Vietnam 2017

Vietnam im Jahr des Hahns – 2017

Nach dem vietnamesischen Horoskop befinden wir uns im Jahr
des Feuer-Hahns.
Der Hahn steht dafür, dass er seinen eigenen Lebensregeln
folgt und kontinuierlich 100%igen Einsatz gibt. Er ist ein fleißiges,
gewissenhaftes und entschlusskräftiges Wesen.
Das Element Feuer steht für Liebe zum Abenteuer und
Heißblütigkeit, aber auch für Wettbewerb und harten Konkurrenzkampf.
In Kombi ergibt das ein sehr anstrengendes Jahr voller
Bewegung und man tut gut daran, wenn man sich gelegentlich etwas mehr in Geduld
übt und für innere Einkehr sorgt… Na da habe ich mir aber etwas vorgenommen.
😉
Vorwort
Eins kann ich schon versprechen, dass ich es nicht schaffen
werde, mich kurz zu fassen. Dafür haben wir zu viel erlebt, dafür ist dieses
Land viel zu spannend, dafür gibt es einfach viel zu viel zu erzählen…
Auf jeden Fall ist klar, Vietnam ist ein absolut
faszinierendes Land mit all seinen Sitten & Bräuchen, seinen
unterschiedlichen Religionen, seiner bewegenden Geschichte, den verschiedenen
Landstrichen mit teilweise noch differenzierten politischen Prägungen und
natürlich den freundlichen und fleißigen Menschen.
 
Im Vorfeld habe ich mir die Mühe gemacht, 7 Bücher zu lesen,
um möglichst tief in die Kultur dieses mir unbekannten Landes einzudringen. Ich
wollte verstehen, was die Menschen in der Vergangenheit durchgemacht haben und
wie sie durch ihre Geschichte und Religionen geprägt wurden, um nachvollziehen
zu können, warum sie in vielen Situationen anders als wir reagieren und um nicht
über bestimmte Verhaltensweisen empört den Kopf zu schütteln oder genervt zu
sein, auch wenn das trotz allen Wissens nicht immer leicht fällt. Nicht alles
was man bei uns kennt und für richtig hält, ist auch das, was woanders
praktiziert wird. Unsere Wahrheit ist nicht allgegenwärtig. Dieses Wissen macht
manches erträglicher, auch wenn man sich aus der eigenen Komfortzone mitunter meilenweit
entfernt. Es fängt schon bei kleinen Dingen im Alltag an, und sei es nur eine
Geste, ein Lächeln oder die Art des Sprechens. Doch dazu eventuell später…
 
Auf den nächsten Seiten möchte ich über die Städte & landschaftlichen
Regionen im Einzelnen berichten, die wir besucht haben, aber euch auch etwas an
unseren persönlichen Erfahrungen und dem vietnamesischen Alltag teilhaben
lassen.
Viel Spaß wünsche ich allen Interessierten beim Lesen, und
dass ich euch mit meiner Begeisterung für Vietnam anstecken kann.
 
 
Um ein Haar schief gegangen
 
Nur mit Rucksack und leichtem Handgepäck sind wir für die
nächsten 18 Tage ausgerückt. Der Flug war immerhin gebucht und das Hotel für
Hanoi, alles andere wollten wir vor Ort organisieren, um möglichst flexibel zu
bleiben und uns, soweit es die Zeit und die Möglichkeiten zulassen, unter das
einheimische Volk mischen zu können.

Wir waren in jeder Hinsicht bestens vorbereitet, wenn man
das so sagen kann, nur hätten wir es fast geschafft, gar nicht erst in unserem
Urlaubsziel anzukommen, obwohl wir über 2 Stunden vor Abflug schon am Münchner
Flughafen waren. Doch wir haben so lange herumgebummelt und uns krampfhaft
versucht die Füße zu vertreten, aus Angst im Flieger sonst nicht sitzen zu
können, wenn wir uns vorher im Boarding Bereich schon den Allerwertesten platt
drücken. Vergessen haben wir allerdings die vielen Sicherheitsschleusen und die
Passkontrolle zuvor, wo man doch auch mal warten muss, und dass selbst danach
noch mehrere 100 Meter bis zum Gate sind. Wir danken dem lieben Gott, dass der
Beamte am Passschalter uns aufgrund meiner doch sehr eindringlichen Anfrage 8
Minuten vor Abflug sehr zügig abgewickelt hat, man Florian Thomas &
Dorothee immer wieder geduldig ausgerufen hat und auch die Stewardessen auf dem
Gang schon stramm standen und uns gewunken haben als sie uns die letzten 200
Meter einen Sprint hinlegen sehen haben. Normalerweise schließen die Gates zum
Flieger schon 10 Minuten zuvor; das hat Flo zum Glück mir dann doch erst im
Flugzeug verraten, nachdem ich mich am Schalter doch schon etwas brüskiert
habe, warum er plötzlich so unruhig wird. Im Nachhinein verstehe ich ihn und
auch, dass im Flieger keiner applaudiert hat. Die Hose hatte ich dann mit etwas
Verspätung doch noch voll, aber wir saßen zum Glück im Flieger. So etwas
passiert definitiv nur einmal!!!
 
Ha Noi – 13.-16.04.2017
 
Ha Noi war unsere erste Station auf unserer Nord-Süd-Tour
durch Vietnam. Darauf hatten wir uns schon sehr gefreut, und ich kann schon
vorwegnehmen, dass uns diese Stadt auf gar keinen Fall enttäuscht hat. Wir
mussten uns nach einem langen schlaflosen Flug zwar erst einmal etwas an die Umgebungslautstärke
gewöhnen, aber die nächsten Tage sollten auch nirgends anders sehr viel ruhiger
werden.

Jeder berichtet darüber wie katastrophal der Verkehr in Vietnam ist. Ich wusste
schon am ersten Tag, dass ich die Erste sein werde, die sich positiv darüber äußern
wird. Mir kommt das Tempo entgegen und vor allem, nicht immer irgendwo warten
zu müssen. Wenn man genau hinschaut, hat es durchaus System, und die Leute sind
eigentlich viel aufmerksamer als wir Deutschen. Hier wird nicht einfach darauf
zu gefahren, wie viele denken, auch wenn immer alles und jeder in Bewegung ist.
Aber genau deshalb geht überhaupt etwas voran, und man kommt doch schneller ans
Ziel als man zu meinen glaubt. Man muss sich einfach nur treiben lassen und
berechenbar bleiben, dann macht es sogar richtig Spaß. Fakt ist aber auch, dass
man sich durchaus daran gewöhnen muss, dass man sich in Ekstase hupt und man
diesen Punkt einfach als Hintergrundmusik akzeptieren sollte, wie auch alle
anderen vielfältigen Geräuschkulissen. Aber vorerst einmal genug dazu!
 
Thang Long („Aufsteigender Drache“) – wie Ha Noi
früher hieß – ist hingegen zu vielen anderen asiatischen Städten recht
entspannt und hat viel von seinem alten Charme behalten. Die meisten touristisch
interessanten Sachen liegen in der Nähe des Hoan Kiem-Sees. Vor allem von Freitag-
bis Sonntagabend, wenn der Nachtmarkt ist und einige Straßenzüge im Umkreis
gesperrt sind, lernt man schnell, die Stadt zu lieben. Touristen aller
Nationalitäten versammeln sich neben Einheimischen um den See, um zu sporteln,
zu singen, zu tanzen, zu essen. Es herrscht Highlife, und es ist schwer, sich
nicht anstecken zu lassen und die ganze Welt umarmen zu wollen. Sollte man vom
vielen Gehupe auf den Straßen und dem Gedränge in den Gassen noch genervt sein,
dann ist hier alles vergessen.


Es ist total faszinierend, sich in und um die Altstadt durch
winzige Gassen zu zwängen und in die kleinen Garküchen mit den blauen
Miniatur-Plastikstühlen zu schauen.

Im Besonderen Flo hat immer wieder für Erheiterung gesorgt, wenn er auf diesen
Stühlen Platz genommen hat. Doch wir konnten mit den Einheimischen über uns
selbst lachen. Nirgends kommt man sonst schneller ins Gespräch.


Dass das Essen in Vietnam mit all seinen frischen Kräutern
zu den weltweit besten Küchen gehört, ist kein Geheimnis mehr. Doch so gut wie
in Ha Noi haben wir während unseres gesamten Urlaubs nicht mehr gespeist.


Und es stimmt wirklich, dort wo die Einheimischen essen und
vor allem dort, wo die Böden am dreckigsten sind, da schmeckt es wirklich am
besten, auch wenn es meist nur ein Gericht gibt. Aber dafür haben sie sich
genau darauf spezialisiert, was es so außerordentlich gut macht.


Wenn wir gerade beim Thema Essen sind, das ist in Vietnam
das A & O. Um dieses Thema kommt man nicht herum, wenn man in dieses Land
fährt. Um dieses Thema will man auch gar nicht herumkommen. Schon wenn man sich
auf Vietnamesisch über das Wohlbefinden des Gegenüber erkundigt, heißt das so
viel wie „Heute schon Reis gegessen?“. Essen und vor allem Reis essen
(auch in Form von Nudeln, Süßwaren, Schnaps,…) ist zentraler Punkt im Leben der
Leute und wird selten allein zu Hause gemacht. Selbst zum Frühstück isst und
trifft man sich auf der Straße zur traditionellen Pho (gesprochen: Fö), einer
Suppe mit Reisbandnudeln, Fleisch und vielen frischen Kräutern.


Doch kehren wir nun wieder zur Stadt selbst zurück, dem
Essen möchte ich mich an anderer Stelle noch einmal widmen.
 
Am ersten Tag wollten wir uns erst einmal einen Überblick
über die Stadt verschaffen und haben uns neben der belebten Altstadt, mit all
seinen engen Gassen und Straßenmärkten,

ein typisches altes Handwerkhaus in der
Ma May angeschaut, um uns ein Bild davon machen zu können, wie mehrere
Generationen einer Familien zusammen in einem engen Röhrenhaus untergebracht
sein können. Diese Art Häuser sind typisch für Vietnam, weil früher die Gebühren
stets anhand der Frontseite berechnet wurden. So sind die Gebäude teilweise nur
2 Meter breit, aber 80 Meter tief. Hinter dem Ladenbereich kommt ein kleiner
Innenhof, damit die Luft etwas zirkulieren kann, dahinter dann Werkstatt, Lager
und der Wohnbereich. Unvorstellbar für uns, wie man zu fünft in nur einem Bett
schlafen kann.


Unvorstellbar auch, auf was für harten Unterlagen diese doch
oft sehr schmächtigen Leute schlafen können. Man fragt sich auch, wie man immer
all diese Nähe aushalten kann. Ich begründe es einfach damit, dass sie es nicht
anders gewohnt sein werden, denn auch heutzutage gibt es nicht viel mehr
Privatsphäre.
Das stete Miteinander funktioniert in diesen Kulturkreisen
wie selbstverständlich, da es eine strenge Familienhierarchie gibt, in der man seinen
kindlichen Pflichten nachkommt, den Älteren Respekt zollt und für ihr Auskommen
sorgt, auch wenn man sich dafür selbst hinten anstellen muss. Diese Tugenden
sind Sichtweisen des Konfuzianismus. Doch auch über den Tod hinaus werden die
Ahnen verehrt und umherirrende Geister durch Opfergaben besänftigt.
 
Über den Hoan Kiem-See – übersetzt soviel wie „See des
zurückgegebenen Schwertes“ – gibt es auch eine sehr nette Legende. So soll
während der chinesischen Besatzungszeit im 15. Jh. eine goldene Schildkröte
aufgetaucht sein und einem vietnamesischen General ein Schwert überreicht
haben, mit dem er die Chinesen aus seinem Land vertrieben hat. Anschließend hat
die Schildkröte das Schwert zurückgefordert. In der Mitte des Sees wurde ihr zu
Ehren auch der Schildkröten-Pavillon gewidmet.
Schildkröten stehen in Asien für Glück & Ausdauer und
werden sehr verehrt. Bis Anfang 2016 lebte auch eine riesige im See, ist
inzwischen aber leider gestorben.


Eine konserviertes Exemplar kann man aber im
„Jadeberg-Tempel“ (Den Ngoc Son) auf einer kleinen Insel im See
bewundern, den man über die rote „Sonnenstrahl-Brücke“  (The Huc) erreicht. Ein idyllischer kleiner Tao-Tempel,
gewidmet der Literatur.

Wir haben uns auch gleich ein erstes Andenken gesicherter und uns etwas von
einem Kalligrafen persönlich zeichnen lassen.

Ich komme nicht umhin, schon jetzt etwas Bezug auf die
Religionen in Vietnam zu nehmen. In keinem anderen, mir bekannten Land,
existieren so viele gleichzeitig nebeneinander her bzw. sogar in Verbindung. Am
wenigsten treten die Religionen im Einzelnen auf, meist sind sie miteinander
kombiniert. Wir reden hier zum einen vom Buddhismus (Mahayana-), Taoismus und
Konfuzianismus. Nebenbei wird auch der Animismus (Glaube an Schutzgeister) und
der oben genannte Ahnenkult praktiziert.

Es gibt aber noch eine spezielle Sonderform, den Caodaismus,
der mit den genannten Glaubensrichtungen noch katholische und muslimische
Aspekte vereint und zusätzlich auch noch weltliche Größen angebetet werden. Wir
haben einen dieser Tempel besucht, und so werde ich später noch etwas darauf
eingehen.
Alles andere kann bei Interesse nachgelesen werden, würde
jetzt hier sonst den Rahmen sprengen.
 
Einen kleinen Tempel in der Altstadt haben wir besucht, der
für Ha Noi auch sehr bedeutungsträchtig ist. Der Bach Ma-Tempel ist das älteste
Gebäude in der Altstadt und wurde aus Dankbarkeit für die Hilfe eines weißen
Pferdes beim Bau der Zitadellenmauern als „Tempel des weißen Pferdes“
errichtet und ist nun Schutzgeist von Ha Noi.
Wie in jedem anderen Tempel auch, entzünden die Gläubigen
Räucherstäbchen, damit ihre Wünsche mit dem Rauch zu den Göttern und Geistern
nach oben getragen werden, verbrennen Papiergeld und andere Gegenstände aus
Papier, die ihre Ahnen im Jenseits benötigen können und legen am Altar
Opfergaben in Form von Lebensmitteln und Geld nieder.

In nicht vielen Führern wird über die Tran Quoc-Pagode im
Westsee geschrieben, und kaum ein Tourist verirrt sich dorthin. Meiner Meinung
nach ist sie absolut einen Besuch wert. Sie ist die älteste buddhistische
Pagode im Land, und der 12stöckige Turm mit seinen vielen Buddha-Figuren in den
zahlreichen Nischen überragt den ganzen Komplex.
Man sollte keinen Wat Phra Kaeo alla Bangkok erwarten, aber
weniger ist manchmal mehr. Die Anlage ist sehr idyllisch, und man hat
tatsächlich das erste Mal so etwas in der Art wie Ruhe.
 
Ganz in der Nähe befindet sich eine weitere nennenswerte
Pagode. Die Quan Thanh-Pagode (oder auch Tran Vu-Tempel genannt) ist bekannt
für ihre 4 m hohe und 4 t schwere Bronzestatue des taoistischen Wächtergeistes
Tran Vu, um dessen Schwert sich Schlangen winden, als Symbol das Böse zu
bannen.

Wenn man hingegen versucht, auf eigene Faust die
„Einsäulen-Pagode“ (Chua Mot Cot) zu finden, muss man sich schon mal
auf ein Geduldspiel einlassen, denn sie liegt auf dem Gelände des
Ho-Chi-Minh-Mausoleums. Auch ist die Pagode wirklich winzig. Trotzdem oder
gerade deshalb sollte man sie sich unbedingt anschauen. Nur auf einer einzigen
Säule, die früher aus Holz war, ragt sie aus einem Lotusteich. Da die Pagode in
der Vergangenheit aber sehr oft zerstört wurde, hat man sie nach zahlreichen
neuen Rekonstruktionen nun leider auf einer Betonsäule errichtet.
Der Legende nach war der Kaiser lange kinderlos. Im Traum
erschien ihm die Göttin der Barmherzigkeit (Quan Am) auf einer Lotusblüte und
gebar ihm ein Sohn. Kurz darauf vermählte er sich und hat tatsächlich einen
Nachkommen gezeugt. Aus Dankbarkeit hat er diese kleine Pagode in Form einer
Lotusblüte bauen lassen.

Lotus ist übrigens das Zeichen für Reinheit.

Ein absolutes Muss ist allerdings der Literaturtempel (Van
Mieu). Wie der Name schon erahnen lässt, war der Tempel ein Gelehrtenzentrum,
in dem zuerst nur Mitglieder der königlichen Familie und dann auch die „Elite“
zu Mandarin ausgebildet worden. Als die Nguyen-Dynastie die Hauptstadt nach Hue
verlegt hat, wurde Ha Nois erste Universität zur regionalen Ausbildungsstätte,
in der 1915 die letzten Prüfungen abgelegt wurden.
Noch heute strömen scharenweise Schüler und Studenten in den
Tempel, wenn sie kurz vor einer wichtigen Prüfung stehen, und streichen den Schildkröten,
die sich auf Stelen befinden und die Namen aller Absolventen eingraviert sind,
Glück verheißend über den Kopf.


Man kann sich sicher vorstellen, dass man an diesem Ort auch
an einem Sonntag nicht alleine ist. Aber genau das Treiben, die ganzen Scharen
an Kindern machen das Bild von diesem Tempel erst perfekt. Wie kleine
Thälmann-Pioniere stehen sie zum Gongschlag stramm. Irgendwie beeindruckend.

Auch wenn im immer noch eher kommunistisch geprägtem Norden
die Franzosen weniger aktiv waren als im Süden, hat die Kolonialzeit auch hier deutliche
Spuren hinterlassen. Einige Wahrzeichen wie die Oper und das Hotel Metropole
haben wir uns doch wenigstens einmal von außen anschauen wollen.


Auch die durch die Franzosen eingeführte Kaffee-Kultur hat
einen Sonderstatus eingenommen. Selbst ich habe mich dem starken
Vietnamesischen Kaffee mit gezuckerter Milch auf Eis nicht entziehen können,
auch wenn ich sonst jegliche Kaffeemischgetränke ablehne. Eine leckere
Abkühlung für zwischendurch und eine der wenigen Möglichkeiten, doch wenigstens
einmal 2 Minuten zu rasten.


Ebenso war ich anfänglich noch der Meinung, wie man ausgerechnet
in Vietnam ein französisches Baguette essen kann. Mangels Alternativen bin ich
irgendwann im Urlaub doch irgendwann in die Verlegenheit gekommen es zu
probieren und muss gestehen, dass ich selbst das nicht bereut habe. Denn auch
diese sind so köstlich asiatisch mit frischen Kräutern belegt, dass ich sie
zurück in Deutschland fast schon wieder vermisse.
 
Ich habe es ja vorhin schon kurz erwähnt, Sonntag in Vietnam
ist nicht Sonntag in Deutschland. Hier haben die Läden an jedem Tag geöffnet,
hier werden auch die Museen an jedem Tag von Schulkindern besucht. So waren wir
auch am Ostersonntag nicht extra schlau, nachdem wir den zweiten Versuch
gestartet haben, an diesem Tag schon eine halbe Stunde vor Eröffnung des
Ho-Chi-Minh-Mausoleums, vor den Pforten zu stehen. 10000 andere Menschen hatten
die gleiche Idee wie wir. Aber immerhin waren wir so ziemlich die einzigen
Nicht-Asiaten.
Es ist immer wieder aufmunternd, die Kinder dabei anzuschauen
wie sie sich freuen, wenn sie uns Aliens mit den langen Nasen sehen, aufgeregt
winken und ein „Hello“ uns entgegen werfen. Doch auch ausgewachsene
Exemplare lieben es, mit uns fotografiert zu werden. Für sie vielleicht fast so
interessant, wie für uns ein vietnamesisches Visum im Pass zu haben.
Eines haben wir aber alle gemein, die Ehrfurcht, wenn man
nach kilometerlangem Warten endlich Ho-Chi-Minh sieht; auch wenn man nicht
stehen bleiben darf, sondern zweireihig an seinem Corpus vorbeigeschleust wird.
Für die Vietnamesen ist es eins der wichtigsten Dinge, die
man einmal im Leben gemacht haben sollte, für uns war es noch während dem
Anstehen etwas, was man mitgemacht haben sollte, wenn man schon mal hier ist,
weil es zur Geschichte des Landes gehört.
Aber es sollte sich zu einem der emotionalsten Momente
während unseres Aufenthaltes entwickeln. Ich kann es nicht beschreiben, aber
der Appell mit den Schülern am Eingang schon, der mich an die Pioniere in
meiner Kindheit erinnert haben, das Aufmarschieren der alten Kriegsveteranen,
diese Massen an Menschen, die in das Mausoleum strömen, um ihren Helden zu
sehen, die andächtige Stimmung im Inneren und das Wissen, das Ho Chi Minh
selbst, der immer Bescheidenheit gepriesen und auch gelebt hat, nie wollte,
dass er einbalsamiert wird. Das alles hat in mir ein Gefühl heraufströmen
lassen, was mir den Hals echt zugeschnürt und mich recht emotional werden
lassen hat.

Darum war ich gar nicht böse, noch ein bisschen in den Parkanlagen
umherzuwandeln, in dem die wesentlich bescheidenere Wohn- und Arbeitsstätte Ho
Chi Minhs begutachtet und ein Blick auf den hermetisch abgeriegelten
Präsidentenpalast geworfen werden konnte, in den er sich geweigert hatte,
einzuziehen.


Im Anschluss haben wir noch das Museum für Militärgeschichte
mit dem beeindruckenden Cot Co-Flaggenturm besucht, wo unter anderem erbeutete
US-Waffen und eingesammelter Kriegschrott ausgestellt werden.

Zum Ostersonntag wollte ich auch unbedingt einen Blick in
die St. Joseph Kathedrale werfen. Ostern ist in Vietnam kein Feiertag, da das
Christentum hier keine vorherrschende Religion ist. Doch als koloniales Erbe
stehen überall im Lande Kathedralen und Kirchen, und es werden katholische
Gottesdienste ausschließlich in Französisch oder Vietnamesisch abgehalten.

Nach allem was in der Vergangenheit passiert ist, werden doch inzwischen die
Christen soweit stillschweigend akzeptiert und nicht mehr aus dem Land
vertrieben.
Wir haben es auf jeden Fall irgendwie geschafft, uns in die
Kirche zu schmuggeln und kurz dem Gottesdienst beizuwohnen.

Bevor wir Ha Noi nun wieder verlassen, noch ein paar
Anmerkungen.
Leider verschwinden immer mehr Traditionen aus dem Leben der
Vietnamesen. Wie überall im Land müssen diese der raschen Entwicklung weichen.
So sind Cyclos (Fahrradrikschas) nur noch selten zu sehen und zum Teil sogar in
der Stadt verboten und wenn, dann dienen sie fast nur noch der Beförderung von
Touristen.


Auch die klassische Ao Dai der Frauen wird fast nur noch in
Weiß als Schuluniform getragen oder zu besonderen Anlässen. Ich bin trotzdem
froh, dass wir sie so oft noch gesehen haben.  
Immer wieder für einen offenen Mund sorgt, was man alles wie
hoch auf einem Moped oder Drahtesel stapeln kann, wofür unsere Fotos fast nicht
aussagekräftig genug sind.

Eine Tradition wurde aber zum Glück bewahrt, und man muss fast
einmal ein Wasserpuppen-Theater besucht haben. Diese Form des Theaters entstand
als Unterhaltung für die Bauern in den ständig überschwemmten Gebieten. Das
Wasser dient als Bühne, in dem hinter einem Vorhang die Künstler hüfthoch
stehen und an am Boden verlaufenden Bambusstäben die Holzpuppen spielen lassen.
Gezeigt werden Stücke aus dem alltäglichen Leben der Fischer und Reisbauern bei
der Arbeit und auch die Legende des zurückgegebenen Schwertes.


Alles wird von traditionellen Gesängen und Instrumenten
begleitet. Das sollte man sich auf keinen Fall entgegen lassen. Ebenso wenig
wie noch einmal unsere Lieblings-Garküche zu besuchen, um eine kräftige Bun Cha
zu essen…
 
 
Parfümpagode – 14.04.2017
 
Eins der wichtigsten Pilgerziele des Landes ist die
Parfümpagode ca. 70 km südlich von Ha Noi. Um ein Haar sind wir dem Hauptstrom
entgangen und konnten so den Komplex, der aus mehreren kleinen, in den Berg
gebauten Pagoden besteht, genießen.

Die Fahrt dorthin war schon ein Erlebnis,
und so weiß Flo nun auch endlich wie es ist, wenn man nicht mehr sitzen kann.
Nach einer bedingt komfortablen 2stündigen Busreise ging es auf
Metallruderboote mit ebensolchen ungepolsterten Sitzen. Gut, dass unsere
aufblasbaren Kissen im Rucksack im Hotel waren. Ein Fehler, den wir kein
zweites Mal machen wollten. Auch wenn man auf dem Parfümfluss sich von
Bootsfrauen durch eine herrliche Karstlandschaft chauffieren lässt, ist
irgendwann der Wunsch größer, endlich aussteigen zu können, um dem Schmerz zu
entkommen.


Die zwei wichtigsten Pagoden haben wir uns angeschaut, für
mehr hat leider die Zeit nicht gereicht. Die Thien Tru-Pagode („Pagode der
Himmlischen Küche“) liegt am Fuße des Berges und erhebt sich über 3 Ebenen
am Hang. Deutlich sieht man auch hier die chinesischen Einflüsse.
 

Das eigentliche Highlight ist allerdings die nach dem
gleichnamigen Berg benannte Huong Tich-Pagode („Parfümpagode“). Neben
zwei anderen sportlich engagierten Paaren haben wir es in der Unterzahl nicht
gescheut, den 4 km langen, stolprigen, stufigen Pilgerweg nach oben zu nehmen.

Warum sich die Seilbahn-Aktivisten dann aber darüber gewundert haben, dass wir
bei den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit doch ziemlich verschwitz oben
angekommen sind, ignoriert man geflissentlich, wenn man in die Magie der Pagode
taucht. Schon die Stufen hinab zur Höhle, in der die Pagode liegt, hinterlassen
einen bleibenden Eindruck. Der Rauch steht in der Luft bis hinauf zu letzten
Stufe und hüllt die ganze Umgebung in einen mystischen Schleier. Schon am
Eingang sind überall kleine Schreine in den Berg gebaut, und es schwebt ein
Stalaktit im Raum wie ein Heiliger Stein. Sobald man allerdings die Höhle
betritt, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Imposante Tropfsteine
durchziehen die ganze Höhle und sind wunderschön angestrahlt; immer wieder
kleine Altäre dazwischen. Doch ganz im Inneren befindet sich der Hauptschrein,
an dem die Gläubigen ihre Opfergaben hinterlegen, Räucherstäbchen entzünden und
sich zum Gongschlag auf Knien zum Gebet niederlassen und im Chor synchron vor
sich hin brabbeln. Man fühlt sich klein an so einem Ort, ist dennoch absolut
überwältigt und glücklich, das erleben zu dürfen, auch wenn man den Glauben
nicht teilt.

Dieser Tempel ist Quan An, der Göttin der Barmherzigkeit
gewidmet.
Der Namen „Parfüm-Pagode“ stammt übrigens von
einem chinesischen Mönch ab, der hier gelebt und einen besonderen Duft
hinterlassen haben soll.


Wieder auf dem Weg nach unten hat man etwas mehr Zeit, einen
Blick auf die Stände zu werfen, die den ganzen Weg säumen und im Moment etwas
weniger ausgelastet sind aufgrund der wenigen Pilger. Man kann sich an jeder
Stufe stärken oder aber Papiergeld, Blumen und andere Opfergaben zum
Niederlegen für den Altar erweben.


Wieder zurück geht es auch schon bald ins Boot, was uns zu
unserem Bus bringen soll. Auf dem Fluss treffen wir auf einige schwimmende
Händlerinnen, die ihre Waren auf dem Boot feilbieten,

aber noch mehr auf Boote
mit asiatischen Touristen, die wir ebenso bestaunen wie sie uns freundlich
zuwinken. Bis zum letzten Fürzelchen Haut sind sie vermummt, damit kein
Sonnenstrahl ihre helle Haut trifft. Wenn kein Sonnenschirm zur Hand ist, wird die
Jacke so weit über den Kopf gezogen, dass auch ja alles bedeckt ist.

Der Mundschutz dient nicht allein dem Schutz vor Staub, vielmehr
ist er dazu da, auch das Gesicht vor der Sonne zu schützen. Wenn wir schwitzend
den Berg hinaufstiegen bei fast 40 Grad, ziehen viele sogar noch Handschuhe an.
Sonne wird verpönt, Bräune ist nicht en vogue.

 
 
Ha Long-Bucht – 17./18.04.2017
 
Mit einem Tag Verspätung haben wir nun doch noch die
Möglichkeit gehabt, die weltbekannte Ha Long-Bucht zu besuchen, wenn auch in
einem völlig anderen Rahmen als wir uns vorgestellt haben. Geplant war, 2 Tage
auf einer Dschunke durch die Bucht zu cruisen, einige Höhlen anzuschauen und
die Nacht auf offenem Meer zu verbringen.
Doch spontan ist nicht immer das Beste, wenn man nur eine
begrenzte Zeit zur Verfügung hat. So haben wir uns von Ha Noi aus mit einer
Gruppe zu einem etwas kleinerem Boot bringen lassen und das
UNESCO-Weltnaturerbe um Cat Ba erkundet. Auch hier hat es beeindruckende
Karstlandschaften, wunderschöne Buchten, Höhlen und die schwimmenden Dörfer;
vielleicht nur alles eine Spur kleiner. Dafür sind in der Gegend weniger
Touristen unterwegs, und man darf in dem Gebiet auch noch kajaken.
Alles hat sein Für und Wider. Leider waren auf dem Boot
vorwiegend junge europäische und amerikanische Touristen, Backpackers, die doch
lieber bei lauter Musik feiern und die Schönheiten der Natur dann verschlafen, was
uns dennoch nicht davon abgehalten hat, Negatives auszublenden und uns aufs
Wesentliche zu konzentrieren.


Ha Long bedeutet so viel wie „Herabsteigender
Drache“. Der Legende nach entstanden die 2000 Kalksteinfelsen durch die
Schwanzschläge eines riesigen Drachens, den die Götter entsandt haben, um die
Feinde aus dem Norden abzuwehren. Einer anderen Legende nach sollen die Götter
zur Verteidigung des Landes eine Drachenfamilie geschickt haben, die Edelsteine
gespieen und sich in Felsen verwandelt haben, an dem die feindlichen Schiffe
zerschellt sind. Seitdem haben sich die Drachen in der Bucht niedergelassen.
Beeindruckend war dieser Ausflug allemal. Bis auf die
imposanten Tropfsteinhöhlen, die es bei Cat Ba nicht zu geben scheint, haben
wir alles gesehen und mehr.


Nicht noch einmal machen müssen wir diese Kajak-Tour in der
Lan Ha-Bucht, die sauber in die Hose gegangen ist. Da Flo und ich das letzte
Boot genommen haben, dachten wir, schnell der Meute nach, um nicht den
Anschluss zu verlieren. Ich hab mich noch gewundert, warum wir in eine Höhle
fahren, auf der groß und breit „Danger“ steht als uns schon ein Kajak
mit zwei Jungs entgegenkam, die uns entgegen gerufen haben, umzukehren.


Nicht verstehen konnte ich, warum Flo trotzdem nicht gewendet
hat, und wir ins stockdunkle Innere der Höhle gerauscht sind und sich langsam
Panik ausgebreitet hat. Er konnte hingegen nicht verstehen, warum ich nicht
zurück rudere. Fakt war, dass uns der Strom rein gezogen hat, was Flo nicht
beeinflussen konnte und ich trotz „Bodybuilding“ keine Kraft hatte,
gegen den Strom rückwärts herauszurudern. Mit viel Kraftaufwand, an den Wänden
durchgebogenen Paddel, mit denen wir versucht haben uns zurückzustoßen,
leichten Schürfwunden und unnötigen Schuldzuweisungen sind wir als eins der
ersten Boote wieder irgendwie aus eigener Kraft aus der Höhle gekommen. Andere
Boote mussten herausgezogen werden.
Unerklärlich, warum gerade unser Guide in die Höhle gefahren
ist, sind wir dennoch dankbar, noch mal glimpflich davon gekommen zu sein. Den
Rest der Tour sind wir in keine Höhle mehr, wo wir den Ausgang nicht von der
anderen Seite schon sehen konnten. Einige haben es bevorzugt, nach dem Ereignis
das Kajak zu verlassen und sich lieber einen Sonnenbrand am Deck des
„Cocktail Cruisers“ zu holen als den Tod in einer Höhle…


Wir waren dann allerdings auch froh, als es mit dem
regulären Boot weiter ging, und wir die „Schwimmenden Dörfer“ in der
Bucht sehen konnten.


Trotz aller Widrigkeiten ein sehr schöner Ausflug, mit einem
schönen Dinner am Abend auf einer Privatinsel und der besten und teuersten
Unterkunft unseres gesamten Vietnamaufenthalts. Fast zu schade, dass wir diese
Honey-Moon-Suite nur eine Nacht hatten. Dafür durfte ein anderes deutsches
Paar, was wir auf der Reise kennen gelernt haben, die zweite Nacht darin
verbringen. Ihr wisst schon… 😉

Am nächsten Morgen stand noch ein kleines Hiking auf den
höchsten Punkt der Insel mit spektakulärem Blick auf die Bucht an, dann ging es
auch schon wieder weiter.

Sack und Pack aufgestrapst, mit einem Kutter zur
Hauptinsel Cat Ba, mit dem Bus quer über die Insel, mit dem Speedboot nach Hai
Phong und dem Linienbus schließlich in die Trockene Ha Long-Bucht nach Ninh
Binh.


An dieser Stelle fragt man sich kurzzeitig, was man hier
eigentlich tut. Einen ganzen Tag verbringt man nur mit Transfer, sieht nicht
viel von der Umgebung, wird von allen Seiten zugedröhnt, fürchtet aufgrund des
Fahrstiles um sein Leben, versucht stundenlang nichts zu trinken, um ja nicht
aufs Klo zu müssen und wird schließlich im Stockdunklen mitten auf einer
Kreuzung im Irgendwo aus dem Bus gelassen. Zum Glück habe ich auf Flo gehört,
und wir haben die letzten 3-4 Kilometer doch noch ein Taxi genommen, um dann
ohne weitere Komplikationen zum Guesthouse zu kommen.
Aber auch so einen Tag hat nachträglich betrachtet etwas
Gutes. Man kommt den Einheimischen und deren Alltag doch ziemlich nahe. Mit
viel Gottvertrauen versucht man fest daran zu glauben, dass man diese Fahrt
irgendwie überleben wird, auch wenn die Überholmanöver noch so riskant sind.
Zum Glück wird es schon recht früh dunkel, da sieht es fast so aus als kämen
nicht mehr so viele Fahrzeuge entgegen, weil die meisten eh ohne Licht fahren.
Das Hupen wird ja sowieso ständig praktiziert und endet zunehmend in einem
Dauerton, der sich mit dem Schreien einer Begleitperson vermischt, der bei
offener Tür des fahrenden Busses weitere etwaige Passanten zum Einstiegen
ermutigt, des Weiteren laut telefonierende Insassen, vor sich hinrotzende
Asiaten und weitere undefinierbare Geräusche. Doch irgendwann ist der Bus
schließlich voll, und auch dann finden in den Gängen und Fußräumen noch riesige
Säcke mit Dünger Platz. Sehen wir es mit Humor. Wir wollten schließlich so viel
wie möglich auf eigene Faust unternehmen und dem Leben der Einwohner nahe
kommen.
 
 
Ninh Binh – 19.04.2017
 
Finde mal einer gegen 22 Uhr in einer touristisch kaum
erschlossenen Region noch etwas zum Essen. So früh die Leute in Vietnam
aufstehen, so früh werden auch die Bordsteine am Abend wieder hochgeklappt,
selbst in Ha Noi. Aber wenn wundert’s, wenn es gegen 18 Uhr schon stockdunkel
ist. Diese Tatsache hat uns oft in zeitliche Bedrängnis gebracht.
Trotzdem haben wir noch eine kleine Küche gefunden, wo wir
mit offenen Armen empfangen und auf Herrlichste bewirtet wurden. Einziges Manko,
ich sollte nicht zum Essen kommen. Die Dame war so einnehmend und hat mir unter
ständig heftigen, herzlichen Schulterklopfen versucht klarzumachen, auf Vietnamesisch
versteht sich, dass wir nun Freunde sind. Selbst als ich verstanden habe, was
sie nun von mir wollte, hat sie nicht von mir abgelassen. Flo meinte schon,
dass sie mich heiraten will. Trotzdem war er mir, über seinen Teller gebeugt, keine
wirkliche Hilfe in dieser Situation. So blieb mir nur die eine Möglichkeit, die
zwei Minuten auszunutzen, in der sie meinen Führer durchgeblättert hat, um in
aller Eile mir das leckere Essen im wahrsten Sinne des Wortes hineinzuwürgen
und im Anschluss schnell die Flucht zu ergreifen, nachdem wir uns so um die 20
Male verabschiedet haben. Dies auf Vietnamesisch zu versuchen, hat es nicht
einfacher gemacht.
Ende vom Lied war, dass es mir übel wie selten war, und ich
eine sehr bewegte Nacht auf dem Klo verbracht habe. Danach konnte ich aber
wenigstens 2 Stunden sehr gut schlafen.


Nicht desto Trotz hatten wir einen wundervollen Tag darauf,
der schon sehr schön in unserem kleinen Guesthouse bei einem leckeren, frisch
zubereitet Frühstück begonnen hat. Wir haben beschlossen, uns Fahrräder zu
leihen und die Gegend selbst zu erkunden, was sich als die beste Idee überhaupt
herausgestellt hat. Auch wenn die Drahtesel doch sehr antik waren, sind wir gut
vorangekommen, und das fast 30 km, auch wenn man uns versichert hat, dass wir
das nie schaffen würden.
Am Morgen hing der Nebel noch über den Reisfeldern in den
Bergen. Aber genau das hat eine Mystik verbreitet und uns auf noch Kommendes
eingestellt. Gleich zu Beginn unseres Ausflugs konnten wir einer Büffelherde beim
Baden im Fluss zuschauen, weitere Wasserbüffel, die um einen Lotusteich einer
kleine Pagode grasen, kleine bunte Dörfer, saftige fast schon neongrüne
Reisfelder, Gräber inmitten von den Bergen, an Flüssen und in den Feldern,… Jetzt
schon wussten wir, dass dieser Tag etwas ganz Besonderes werden wird.


Wir haben uns entschlossen, nicht wie alle europäische
Touristen die Landschaft und Höhlen um Tam Coc anzusteuern, sondern in der
anderen Richtung die fast ausschließlich von asiatischen Touristen besuchte
Trang An-Grotte. Trotzdem haben wir es bevorzugt unser 4er-Boot lieber mit
einem argentinischen Paar zu teilen, die uns für diese Zeit eine sehr nette
Gesellschaft waren und unserem Rhythmus sehr nahe kamen.

Zum Glück mussten wir
nicht selbst rudern und konnten uns so voll und ganz auf diese wunderschöne
Gegend und aufs Fotografieren konzentrieren. Auf dem Fluss ging es zwischen
bewaldeten Karstbergen und grünen Tälern durch zahlreiche kleine, sehr niedrige
Höhlen durch, und man sollte nicht vergessen, ab und zu den Kopf einzuziehen,
auch wenn der Bootsführer mit einer gefühlten Lässigkeit einen durchs Wasser
führt.

An 2 kleinen Tempelanlagen direkt am Wasser haben wir einen
Zwischenstopp eingelegt

und auch ein kleines Dorf besucht, was als Filmkulisse
für King Kong gedient haben soll.

Letzteres muss man nicht unbedingt gesehen
haben, der Rest ist allerdings einmalig und hat uns fast noch mehr imponiert
als die eigentliche Ha Long-Bucht.

 
Weiter ging es nun mit dem Radel zur Chua Bai Dinh, dem
größten Pagoden- und Tempelkomplex Vietnams. Keine Ahnung, warum es dafür keine
Empfehlungen weiter gibt. Wir würden diese Region an erster Stelle nennen, wenn
man uns fragt, was uns am besten gefallen hat.


Kein Foto kann vermitteln, wie imposant diese Anlage ist.
Über ein riesiges Areal erstrecken sich 4 Tempel auf verschiedenen Ebenen den
Berg hinauf, die man über 2 überdachte Treppen mit jeweils 500 Stufen erreichen
kann, entlang derer sich Hunderte weiße Alabaster-Statuen befinden und in den
Nischen an der Wand weitere Hunderte Buddha-Figuren. In der Mitte der Anlage
ist ein Glockenturm, mit der größten Glocke Vietnams (36t).


In den Tempeln selbst fällt alles etwas größer aus. Die
Buddhas und andere Statuen sind bis zu 10 Meter hoch. Man steht absolut
überwältigt davor und bereut nicht, diesen körperlichen Kraftakt trotz
sengender Glut auf sich genommen zu haben.


Am Berge steht noch ein riesiger Turm, der schon vom Weiten
uns den Weg gewiesen hat und ganz oben auf ein dicker lachender Buddha. Von
dort hat man eine einmalige Aussicht auf die Region.


Zeit, wieder zurückzuradeln, damit wir noch etwas von der
Umgebung aufnehmen können und vor Einbruch der Dunkelheit zurück sind. Je
weiter die Sonne sinkt, umso herrlicher erscheint die Landschaft; die letzen
Sonnenstrahlen, die durch die Berge die Reisfelder im richtigen Licht
erstrahlen lassen. Tiere rennen mitten über die Straße und lassen sich weder
von uns noch motorisierten Gefährten beeindrucken. Andere Tiere sind schon tot,
was man aber erst auf dem zweiten Blick erkennt, wenn man an den Straßenständen
Halt macht, die diese zum Verkauf anbieten. Auch wenn man es nicht mag, hier ist das nun mal Usus.

Unsere sehr freundlichen Vietnamesisch-Holländischen
Gastgeber haben uns noch ein sehr leckeres Abendessen zubereitet und duschen
lassen bevor wir uns zu Fuß Richtung Bahnhof aufgemacht haben. Die folgende
Nacht sollten wir im Nachtzug nach Hue verbringen.
Am Bahnhof haben wir so ziemlich alle wieder getroffen,
denen wir schon am Tag irgendwo mal begegnet sind. Die Nord-Süd-Route ist nun
einmal sehr beliebt, und spätestens abends trifft man sich wieder im Zug.
Wir hatten auch sehr viel Glück mit unserm Abteil. Kaum
eingestiegen habe ich ziemlich schnell signalisiert, Licht aus, ich will
schlafen. So hat ein weiterer Schlafgast vorbildlich das Abteil zum Feiern mit
seinen Freunden verlassen und ist wirklich erst zum Schlafen wiedergekommen.
Das vierte Bett wurde nur kurzzeitig von einem kleinen stillen Asiaten belegt,
welcher auch schon wieder lange vor uns ausgestiegen ist.
Die kommunistische Erziehung kommt uns zum Teil sehr
entgegen. Alles ist bestens durchgeplant, man fühlt sich schon richtig
aufgehoben, wenn man keinen Verfolgungswahn hat. Aber so wurde jedenfalls auch
gleich nach dem Einsteigen geklärt, was man am Morgen essen will und
rechtzeitig an die Tür geklopft, wenn man sich zum Aussteigen vorbereiten soll;
auch schon dreimal, wenn man nicht gleich gespurt hat.
Alles in allem habe ich in den harten Betten aber recht gut
geruht und war bestens vorbereitet, auf das, was am nächsten Tag kommt. Dachte
ich zumindest…
 
 
Hue – 20.04.2017
 
Ich muss vorweg schicken, für Hue hätten wir unbedingt einen
Tag länger gebraucht, dann wäre es uns in besserer Erinnerung geblieben. Doch
da wir im Zug nicht auch noch stundenlang mit Recherchieren verbringen wollten,
wo wir nächste Nacht schlafen und wie wir von A nach B kommen, haben wir das
schon kurz davor getan, so dass wir am nächsten Tag schon wieder weiter mussten.
Leider!

 
Gleich als wir am Vormittag aus den gut klimatisierten Zug
gestiegen sind, haben wir die Faust bekommen; nahe an die 40 Grad und noch
schwüler als im Norden. Da wir ja unbedingt alles zu Fuß machen mussten, wie
immer meine Idee, kamen wir ziemlich durchnässt in unserem bescheidenen Hostel
an, wo das Zimmer auch noch nicht fertig war. Kein Thema, wir hatten uns eh
viel für den Tag vorgenommen und uns gleich wieder ins Vergnügen gestürzt.
Zuerst ging es auf den Dong Ba Markt, um einen der berüchtigten Gedichtshüte zu
kaufen, die es in der Art nur in Hue hat. Anfänglich habe zumindest ich noch
Gefallen an dem regen Treiben gefunden, wie die Marktfrauen mit ihren ausladenden
Hüten ein riesiges Angebot an Obst, Gemüse und frischen Kräutern anbieten und
alles, was man sonst noch so braucht, wie sich durch diesen engen Markt auch
noch Mopeds und andere extrem beladene Gefährte zwängen müssen. Flo fand das allerdings
schon von Anfang an nicht amüsant. Doch wir hatten ja einen Grund, dass wir
hier waren und haben Beide auch jeweils einen schönen Hut gefunden, der uns für
den Rest des Urlaubs neben unseren langen Klamotten vor Sonnenbrand, Überhitzen
& Malaria bewahrt hat.


Allerdings haben wir bei der Aktion schon einiges an
wertvoller Zeit eingebüßt, und so waren den ganzen Tag neben der drückenden
Hitze noch ein Angespanntheit und Unruhe unsere steten Begleiter.
 
Hue ist die historische Hauptstadt von Vietnam, von der aus 1802
bis 1945 das Land regiert wurde. Besondere Bedeutung erfährt die Zitadelle,
welche von einer 11 km langen Mauer umgeben ist und die Kaiserstadt und die
Verbotene Purpurstadt enthält, die der Verbotenen Stadt in China nachempfunden
ist. Innerhalb der Mauern hat einst der Kaiser mit seiner Familie und seinen
zahlreichen Konkubinen gelebt, doch zu der „Verbotenen Stadt“ hatte
nur er selbst und seine engsten Vertrauen Zugang. Wer die Schwelle zum
Innersten unerlaubt übertreten hat, wurde mit dem Tode bestraft.
Imposant ist das Mittagstor mit seinem darauf gebauten
Pavillon, durch das man die Kaiserstadt betritt, auch einige Tempel links im
Gelände, die seinen Vorfahren gewidmet sind und die 9 mannshohen Dynastischen
Urnen. Allerdings wurden sehr viele Gebäude in den Kriegen zerstört und dann
dem Verfall überlassen, wodurch nun doch etwas Fantasie gefragt ist, um sich
das ehemalige Ausmaß dieser Stadt vorstellen zu können.

An sportliche Höchstleistung grenzt nun alles, was die
nächsten 4 Stunden folgen sollte. Auf 2 klapprigen Drahteseln haben wir uns ein
Wettrennen gegen die Zeit geliefert. Das einzige was wir inzwischen im Griff
hatten war der Verkehr, da hatten wir uns bestens angepasst, auch wenn es mal
die Einbahnstraße in die falsche Richtung hing. Auf die Entfernungen zu und
zwischen den 3 Kaisergräbern, die wir besuchen wollten, die nicht vorhandenen Beschilderungen,
die nahezu fehlenden Englischkenntnisse der Einheimischen, das ständige bergauf
und bergab auf diesen sich kurz vor dem Verfall befindlichen Fahrrädern, waren
wir allerdings nicht vorbereitet.
Erst am nächsten Tag konnten wir darüber lachen und die
Eindrücke etwas verarbeiten.


Das erste Grab war jenes von Tu Duc, welcher wahrlich ein Poet war und schon zu
Lebzeiten mehr Zeit hier zum Schreiben verbrachte als anderswo. Man sollte
allerdings auch berücksichtigen, dass alle Gräber schon zu Lebzeiten aufwendig
geplant und gebaut wurden und nicht nur Gräber sind, sondern auch Wohn- &
Gedenkstätten und zum Teil Theatersäle, Verwaltung und andere
Rückzugsmöglichkeiten enthalten und von herrlichen Seen und Parkanlagen umgeben
sind.
Übrigens ist der offizielle Sarg von Tu Duc leer. Um ihn vor
Grabräubern zu schützen, wurde er an einem geheimen Ort an anderer Stelle im
Gelände versteckt.

Das zweite Grab von Khai Dinh lag gefühlte 2 Tage entfernt und ist vom Stil
ganz anders als das zuvor besuchte aufgebaut. Man kann ganz deutlich die
französischen Einflüsse erkennen. Sobald man die steile Treppe hinaufgeklettert
ist, wird man rechts und links von jeweils 2 Reihen menschengroßer Statuen
umgeben. Beeindruckend ist auch das Mausoleum auf oberster Ebene, mit seinen
zahlreichen Porzellan- und Glasscherben und einer lebensgroßen vergoldeten
Statue des Herrschers auf seinem Thron.

Die letzten Nerven hat es uns gekostet, das Grab von Minh
Mang zu finden. Vielleicht mag das gut vom Fluss aus zu erreichen sein,
allerdings nicht vom Hinterland. Fast hätten wir kurz vorm Ziel das Handtuch
geschmissen. Zum Glück sind wir nicht auf die Masche hereingefallen, unsere
Fahrräder schon Kilometer zuvor auf selbsternannten Rad-Parkplätzen
abzustellen, dann würden wir wohl jetzt noch suchen.
Irgendwann haben wir es doch noch geschafft und sind durch
die Stätte gehetzt als gebe es kein Morgen mehr, nicht nur, weil wir es dem
freundlichen Herren am Eingang versprochen haben, der uns doch noch eingelassen
hat, sondern weil wir auch keine Ahnung hatten, wo wir wie vor Einbruch der
Dunkelheit noch zurückkommen sollten. Eine wunderschöne Anlage mit vielen Seen,
die wir überhaupt nicht aufnehmen, geschweige denn genießen konnten. Zum Glück
haben wir einige Fotos geschossen und können nun nachträglich alles noch einmal
Revue passieren lassen.


Die gute Nachricht zum Schluss. Immer wenn man gar nicht
mehr daran denkt, wird man positiv überrascht. Der Herr am Eingang verstand
etwas Englisch und hat uns in etwas den Weg beschrieben. Flo hat sein Handy mit
der Vietnamesischen SIM-Card in Betrieb genommen und sich im Navigieren geübt. Fazit:
Wir sind genau auf dieser idyllischen Straße nach Hue zurückgekommen, die ich
eigentlich schon auf dem Hinweg nehmen wollte und sind mit der Dunkelheit in
die Stadt eingefallen. Noch mal gut gegangen…
Nur die Aussicht auf eine Bun Hue und der knurrende Magen
hat uns noch einmal kurz vor die Tür gelockt.
 
 
Hoi An – 21.-23.04.2017
 
Nachdem am Bahnhof in Hue noch etwas Zeit blieb, hatte der Betreiber
eines kleinen Imbiss sichtlich Spaß daran, bei einem Kaffee mit mir
Vietnamesisch zu üben und die Speisekarte rauf und runter zu lesen. Aber ich
bin auch ein dankbarer Abnehmer, wenn ich mich in Sachen Sprache weiterbilden
kann. Vietnamesisch ist aufgrund seiner Transkription zwar lesbar, deshalb aber
noch lange nicht leicht auszusprechen, weil es eine tonale Sprache ist. So
können die 20 Wörter, die ich mir zu Recht gelegt habe, sozusagen alles
bedeuten, wenn man sie nicht richtig betont. Aber Übung macht bekanntlich den
Meister, und es macht Einiges leichter, wenn man sich wenigstens etwas
verständigen kann oder zumindest den guten Willen zeigt.

Die folgenden 4 Tage hatten wir geplant, in Hoi An und
Umgebung zu verbringen, da es in der Region viel zu sehen gibt, und wir endlich
wenigstens mal etwas Dampf herausnehmen wollten. Der Zug hat uns nur bis Da
Nang gebracht, und so haben wir die Gelegenheit gleich genutzt, uns ein paar
Sachen in dieser Stadt anzuschauen, auch wenn diese nicht zu den unbedingten
Besuchermagneten gehört.

Ich war recht erpicht darauf, mir schon mal einen Cao
Dai-Tempel anzuschauen. An die Größe des „Heiligen Stuhls“ in Tay Ninh
kommt dieser selbstverständlich nicht heran, aber es war trotzdem ganz
interessant, schon mal einen ersten Eindruck von den Caodaisten zu bekommen.


Des Weiteren haben wir noch einen Blick auf eine katholische
Kathedrale und die Drachenbrücke geworfen. Dann hat es uns allerdings gereicht,
und wir wollten endlich weiter nach Hoi An.

Manchmal stellt sich im Nachhinein die Frage, wie viel Geld einem Zeit wert ist,
und ob es nicht doch schlauer gewesen wäre, ein Taxi zu nehmen. Nun sind wir
wieder einige Erfahrungen reicher und haben so eben eine Extrarunde gedreht, zu
allem Überfluss mit einem längeren Aufenthalt am Busbahnhof im kochendheißen,
weil stehendem Bus, nur um irgendwann auf der anderen Seite des Marktes vorbei in
die richtige Richtung zu fahren. Hat uns ja nur eine zusätzliche Stunde
gekostet. Vielleicht hätten sie das im Führer auch schreiben sollen, an welcher
Seite des Marktes man in den Bus steigen soll. Und wir hatten uns schon so
gefreut, gleich einen Bus zu bekommen, der nur einmal stündlich fährt.

Endlich angekommen, war es zum Homestay gar nicht mehr so
weit. Da wir vorher so schnell in den Bus gesprungen sind, hatten wir nun
ordentlich Kohldampf, und ich bin das erste Mal in den Genuss eines der
leckeren Baguette gekommen. Doch man sollte nicht direkt vor der Unterkunft
meinen, in Ruhe essen zu können, wenn man schon erwartet wird.


Etwas erschwert war anfangs die Verständigung, da man doch
kein Wort Englisch verstand, trotzdem geduldig lächelnd all unsere Worte
wiederholt hat. 
Wir waren froh, endlich in unser Zimmer zu kommen und die
Tür für ein paar Minuten hinter uns zu schließen und die Klimaanlage
aufzudrehen.
Trotzdem hat es uns nicht lange im Homestay gehalten; wir
waren einfach zu gespannt auf dieses wundervolle alte Handelsstädtchen mit all
seinen bunten Röhrenhäuser und seinen vielen chinesischen, vietnamesischen und
japanischen Tempeln und Versammlungshallen.


Der Tatsache, dass das strategisch günstig gelegene Hoi An irgendwann
für den Seehandel an Bedeutung verlor und alle Schiffe sich in den Hafen in Da
Nang drängten, haben wir zu verdanken, dass dieses Städtchen so gut erhalten
ist und 800 einzelne Objekte der Altstadt als UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen
werden konnten. Wer einmal dort war weiß, warum alle davon so schwärmen. Auch wenn
man dort niemals allein ist, kann man sich seinem Charme nicht entziehen und
wird es lieben.


Am ersten Abend waren wir richtig überfordert von all den
Eindrücken. Gut, dass wir mehr Zeit eingeplant haben und erst am nächsten Tag
richtig durchstarten wollten.

Doch schon der erste Abend war ein Erlebnis. Wir haben uns
an einem kleinen Tisch am Flussufer niedergelassen und die typischen Gerichte
probiert, die es nur in Hoi An gibt und somit auf Platz 2 unserer
„Must-Test“ in Sachen Essen stehen.

Währenddessen haben wir
zugeschaut wie die Stadt zunehmend im Dunklen verschwindet, und es immer mehr
Menschen auf die Strassen lockt. Ganz Hoi An ist von Tausenden der typischen
seidenen Laternen beleuchtet, die an jedem Haus, über jeder Straße und sonst wo
nicht zu übersehen sind. Auf dem Fluss treiben nun noch mehr Boote als schon am
Tag, auf denen sich eine Vielzahl von Brautpaaren fotografieren lassen. Überall
schwimmen kleine Lichter auf dem Wasser, die einheimische Frauen überall sehr
geschäftig an die Leute bringen und dann mit einem Wunsch zu Wasser gelassen
werden.

Genug erlebt für den ersten Tag in Hoi An.


Nachdem wir uns schon so an einen fahrbaren Untersatz
gewöhnt haben, sind wir am nächsten Tag nach einem leckeren Frühstück mit dem
Drahtesel in die Stadt.
Wie geplant waren wir sehr früh dran und konnten ohne großen
Trubel uns zum einen die kleinen röhrenförmigen Handwerkshäuser, die seit
vielen Generationen jeweils von einer Familie bewohnt werden und zum anderen eine
Unzahl von im chinesischen, vietnamesischen und japanischen Stil erbaute Tempel
anschauen.


Früher einmal war die Stadt zweigeteilt, und nur über die
immer noch gut erhaltene überdachte „Japanische (Tempel-)Brücke“ (Cau
Nhat Ban) war das japanische mit dem chinesischem Viertel verbunden. Einen
besonders schönen Blick darauf bietet sich einem am Abend, wenn diese bunt
angestrahlt wird und sich im Wasser spiegelt.


Es würde zu weit gehen, jetzt über jeden einzelnen Tempel
oder jede einzelne Versammlungshalle zu berichten. Besucht haben wir etliche,
und jede war auf ihre Weise einzigartig. Alle gemein haben sie unter anderen
aber die großen Räucherspiralen, die von jeder Decke massenhaft herabhängen und
einem fast die Luft zum Atmen nehmen, dass selbst mir schwindelig wird.


Auch etwas Kulturprogramm haben wir uns gegönnt und eine
kleine Aufführung mit traditioneller Musik, Tanz und Gesang angeschaut.


Aber es gibt nicht nur Positives zu berichten. Wie man an
vielen Markierungen in den Häusern sehen kann, wird dieses wundervolle
Städtchen leider sehr oft vom Hochwasser heimgesucht; letztes war erst 2016.
Trotzdem erstaunlich, dass sie es immer wieder in so kurzer Zeit schaffen, Hoi
An wieder so herzurichten, dass es nichts von seinem Charme einbüßt.

Den Rest des Tages hatten wir sogar mal richtig Zeit, um
ausgiebig einzukaufen. Wir sind zwar Beide nicht gerade die Shopping-Queens
& Kings, aber wo bietet es sich besser an als hier, eines der begehrten
Souvenirs wie diese wunderschönen Seidenlampen für einen selbst und auch die
Liebsten zu erwerben, auch wenn dass dann 70% des Rucksackinhaltes ausmacht.


In Sachen Handeln hat mir Flo allerdings den Vorrang
gelassen, weil es einfach nicht seinen ethischen Grundsätzen entspricht, auch
wenn ich ihn noch 100mal versucht habe zu erklären, dass die Leute trotzdem
noch genug verdienen, wenn man erst mal die Hälfte von ihren Fantasiepreisen
ansetzt und sich dann in der Mitte trifft. Das macht man hier einfach so.
Wichtig ist allerdings, dass man nur dann einen Preis nennt, wenn man ernsthaft
interessiert ist, auch etwas zu kaufen.
Auf jeden Fall waren wir mit unserer Ausbeute sehr zufrieden
und können nun jeden Tag an dieses schöne Städtchen denken, wenn wir unsere
Augen daheim durch die Zimmer streifen lassen.
 
 
My Son / Da Nang (Marmorberge) – 23.04.2017 
 
Mit fortschreitender Zeit im Urlaub wurden wir immer mutiger
und haben uns nun sogar ein Moped ausgeliehen. Die alten Cham-Ruinen im My Son waren
für uns Pflichtprogramm.
Die Fahrt dorthin war etwas abenteuerlich, aber mit Flo am
Lenker, und ich mit dem Handy zum Navigieren in der Hand, sind wir doch dort
angekommen, wo wir hinwollten.

Auch waren wir um diese Uhrzeit noch ziemlich allein vor
Ort, um uns die alten Tempel anzuschauen.

Kurz zur Erklärung: Die Cham sind Nachfolger des alten
Königreich Champa, welches ursprünglich hinduistisch geprägt war, doch sich
zunehmenden immer mehr zum sunnitischen Islam wandte… Wenn’s interessiert,
einfach nachgooglen.
Von dem riesigen Komplex kann man heute noch 70 mehr oder
weniger erhaltene Gebäude anschauen. Vieles fiel im Amerikanischen Krieg dem
Bomben zum Opfer. Wenn hier auch alles etwas weniger groß dimensioniert als in
Ayuatthaya (Thailand) oder Angkor (Kambodscha) ist, sollte man sich den
geschichtsträchtigen Ort angeschaut haben.
Viele schöne Reliefs an den Wänden sind noch erhalten, und
in der Mitte von Komplex B befindet sich ein Lingam, ein Phallus-Symbol und
Erscheinungsform von dem Gott Shiva, welches in Vietnam sehr präsent ist und
man hingegen zu uns Europäern auch nichts Anstößiges dahinter vermutet wird.
Bevor der große Ansturm kam, zogen wir auch schon wieder von
Dannen. Wir hatten uns ja noch einiges für den Tag vorgenommen und mussten
insgesamt 100 km auf dem Moped zurücklegen. Danach hat uns sauber der Hintern
gebrannt. Gut, dass wir beim nächsten Ziel so viele Treppen steigen durften.


Nui Non Nuoc, die 5 „Marmorberge“ in Da Nang,
waren ein weiterer Höhepunkt in unserem Urlaub. Den Namen haben sie von Kaiser
Minh Mang aufgrund seiner reichen Marmorvorkommen erhalten. Die 5 Berge sind
den 5 Elementen (Wasser, Erde, Metall, Holz & Feuer) zugeordnet. Sie
enthalten jede Menge an Höhlen und Grotten, die spektakuläre buddhistische Pagoden enthalten.

Während des Krieges haben sich Guerilla-Kämpfer in den Berghöhlen
vor den Amis versteckt, und konnten von dort oben sogar problemlos direkt in
deren größten Stützpunkt schauen. Heutzutage lebt man vom Marmor, und
zahlreiche Steinmetze haben sich am Fuß der Berge angesiedelt.

Am beeindruckendsten ist die Huyen Khong-Grotte hinter der
Tam Thai-Pagode. Vor allem, wenn man sie kurz vor Mittag betritt, eröffnet sich
einem ein einmaliges Spektakel. Durch die Löcher in der Decke dringt das
Sonnenlicht in die Höhle und erleuchtet den zentralen Buddha. Das Ganze
vermischt sich dann noch mit dem Dunst der Räucherstäbchen und sorgt für eine
mystische Stimmung.

Aber auch die vielen anderen Höhlen und Pagoden sollte man
nicht versäumen, sich in Ruhe anzuschauen.

Und wenn man den schweißtreibenden
Aufstieg nicht scheut, dann hat man auch einen sehr guten Ausblick auf die Umgebung,
wenn auch nicht in jeder Richtung den schönsten.

Von chinesischen Investoren werden inzwischen kilometerlange
Strandabschnitte aufgekauft, um große Hotelanlagen zu bauen. Von oben kann man
noch Meer und Strand sehen, wenn man sich auf der Straße entlang nach Hoi An
bewegt, fühlt man sich wie zu Zonezeiten. Nichts als Mauern!!!

Übrigens, dem dicken Buddha den Bauch zu streichen soll
Glück bringen, und das was für uns wie ein Hakenkreuz ausschaut, ist die
Swastika und ein religiöses Glückssymbol in Asien.

Nach diesem ereignisreichen Tag haben wir den Abend ein
letztes Mal gemütlich in Hoi An ausklingen lassen, bevor wir uns am nächsten
Früh in Vietnams Süden aufgemacht haben.

 
 
Ho Chi Minh City – 24./25.04.2017 

Auch wenn es anfänglich einige kommunikative Schwierigkeiten
mit den Leuten in unserer alten Unterkunft in Hoi An gab, waren diese sehr
freundlich und zuvorkommend, und alles Organisatorische hat vorbildlich
geklappt. So stand auch das Taxi pünktlich in aller Früh für uns bereit,
zusammen mit einem großen Lunch-Paket. Und schon ging es ab nach Da Nang zum
Flieger in Richtung Ho Chi Minh City.

Die billigeren Plätze müssen nicht immer die schlechtesten
sein. So viel Beinfreiheit wie direkt am Notausgang hat man sonst nirgends,
selbst Flo konnte sich komplett lang machen. Da verzichtet man gerne auch mal
auf die Aussicht und den gratis verrenkten Hals.

Ho Chi Minh City war von Anfang an eine chaotische Stadt.
Durch noch dichteren Verkehrt als in Ha Noi schon, hat sich unser Taxi durchgeschoben.
Aber da wir es ausnahmsweise mal nicht richtig eilig hatten,

haben wir gut gekühlt dem Treiben in der Stadt und dem heftigen Fuchteln der Polizisten
zugeschaut, die irgendwie versucht haben, den Verkehr zu regeln.
Sehr viel belebter war dieses Mal auch unsere Unterkunft
direkt im Backpacker Viertel. Dafür kam uns aber deutsch-vietnamesiche
Gründlichkeit und eine super Aussicht zu Gute, auch wenn uns der Schlag
getroffen hat, sobald wir das klimatisierte Zimmer verlassen haben, um auf
unseren Balkon zu treten.

Wenn man sich im Norden schon über 30 Grad und eine sehr
hohe Luftfeuchtigkeit aufregt, dann kann man noch mal 10 Grad und ein paar
Prozente draufpacken, je weiter man in den Süden kommt. Sind die Klimaanlagen
im Norden noch human eingestellt, wird man im Süden schockgefrostet.

Doch wie immer haben wir uns nicht lange aufhalten wollen
und uns gleich wieder ins Vergnügen gestürzt, mit der Warnung, dass man in der
Gegend die Taschen festhalten soll, da man sonst schnell Opfer von Dieben auf
vorbeifahrenden Mopeds wird, die einem das Gepäck vom Hals reißen. Klopf auf
Holz, wir sind im ganzen Urlaub kein einziges mal bestohlen worden, waren aber
nie wirklich leichtsinnig. Unsere wichtigsten Wertgegenstände haben wir immer
irgendwo am Körper mitgeführt, selbst wenn es im Kajak in einer wasserfesten
Bauchtasche war. Irgendwie muss einem ja zu Gute kommen, dass man sich im
Vorfeld schon den Kopf über Aufbewahrungsmöglichkeiten, Gepäckminimierung und
Sicherheitsvorkehrungen zerbrochen hat.


Hier habe ich es tatsächlich zum ersten Mal geschafft, fast
einen Sonnenstich zu bekommen. Die brennende Hitze um die Mittagszeit, dazu
noch der Lärm, die Müdigkeit und der ganze Stress, dann wieder in einer neuen
Stadt, das hat einen fast umgehauen.
Man sollte es einfach den Hiesigen gleichtun und sich über
Mittag die nötige Auszeit gönnen, und wenn man sich auf dem Moped, dem Gehsteig
oder wo auch immer breit macht. Der vietnamesischen Kreativität sind da keine
Grenzen gesetzt.

Selbst der bekannte Ben Thran-Markt hat das Ganze nicht
besser gemacht. Die Märkte sind so was von zugestopft und eng mit all ihren
Ständen, dass wir uns gefragt haben, wie man darin freiwillig shoppen kann.

Wäre da nicht ein Obststand gewesen, die Durians verkaufen, dann wären wir
gleich wieder geflohen. So erst nach deren Kauf, da es in geschlossenen Räumen
kein Asiat für eine gute Idee hält, diese stinkende Frucht zu essen. Wir kennen
das ja schon von Thailand, wo es sogar unter Strafe steht, die Durian
auszuführen oder in öffentlichen Gebäuden zu essen. Wenn man sie mit ins Hotel
nimmt, muss man eine Nacht länger zahlen, bis das Zimmer ausgelüftet ist.

Auch wenn sie sich in unseren Augen ganz schön echauffieren,
diese Frucht riecht wirklich nicht angenehm, aber sie ist so etwas von
köstlich, dass sogar Flo dieses Mal davon probiert hat, unter Vorbehalt.
Allerdings beschreiben kann ich den Geschmack leider nicht, zumindest nicht so,
dass es noch appetitlich klingt. Ausprobieren!!!

Danach war es mir dann aber richtig schlecht, und ich war
froh, dass wir uns endlich wieder etwas die Beine vertreten konnten. So richtig
warm werden wollte ich anfangs dennoch nicht mit der Stadt, auch wenn wir
vorher schon gewettet hatten, dass uns der Norden besser gefällt. Ehrlich
gesagt, so war es dann aber auch. Trotzdem muss man auch hier einmal gewesen
sein. Ist Ha Noi die kulturelle Hauptstadt, ist es Ho Chi Minh City in Sachen
Entwicklung und Zeitgeist. Immerhin hat die Stadt 7 Millionen Einwohner und
wächst stets weiter. Alles ist hier modern und vor allem geschäftiger. Aufgrund
der langen Besatzungszeit, zuerst von den Franzosen, später von den
US-Amerikanern, ist das aber auch kein Wunder.

 
Der frühere Name „Sai Gon“ ist bei den
Einheimische auch heute noch gebräuchlich, HCMC wird hauptsächlich bei allen
formellen Abhandlungen und international genutzt. Sai Gon bezeichnet heute das
alte Zentrum im Distrikt 1, wo sich alle wichtigen Gebäude der Kolonialzeit
befinden und wir unsere Erkundungstour gestartet haben.
Der Nyuyen Hue Boulevard gleicht einem Paradeplatz und ist
an beiden Seiten von gigantischen Skyscraper gesäumt. Wenn irgendwo das Gefühl
von Platzangst aufkommen sollte, dann sicher dort.

Trotzdem ist es interessant,
einen Blick auf das Alte Rathaus (Sitz des Volkskomitees) und vor allen auf den
Bitexco Financial Tower zu werfen, den wir später auch mal einen Besuch im 49.
Stock abgestattet haben, um auf die Stadt hinabzuschauen.

Etwas wohler habe ich mich in der berühmten Dong Khoi
gefühlt, die neben all den alten, zugegeben sehr dekadenten, Kolonialbauten endlich
wieder Schatten spendenden Bäumen im Programm hatte. So zieht man am Flussufer
vorbei am „Majestic Hotel“, in dem Graham Greene in den 50er Jahren
den Roman „Der stille Amerikaner“ geschrieben hat, passend vor Ort zu
den damaligen Weltgeschehnissen; außerdem am Hotel „Continental“ und
der neoklassizistischen Oper bis hin zur neoromantischen Kathedrale „Notre
Dame“ mit seinen zwei 40 Meter hohen Türmen, welche erst 1959 mit der
Einwilligung vom Vatikan zur Marien-Kathedrale geweiht wurde. Sie ist die größte
Kirche, die jemals in den Kolonien gebaut wurde, und die Backsteine sind in
Wirklichkeit rote Fliesen aus Marseille, mit dem der Granitsteinbau nur
verkleidet wurde.

Ein persönliches Highlight und kleines Geburtstagsgeschenk
war für mich der Besuch im wunderschönen, von Gustave Eiffel erbautem,
Hauptpostamt. Dort saß tatsächlich der weit über 80jährige Briefübersetzer, den
wir schon im Fernseher gesehen haben und ich neugierig war, ob es ihn immer
noch gibt. Wie man sehen kann, er lebt noch, und ich habe mich darüber sehr
gefreut und mit ihm einen kleinen Plausch abgehalten…


Sehr einprägsam war der Besuch im
„Kriegsrelikte-Museum“, ehemals „Museum der amerikanischen und
chinesischen Kriegsverbrechen“. Man braucht nicht lange erklären, warum dies
umbenannt wurde, auch wenn der Titel eindeutig mehr Aussagekraft hat.

In erster Linie sind es die Bilder, die es einem antun, die
einem den Hals zuschnüren und den Kopf über so viel Grausamkeit schütteln
lassen, wie ein Mensch einem anderen so etwas antun kann und welche schlimmen
Folgen Napalm & Agent Orange angerichtet haben, auch Generationen später
noch. Als gelernte Krankenschwester war ich schon einige Anblicke gewohnt, aber
NIE bin ich von solch krassen Entstellungen und so viel Leid ausgegangen.

Am meisten geschockt hat mich aber, wie man auch hier noch
den Fotoapparat zücken und die Bilder fotografieren kann. Wir wollten schnell
weg hier, aber vergessen wird und soll man so etwas auch nicht.
 
Trotzdem stand nun noch etwas ganz Besonderes an; der Besuch
der Pagode des Jadekaisers (Chua Ngoc Hoang), wie es der Volksmund sagt oder
aber wörtlich übersetzt „Schildkröten-Heiligtum“, was man auch an dem
Teich davor mit der Unzahl an Schildkröten sehen kann. Die Pagode ist das
wichtigste Heiligtum von HCMC und wird entsprechend besucht. Der Jadekaiser ist
die wichtigste Gottheit der Taoisten und gilt als Wächter zum Tor des Himmels.
Wer von ihm in den Himmel gelassen werden will, muss ein Leben voller
Verdienste geführt haben, ansonsten kommt er in eine der 10 Höllen.

Von außen wirkt die Pagode nicht allzu groß, aber im Inneren
ist sie so aufwendig und liebevoll gestaltet, dass man schon einige Zeit
verweilen kann. In der Haupthalle thront der Jadekaiser, flankiert u.a. von
seinen 4 Wächtern, in einer weiteren Halle befinden sich unzählige Holztafeln
mit aufwendigen Schnitzereien, die die 10 Höllen beschreiben, und hinter dem
Altar bewacht der König der Hölle das Treiben. Gläubige streichen seinen
Pferden über den Kopf und dann sich selbst, um Glück zu erbitten.

Ein weiterer Raum ist nur den Frauen vorbehalten und wird
von 12 Frauen-Bildnissen, die dem chinesischen 12-Jahres-Kalender zugeordnet
sind, und einer Quan Am (Göttin der Barmherzigkeit) gesäumt.

Auch trifft man immer und überall auf Ong Tao, den Küchengott,
welcher im Herd residiert und dem Jadekaiser als Spitzel dient. Er weiß genau,
was in jeder Familie unterm Jahr vor sich geht und berichtet es dem Jadekaiser
einmal im Jahr zum Tet-Fest, woraufhin Strafe oder Belohnung folgt. Nicht
umsonst gibt es in jedem Haushalt einen extra Altar für Ong Tao, um ihn mit
Speiseopfern milde zu stimmen.

 
Noch bis in die Dunkelheit hinein, haben wir uns an dem
ersten Tag zurück zum Hotel über einige kleine Pagoden, Tempel und Kirchen
gearbeitet und die Nacht garantiert gut geschlafen.


Am nächsten Tag haben wir einen kleinen Ausflug gemacht,
worauf ich gleich noch einmal separat eingehen will. Doch abends haben wir
tatsächlich noch etwas Zeit gefunden, den Bitexco Financial Tower in HCMC zu
besuchen. Fraglich, ob man dem Saigon Skydeck unbedingt einen Besuch
abgestattet haben muss, aber immerhin hat man so die Stadt bei Dunkelheit vom
49. Stock aus sehen können.

 
Cu Chi Tunnel / Tay Ninh – 25.04.2017 
 
Wie schon fast alles andere zuvor, wollten wir auch diesen
Ausflug auf eigene Faust organisieren, haben uns dann aber doch dagegen
entscheiden müssen, da uns das fast 10fach so teuer gekommen wäre, wie sich
einer Gruppe anzuschließen. Auch vom Transfer her wäre das unwahrscheinlich
kompliziert geworden, da gerade Tay Ninh schon fast an der kambodschanischen
Grenze liegt und etwas schwer mit öffentlichen Transportmitteln zu erreichen
ist. Aber wir hatten Glück im Unglück und eine recht kleine Gruppenstärke von
nur 10 Leuten und wirklich einen top Guide.
Auf dem Weg zum ersten Ziel haben wir einen kleinen
Zwischenstopp eingelegt. Man kennt das ja; schaut sich einen Shop an und fühlt
sich verpflichtet, irgendetwas zu kaufen. Wir sagen immer: „Nicht mit
uns!“ Aber dieses Mal war alles anders!
Wir wurden durch eine Werksatt geführt und konnten zuschauen,
wie kleine Kunstwerke hergestellt wurden. In liebevoller Kleinstarbeit wurden
Eierschalen zerstückelt und auf Vorlagen geklebt, bemalt, weiterbehandelt und
geschliffen bis diese wundervollen Lackwaren mit den typischen vietnamesischen
Motiven entstehen. Das Besondere daran ist, dass diese Sachen von körperlich
Behinderten angefertigt werden, allesamt Opfer des „Amerikanischen
Krieges“ (Vietnamkrieges), Opfer von Agent Orange in der 2. und 3.
Generation. Wir konnten nicht anders und haben uns auf die Maße unseres
Rucksackes besonnen und wenigstens ein kleines Bild gekauft, da wir finden,
dass solche Projekte unbedingt gefördert werden müssen. Außerdem haben wir so
ein ganz persönliches Andenken an Vietnam.


Zur Religion des Caodaismus habe ich ja schon weiter oben
etwas geschrieben. Wir konnten kaum erwarten, den „Heiligen Stuhl“
der Cao Dai in Tay Ninh zu besuchen. Allerdings hatten wir etwas Sorge, dass er
recht überlaufen ist. Jeden Tag um 6, 12, 18 und 0 Uhr sind Gottesdienste, und
nur während diesen Zeiten kann man einen Blick in das Innere des Tempels
werfen. Das Glück war uns hold, so dass wir selbst um die Mittagszeit auf nicht
zu viele Touristen getroffen sind.
Vom ersten Moment an waren wir beeindruckt, allein schon von
der Größe her, welche es fast unmöglich macht, den Tempel auf ein Foto zu
bekommen. Schon von außen kann man die verschiedenen Einflüsse der
unterschiedlichen Religionen erkennen. Die barocke Fassade und die
Buntglasfenster, dem Katholischen ähnlich, die Kuppel in der Mitte, die an eine
Moschee erinnert, der Buddha auf dem Dach und viele weitere asiatische
Stilelemente. Im Inneren wird man regelrecht erschlagen von der Farbenpracht
und all den aufwendigen Verzierungen an der Decke und den Säulen. Zentraler
Punkt ist das „Allessehende Göttliche Auge“ auf einem Globus am
Hauptaltar, welches Wissen und Weisheit symbolisiert.
Von oben hatten wir einen super Blick auf den Gottesdienst.
Gleichzeitig wurden wir von einem etwas gewöhnungsbedürftigen Gesang von hinten
beschallt, der sich schlecht beschreiben lässt.
Die Laien, wie man die einfachen Gläubigen nennt, tragen
weiße Gewänder, die höherrangigen Mitglieder entsprechend Gelb für Buddhismus, Rot
für Konfuzianismus und Blau für Taoismus; alles streng getrennt nach Geschlecht
– rechts die Männer, links die Frauen. Schon beim Betreten der Cao Dai Tempel
sollte man darauf achten, den richtigen Eingang zu nehmen.

 Wenn man in Vietnam ist, dann sollte man sich auch mit deren Geschichte auseinander setzen.
Wir haben das mehrfach getan, aber nur wenn man

die Cu Chi-Tunnel besucht hat, kann man annähernd erahnen, welchen Bedingungen
die Viet Cong (präzise: Zusammenschluss südvietnamesischer Freiheitskämpfer und
oppositioneller Kräfte mit denen des Nordens) und ihre Familien während des
Vietnamkrieges ausgesetzt waren.
Das ausgetüftelte Tunnelsystem hat sich über 220 km und
mehrere Ebenen bis zu 10 Meter Tiefe erstreckt. Von hier aus konnten die
Widerstandskämpfer nach Guerillataktik Anschläge auf amerikanische Gruppen
ausüben und sich danach wieder in ihr Labyrinth zurückziehen, was entscheidend
zum Sieg gegen die Amerikaner beigetragen hat.

Diese haben verzweifelt versucht, mit Spürhunden und
Stethoskopen die winzigen, mit Laub bedeckten Eingänge zu finden. Und selbst
wenn sie sich in einen Tunnel rein verirrt haben, sind sie nicht weit gekommen,
weil diese so eng gebaut sind, dass nur ein kleiner schmaler Vietnamese
durchkommt. Für Touristen haben sie die Tunnel zwar teilweise etwas erweitert,
aber selbst für mich wurde es schon ganz schön eng und stickig, und das noch
bei den tropischen Temperaturen draußen. Flo hat gleich den ersten Ausgang
wieder genommen, ich bin immerhin bis 6 Meter unter die Erde hinter einem
kleinen Führer her. Als es dann allerdings hieß vom Bücken nun auch noch ins
Kriechen überzugehen, hat der Rest der Truppe einstimmig kapituliert.

Nun stelle man sich einmal vor, darin tagein & tagaus zu
verbringen, zu schlafen, zu kochen und sogar Kinder zur Welt zu bringen.

Beeindruckend, was für ausgeklügelte Systeme die Viet Cong
entwickelt haben, um Essensdampf abzuleiten, die Tunnel zu belüften, die
Eingänge zu verstecken oder auch übers Wasser einzusteigen. Und über ihnen
tobte der Krieg.

Selbst die legendäre, aus Gummireifen hergestellte, Ho Chi
Minh-Sandale hatte nicht nur den Zweck, dem feuchten Klima zu trotzen, sondern
war so konzipiert, dass man sie auch verkehrt herum anziehen konnte. Einen
Schuh nach vorne, den zweiten nach hinten ausgerichtet, wurde der Feind nun
komplett in die Irre geführt, wenn der sich im Spurenlesen üben wollte.

Krass dagegen die tödlichen Sprengfallen und Falltüren mit
darunter befindlichen mit Gift getränkten Bambusspitzen usw…

Bitte, wer kann so etwas freiwillig heraufbeschwören. Da
wird einem klar wie gut es uns in der heutigen Zeit ohne Krieg eigentlich gehen
sollte.

 
 
Mekong Delta – 26.-28.04.2017 
 
Letzte Station des 4500 km langen Flusses, der in Tibet
seine Ursprung hat, ist das Mekong-Delta im Süden Vietnams in den „Fluss
der neun Drachen“. Da dieser auf seinen Weg zur Mündung einiges an Schlamm
mitreißt, ist diese Gegend unwahrscheinlich fruchtbar und bietet sich bestens
zum Anbau von Nassreis und vieler einheimischer Obstsorten an. Vietnam ist
weltweit der zweitgrößte Reisexporteur.
 
Lustig war schon die Anreise ins Delta. Man hatte uns FUTA
empfohlen, ein Busunternehmen, das recht zuverlässig sein soll. Wie immer hat
alles gut geklappt, und der allgemeine Vietnamese hat danach geschaut, dass wir
auch pünktlich einsteigen.
Allerdings ist der erste Bus, in den man einsteigt, nie der,
mit dem man auch weiterfährt. So ging es von der Stadt erst einmal an den Bahnhof
für Busse, die in den Süden fahren. Dann hieß es wieder warten; man kann vorher
nie sagen wie lang. Da wir nicht wussten, wann wir wieder was zum Essen bekommen,
haben wir uns eilig was gekauft, in der Annahme, im Bus irgendwann essen zu
können. Doch leider wurde es uns verwehrt, damit einzusteigen, und so haben wir
uns die Teigtaschen reingewürgt, weil wir nicht eingesehen haben, schon wieder etwas
wegschmeißen zu müssen. Es ist für uns schon gewöhnungsbedürftig genug, aus
Höfflichkeit immer etwas auf dem Teller liegen zu lassen.
Doch auch danach ging nicht reibungslos weiter. Es hieß erst
einmal „Schuhe ausziehen“ und in eine Tüte zu packen. Wir waren es ja
schon gewohnt, dass man die Schuhe nicht nur an der Haustür ausziehen muss,
wenn man jemand privat besucht, sondern auch schon in den Gästehäusern und
Läden. Aber nun auch noch im Bus?
Ohne es zu wissen, hatten wir Plätze in einem Schlafbus
reserviert, und so wurden wir samt Sack und Pack und Schuhen auf einen
Liegesitz verfrachtet. Das hätte es zwar nicht zwingend gebraucht bei 3 nur Stunden
Fahrt, aber ich muss zugeben, sie sind sehr komfortabel, und so haben wir auch
diese Art der Fortbewegung mal ausprobiert.
Endlich im Bus dachten wir, kann ja nichts mehr schief gehen,
als dieser eine halbe Stunde vorm Ziel angehalten hat. „Umsteigen“
hieß es bzw. hat man uns 2 Ausländern versucht klar zu machen. Nun standen wir
erst mal an einer großen Raststätte als einzige mit unseren Schuhen in der Hand
und wussten nicht wohin wir als nächstes einsteigen sollen. Zum Glück haben wir
eine Dame aus dem Bus wieder erkannt, an deren Fersen wir uns geheftet haben, und
sind ungefähr nach einer halben Stunde wieder in den gleichen Bus eingestiegen.
So funktioniert das also: Halbe Stunde Rast zum Essen und Toilette, Schuhe im
Bus lassen und Badeschlappen anziehen, und dann geht es im gleichen Bus weiter,
vorausgesetzt man weiß, welcher das war, wenn doch alles und jeder in unseren
Augen gleich ausschaut. Auf dem Rückweg wissen wir es ja dann…


Da wir unsere Pläne ein wenig umgeschmissen und nun noch
etwas Zeit hatten, wollten wie 3 Tage im Delta verbringen und uns verschiedene Regionen
anschauen. Unser erstes Ziel war Vinh Long, wo wir uns mit dem Xe Om
(Motorrad-Taxi) zur Fähre bringen lassen und mit dieser dann zur Insel An Binh
übergesetzt haben.

Zuvor mussten wir aber endlich auch mal den Zuckerrohrsaft
probieren, der an kleinen mobilen Ständen frisch „gepresst“ wird.

Die meisten Touristen machen nur Ausflüge zu Städten wie My
Tho weiter oberhalb in Delta, und wenn sie hierher kommen, dann nur für
Tagesausflüge; am Abend sind sie oft schon wieder weg. Besonders An Binh hat
kaum Schlafgäste, was es für uns so reizvoll gemacht hat. Wir wollten Natur und
Menschen einfach noch etwas unberührter erleben, und das ist uns auch ganz gut
gelungen.

Ambitioniert wie immer wollten wir uns zu Fuß zum Homestay
aufmachen, um noch ein kleines Gemeindehaus anzuschauen und schon die ersten
Eindrücke von der Insel mit seinen Plantagen und Obstgärten zu gewinnen.

Doch
bei beißenden 40 Grad in der Mittagssonne waren wir froh, nach einer Stunde
endlich in der Unterkunft angekommen zu sein und noch mehr, dass wir eine der
optisch weniger schönen Hütten gewählt haben, die dafür eine Klimaanlage hat.
Tatsächlich habe ich es mal fertig gebracht, eine Stunde zu ruhen bevor es
weiterging; sie Sonne hatte mich quasi matt gesetzt.

Doch bald schon haben wir uns 2 Räder geschnappt, um die
Insel etwas weitläufiger erkunden zu können. Leider gibt es die Bonsai Gärten
nicht mehr, aber dafür wir haben so viel anderes Schönes gesehen. Allein schon
an diesen kleinen Flüssen über Sand- und Schotterpisten unter Obstbäumen
hindurch zu radeln, ist schon ein Erlebnis für sich. Dabei ist weit und breit
kein Mensch zu sehen, zumindest auf dem Weg.

Sobald man wieder in so eine Art
Dorf kommt, geht es dafür richtig zur Sache, und man wird hordenweise von
Kindern umgeben, die sich freuen, einem zuwinken und ein „Hello“
entgegen werfen. Man kann gar nicht anders, als gute Laune zu bekommen.

Einen kleinen Cao Dai-Tempel haben wir auch besuchen dürfen.
Eine Gläubige hat ihn extra für uns aufgemacht hat, nachdem wir neugierig darum
geschlichen sind.

Aber die Highlights waren einfach die Natur und die Leute, die in simplen
Blechhütten hausen, jede zweite mit Friseurstuhl, die im Mekong Baden, ihre
Wäsche und ihr Geschirr waschen, die uns Touris zulächeln und vielleicht trotz ihrem
wenigen Hab & Gut glücklicher sind als wir.

Noch ein paar Leckerein hier und da am Rande vernascht, dann
gegen die Dunkelheit angeradelt, was Schönes sich im Homestay kochen lassen und
dann glücklich in der Hängematte gechillt…

Allerdings auch hier nicht ohne
Hindergrundgeräusche. Wenn selbst keine Hupe mehr schrillt, kein Vietnamese
mehr schreit, kein Generator mehr brummt, dann setzen Zikaden ein Konzert in
einer Lautstärke an, dass selbst ein Techno-Schuppen die reinste Erholung
dagegen ist. Aber sei’s drum. 😉

 
Frühstück am Board des hauseigenen Boots, zugegeben etwas
überdimensioniert für uns zwei, mit lecker Baguette, Bananen und
Vietnamesischen Kaffee, so konnte der Ausflug auf dem Mekong schon vor
Sonnenaufgang zu den „Schwimmenden Märkten“ in Cai Be starten.

Noch
einmal kurz an einer schwimmenden Tankstelle nachgetankt, dann ging es über
Seitenarme auch schon auf den Mekong. Wahnsinn wie riesig dieser Fluss ist.

Es hat nicht lange gedauert, und wir haben den
„Schwimmenden Markt“ erreicht. Ich muss ehrlich sagen, dass ich etwas
enttäuscht ob der Größe war. Eigentlich hatte ich viel mehr und viel kleinere
Boote erwartet, die am frühen Morgen ihre Waren vor der Uferkirche austauschen.

Leider war unser Bootsführer der englischen Sprache nicht mächtig, was es
vereinfacht hätte, sich auszutauschen und Enttäuschungen vorzubeugen. Aber im
Nachhinein haben wir erfahren, dass diese Märkte leider immer weniger werden,
da auf dem Lande in Ufernähe mehr und mehr feste Markthallen entstehen, wo im
großen Stile eingekauft wird. Von daher sollte man die letzten Boote noch
solange genießen wie es sie gibt, bevor vielleicht schon im nächsten Jahr auch
diese Attraktion ausradiert wird.

Trotzdem haben wir uns an den wenigen verbliebenen Boote und
den Pfahlhäuser am Ufer erfreut, die über Stelzen im Flussbett verankert sind.
Bei Niedrigwasser sind sie über „Affenbrücken“ nur vom Ufer aus zu
begehen, bei Hochwasser nur mit dem Boot zu erreichen; hingegen zu den
„Schwimmenden Häusern“, die auf Fässern auf dem Wasser treiben.

Eins der Boote haben wir direkt angesteuert und sind an Bord
gegangen, um uns durch das reichhaltige Obstsortiment zu kosten. Wir sind zwar
Beide nicht die ausgesprochenen Obst-Esser, aber hier schmecken die Früchte so
herrlich süß, dass selbst wir das eine Mal bisschen was ausprobieren wollten.
Lecker!!!


Mit einem kleineren von Hand geruderten Boot ging es in
aller Gemütlichkeit durch die engeren Flüsschen. Herrlich ruhig und von der
Natur eine Sensation.

Zum Schluss haben wir noch eine kleine Candy-Fabrik besucht
und zugeschaut, wie Bonbons und Süßigkeiten aus Reis hergestellt werden, nicht
ohne einiges davon zu probieren, so wie auch den hauseigenen Schlangenschnaps.
Selbst dieser wird aus Reis gemacht, wie auch das Reispapier, in welches man
alles Mögliche an Lebensmittel in Vietnam einwickelt.


Kaum zurück an der Unterkunft ging es auch schon wieder
weiter nach Can Tho.

Dieses Mal mit einem anderen Bus, weitaus unkomfortableren
Linienbus. Es lebe FUTA!!! Beim nächsten Mal wieder…

Wäre es nach Flo gegangen, hätten wir vielleicht ein Taxi ab
dem Zeitpunkt nehmen sollen, wo wir den Bus in Richtung neues Homestay
verlassen haben. Zu meiner Verteidigung, wir haben uns nach der Busfahrt gemeinschaftlich
für einen Fußmarsch entschieden, und auch ich konnte nicht wissen, dass der Weg
4 km lang direkt an der Ausfahrtstraße doch nicht so atmosphärisch ist und sich
gefühlte 5 Stunden zieht. Dafür haben wir an den Straßenständen einiges an
Leckerein probieren können, damit wir die letzten Tage das wieder zunehmen, was
wir in den ersten abgenommen haben.
Irgendwann haben wir die gut versteckte Unterkunft doch noch
gefunden und fast schon so was wie Erleichterung verspürt. Warum wir in einen
Holzbungalow weit außerhalb der Anlage sollten, wo auch noch lautstark
renoviert wird, haben wir dann doch nicht eingesehen und uns für einen einfachen
Bungalow in der Nähe der Rezeption entschieden, auch wenn dann das Frühstück
und die Radel nicht im Preis enthalten waren. Was soll’s!
Wir wollten es unbedingt wissen, wie sich so eine kleine
Holzhütte direkt am Wasser anfühlt, ohne AC, Toilette halb im Freien, aber
zumindest Moskitonetz. Allerdings waren wir froh, dass wir nur für eine Nacht
gebucht haben. Auch wenn man es gewohnt ist, von Sonnencreme tagsüber und von
Mückenschutz nachts zu kleben, die Klimaanlage macht den Schlaf etwas erträglicher
und man neben kleben nicht auch noch vor Hitze tropft.

Apropos Tropfen, gleich nach unserer Ankunft musste es mal
so richtig schütten, was die Stimmung nicht gerade positiv beeinflusst hat.
Eigentlich wollten wir mit dem Rad auch hier die Gegend, wie am Tag zuvor schon
auf der Insel, erkunden, weil es einfach etwas anderes ist, ob man den Mekong
und seine zahlreichen Kapillaren nur vom Fluss oder auch vom Land aus sieht.
Doch nun hieß es erst einmal Zwangspause; zumindest für eine halbe Stunde.
Danach hat es uns allerdings etwas pressiert, weil in 2 Stunden die Sonne schon
wieder unterzugehen drohte. Leider haben wir in der kurzen Zeit nicht mehr viel
zerreißen können und uns ganz schön verfranst. In dem Labyrinth der Flüsse und
kleinen Pfade hilft kein Navi der Welt; und erst Recht nicht gar keins.

Aber auch hier waren es wieder die kleinen Eindrücke, die
wir im Herzen mit nach Hause nehmen.

Zugegebenermaßen hatte ich am Abend dann echt mal die
Schnauze voll von „Aktivurlaub“. Flo konnte einfach die Augen nicht
mehr aufhalten, aber ich habe unter höchster Anstrengung noch 2 Stunden im Netz
recherchiert, um die nächsten Tage zu planen und zu buchen. Gut, dass wir bis
dahin das erste Mal noch gar nicht wussten, was wir als nächstes machen. Flo
musste es am nächsten Morgen einfach nehmen, wie ich es für uns entschieden
habe. Aber er ist zum Glück ein dankbarer Abnehmer meiner Ideen.

 
Neuer Tag, neues Glück,… und wieder kein Bootsführer, der
Englisch kann. Zugegebenermaßen ein nettes Kerlchen, aber die Erkenntnis nützt
auch nicht immer.
Dieses Mal sind wir mit noch einem kleineren Boot, aber
immerhin sehr komfortablen Sitzen, ausgerückt. Aber so kommt man einfach noch
näher an die Boote auf den „Schwimmenden Märkten“ heran. 5:30 Uhr
ging es schon los, damit wir noch vor Sonnenaufgang am Markt sind, bevor die
ganzen Touristen-Boote kommen.

In Cai Rang war es schon etwas betriebsamer,
wenn auch hier die etwas größeren Kutter in der Mehrzahl waren.

Deshalb hatten
wir uns entschieden, den Fluss entlang zum 14 km entfernten kleineren Phong
Dien-Markt zu schiffen. Dort haben wir endlich auch das zu sehen bekommen, was
wir uns erhofft haben. Trotzdem, man spürt es auch hier, die Stunden sind
gezählt.

Leider hat die Stimmung etwas getrübt, dass wir einfach
nicht wussten, was der Bootsführer mit uns vorhat. Ein paar Handzeichen zur
Erklärung hätten uns ja auch schon genügt. Aber einfach so eine halbe Stunde am
Ufer auf einer Holzterrasse zu sitzen, den Nachbarn beim Obstessen zuzuschauen,
selber nichts zu essen oder zu trinken zu bekommen und etwa ratlos unseren kleinen
Vietnamesen dabei zu beobachten, wie er zum Markt fährt und eine Ananas
schnitzt, und wir anschließend wieder unverrichteter Dinge ins Boot einsteigen
sollen, war schon wirklich sonderbar. Ich habe mir etwas schwer getan, keine
schlechte Laune zu bekommen und war froh, dass wir vorher von einem Boot noch
ein Päckchen Chili-Bananen-Chips abgekauft haben.

Noch ein paar Zwischenstopps, die es mehr oder weniger gebraucht hat, dann
waren wir erst mal bedient und froh, wieder dauerhaft festen Untergrund unter
den Füssen zu haben.

Wir haben zwar das gesehen, was wir wollten, aber ein
ungutes Gefühl war zumindest mein stiller Begleiter. Vielleicht lag es einfach
nur daran, dass wir zu diesem Zeitpunkt schon etwas auf dem Zahnfleisch
gekrochen sind und nicht mehr so geduldig waren, um einfach mal abwarten und
etwas genießen zu können.

Vietnamesen sind sehr liebe Menschen, die in der Regel auch
Contenance bewahren, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Dafür haben sie ihre
verschiedenen Arten des Lächelns, die alles heißen können, von Zustimmung bis
Ablehnung; aber sie lächeln. Das Gesicht zu verlieren gilt fast schon aus
Sünde. Zwar habe ich nicht die Beherrschung verloren, aber mir auch schwer
getan, immer zu lächeln. Ich bin mir sicher, dass wir mit etwas mehr
Entspanntheit manches Mal weitergekommen wären. Doch wenn man immer unter
Zeitdruck steht, ist das leider etwas schwierig. Trotzdem nehmen wir auch das
Mekong-Delta in guter Erinnerung mit nach Hause, und an diesem Nachmittag erst
mal mit nach Ho Chi Minh City; dieses Mal wieder im FUTA-Bus. 😉  
Ho Chi Minh City – Teil 2 – 29./30.04.2017 
 
Die letzten 2 Tage unserer Reise haben wir noch einmal in
HCMC verbracht. Zwar hätten wir noch einige andere Punkte auf dem Programm
stehen gehabt, aber noch einmal Transfer wollten wir uns nicht antun und hätte
die Zeit auch nicht wirklich zugelassen.
Außerdem haben unsere Rucksäcke ja schon auf uns gewartet,
um von einem Hotel ins nächste und am Tag darauf noch einmal 2 Strassen
weitergebracht zu werden, damit es ja nicht langweilig wird. Aber so sind wir
in den Genuss gekommen, einmal trotz Backpackers-Viertel ruhig zu schlafen, und
beim allerletzten Hotel haben wir das beste Frühstück der Welt bekommen und aus
ca. 30 Gerichten wählen können. Der Wahnsinn! So etwas haben wir noch nie
erlebt; nicht in Vietnam und auch nirgends anders.
Leider hatten wir danach gar keinen Hunger, noch ein letztes
Mal uns durch Viertel zu „räupeln“.
Einziges Manko war, dieses Hostel erst einmal zu finden.
Doch wir wollten es unbedingt alleine schaffen, uns durch dieses komplizierte
Adressensystem von Strassen, Gassen, Nebengassen & Co zu fitzen.
 
Cho Lon, auch bekannt als China-Town, wollten wir uns
unbedingt noch anschauen mit all seinen alten Pagoden, die zu den schönsten der
ganzen Stadt zählen.
Über die 4 wichtigsten Pagoden will ich kurz berichten:
Die Nghia An Hoi Quan-Pagode ist die älteste der Stadt und
wurde früher als Versammlungshalle chinesischer Einwanderer genutzt. Als Zeichen
ihrer langen Reise hängt über dem Eingang ein vergoldetes, geschnitztes Schiff.
Gewidmet wurde dieses spirituelle Zentrum Quan Cong, einem zum Gott erhobenen
General und seinem Stallknecht Nghia An; so auch der Name.

Noch beeindruckender fanden wir allerdings die Thien
Hau-Pagode, die einem mit ihren Keramikfriesen und filigranen Schnitzereien
sofort ins Auge sticht. Der Legende nach soll Thien Hau als Kind von ihrem
Vater vorm Ertrinken gerettet worden sein und ist seitdem Meeresgöttin und
Schutzpatronin der Seeleute. Deshalb kamen nach Kriegsende viele Chinesen, die
übers Meer vor den neuen Besatzern flüchten mussten, hierher, um Schutz zu
erbitten. Aus Dank dafür, dass sie diese gefährliche Reise überlebt haben,
schickten sie später Geschenke und Spenden, so dass dieser Tempel heute reich
geschmückt ist.

Wir haben auch eine Kleinigkeit gespendet und durften so
eine der riesigen Räucherspiralen anzünden, die dann an der Decke im
Hauptheiligtum nach oben gezogen wurde und scheinbar ewig brennt.

Übrigens auf die kleinen roten Papierstreifen, die überall
an den Wänden hängen, schreiben die Gläubigen ihre Gebete, und wenn ein
Lufthauch durch die Papiere weht, werden die Gebete zu Thien Hau getragen.

Interessant war auch, endlich mal dabei zuschauen zu können,
wie das Papiergeld im Ofen verbrannt wird, um es den Ahnen im Jenseits zukommen
zu lassen.

Über Quan Am, die Göttin der Barmherzigkeit, habe ich ja
schon was geschrieben. Für die dritte Pagode, die von den Fukien-Chinesen als
Versammlungshalle gegründet wurde, ist sie Namensgeberin und selbst auch als
Statue am Hauptaltar zwischen dem historischen und dem zukünftigen Buddha zu
sehen. Insgesamt gibt es 16 Götter, die die Gläubigen hier verehren können.

Auch wenn wir keine Pilger sind, haben wir am Eingang
Räucherstäbchen gekauft, um sie in der Pagode zu opfern. Allerdings habe ich
die ganze Packung mit einem Mal versenkt, weil mich ein starker Hustenanfall
überkam. Na, soviel Rauch bin dann selbst ich nicht gewohnt.

Es ist auf jeden Fall ein Erlebnis, den Gläubigen bei ihrem
Gebet zuzuschauen und wie sie ihre Opfergaben niederlegen, auch wenn man sich
teilweise wie ein Eindringling fühlt. Aber man kann nur weitergeben, was man
wirklich selbst erlebt hat.

Der letzte Tempel, über den ich kurz berichten möchte, ist
die Phuoc An Hoi Quan-Pagode, die ebenfalls General Cong gewidmet wurde. In
dieser kann man seinem Reittier Opfer bringen, was Glück für eine bevorstehende
Reise bringen soll.


Neben all den Tempeln wollten wir aber auch noch etwas von
dem Treiben im chinesischen Händler- und Marktviertel sehen. Wenn man sich in
Ha Nois Altstadt schon gedacht hat, es wäre laut, eng, bunt und die Leute
geschäftig, dann sollte man nach Cho Lon in HCMC kommen, um zu sehen, dass
alles noch eine Spur lauter, enger, bunter und geschäftiger geht. Flo ist das
ganz schnell zu viel geworden, und auch ich hatte irgendwann genug gesehen und
war für einen taktischen Rückzug bereit.


Den letzten Tag in Vietnam wollten wir uns nicht mehr
stressen lassen. Nach besagtem, ausgiebigem Frühstück haben wir uns noch einen
Hindu-Tempel (Sri Mariamman) angeschaut, von denen es in Vietnam eher weniger
hat. Nicht nur Hinduisten, sondern auch buddhistische Vietnamesen bitten hier um
Glück. Daran sieht man den eher pragmatischen Umgang mit Religionen in Vietnam.

Die Moschee durfte sich Flo dann allerdings alleine
anschauen.


Noch ein letzter Spaziergang durch die Stadt, ein letzter
Vietnamesischer Kaffee,

ein letztes Lunch, auch wenn man nicht immer definieren
konnte, was man gerade gegessen hat,

noch das letzte Geld ausgeben, schnell das
letzte Mal geduscht und bei der Gelegenheit bei den hiesigen kabinenlosen
Duschen das ganze Bad unter Wasser gesetzt, dann ging es easy und entspannt mit
dem Bus zum Flughafen. Dieses Mal waren wir sogar 3 Stunden früher schon vor
Ort, um ja nicht den Flug zu verpassen. Konnte doch keiner ahnen, dass wir so
gut durch die sonst stark verstopften Strassen kommen. Dafür wurde unser Geduld
ein letztes Mal von ganz anderer Seite her auf die Probe gestellt. Von Indern!!!

Indien in Vietnam
 
Eigentlich wollte ich mir irgendwann auch einmal Indien
anschauen. Doch das werde ich mir nun noch einmal genau überlegen müssen. 3
Stunden vor Abflug schon sitzen Horden von Indern auf ihrem Gepäckwagen am
Check-In-Schalter als würde es keine Sitzplatz-Reservierung geben und das
Flugzeug starten, wenn es voll ist. Nachdem was wir gesehen haben, wäre das
auch gut möglich; 10 Inder haben mehr Gepäck als alle anderen Passagiere
zusammen. Auch konnte ich mir bis jetzt nicht ausmalen, wie nah sich (vermutlich
heterosexuelle) Männer kommen können. Inder haben dies perfektioniert. Von
daher ist es gar keine schlechte Idee, am Schalter hinter ihnen zu stehen,
damit man ja nicht versuchen muss, sich nach der Gepäckabgabe zurück durch die Meute
zu kämpfen.
Es hat Sage und Schreibe unser gesamtes Zeitpolster
aufgefressen bis wir alle Sicherheitskontrollen durchwandert haben, so dass wir
es doch wieder ganz schön eilig hatten, in den Flieger zu kommen. Wie sollte es
auch anders kommen, natürlich saßen wir zu zweit im reinen Inder-Abteil. Mir
ist schon Angst und Bange geworden, doch zum Glück hatten sie sich fürs
gemeinschaftliche Dösen entschlossen. Bis auf einen!!!
Ihr dürft euch nun alle mit auf meine Reise durch eine
indische Nase begeben. Nie hätte ich gedacht, dass man einen Finger so weit in
eine Nase stecken und so ausdauernd popeln kann, ungeachtet dessen, dass ich
ihn mit aufgerissenen Augen angeschaut habe.
Vielleicht sollte ich auch mal über Indien was lesen und
versuchen, mehr über deren Sitten und Bräuche herauszufinden. Vielleicht sollte
ich aber beim nächsten Mal lieber etwas ganz anderes lesen und nicht zu meinem
Nachbarn schauen.
Zum Glück haben sich vorerst bei einem Zwischenstopp in
Bangkok unsere Wege getrennt, und ich hatte 11 Stunden Zeit, von Indien… äh
Vietnam zu träumen…

Nachwort
 
Wie ihr sehen könnt, haben wir jede Menge erlebt, auch
gelernt und eine sehr schöne Zeit verbracht. Aber wir hatten auch unendlich
viel Glück, dass alles so gut gelaufen ist, auch wenn es manchmal ganz anders
den Anschein erweckt hat. Selbst das Wetter war uns hold und hat uns wider
Erwarten immer wieder Sonnenschein beschert. Allerdings eins sei an dieser
Stelle noch gesagt: Jeder der uns darum beneidet, die Temperaturen und die
Luftfeuchtigkeit waren eine absolute Herausforderung. Selbst die ersehnte
Dusche hat auch nur so lange für Erfrischung gesorgt, bis man sie abgestellt
hat. Allerspätestens jedoch sobald man das Zimmer wieder verlassen hat, waren
die Klamotten wieder schweißdurchtränkt. Aber wie heißt es so schön: „Wer
das Eine will, muss das Andere mögen!“
 
Es gäbe noch so Vieles über dieses wundervolle Land zu
schreiben, doch ich denke, dass ich das Erlebte und die Sachen, die mir sowohl
positiv als auch negativ am Herzen liegen weitestgehend an euch vermitteln
konnte. Nun will ich auch gar nicht weiter eure kostbare Zeit in Anspruch
nehmen und nur noch eine letzte Episode zum Besten geben, für die ich vorher
keine geeignete Möglichkeit im Kontext finden konnte:
Von jeglichem Komfort sollte sich Frau verabschieden, wenn
es um das Thema geht, sich zu erleichtern. Sei man bisher im härtesten Fall
Hocktoiletten gewohnt, ich kann versichern, es geht immer noch schlimmer. In Ha
Nois Markthallen darf man sich einmal wie ein Mann fühlen und beim Hocken den
anderen Frauen zuschauen, selbstverständlich mit der Handtasche um den Hals,
damit man die Hände frei hat; wo auch sonst hinhängen. Die Vietnamesinnen
scheinen in der Hinsicht keine Scheu zu haben und lassen schon beim Betreten
des Raums die Hosen herunter.
Doch auch dem kann man tatsächlich noch eins oben drauf
setzen, indem man sich vorstellen muss, nur noch auf Fliesen zu hocken und ganz
ohne Loch zu schauen, wo es hinläuft. Zum Glück gibt es für Größeres zumindest
eine Kabine, die man auch nur dann benutzen darf; allerdings beginnt die Tür
erst auf Augenhöhe nach oben.
Also liebe Damen überlegt euch, ob ihr euch weiter im
Verzwicken übt oder eure Männer alleine reisen lasst. Es grüßt Vietnam!!! 🙂
 

markiert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.