Fränkische Schweiz – April 2018

24.04.2018 / Streitberg-Neideck-Muggendorf-Aufseßtal

Bevor man auf Fernwanderung geht, kann man 3 Tage zuvor ja noch mal eine fette Tour machen, so quasi zum Warmhatschen. Dafür hatten wir uns ein paar schöne Punkte heraus gepickt, die wir zu einer ausgedehnteren Route verbinden wollten.

Los ging es in der Ortschaft Streitburg, wo wir zunächst einmal – entlang an kleinen Sinterterassen – zur namensgleichen Ruine aufgestiegen sind.

Die ehemalige Anlage wurde im 30jährigen Krieg niedergebrannt und danach vom Bayrischen Königreich als Steinbruch genutzt; sie zerfiel zunehmend. Inzwischen steht nur noch das Burgtor und Teile des Walls. Aber die Ausblicke hinunter ins Wiesenttal und zur Ruine Neideck, auf der gegenüberliegenden Seite, konnten uns allemal überzeugen. Ein schöner Auftakt für diesen Tag.


Um zur Binghöhle und dem Prinz-Rupprecht-Pavillon zu gelangen, mussten wir nun erst einmal wieder von der Ruine absteigen, nur um gleich darauf erneut an Höhenmetern dazu zu gewinnen. Doch das würde uns heute noch öfter so gehen. Auch wenn die Hügel allesamt kaum höher als 500 m sind, kommt bei dem ständigen Auf und Ab summa summarum doch ordentlich was zusammen. Man sollte die Fränkische Schweiz wirklich nicht unterschätzen.

Die berühmte Tropfsteinhöhle war leider noch nicht geöffnet, und so sind wir gleich weiter zu besagtem Pavillon. Von hier aus konnte man noch einmal schön zur Ruine Streitburg hinüberblicken, dann ging es auch schon wieder hinab ins Tal. Über den schmalen Pfad nach unten kamen wir schon das erste Mal an ein paar kleinen Höhlen vorbei und waren nun umso gespannter, was noch folgen würde.


Unser nächstes Ziel war eigentlich die Ruine Neideck, doch auf dem Weg dorthin konnten wir es uns nicht verkneifen, zuerst der Neideckgrotte einen kurzen Besuch abzustatten. 
Dieses Höhlensystem ist von etlichen Gängen und Klüften durchzogen, und je weiter man sich ins Innere hervor wagt, umso mehr Tropfsteine kann man ausfindig machen – oder aber auch die ein oder andere Spinne, die weniger Angst vor mir hat als ich vor ihr…
Sogar ein klein wenig Klettersteig-Feeling kommt auf, wenn man sich an einem Stahlseil zum oberen Teil der Höhle vorhangelt.


Jetzt wurde es aber Zeit, um die Ruine Neideck ein wenig zu erkunden. Auch wenn das Wetter noch nicht zu 100% unseren Vorstellungen entsprach, ließen wir uns die Laune nicht verderben.
Die Ruine gilt als Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz und wurde 1312 von dem damaligen Geschäftsführer dieser Region als Zollstelle über dem Wiesenttal errichtet. Das provozierte allerdings seine Nachbarn aus Nürnberg und Würzburg, die daraufhin die Burg zerstörten und den mächtigen Graf Konrad II. von Schlüsselberg töteten. 
Inzwischen wurde die Anlage teilweise saniert und dient heute auch hin und wieder kulturellen Ereignissen, wie Theateraufführungen.


Von Ruinen fürs erste schon einmal geheilt, wollten wir uns nun wieder ganz dem Erforschen der Höhlen widmen. Um Muggendorf herum sollte es derer so einige geben, und so wechselten wir so langsam zurück auf die andere Seite der Wiesent. Über kleine idyllische Waldpfade kamen wir zum ersten Aussichtspunkt, dem Brunhildenstein, und von dort nun direkt zur Rosenmüllerhöhle.

Diese stelle sich für uns als ein wahres Highlight heraus, mit dem wir so gar nicht gerechnet hatten.
In gebückter Haltung kamen wir durch einen winzigen Spalt in eine riesige Höhle, in dessen Vorraum es nur so von Teelichtern wimmelte.

Da diese natürlich schon alle abgebrannt waren, schalteten wir schnell unsere Stirnlampen ein und kamen danach aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Monströse Tropfsteine, in den sonderbarsten Formen, hingen von den Wänden herab. Über glitschige Stufen vermochten wir immer weiter in die Eingeweihte der Höhle vorzudringen, und uns beschlich teilweise das Gefühl, soeben in einen riesigen Uterus gekrochen zu sein, in dem gleich 1000 Aliens aus ihren Eiern schlüpfen würden. Wohl dem, der ein wenig Phantasie hat. 

Einige Aussichtspunkte später kamen wir auch schon zur nächsten Karsthöhle, die ihren Namen dem Einsiedler Oswald zu verdanken hat.

Im Eingangsbereich dieser 62 Meter langen Durchgangshöhle haben sich im 30jährigen Krieg die Einheimischer der Umgebung vor den Schweden in Sicherheit gebracht; später nutzte man sie dann als Felsenkeller.
Der größte Raum ist sagenhafte 40 Meter lang und wird von einer 20 Meter breiten Decke überspannt, die von 2 Pfeilern gestützt wird. Danach sollte man allerdings lieber den Kopf einziehen, da sich die Höhe plötzlich auf 1,50 m verringert, was ohne künstliche Lichtquelle gar nicht so leicht erkennbar ist. Doch es hilft alles nichts, man muss hier entlang, da der Frankenweg direkt durch die Oswaldhöhle führt. In jeden Fall aber ein spannendes Erlebnis.


Gleich im Anschluss folgen kurz hintereinander die Wunders- und die Witzenhöhle, die man allerdings nur über Kriechgänge passieren kann. Das musste dann heute nicht wirklich sein.

Dafür gab es in der Nähe vom Hohlen Berg noch die Doktorhöhle, die wir uns nahezu vollständig aufgerichtet anschauen konnten. Doch auch hier soll es jede Menge Kriechgänge geben, die die Höhlen unterirdisch miteinander verbindet. Ich hatte tatsächlich ein wenig Respekt davor, um nicht vielleicht versehentlich in der Dunkelheit in eine Spalte zu treten und ins Nirgendwo abzurutschen. 


Man kann nicht sagen, welche Höhle am schönsten ist, jede ist irgendwie anders und auf ihre Art und Weise besonders. So waren die Tropfsteine der Doktorhöhle vielleicht nicht so mächtig, dafür wesentlich filigraner.
Doch nun reichte es uns auch erst einmal wieder mit den Höhlen – zumindest bis zum Quackenschloß.

Das Besondere an der Höhlenruine Quackenschloß ist eigentlich, dass die Reste dieses alten Höhlensystems mit 505 Metern sehr hoch gelegen sind. 
Quacke oder auch Rauchwacke bedeutet soviel wie durchlöcherte Steinwand, und wenn man sich diese 17 Meter lange Durchgangshöhle genau anschaut, dann muss man unweigerlich feststellen, das hier die Natur ganze Arbeit geleistet hat.

Nach der kleinen Ortschaft Engelhardsberg kamen wir nun endlich auch ins wunderschöne Aufseßtal. Zuvor ging es aber abschließend noch durch die Versturzhöhle der „Riesenburg“ hindurch.
Wie der Name schon sagt, war diese Dolomitfelsburg einst eine gigantische Karsthöhle, die irgendwann in sich zusammen stürzte, nachdem sie das Wasser der Wiesent von unten her aufzuweichen und zu unterhöhlen begann.
Vielleicht sind die Dächer eingebrochen, doch viele Bögen stehen noch und haben bei uns mächtig Eindruck hinterlassen. Es ist kaum möglich, auf Bildern die Ausmaße der Riesenburg richtig einzufangen, man sollte es einfach live erlebt haben. 

Jetzt wurde es aber wirklich Zeit, einfach wieder einmal gemütlich vor sich hin zu spazieren. Die kleinen Wanderwege entlang der Aufseß luden förmlich dazu ein, allerdings meldete sich inzwischen auch mein Magen, der mir schon in den Knien zu hängen schien.

Was wäre wohl schöner, als zu seinem Geburtstag sich ausnahmsweise auch mal ein Stück Kuchen zu genehmigen. Ich hatte sogar schon eine Idee wo und wollte warten, bis wir in Doos angekommen waren. Dort sollten sie selbstgemachten Kuchen anbieten. 
Um es kurz zu halten, es war uns nicht vergönnt. Die Schwererziehbaren hatten wohl heute keine Lust zum Backen und auch keine gute Laune, und ich danach auch erst einmal nicht mehr. So habe ich mich weiter bis zur „Kuchenmühle“ geschleppt, die auch gerade im Begriff war, zu schließen. Ich hab die Wirtsleute förmlich angebettelt, dass heute doch mein Geburtstag wäre, und ob ich nicht doch wenigstens etwas zum Essen bekommen könnte. Das hat zum Glück gezogen, und so haben wir zumindest eine Kleinigkeit erhalten.
Also irgendwie ist das bei uns schon Programm, dass immer, wenn wir schon mal wo einkehren wollen, geschlossen ist…

Jetzt galt es allerdings noch, die nicht unwesentlichen Kilometer bis nach Streitburg zurückzulegen. Über kleine Ortschaften, Wiesen- und Waldwege, vorbei an Felsen und Quellen, hin und wieder auch mal ein wenig verlaufen, weil die Luft inzwischen ganz schön raus war, doch dann hatten wir es nach 34 km irgendwann doch noch geschafft.

Aber egal wie zerstört man am Ende ist, was einem bleibt ist die Erinnerung an einen wunderschönen, ereignisreichen Tag.

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2 Gedanken zu „Fränkische Schweiz – April 2018

  1. Hallo und vielen Dank für den wertvollen Artikel!
    Prima Tipp.

    1. Hallo Felix! Es freut mich sehr, dass ich dein Interesse wecken konnte. Danke für das Lob. Es gibt aber auch selbst im eigenen Land immer wieder was Neues zu entdecken; wie ich immer wieder feststellen muss. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß beim Wandern, Kraxeln und Erkunden der Höhlen und hoffe, dass meine Tipps hilfreich waren. LG Doro

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