Fränkische Schweiz – Mai 2018

Weil es in der Fränkischen Schweiz doch so schön ist, wollten wir dieses Mal gleich 2 Tage am Stück Wandern, um endlich auch wieder unter freiem Himmel schlafen zu können. Dafür hatten wir uns extra ein Tarp und außerdem die ultraleichten Z-Lite Isomatten von Term-a-Rest zugelegt. Auf diese Weise konnten wir wenigstens etwas an Gewicht einsparen, und die Temperaturen waren fürs Tarpen ja gerade optimal. 
Wie es uns damit ergangen ist, werden ihr schon sehr bald erfahren.

12.05.2018 / Pottenstein-Tüchersfeld-Gößweinstein-Burggaillenreuth-Esperhöhle-Wichsenstein-Wolfsschlucht-Schweinthal/Trubachtal

Startpunkt war 6:30 Uhr in der Nähe vom Weiherstaler Männchen. Noch etwas übernächtigt sind wir nach der langen Fahrt aus unserem Auto gekrochen und haben uns augenblicklich Richtung Teufelshöhle aufgemacht. Schon auf den ersten Metern, entlang des Weiherbachs, wussten wir, warum wir diese Region so lieben. Kleine wurzelige Waldpfade führten immer wieder durch enge Felsgassen hindurch, während linkerhand das Dolomit steil empor ragte. Die besten Voraussetzungen zu boofen, wenn man nicht gerade wie wir erst am Anfang seiner Reise steht.


Die Teufelshöhle, die größte der ca. 1000 Höhlen der Fränkischen Schweiz, war schnell erreicht, aber um diese Uhrzeit logischerweise noch verschlossen. Doch wir hatten heute eh nicht vor, sie zu besichtigen, und so ging es auch schon gleich weiter bis nach Pottenstein.

Wir waren ja vor kurzem schon einmal auf der Burg, und auch wenn sie heute wieder nicht geöffnet haben sollte, sind wir dennoch den Berg hinauf gekraxelt. Denn wo würde es sich besser anbieten, ein frisch gebackenes Croissant zu genießen als in aller Früh hoch über dem Püttlachtal? Wie kann ein Tag schöner beginnen?


Entlang der Bärenschlucht regte sich momentan noch nicht viel. All die Kletterer krochen erst jetzt so langsam aus ihren Zelten, und wir waren froh, dass wir einen weiten Bogen um den Campingplatz machen konnten und wirklich zeitig losgekommen sind.

Das beeindruckende Felsendorf Tücherfeld kannten wir auch schon, und so konnten wir es getrost rechts liegen lassen.

Vorbei an ein paar Marterln kamen wir erst durch ein kleines Wäldchen, später über eine satte Blumenwiesen direkt nach Gößweinstein. Leider haben wir uns auf der Zielgeraden dafür entschieden, rechterhand den Weg in den Wald hinein zu nehmen und mussten somit den schönen Blick auf die gleichnamige Burg entbehren. Dafür gab es aber einen weiteren Aussichtspunkt und eine ambitionierte Bogenschützin gratis.

Gößweinstein ist bekannt durch seine Burg und vor allem für die berühmte Basilika „Zur Heiligen Dreifaltigkeit. Jedes Jahr wird der größte Dreifaltigkeitswallfahrtort Deutschlands von ca. 15000 Pilgern besucht. Der Höhepunkt der Pilgersaison wird jeweils am ersten Sonntag nach Pfingsten erreicht, wenn die Basilika ihren Namenstag feiert.
Und auch wir ließen es uns nicht entgehen, einmal hier vorbeizuschauen.


Nach unseren Besichtigungen wollten wir nun allerdings wieder etwas Fahrt aufnehmen und sind über den Felsensteig hinab zur Stempfermühle. 

Einfach sensationell diese wuchtigen Gesteinsbrocken, die von lauter Pflanzen umrankt werden. Dazwischen haben sich jede Menge Kletterer an ihnen nach oben gearbeitet, denen ich wohl ewig beim Kraxeln zuschauen könnte. Wir müssen echt unbedingt noch einmal hierher zurück kommen, wenn wir selbst unsere Fähigkeiten etwas ausgebaut haben.


Wie sollte es auch anders sein, die Mühle hatte natürlich wieder einmal zu. Eigentlich wollten wir uns ja hier ein kühles Bier gönnen. Ich hatte schon scherzhaft zu Flo gemeint, dass ich mich nicht wundern würde, wenn gerade mal wieder Betriebsferien oder ein Krankheitsfall eingetreten wäre. Dem war dann natürlich auch so. Na ja, so mussten wir eben noch ein wenig länger durchhalten.

Direkt an der Wiesent wähnten wir uns teilweise inmitten vom Spreewald, dann versetzte uns ein altes Eisenbahnviadukt kurzzeitig in den Harz, nur um sich ein wenig später unübersehbar in der Frankenjura wieder zu finden; abwechslungsreicher geht es kaum.
Dennoch waren wir froh, als uns die „Sachsenmühle“ herging, und wir endlich unseren Durst löschen konnte. Als olle Sächsin hätte ich das doch wissen müssen. 😉


Burggaillenreuth war unsere nächste Station. So malerisch diese Burg auch ist, so enttäuschend fanden wir es, dass man sie nicht besichtigen kann.

Also sind wir gleich weiter zur Esperhöhle durchgestartet. Wobei „durchstarten“ sich etwas übertrieben anhört für das, was wir veranstaltet haben. Wir mussten nämlich ganz schön suchen, um die Höhle überhaupt zu finden. Ein paar Mal ging es vor und zurück, nur um sich am Ziel dann zu fragen, ob das überhaupt die berühmte Versturzhöhle sein soll und wenn ja, ob das schon alles ist. Da hatten wir in den letzten Wochen aber weitaus Beeindruckenderes gesehen.


Da wir uns selbst die Route so zusammen gestellt haben, dass es innerhalb von 2 Tagen machbar ist, möglichst viele Sehenswürdigkeiten sinnvoll miteinander zu verbinden, mussten wir mitunter auch ein paar Teilstücke überwinden, die sich nicht unbedingt so zum Wandern anbieten. So ging es auf dem Weg von der Esperhöhle nach Wichsenstein des Öfteren an der Straße entlang oder über weniger schöne Feldwege. Ich muss zugeben, dass uns hierbei tatsächlich auch mal die Lust kurzzeitig ausgegangen ist und irgendwann leider auch noch mein Wasser. Aber wir haben uns gerade noch so nach Wichsenstein geschleppt und in einem Gasthof freundlicherweise wieder auftanken dürfen.
Zuvor sind wir aber noch schnell die 207 Stufen zu den 588 Meter hohen Rifffelsen aufgestiegen, der die Ortschaft weit überragt.
Einstmals stand hier oben eine Burg, von der inzwischen überhaupt nichts mehr erhalten geblieben ist. Dafür konnten wir zumindest eine herrliche Aussicht auf die Umgebung genießen.

Ein weiteres Wahrzeichen des Orts ist die 1000-jährige Tanzlinde, um die alljährig zum Lindenfest getanzt wird – eine Tradition, die auch in anderen Teilen der Fränkischen Schweiz ausgeübt wird.
Die Äste des Baumes sind inzwischen allerdings so schwer geworden, dass sie künstlich gestützt werden müssen.


Nach einem kurzen Einkehrschwung auf ein Hoibes mussten wir allerdings auch schon weiter. Denn noch hatten wir überhaupt keine Ahnung, wo wir die Nacht verbringen können und hofften, dass sich im Trubachtal ein geeignetes Plätzchen finden würde.
Dazu ging es nun erst einmal durch die wildromantische Wolfsschlucht mit dem „Hängenden Stein“ bis nach Schweinthal.

Danach waren wir endlich an der Trubach angekommen und konnten mit der Suche beginnen. Leider fing es zu allem Überfluss nun auch noch mit Regnen an. Links und rechts grüne, feuchte Wiese und auch ein paar magere Bäumchen, doch weit und breit kein Platz, der sich zum tarpen anbot. Wir waren zu diesem Zeitpunkt schon ganz schön ausgelaugt, und die Hoffnung verflog mit jedem Meter, den wir uns weiter am Fluss entlang bewegten.


Uns blieb nur noch die Möglichkeit, uns querfeldein in den Wald zu schlagen, um dort weiter Ausschau zu halten. Aber auch das erwies sich als sehr tückisch. Von Wegen konnte man sowieso überhaupt nicht sprechen, und das Unterholz war so verästelt, dass man nur mühsam mit dem schweren Gepäck durch all das Gestrüpp hindurch kam. 

Irgendwo waren auf der Karte auch noch ein paar Felsen eingezeichnet, die wollten wir nun ansteuern. In der Pfalz hatte das ja super mit dem boofen geklappt, doch hier endete das auch nach mehreren Versuchungen jeweils in Enttäuschung, da das Gelände viel zu abschüssig war. Wirklich zum Verzweifeln. Das hatten wir uns aber echt anders vorgestellt. Noch zudem entfernten wir uns immer mehr von jeglicher Zivilisation, was wir für gewöhnlich ja sogar anstreben, aber heute war das uns nicht so geheuer.
Noch ein letzter Versuch, der endlich den gewünschten Erfolg brachte – zumindest, wenn man sehr sehr kompromissbereit ist und sich erst einmal eine Stunde damit beschäftigen will, den Untergrund zu optimieren. Aber wir hatten ja keine andere Wahl.
Im Schutze eines großen Findlings, der das Geröll des dahinter stehenden Felsens abhielt, haben wir letztendlich unser Tarp irgendwie aufgebaut bekommen. Schnell noch ein salziges Süppchen gekocht, was uns nachts einen Heidendurst beschert hat, danach die knisternde Folie über Laub und feine Ästchen geschmissen und schließlich die neuen Isomatten darauf. Dann waren wir endgültig so erledigt und wollten einfach nur noch schlafen…

Ich sag es euch, das war eine Nacht, die ich so schnell nicht noch einmal erleben will. Schlafsack auf, Schlafsack zu, Füße raus und wieder rein. Vor lauter Bewegung haben mir die Füße gekocht, mir war heiß ohne Ende, ich hatte brutalen Durst, die Unterlage hat bei jeder Bewegung geknistert und sich verschoben, mir tat schon alles weh, weil man auf der blöden Isomatte nicht liegen konnte und dann noch diese Geräusche um einen herum. Irgendwann ist mir mal eine Spinne übers Gesicht gerannt, und ich hab mir krampfhaft versucht einzureden, dass es was anderes war. Und wo ich eh schon mal munter war, konnte ich es auch nicht mehr ignorieren, dass wohl eine Maus oder was in der Art sich unter unseren Köpfen zu schaffen gemacht hat. Ständig tat es um meine Ohren rascheln und sich das Kopfkissen heben. Ich war echt bedient und hab mit offenen Augen in die Dunkelheit gestarrt und gehofft, dass es bald Tag werden würde. Einzige Beschäftigung war das stündliche Wasserlassen, was auch nicht schön war, wenn man in gebückter Haltung unter dem Tarp auf brennenden Füßen hinaus kriechen muss. Tja, und für so was gibt man auch noch Geld aus… Also zumindest die Isomatten, die haben wir danach gleich wieder zurück geschickt…

13.05.2018 / Egloffstein-Obertrubach-Leienfels-Kirchbirkig-Teufelshöhle

Endlich endlich konnte ich die ersten Konturen in der mondlosen Nacht ausmachen und durfte Flo wecken. Nach einer turbulenten Nacht neben mir war er natürlich sichtlich begeistert.
Während er für uns den Tee zubereiten durfte, fing ich schon mal ein bisschen mit Zusammenpacken an, damit wir bloß bald wieder auf unseren Füßen stehen würden. Also das mit dem Schlafen im Freien ist wirklich noch ein wenig ausbaufähig.


Am frühen Morgen war es doch kälter, als ich gedacht hätte, deshalb verschob ich das Füßewaschen gerne auf einen späteren Zeitpunkt, auch wenn die Kneipp-Anlage bei Mostviel uns zu jeder anderen Zeit förmlich dazu eingeladen hätte. 
Ab hier konnten wir nun erst einmal ganz entspannt an der Trubach entlang spazieren und kamen auf dem Weg nach Egloffstein schon an einer kleinen Wehranlage mit Wasserrad vorbei. 

Mühlen hat es im Trubachtal viele, einst sollen es insgesamt 26 gewesen sein. Wir waren wirklich sehr gespannt, was wir heute davon zu sehen bekommen würden.
Schon von der Weite war die Burg Egloffstein auszumachen, die hoch über dem Tal auf einem Felsen thront, während sich die Häuser der Stadt direkt in die Hänge schmiegen. An einem so schönen, sonnigen Morgen wie heute bot das natürlich ein herrliches Bild.

Auf dem Anstieg nach oben ließen wir es uns natürlich nicht nehmen, ein paar der frei zugänglichen Felsenkeller zu erkunden. Es ist der Wahnsinn, wie tief sich dieses Labyrinth in der Berg hinein zwingt; man könnte ewig die Gänge durchkämmen und immer noch einen finden und noch einen. Gut, dass wir unsere Stirnlampen dabei hatten. 

Flo war nicht ganz so euphorisch wie ich, hatte er doch inzwischen mächtig Hunger bekommen. Aber es half ihm alles nichts, zuerst wollte ich noch in Ruhe die Burg besichtigen. 

Immer noch in Hand des Adels war das natürlich nur eingeschränkt möglich, aber bis zur Pfarrkirche St. Bartholömäus sind wir vorgedrungen und wurden gleich zum Gottesdienst eingeladen. Doch unsere knurrenden Mägen wollten wir einfach keinem antun und waren froh, als wir dann direkt am Fluss ein nettes Cafe gefunden haben, wo wir uns bei Kuchen und Bier laben konnten. Wohl bekomm’s!!!


Frisch gestärkt und wieder gut gelaunt ging es schließlich weiter. Über idyllische Wald- und Wiesenwege spazierend konnten wir direkt verfolgen, wie die Trubach durchs Tal mäandert. Dabei kamen wir an etlichen Mühlen vorbei, dessen Namen wir nun alle gar nicht mehr so genau wissen, um nicht zu sagen, dass wir gar nicht so genau wissen, wo wir eigentlich entlang gegangen sind.

Auf jeden Fall haben wir in Wolfsberg einen kleinen Zwischenstopp eingelegt, um uns der Vollständigkeit halber auch noch diese Ruine anzuschauen. 

Irgendwann der Mühlen und Felsen fast schon überdrüssig sind wir schließlich in Obertrubach angekommen. Unser einziges Augenmerk galt aber dem Kneipp-Parcour, wo wir nun erst einmal unsere Treter gefühlte 20 Grad herunterkühlen mussten, um die restlichen Kilometer noch irgendwie zu überstehen. 


Um letztendlich zum Ausgangspunkt zurückzukehren, wollten wir über das Örtchen Leienfels wandern und abschließend noch eine allerletzte Ruine besichtigen.

Danach war dann Aushatschen angesagt, und so wirklich Erwähnenswertes gab es eigentlich auch nicht mehr, außer, dass man es sich sparen kann, ihn Kirchenbirkig zu essen.

Nach sportlichen 70 km kamen wir endlich an der Teufelshöhle an. Doch bevor es zum Auto ging, wollte ich zumindest noch einmal drum herum spazieren. Und es hat sich wirklich gelohnt, denn allein was man von außen zu sehen bekommt, fanden wir recht beeindruckend – nur nicht die Mücken, die uns in den letzten Minuten noch ein ungebetenes Souvenir mit nach Hause geben mussten.

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