Norwegen 2020 – Ryfylkevegen zum Buarbreen

Über den Ryfylkevegen zum Folgefonna Nationalpark

Ryfylke

Der circa 260 Kilometer lange Ryfylkevegen verbindet Europas Ölmetropole Stavanger mit dem berühmten Hardangerfjord. Um es ganz genau zu nehmen, beginnt dieser in Oanes am Lysefjord und endet im Örtchen Hånas am Røldalsvatnet.
Die Route über den Ryfylke bietet eine einzigartige Landschaft, die kontrastreicher kaum sein kann; so wechseln sich imposante kahle Berge – wie zuvor noch am Kierag und Preikestolen erlebt – mit sanft geschwungenen grünen Hügeln, tiefe kristallklare Fjorde mit seichten lachsreichen Flüssen oder ruhige Wiesentäler mit tobenden Wasserfällen ab. Was jedoch nahezu die gesamte Strecke gemein hat, ist, dass sie stets auf engstem Raum an den Ufern der zahlreichen Fjorde, an rauen Felsenwänden und all den anderen Naturattraktionen direkt entlangführt. Das schönste Wegstück befindet sich allerdings auf der letzten Etappe von Sand bis nach Røldal, wo auch eine der vielen Stabkirchen des Landes steht. – Ja, und genau auf jedem Ryfylkevegen ging es heute noch für uns weiter; 2 kurze Fährüberfahrten inklusive.

Nachdem wir in den letzten 12 Stunden zwei wirklich sehr schöne Wanderungen hinter uns gebracht hatten, waren wir nun aber auch wieder einmal ganz froh, im Auto zu sitzen und die Landschaft vom Fenster aus genießen zu können. Außerdem wurde es Zeit, so langsam weiter in den Norden vorzudringen, wenn wir es denn wirklich noch bis zu den Lofoten schaffen wollten. Leider war das Wetter (wie vorhergesagt) nicht sonderlich schön, aber immerhin blieb der Regen aus. Allerdings sorgten dicke tiefhängende Wolken dafür, dass das Aussichtserlebnis auf die Fjorde im wahrsten Sinne des Wortes etwas getrübt wurde. Doch wir konnten uns leicht damit trösten, dass der Urlaub ja erst begonnen hatte, und wir mit Sicherheit das ein oder andere Fjord noch sehen würden.

Ryfylkevegen in Norwegen

Lachsaufzucht in Norwegen

Viel ausgestiegen sind wir während der ersten Kilometern nicht. Doch dann sahen wir diese seltsamen runden Gebilde im Jøsenfjord, die danach in unregelmäßigen Abständen immer wieder aus den Fjorden herausblitzten. Unser Interesse war geweckt. Das mussten wir uns nun einmal etwas genauer anschauen.

Die Norweger waren die ersten Fischzüchter, die in den 1970 Jahren ihren Lachs in schwimmenden Gehegen vor ihren Küsten aufzuziehen begannen. Da die Fische zum Heranwachsen einen sauberen Lebensraum – im kalten, klaren Wasser des offenen Meeres, fern von jedem belastenden Schiffsverkehr – benötigen, legte man zur Aufzucht diese speziellen kreisrunden Farmen an, die von einem 15-30 Meter tiefen Netz umgeben sind.
Um den Fortbestand der Aquakulturen zu garantieren, ist es jedoch wichtig, dass sich die Lachse innerhalb des Geheges frei bewegen können, und somit eine bestimmte Anzahl nicht überschritten wird. Aber auch die Zahl der Farmen pro Küstenlinie ist auf ein Höchstmaß begrenzt. Ferner muss gewährleistet sein, dass nach jedem Aufzuchtzyklus das Areal für eine bestimmte Zeit unbenutzt bleibt, um das maritime Ökosystem der Umgebung nicht zu stark zu belasten.
Wie genau das allerdings in der Praxis eingehalten wird, maß ich mir nicht an zu beurteilen; schließlich ist Norwegischer Lachs auch bei uns im Supermarkregal stets verfügbar. Vor Ort haben wir allerdings tatsächlich kein einziges Mal Fisch gegessen.

Konfrontation auf Norwegisch

Genauso kurz wie unsere Pausen waren auch die Fährüberfahrten; so kurz, dass wir beim ersten Mal überhaupt nicht einmal überrissen haben, dass wir schon wieder am anderen Ufer waren. Wir hatten zuvor ja nicht einmal gemerkt, dass die Fähre überhaupt abgelegt hatte. Was wir allerdings mehr als alles andere realisiert haben – und ich nicht weiß, ob uns das jetzt peinlich sein muss -, ist folgende Geschichte:
Flo und ich kamen am Suldalsvatnet – in der Nähe eines Kraftwerks – doch tatsächlich an einen Tunnel, der komplett gesperrt zu sein schien. „So ein Mist!“, dachten wir uns. „Was sollen wir jetzt machen?“ – Irgendetwas stand auf einem Schild – logischerweise auf Norwegisch -, was wir natürlich nicht lesen konnten. Umgehung gab es keine. Zurückfahren kam gleich gar nicht in Frage und machte auch überhaupt keinen Sinn, da keine Straße nur annähernd dorthin geführt hätte, wo wir hin wollten, ohne dafür hunderte Kilometer Umweg in Kauf zu nehmen. Also haben wir 2:0 abgestimmt und sind eben einfach in diesen Tunnel hineingefahren. – Ganz schön dunkel in so einer unbeleuchteten Felsröhre, sage ich euch! – Nach nicht einmal 20 Metern, sahen wir in der Ferne auch schon ein Lichterpaar entgegenkommen. Das hat uns zwar schon etwas beunruhigt, aber gingen wir fest davon aus, dass der da ja Augen im Kopf haben wird und auch unsere Scheinwerfer sehen musste. Blöderweise kam das Auto nun direkt auf uns zu und machte auch keinerlei Anstalten, auszuweichen. So langsam wurden wir dann doch ganz schön nervös und haben begonnen, unsere Entscheidung zu bezweifeln. Gut nur, dass wir uns zuvor einig waren, und so jetzt keiner dem anderen Vorwürfe machen konnte.
Schließlich hielt der Wagen vis-à-vis vor uns an, und der Fahrer sprang uns unverzüglich entgegen. Schimpfend und wild gestikulierend machte er uns erst auf Norwegisch, später in gebrochenem Englisch begreiflich, dass dieser Tunnel gesperrt ist, und er jetzt eigentlich die Polizei holen müsste. Er ließ auch nicht die Ausrede gelten, dass wir kein Norwegisch können, denn es hätte heutzutage ja schließlich Internet, wo man sich auch Straßenschilder übersetzen lassen könnte. 1:0 für ihn….
Einige „sorry, sorry, sorry“ später war er zwar immer noch pampig, aber hat immerhin auf das Heranziehen der Politi verzichtet. Wie 2 dumme, ungezogene Schulkinder mussten wir nun mitten im dunklen Tunnel warten, bis er zuerst ans andere Ende zurückgefahren war, dann die Kolonne der entgegenkommenden Autos an uns vorbeigeführt hatte und letzten Endes aus unserer Richtung zurückkehrte, damit wir ihn ans nördliche Ende aus unserer Misere herausfolgen konnten. Ah, so funktioniert das also!!!
Uns war dieses Erlebnis auf jeden Fall sehr unangenehm. Aber ich erzähle euch das trotzdem alles, damit ihr wisst: Wenn ein Tunnel in Norwegen gesperrt ist, dann gibt es entweder eine Umleitung und wenn nicht, dann einfach warten, warten, warten… bis vielleicht jemand kommt.

Ein bisschen hat es schon gedauert, bis der Cortisolspiegel wieder abgesunken war. Zum Glück aber vermochte die Landschaft für ausreichend Abwechslung zu sorgen, so dass wir bald wieder auf andere Gedanken kamen und das soeben Erlebte schnell verdrängen konnten. Hier drehte sich das Rad einer kleine Wassermühle, an deren Zulauf ein paar morsche, moosbewachsene Holzverschläge standen; an anderer Stelle kleine saftige Wiesentäler, auf denen die Kühe weideten; immer wieder ein lustiges Auf und Ab über die engen Straßen, die zwischen den Flussufern und Felswänden eingepfercht waren; und dann wieder ein imposanter Wasserfall, der einem unweigerlich zum Pausieren zwang. Wir waren nun im schönsten Abschnitt des Ryfylkevegens angekommen.

Wasserfall am Ryfylkevegen in Norwegen

Stabkirchen

Etwas hin- und hergerissen haben wir abzuwägen versucht, wie wir diesen Tag nun beschließen sollten. Sicher war lediglich, dass wir auf jeden Fall heute noch bis zum Buarbreen weiterfahren wollten. Nur ob wir zu diesem Gletscher gleich noch am Abend oder aber erst morgen in der Früh hinwandern würden, das wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht. Dementsprechend unentschlossen waren wir eben auch, ob wir nun den kleinen Umweg zur Stabkirche Røldal einschlagen sollten oder eher nicht. – Dass wir es letzten Endes getan haben, ist klar, sonst würde ich jetzt hier wohl nicht darüber schreiben. 😉

Norwegens Stabkirchen sind das bedeutendste Kulturerbe des Landes und wirklich auch nur hier zu finden. Mit ihren senkrecht in die Höhe ragenden Masten (norwegisch: stav) im Inneren und den steilen, staffelartigen Schindeldächern außen, die obenauf noch von Drachenköpfen gekrönt sind, ähneln sie eher den Schiffen der einstigen Wikinger. Voll und ganz mit heidnischen Symbolen verziert, zeigen sie auf, wie tief der Glaube an Geister und Dämonen auch noch zu Zeiten der Christianisierung im Volk verankert war. So sollten die Verzierungen und Schnitzereien dazu dienen, böse Mächte fernzuhalten.
Hingegen zu den meisten anderen Kirchen aus Stein, wurden die Stabkirchen aus einer komplizierten Holzkonstruktion erbaut. Um die Dächer regensicher zu machen, reichen diese (ähnlich asiatischer Pagoden) bis tief zum Boden, sind kaskadenförmig übereinander gestaffelt und mit Teer eingelassen. Doch wie immer hat so ein Konstrukt aus natürlichen Rohstoffen seinen Preis und ist mehr denn anderes seinem Verfall ausgesetzt. Von den ca. 800 ehemaligen Stabkirchen sind nunmehr 31 erhalten geblieben, und nur 21 stehen noch an ihrem ursprünglichen Platz. Die meisten derer findet man in der Region Vestlandet. Eine davon ist die Stavkirke in Røldal.

Stavkirke Røldal

Die im Jahre 1250 errichtete Kirche wurde ursprünglich als einschiffige Hallenkirche erbaut und somit um einiges einfacher gestaltet als z. B. die Stabkirchen in Borgund oder Heddal. Da sie jedoch im 19. Jh. und später noch einmal im 20. Jh. umfassend restauriert wurde, befindet sie sich heute in einem sehr guten Zustand, der die mittelalterlichen Verzierungen für die Ewigkeit konservierte.
Neben dem Nidarosdom war die Stabkiche von Røldal im Mittelalter der zweitbegehrteste Pilgerort Norwegens. Das hatte den Grund, dass in einer Mitsommernacht (23. auf 24. Juni) des 13. Jahrhunderts Jesu am Kruzifix zu schwitzen begann, welches Ereignis sich von da an jedes Jahr zur selben Zeit wiederholte, und man fortan dem Schweiß eine heilende Wirkung zusprach. – Die einfache Begründung, wie sich später herausstellte, war die hohe Luftfeuchtigkeit, die durch die unzähligen Pilger verursacht wurde.

Das alles wussten wir natürlich noch nicht vorher, trotzdem wollten wir unbedingt einmal eine Stabkirche sehen. Und diese lag jetzt immerhin mehr oder weniger auf dem Weg.
Als wir nach einigem Suchen nun dort ankamen, fuhr gerade ein Konvoi Oldtimer vor, deren Insassen überstürzt und lautstark zur Besichtigung aufbrachen. So beschlossen wir, dass Flo liebend gerne auf den Besuch der Kirche verzichtet und ich bitte allein hineingehen soll. Mit einem 100 NOK Schein bewaffnet, eilte ich siegessicher zum Kirchenportal und war ganz froh, als in dem Moment die Gruppe das Gebäude auch schon wieder verließ. Weit kam ich allerdings nicht. Ein dicklicher, mürrischer Typ saß sichtlich gelangweilt hinter einem Tisch und beteuerte mir kopfschüttelnd, dass Bargeld hier nicht akzeptiert wird. Ich wollte gerade wieder enttäuscht die Kirche verlassen, da kam auch schon ein jüngeres Paar durch die Tür, die im Gegensatz zu mir eine Kreditkarte einstecken hatten und dringend ein paar Norwegische Kronen benötigten. Schnell waren wir uns einig, dass ich Flo hinzuhole, sie für uns Vier den Eintritt mit ihrer Karte bezahlen und dafür unsere 100 NOK (10 EUR) bekommen. Das war ein Deal, und ich bereue es nicht, dass wir darauf eingegangen sind, denn diese Kirche war wirklich sehr beeindruckend – mit ihren zahlreichen farbenfrohen Wand- und Deckenmalereien und den filigranen Verzierungen. Wie angenehm es da drinnen doch nach Holz roch, und diese unglaubliche Stille. Wunderbar! Mission erfüllt. Es konnte nun also weitergehen.

Norwegens Tunnelsystem

Durch den spiralförmigen Hordatunnel, der uns erst einmal nahezu eine komplette Runde im Kreis drehen ließ, fuhren wir nun weiter Richtung Folgefonna Nationalpark. Diese ausgeklügelte Straßenführung ermöglicht es, einen innerhalb weniger Minuten vom Hordatal bis oberhalb der Baumgrenze aufs Røldalfjell (900 m über dem Meeresspiegel) zu befördern. Doch von all der Landschaft war inmitten dieses Betonbunkers natürlich nichts zu sehen, denn kaum am höchsten Punkt angekommen, ging es über den mehr als 4,5 km langen Røldalstunnel und den Seljestadtunnel auch schon wieder ebenso steil hinab.
Ihr mögt euch nun sicher fragen, wen meine Tunnelgeschichten eigentlich interessieren sollten. Ich gehe deshalb darauf ein, weil uns diese unterirdischen Kanäle während unseres gesamten Urlaubs ständig begleitet haben, so dass wir manchmal das Gefühl hatten, tagsüber mehr im Dunklen als im Hellen zu verbringen.
Der Grund für die Existenz dieser vielen Tunnel ist jedoch recht plausibel, sind sie doch oft die einzige Möglichkeit, in sonst unerreichbare Regionen vorzudringen, die durch die riesigen Gletschergebiete, Gebirge oder aber Fjorde von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Tunnel am Eidfjord in Norwegen

Nur mal schnell ein paar Zahlen zur besseren Vorstellung: Es gibt derzeit ca. 900 Verkehrstunnel in Norwegen, zusammengerechnet mit einer Länge von 750 km. Das entspricht so ziemlich genau der Distanz von Lenggries bis nach Berlin – und das nur im Tunnel. Stell sich das mal einer vor!
Der längste Tunnel der Welt ist der Lærdalstunnel mit 24,5 km, zweitlängster der Ryfylketunnel mit 14,4 km und zugleich auch der tiefste Unterseetunnel weltweit – mit 291 Metern unter dem Meeresspiegel. Auf Platz 3 folgt schon der Gudvangatunnel im Lærdal mit 11,4 km, durch den wir sogar persönlich hindurchgefahren sind. Und ich bin mir sicher, es wird nicht bei diesen Zahlen bleiben, denn was für die Chinesen die Eisenbahn ist, sind für die Norweger eben die Tunnel.

Buarbreen – Gletscher mit Tiefgang

Kurz darauf führte uns der Ryfylkevegen durch das Tal der Wasserfälle, in welchem sich auch der äußerst beeindruckende >>Låtefoss<< unter lautem Getose seinen Weg nach unten bahnt. Man kann gar nicht anders, als sich am Straßenrand einen Parkplatz zu suchen, um dieses zweiarmige Ungetüm einmal aus nächster Nähe zu erleben. Doch darüber möchte ich allerdings in einem extra Beitrag ausführlicher berichten.

Låtefoss am Ryfylkevegen in Norwegen

Halb fünf erreichten wir schließlich das bei Skifahrern und Wanderern beliebte Ferienzentrum Odda, von wo aus wir uns lediglich noch über das verschlafene Buardalen zum Gletscher vorarbeiten mussten.
Schon von Weitem stach uns diese riesige Eiswalze ins Auge, als wir nun entlang des wild durchs Tal mäandernden Flusses die malerische Landschaft des Buardalen durchquerten, das sich immer mehr verengte, je tiefer wir nach hinten vordrangen. Inmitten zwei bewaldeter zuckerhutähnlicher Hügel, die sich am Grund fast schon zu berühren schienen, lag es nun wie eingekeilt vor uns. Mit diesem Bild vor Augen konnte man sich nur allzu gut vorstellen, wie sich die Eismassen einst hier hindurchgeschoben haben. Jeden Moment wartete man darauf, dass die Gletscherzungen des Buarbreen wieder in Fahrt kommen und einen überrollen könnten. Ich war schon ganz aufgeregt, und konnte es nun kaum noch erwarten, endlich näher heranzukommen.
Vorbei an hellgrünen Wiesen und den für Norwegen so typischen roten und weißen Häuschen kamen wir schließlich zur Endstation in Buar – einem großen Wanderparkplatz (150 NOK Gebühr). Und wir wurden sogleich von einem Wisentweibchen und ihrem Jungen begrüßt, die mein Herz im Nu eroberten. Spätestens da war sicher, dass wir heute Nacht hier bleiben würden, auch wenn schon 2-3 Wohnmobile ihr Revier markiert hatten.

Folgefonna Nationalpark

Der Folgefonna Gletscher ist mit 214 km² der drittgrößte Gletscher Skandinaviens und misst an seiner längsten Stelle 34 km und an seiner breitesten 16 km. – Größter Gletscher ist übrigens der Jostedalsbreen, zweitgrößter der Svartisen. – Der Folgefonna liegt auf der gleichnamigen Halbinsel und wird im Westen zum Großteil von dem Hardangerfjord und seinen Ausläufern, im Süden vom Åkrafjord und im Osten vom Sørfjord eingerahmt. Am 25. April 2005 wurde der Folgefonna Gletscher mit seiner umgebenen Landschaft (insgesamt 545 km²) von Königin Sonja zum 25. Nationalpark Norwegens gekürt.
Der Buarbreen ist ein Nebenarm des Plateaugletschers Folgefonna und besitzt 3 Zungen, die über eine Abbruchkante ins Tal fließen. Eine davon reicht besonders weit hinunter und ist somit auch innerhalb einer kurzen Wanderung recht einfach zu erreichen. Gerade recht für Jemanden, der nur auf der Durchreise ist.

Wanderung zum Buarbreen

Wenn wir den Buarbreen heute tatsächlich noch erkunden wollten, dann durften wir jetzt aber nicht mehr allzu lange herumtrödeln. So haben wir umgehend unsere Rucksäcke geschnappt und sind 17 Uhr schließlich zur zweiten Wanderung für diesen Tag aufgebrochen. Hätte Flo da schon gewusst, dass diese nun doch länger (10 km) und höhenmeterlastiger (480 hm) werden würde, als eigentlich gedacht, dann hätte er sich relativ sicher nicht darauf eingelassen. Gut bzw. schlecht für ihn, dass ich irgendwie die Beschreibung für eine andere Gletschertour (mit nur 200 hm) im Kopf hatte. Nichtsdestotrotz sind wir innerhalb einer Stunde nach oben gespurtet.

Entlang des hellblau schimmernden Schmelzwasserbaches und unzähligen kleinen Steinpyramiden begann unser Wanderung noch sehr entspannt. Doch schon bald darauf ging es über einen wurzeligen, teilweise schlammigen oder über gerölligen Untergrund schon wesentlich steiler bergauf – wie üblich immer dem roten „T“ folgend. Dabei durchstreiften wir ein kleines Wäldchen mit dicken, tiefhängenden, moosbewachsenen Ästen. Hier und da galt es ein paar Feuchtstellen über etwas rutschigere Stege oder auch mal eine wackelige Hängebrücke zu überqueren. Ein paar uns entgegenkommender Leute warnte noch, dass es heuer recht viel Wasser gegeben hätte; doch was das in letzter Konsequenz bedeuten sollte, haben wir erst an unserem Ziel so richtig geschnallt.

Je höher wir kamen, umso mehr lichtete sich auch der Baumbestand. So konnten wir zum einen hinab ins idyllisch gelegene Buardalen blicken, hatten auf der anderen Seite aber stets auch den Gletscher vor Augen. Dennoch wunderten wir uns etwas, warum es immer noch weiter bergauf ging; laut Beschreibung müssten wir eigentlich doch schon längst da sein.
Der Bach wurde nun immer wilder und lauter, die Wege immer plattiger und schmieriger. Die vielen Leitern, Drahtversicherungen und Seile waren hier sicher nicht zu Unrecht angebracht. Doch wie immer versuchte ich zumindest letztere Beiden auszusparen, was mir spätestens beim Abstieg ein paar nette Andenken verpasst hat; eins sogar über den Urlaub hinaus. – Tja, lernen aus Schmerz!

Zum Glück erreichten wir nach einer Stunde endlich unser Ziel. Länger hätte ich Flo nun wirklich auch nicht mehr bei Laune halten können, der mir schon langsam Vorwürfe machte und zukünftig überlegen wollte, ob er noch auf mich hört.
Jetzt lag sie also vor uns, die Gletscherzunge des Buarbreen. Doch ganz ehrlich gesagt, waren wir ein wenig enttäuscht. Das erhoffte Blaueis hielt sich – zumindest an seiner am tiefsten ins Tal ragenden Stelle – eher im schmuddeligen Grau; grau von all dem mitgerissenen Gesteinsschutt, der den Gletscher nun bedeckte. Dafür hätten wir auch nach Tirol fahren können.
Inzwischen machten sich die letzten Leute auf den Rückweg, wir hingegen gingen noch ein Stück weiter nach oben. Vielleicht würden wir so zumindest ein wenig näher ans Eis herankommen. Vor dem reißenden Gletscherfluss mussten wir allerdings passen. An dieser Stelle war es nun leider nicht mehr möglich weiter vorzudringen, ohne sich dabei wissentlich in Gefahr zu begeben. – Erst im Nachhinein leuchtete uns ein, dass dort auch irgendwo die Brücke hätte sein sollen, über die wir in unmittelbare Nähe zur Gletscherzunge gekommen wären. Doch aufgrund der vermehrten Regenfälle der letzten Wochen wurde diese durch die Wucht des vielen Wassers einfach weggerissen und in ihre Einzelteile zerlegt.

Genauso resigniert, so hungrig waren wir mittlerweile aber auch. So haben wir uns zwischen all den Gesteinsbrocken ein halbwegs windstilles Plätzchen gesucht, um wenigstens noch in Ruhe ein Brot essen zu können, bevor wir womöglich mit wackeligen Knien wieder ins Tal hinabsteigen würden. Im Anschluss ging es auf demselben Weg zurück, begleitet von einer tollen Aussicht hinunter aufs Fjord und die gegenüberliegenden Berge der Hardangervidda. Eins war jedenfalls klar, wir mussten unbedingt noch einen zweiten Gletscher in diesem Urlaub besichtigen. Die Auswahl sollte dieses Mal allerdings wohl durchdacht sein.

Wieder am Parkplatz zurück, galt es noch ein paar Vorbereitung für den nächsten Tag zu treffen und u.a. auch gleich die Rucksäcke für unser folgendes Zeltabenteuer zu packen. Ich kann nur sagen „Gottseidank“ im Trocknen. Danach hieß es nur noch: Dachzelt vorbereiten, schnell was kochen, essen in 7 Minuten, Aufwasch machen, etwas Katzenwäsche im arschkalten Gletscherfluss und dann „Gute Nacht!“; natürlich nur mit Ohrenstöpsel. Man glaubt ja gar nicht, wie laut so ein Bach sein kann, wenn er direkt an einem vorbeifließt. Aber immerhin hört man so niemand schnarchen. 😉

Morgenstart im Buardalen – 05. August 2020

Höre ich das jetzt richtig? Es regnet, und wie! Mist, wir wollten doch heute unsere Wanderung zur Trolltunga unternehmen. – Nicht etwa, dass es anders gemeldet gewesen wäre, doch man könnte ja auch mal Glück haben…
Länger als gewohnt haben wir auf unserem Dach ausgeharrt, in der Hoffnung, dass es doch noch aufhören oder sich uns zumindest eine kurze Gelegenheit bieten würde, schnell mal im Trocknen herauszukrabbeln. Welche Nerven musste doch jener Typ haben, den ich vor lauter Langeweile jetzt durch mein Fenster beobachtete, wie er seinen Schlafsack und diverses Anderes von hinten nach vorne in sein Auto verfrachtete; völlig unbeeindruckt davon, ob er dabei nass wird oder nicht. – Gebt uns noch ein paar Tage, dann hat uns auch fast nix mehr gestört!
Irgendwann wurde uns nun doch noch ein kurzes Zeitfenster gewährt, um wenigstens nicht pitschnass zu werden, während wir aus dem Zelt gesprungen sind. Danach schüttete es dafür umso heftiger. So blieb uns nichts anderes übrig, als irgendwie die geöffnete Heckklappe unseres Passats so unter den überdachten Sitzplatz einzufädeln, dass wir uns wenigstens etwas rühren und halbwegs im Trocknen zusammenpacken, kochen und frühstücken konnten.

Zum Glück wollten wir sowieso erst gegen 15-16 Uhr loswandern, und so hatten wir immer noch genügend Zeit, wieder ein paar Kilometer zurückzufahren, um uns den imposanten >>Langfoss<< anzuschauen – einen sich aus 612 Meter Höhe in die Tiefe stürzenden Wasserfall. Doch sowohl das eine als auch das andere bietet genügend Stoff für 2 separate Blogs, die in Kürze folgen werden.

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2 Gedanken zu „Norwegen 2020 – Ryfylkevegen zum Buarbreen

  1. […] Norwegen 2020 – Ryfylkevegen zum Buarbreen […]

  2. […] haben sollte und sich dafür interessiert, der kann gerne den folgenden Link zu meinem Eintrag >>Ryfylkevegen<< anklicken, in dem ich mehr darüber geschrieben hab.Die Stavkirke Lom im Speziellen zählt […]

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