Schneeschuhtour Schildenstein – Februar 2019

09.02.2019 / Schildenstein-Predigtstuhl

Den Schildenstein im Winter zu besuchen, das stand schon sehr lange auf unserer To-do-Liste. Ehrlich gesagt, hatten wir uns im Voraus gar keine Gedanken darüber gemacht, dass es auch noch einen anderen, einfacheren Weg als über die Geißalm geben könnte. Der Vorteil von unserer Routenwahl war, konkurrenzloser Einsamkeitsfaktor bis zum Graseck, allerdings der Nachteil, Spurarbeit vom Feinsten, während man sich permanent zu orientieren versucht.

Am Wanderparkplatz bei Wildbad Kreuth ging es zuerst einmal grob Richtung Wolfsschlucht, doch nach ca. 500 Meter sollten wir auch schon gleich wieder nach rechts abbiegen. Das war schon einmal die erste kleine Hürde, denn den Weg erreichte man aufgrund der immensen Schneeberge nur kletternd – sagen wir mal im ersten Schwierigkeitsgrad. *lach*
Als sich die tiefer gelegten Wegweiser deutlich als solche zu erkennen gaben und wir den schmalen, nahezu unverspurten Trampelpfad sahen, war uns mit einem Schlag klar, dass könnte heute wieder lustig werden. Doch Flo seine Freude hielt sich anfangs noch ziemlich in Grenzen, als er ständig das Geäst im Gesicht hängen hatte, was bei normalen Verhältnissen 2 Meter weiter oben angesiedelt wäre. Hinter mir war er mächtig am Schimpfen. Aber bald brauchte auch er seine Nerven wieder für anderes, galt es doch stets die Augen offen zu halten, da aufgrund des großen Schneeaufkommens noch viel in den Bäumen und Felsen hing. Wir waren nur froh, dass sich in der Vergangenheit wohl schon einiges entladen hatte, ansonsten hätten wir den Weg echt nicht zu gehen brauchen.


Kurz vor der Geißalm trafen wir auf die 2 Kerle, die am Parkplatz 5 Minuten vor uns gestartet waren, aber allen Anschein nach einen anderen Weg genommen hatten. So war es ganz angenehm, einmal nicht spuren zu müssen, als wir bergan eine kleine Umgehung in Kauf nehmen mussten, um nicht entlang des ausgesetzten Hangs zur Alm hinüber zu queren. Doch die Freude wehrte nur kurz, als sich gleich darauf die Wege auch schon wieder trennten, und sich die Jungs vermutlich in Richtung Hohen Gernberg aufmachten.

Für uns folgte nun eins der mühsamsten Stücke. Bis am Graseck der reguläre Weg über die Königsalm hinzukam, hatten wir uns durch kniehohen, schweren Schnee zu kämpfen, stets das Handy in der Hand, um zu schauen, ob wir uns noch auf dem richtigen Weg befanden.
Einerseits erleichtert, wie einfach es sich plötzlich ab der beschriebenen Stelle wieder gehen ließ, so enttäuschend war es auch, wieder zwei von vielen zu sein. Doch noch hatten wir einen Trumpf im Ärmel und außerdem nun auch immer den Schildenstein im Blick. Wir waren echt gespannt, ob wir denn auch bis zum Gipfel hinaufkommen würden.

Yes, we can!!! Das felsendurchsetzte Gelände, über welches man im Sommer hinauf kraxeln muss, war nun komplett vom Schnee verfüllt; entsprechend steil ging es aber auch nach oben. So mussten wir bereits nach ein paar Metern die Schneeschuhe durch die Ketten ersetzen und auch unsere Hände statt der Stöcke zur Hilfe nehmen, um im vereisten Schnee Halt zu haben.

Und nun standen wir da, mit dem besten Blick auf den Blaubergkamm, den Guffert, die Unnütze, die Seebergspitze und natürlich das eingeschneite Gipfelkreuz, das uns in der Höhe wunderbar als Brotzeitplatz diente.

Noch verwöhnt von der letzten Tour, haben wir die Temperaturen deutlich unterschätzt und waren schneller ausgekühlt als erhofft. So gab es nur eine Möglichkeit, um wieder warm zu werden, indem wir einfach etwas unternehmen, was richtig Kraft kostet. Und was gibt es da besseres als in unverspurtes Gelände vorzudringen. 


Wenn wir uns vorher auch noch nicht ganz sicher waren, ob wir über den Schildenstein hinauskommen würden, wollten wir nun einen Versuch wagen. Über den Sattel ging es oberhalb der Wolfsschlucht bis zum Predigtstuhl hinüber.

Bis dahin haben wir uns auch durchgekämpft, doch dann entschieden wir uns, nicht mehr weiterzugehen, zu schwer und zu tief war heute der Schnee, so dass wir zu lange gebraucht hätten, um einen zweiten Gipfel zu bezwingen. Auch brannte der Planet inzwischen dauerhaft runter, und der Schnee begann immer mehr aufzuweichen. Es wäre einfach unvernünftig gewesen, unter all den Umständen nun auch noch die steilen Südhänge hinaufzusteigen;


auch ohne das hatten wir noch einen weiten Rückweg vor uns, und es war uns bewusst, dass wir einige brisante Stellen zu passieren hatten. Also machten wir auf den Absätzen kehrt, und es ging auf selbem Wege alles wieder zurück. Wenigstens konnten wir nun unsere eigene Spur nutzen und brauchten uns keine Gedanken in Sachen Orientierung machen.


Ein letztes Mal wollten wir aber auf dem einsamen Sattel noch innehalten, um einen Blick ins Achental und die uns umgebenden Berge zu werfen.

Auch vom Graseck aus strahlten uns am Nachmittag nun alte Bekannte wie Roß-, Buch- und Leonardstein entgegen.

Der Himmel dahinter verriet uns, dass wir heute alles richtig gemacht hatten, indem wir nicht in Lenggries geblieben sind.

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