Trailrunning Juifen – September 2018

Wie schon in einem anderen Beitrag erwähnt, bietet sich der 1988 Meter hohe Juifen eher für eine ausgedehnte Schneeschuhtour oder aber im Sommer für Mountainbiker und Läufer an. Was also lag näher, als dieses Prachtexemplar nun schon einmal im Laufschritt zu erkunden, bevor Flo und ich im Winter ausrücken und ihn unsicher machen würden.

05.09.2018 / Juifen

Mit gerade einmal 6 Grad hatte ich natürlich nicht gerechnet, als ich Punkt 6 Uhr am Achentaler Wanderparkplatz mit kurzer Hose aus meinem Auto gestiegen bin. Was blieb mir übrig, nun musste ich halt die ersten Meter über die Forststraße ein wenig flotter hinauf laufen, um wieder schneller auf Körpertemperatur zu kommen.
Den Weg kannte ich noch nicht, hatte mir die Beschreibung aber zum Großteil in meinem Hirn abgespeichert, um unterm Laufen nicht ständig das Handy hervorholen zu müssen.
Schon ziemlich früh riss die Wolkendecke um die Berge auf, und der Guffert kam zum Vorschein, was mich gleich zusätzlich motivierte.
Nach ca. 2 km war ich allerdings froh, endlich links vom Forstweg auf einen kleinen Pfad abbiegen zu können, der zwar nun etwas steiler und auch unwegsamer wurde, dafür aber durch ein kleines idyllisches Wäldchen direkt zur Falkenmoosalm führte. 

Wenn ich auch sonst beim Laufen generell nicht anhalte – weder zum Schnaufen, noch zum Pinkeln, noch zum Fotografieren – so musste ich dieses Mal eine Ausnahme machen. Es war einfach zu schön anzusehen, wie die Sonne hinterm Guffert und den Unnützen aufging, währenddessen das Tal noch vollkommen im Wolkenmeer versank. Das konnte ich nun wirklich nicht ignorieren und musste es unbedingt für die Ewigkeit festhalten. Doch danach wollte ich mir keine weiteren Verzögerungen mehr leisten. 

Oberhalb der Falkenmoosalm ging es nun erst einmal mit moderater Steigung auf dem Forstweg weiter, und so hielt sich zu diesem Moment die Anstrengung noch in Grenzen. Auch auf dem Stück zwischen Hochplatte und Großzemmalm konnte man seine Kräfte noch einmal sammeln und sogar die Gelegenheit nutzen, um sich an dem herrlichen Blick auf den Juifen, die Marbichlerspitze und den Kafell zu erfreuen. Doch dann war es Schluß mit lustig, und es hieß wieder im „Trippelschritt“ die Serpentinen unter den Hängen der Marbichlerspitze hinauf zu laufen, bis man mit der Lämpereralm das nächste Etappenziel erreicht hat. 
Jedoch war es mir leider nicht mehr möglich, mich am Gipfelaufbau das letzte Stück im konstanten Laufschritt nach ganz oben zu befördern. Ich habe es versucht soweit es ging, aber irgendwann musste ich tatsächlich passen. Nicht die extreme Steigung war das Problem, sondern diese auch noch über eine total zerklüftete Kuhscheißwiese springend zu bewältigen, ohne sich dabei sonst welche Verletzungen zuzuziehen, wo man eh schon wie eine alte Dampflok schnauft. Spätestens ab dem Moment, wenn man im Laufen irgendwann erheblich langsamer voran kommt als beim Gehen, sollte man darüber nachdenken, die Gangart zu wechseln. Das hab ich dann auch getan. Ich war froh, eh schon viel weiter gekommen zu sein als ich es für möglich hielt, und der Rest hätte für mich einfach nichts mehr mit Laufen zu tun gehabt – da sind meine Ansprüche in Sachen Qualität schon wesentlich höher. Getreu dem Motto: „Ganz oder gar nicht!“ 😉

Die kurze Pause auf dem Juifen hat es dann in der Tat gebraucht, und nun durfte ich auch mein Handy zücken, um den Guffert, die Marbichlerspitze, Demeljoch und Co. zu fotografieren.


Im Vorfeld hatte ich mir schon Gedanken über einen angemessenen Rundweg gemacht. Doch wäre ich im Westen über die Rotwandhütte bis hinunter zum „Hagenwirt“, so hätte ich 4 km auf der Straße zurücklaufen müssen. Außerdem war der Anstiegsweg im Osten noch immer so schön in der Sonne, dass es nur zu logisch gewesen wäre, auf gleichem Weg wieder nach unten zu gelangen. Andererseits dachte ich mir, wenn ich heute nicht auch die zweite Variante erkunden würde, wann dann. Also habe ich mich schließlich nach einigem Abwägen dafür entschieden, nun doch auf der Westseite talabwärts zu laufen.

Ein bisschen habe ich meine Entscheidung dann doch bereut. Über meine Knie getraue ich mir ja schon gar nicht mehr zu lamentieren, die hätten an jeder anderen Stelle womöglich nicht weniger geschmerzt, jedoch der andere Weg hat mir deutlich mehr zugesagt. Man kommt zwar nun dem Zotten- und Demeljoch ziemlich nah, aber danach geht die Strecke nur noch über einen schattigen Forstweg nach unten und zieht sich dabei bis ins Unermessliche. 
Der Clou war allerdings, dass ich dachte, ich wäre ganz schlau, wenn ich irgendwann mal rechts in den Wald abbiege und mir einen eigenen Weg suche, um mir den hässlichen Abschnitt auf der Straße zu ersparen. Blöderweise hatte es nicht nur keine Wegweiser, sondern es war auch genau dieser Kartenausschnitt auf meinem Handy nicht offline gespeichert. Die Ironie der Geschichte besagt, dass ich nun einen ordentlichen Umweg und noch ein paar weitere Höhenmeter gemacht habe, nur um im Anschluss fast genau an der Stelle wieder herauszukommen, an der ich es auch ohne diese Aktion wäre.
Ich hätte fluchen können, als ich die 4 Kilometer an der Straße entlang laufen musste. Die ganze Zeit brannte mir die Sonne erbarmungslos ins Gesicht, während die stinkenden Autos an mir vorbeigerauscht sind. Meine Knie brannten mir inzwischen wie Hölle, so dass ich am liebsten keinen einzigen Schritt mehr weiter wäre. Doch mit eisernem Willen habe ich es schließlich bis zum Schluss durchgezogen und war so etwas von erleichtert, als der Parkplatz endlich in mein Blickfeld trat.

So schön der Großteil des Trails war und so gerne ich auch etwas Neues erkunde, nach 25 km und 1300 hm wird es wohl selbst dem stabilsten Knie irgendwann zu viel, wenn es dann noch über Asphalt rumpeln muss. In der Form würde ich jedenfalls die Tour nicht noch einmal wiederholen.

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