Trailrunning Brauneck – August 2018

Nun, ich bin kein ausgesprochen extremer Bergläufer, meistens mache ich so Sachen wie Keilkopf, Blomberg, Zwiesel, Heiglkopf, Hirschbachsattel usw. Auch steht bei mir nicht im Vordergrund, immer schneller und noch schneller zu werden und mich in Wettkämpfen zu beweisen. Nein, ich liebe einfach das Laufen und mache das wirklich in erster Linie für mich selbst. Ich brauche nicht auch noch privat diesen Erfolgsdruck, was nicht heißen soll, dass ich nicht stolz bin, wenn ich mal wieder über mich hinaus gewachsen bin, und teile das schon auch mal meinen Liebsten mit.

Egal was ich bisher alles schon gemacht habe, 3 Trails waren für mich etwas ganz Besonderes – so wie dieser zum Brauneck. 
Lange hatte ich es mir in den Kopf gesetzt, wenigstens einmal in meinem Leben dort hinauf zu laufen. 
Vielleicht hatte ich es ein wenig mit dem Training übertrieben, und so hat mir letztendlich die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung gemacht, und ich musste wieder zurück rudern. Ich befürchtete, dieses Projekt könne ich nun für immer auf Eis legen. 
Aber dann habe ich mich im August selbst überrascht, denn eigentlich war dies überhaupt nicht so geplant gewesen, sondern eher ganz spontan aus dem Bauch und den Beinen hinaus zustande gekommen:

01.08.2018 / Brauneck-Latschenkopf-Achselköpfe-Hennenkopf-Probstenwand

Ich hatte mich schon so daran gewöhnt, mit Flo auch mittwochs unsere Bergtouren zu machen. Doch diese Mal war er leider verhindert und ich demzufolge ein wenig sauer, weil ich mich so darauf gefreut hatte. Nun musste also Plan B herhalten. So dachte ich mir, erkundest du doch einfach etwas in der näheren Umgebung, was dich schon immer mal interessiert hat, aber bisher aufgrund ausgedehnterer Touren auf der Strecke geblieben ist.
Ganz oben auf meiner To-do-Liste stand der Hennenkopf. Der hatte mir schon so lange keine Ruhe gelassen, nachdem die Gipfel-Besteigung mir im Winter ja verwehrt blieb. Auch wollte ich ein paar neue Weg erschließen, wie den Pfad zwischen Probstenwand und Hennenkopf, da auch der im Januar nicht möglich war zu begehen.
Weil ich aber alleine keine Lust hatte, den ewigen Hatscher auf mich zu nehmen, beschloss ich, die Längen einfach zu laufen und den Rest zu gehen – dazu habe ich mir meine Trailrunningschuhe angezogen und meinen kleinen Laufrucksack aufgehuckelt. Jetzt war nur noch die Frage, wie komme ich am besten dorthin. So eine etwaige Vorstellung hatte ich schon: Ich wollte den Weg an der Talstation am Brauneck hinauf, dann aber rechts über den Weltcuphang ins Längental queren. So war der Plan.

Sehr entspannt bin ich 5 Uhr von daheim in Richtung Brauneck losgetrabt. Von Anfang an habe ich mich an diesem Tag recht fit gefühlt, und auch die erste Steigung bereitete mir seltsamerweise überhaupt keine Probleme. Da blitzte in mir schon kurz der Gedanke auf, was wäre, wenn ich es einfach mal versuchen würde, das Brauneck hinauf zu laufen. Doch noch wollte ich nicht zu euphorisch sein und bis zu jener Stelle abwarten, wo es eigentlich rechts ins Längental hinüber gehen sollte. Die kam dann auch schon sehr bald, und ich dachte mir: „Sch… drauf, jetzt probiere ich es einfach mal wie weit ich komme.“
Und es ging tatsächlich so gut, dass ich bis zum Speichersee überraschend leicht hinauf bin. Da ich allerdings zuvor noch nichts zu mir genommen hatte, waren meine Energiespeicher an dieser Stelle nahezu leer. Doch nun hatte mich der Ehrgeiz so etwas von gepackt, dass ich es wissen wollte. Auch wenn es gerade zum Ende hin recht stufig nach oben ging und man deshalb viel mehr Kraft benötigte, Aufgeben kam jetzt nicht mehr in Frage. 
6:15 Uhr stand ich überglücklich und zufrieden auf dem Gipfel, und habe Flo am Telefon vor das Rätsel gestellt, wo ich mich denn in dem Moment befinden könnte. Schon lange hat mir mein Energieriegel nicht mehr so gut gemundet wie in diesem Moment.

Mein Ziel war mehr als erreicht, den Rest wollte ich nun aber weitergehen. Trotzdem konnte ich es nicht lassen, immer wieder in den Laufschritt überzugehen. Wenn man sich schon mal an das Tempo gewöhnt hat, war es schwierig, wieder langsamer zu werden. Aber das Gelände zwang einen alsbald doch zum Durchparieren, und das war auch gut so, denn immerhin hatte ich ja noch bisschen was auf dem Programm. 
Am Latschenkopf war ich allerdings nicht die erste, fast wäre ich über einen Schlafsack gestolpert, als sich meine Blicke auf die Achselköpfe, Benediktenwand und Hennenkopf geheftet haben. 

Doch von nun an war eh einiges mehr an Konzentration gefragt, vor allem, als ich mit Trailrunningschuhen über die Achselköpfe hinweg kraxeln musste. (Ein Tag später ist hier der Kanadier abgestürzt.)

Wenig später stand ich nun kurz vorm Rotöhrsattel. Auch wenn mich die Benediktenwand sehr gezwickt hätte, war mein Plan ein anderer. So bog ich rechts durch nasses Gras in Richtung Hennenkopf ab. Zu meiner Ernüchterung musste ich schon sehr bald feststellen, dass es weder rechts noch links an dem Felsen vorbei ging, da dort das Gelände abrupt abbricht. Die gestrichelte Linie auf meiner Karte hatte mich vollkommen in die Irre geführt und war überhaupt kein Weg – zum Glück ist das mir noch rechtzeitig aufgefallen. 
Jetzt musste ich erst einmal kurz überlegen, was für Möglichkeiten ich noch habe und bin zum Rotöhrsattel weiter und von dort den steilen Weg zur Tutzinger Hütte hinab. Allerdings kurz vorm Glennen Bergl hieß es, den Weg zu verlassen und über die zerklüftete Wiese zur Hausstatt-Alpe hinunter zu balancieren und von dort wieder hinauf zum Hennenkopf. Auch wenn die Aktion recht abenteuerlich war, habe ich es letztendlich tatsächlich geschafft, dort anzukommen, wo ich wollte. 
Im II Grad ging es das kurze Stück auf den Hennenkopf hinauf, und nun saß ich dort – etwas zittrig aber sehr glücklich – am Kreuz und hab mir endlich meinen zweiten Energieriegel einverleiben können, währenddessen ich den wohl schönsten Ausblick auf die Nordseite der Benediktenwand genoss.

Aber dann hieß es auch wieder herunter kraxeln und weiter, denn nachdem ich heute schon so viel erreicht hatte, wollte ich unbedingt zu Mittag bei Flo sein, um mit ihm gemeinsam zu essen. Doch vorher habe ich der Probstenwand auch noch einen kurzen Besuch abgestattet, wo ich doch schon einmal ganz in der Nähe war.

Den Steig zwischen Probstenwand und Hennenkopf habe ich ja erst kürzlich in meiner Wintertour über die Beiden beschrieben. Allerdings konnte ich mich heute schon das erste Mal mit der Wegbeschaffenheit vertraut machen. Es ging hier wirklich brutal steil hinunter und vor allem über lauter loses Geröll. Von daher bietet er sich wirklich nicht zu jeder Jahreszeit an, und auch im Sommer nur bedingt, wenn die Bedingungen optimal sind. 
Inzwischen schon etwas ausgelaugt, haben sich meine Knie an dieser Stelle nun ordentlich beschwert. Und auch der weitere Weg bis zur Längenbergalm hinab war nicht weniger steil, der Lehmboden dazu nun noch extrem rutschig. Ich wusste zeitweise nicht, ob ich Laufen oder Gehen soll, weil irgendwann einfach alles nur noch weh tat.
Ab der Längenbergalm kannte ich mich endlich wieder aus, und es ging nun durch den Wald den holprigen Weg zur Hinteren Längentalalm hinab. Von dort aus war es kein Hexenwerk mehr, sondern es galt einfach nur noch die vielen Kilometer hinüber zum Brauneck und schließlich nach Hause zu überwinden – allerdings etwas mit angezogener Handbremse und zusammen gebissenen Zähnen. Trotzdem habe ich es sogar noch geschafft, vor Mittag zurück zu sein. Doch bevor ich überhaupt imstande war, etwas zu essen, habe ich meinen Körper erst einmal von innen und außen kühlen müssen. Die 3 Gläser Wasser waren genauso notwendig wie die Erfrischung in der Isar. Aber das Geleistete konnte mir nun keiner mehr nehmen, ich war stolz wie Oskar und bin es noch immer.

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