðböðin

Bevor etwa der Eindruck entstehen sollte, wir hätten nun ein wenig entspannt, kann ich gleich vorweggreifen, dass dem leider nicht so war. Doch wir hatten es durchaus in Erwägung gezogen, uns nach den bisherigen Abenteuern auch einmal eine kleine Auszeit im nördlichen Pendant der “Blauen Lagune” zu gönnen. Da wir jedoch schon beim Versuch gescheitert sind, hier das für Island so typische, süße, klebrige Rúgbrauð (ein Roggenbrot, am Mývatn noch traditionell mittels Erdwärme gegart) sowie ein Bier mit Flo seiner Kreditkarte (siehe >>”Begrüßung auf Isländisch”<<!!!) zu bezahlen, sparten wir uns logischerweise dann auch den Rest. Immerhin war ich dreist genug, wenigstens noch schnell ein Foto von diesem Kieselsäure geschwängerten Wasser zu knipsen; ein Bier für Flo sollte allerdings während des gesamten Islandaufenthalts nicht mehr drin sein.

Badelagune Jarðböðin am Mývatn (Nordisland)

Skútustaðagigar – die Pseudokrater

Meistens weiß man erst hinterher, für was etwas letzten Endes gut war, denn so hatten wir nun zumindest wieder ausreichend Zeit, um uns gleich heute noch die Pseudokrater von Skútustaðir anzuschauen.
Die Bezeichnung “Pseudo” lässt wohl recht offensichtlich erkennen, dass es sich hierbei um keine echten Vulkankrater handelt, sondern diesen lediglich rein äußerlich ähnelt.
Entstanden sind die Skútustaðagigar (wie auch die Dimmuborgir) vor ca. 2300 Jahren, als sich die Jüngere Láxa-Lava über die sumpfige Ebene am Mývatn ausbreitete. Das Zusammentreffen dieser unterschiedlich temperierten Elemente sorgte dafür, dass auf einem Schlag alles Wasser im Boden explosionsmäßig verpuffte und die frische Lava in die Höhe beförderte. Einem Bumerang gleich, lagerten sich die herunterfallenden Schlacken genau um das jeweils herausgesprengte Loch ab und formten so einen ringförmigen Wall. Diese sogenannten “Pseudokrater” variierten in ihrem Durchmesser zwischen wenigen Metern bis hin zu 100 Metern.

Infotafel bei den Pseudokratern von Skútustaðir am Mývatn (Nordisland)

Auch dieses Mal entschiedenen wir uns wieder konsequent für die längere Route (ca. 3 km), auf der man nicht nur über und durch die Pseudokrater spaziert, sondern auch einen kleinen See (Stakhólstjörn), inmitten der aufgeworfenen Hügellandschaft, umrundet. Auf diese Weise konnten wir dem Trubel ganz sanft entfliehen und uns nebst einiger Vögel und Enten in völliger Einsamkeit wähnen.
Es war wirklich unglaublich, wie sehr doch diese Krater ihren echten Vertretern glichen. Würde man völlig unbelesen durch dieses Gebiet rennen, käme man vermutlich nie auf die Idee, auch nur im leisesten am offensichtlich Erkennbaren zu zweifeln.
Jedenfalls war es für unsere Augen eine Wohltat, jetzt endlich auch einmal wieder diese saftig-frischen Farben zu sehen. Dieses Meer aus grünen Hügeln, über welche sich das flauschige Moos wie eine zweite Haut spannte, währenddessen sich der azurblaue Himmel mit seinen schneeweißen Wattebäuschchen im Wasser des Stakhólstjörn und des Mývatns spiegelte. Nur hin und wieder lugten aus dieser heilen Welt ein paar kleine schwarze Narben hervor, die die Natur hier nicht gänzlich zu verbergen vermochte.

Adieu, du unvergesslicher Nordosten!

Den Nordosten Islands hatten wir hiermit soeben abgehakt, wollten wir nun also weiter Richtung Westen fahren. Wohin allerdings unsere Reise an diesem Abend des 08. Augusts noch ging, und wie wir das erste Mal seit Längerem endlich zum Haarewaschen kamen, das möchte ich euch jedoch erst in meinem nächsten Beitrag verraten.

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