Schneeschuhtour Schönberg-Seekar – Januar 2018

28.01.2018 / Schönberg-Rauhalm-Seekar

Den Schönberg hatten wir ja erst vor einem Vierteljahr erklommen, und so meinten wir, dieses Mal den Weg dorthin mühelos zu finden. Meinten wir!
Vom Wanderparkplatz Fleck/Hohenreuth ging es relativ unkompliziert über Forstwege am Naturdenkmal “Alte Tanne” vorbei und schließlich links den Steig durch den Wald in Richtung Mariaeck-Schönberg hinauf. 

Der Schnee war heute ganz schön schwer und rutschig, deshalb mussten wir schon bald unsere Bretter anlegen. Nicht immer war es so eindeutig, wo genau wir langgehen mussten. Trotzdem kamen wir, wie erhofft, auf die freie Almfläche, die uns vom Herbst her noch geläufig war. Doch wie üblich, sieht im tiefsten Winter alles etwas anders aus. 
Der Hang direkt vor uns, machte mich schon ein wenig stutzig, und ich sagte zu Flo, dass wir uns weiter links halten müssten. Er war aber der festen Überzeugung, dass es eine gute Idee wäre, den Skispuren zu folgen. Da ich nicht immer meinen Kopf durchsetzen will, war mir sein Wunsch Befehl, und so sind wir eben den Spuren gefolgt, die nach rechts schwenkten. Mir egal, dachte ich, Hauptsache wir kamen nicht weiter auf das Steilgelände zu.

Auf der gegenüber liegenden Seite konnte man schon sehr gut erkennen, wie wenig Spaß der Schnee versteht, und was er bei dem Wetter mit steilen, exponierten Hängen macht. Kein Gedanke, der einem behagt und mir außerdem völlig unerklärlich, wie manche Leute trotz besseren Wissens im Winter freiwillig übers Mariaeck gehen können. Wir haben später unterwegs noch 2 junge Burschen getroffen und ihnen davon abgeraten, doch sie haben sich natürlich nicht von ihrem Vorhaben abhalten lassen. Uns ist die Kinnlade fast bis zum Knie hinter geklappt, als wir sie aus der Ferne darüber kraxeln sehen haben.
Aber auch wir waren in diesem Moment drauf und dran, uns in die Sch… zu befördern. Immer mehr kamen wir in einen Hang hinein, der immer steiler wurde und auch in die verkehrte Richtung ging. Noch zudem rutschte ständig der Untergrund einem unter den Füssen weg. Geheuer war mir das nun wirklich nicht, und dann zu allem Überfluss immer schön den Blick zu den gähnenden Gleitschneemäulern auf der anderen Seite… Zum Glück stand mitten auf dem “Weg” ein riesiger Baum, unter den ich mich nun erst einmal stellen und etwas essen musste, damit mein Hirn endlich wieder zu 100 Prozent funktioniert. 

300-400 Kilokalorien später gelang in mein Bewusstsein, dass ich zwar hungrig aber nicht doof bin, und wir ganz sicher beim letzten Mal woanders entlang sind. Und nur weil ein Lebensmüder eine Spur hier hinterlassen hat, müssen wir dieser nicht hinterher dackeln. 
Also ging es erst einmal wieder zurück und ein paar Meter hinab und danach schön brav nach links, bis wir uns gefahrenlos in halbwegs vertrautem Gelände bewegen konnten.
Zwar sind wir nun erneut auf eine Tourenspur gestoßen, die eine andere Routenwahl als die unsere bevorzugte, aber das war uns nun vollkommen egal. Auch wenn nun wieder etwas mehr Eigeninitiative gefragt war, sollte es ab jetzt nach meinem Kopf gehen. 
Selbst Flo habe ich inzwischen so weit geimpft, dass wir uns auf gar keinen Fall mehr blind auf irgendwelche Spuren verlassen werden.
Dann bin ich doch lieber der Klugscheißer!

Am Mariaeck haben wir zuerst einmal einen kleinen Schwenker nach links gemacht, um zu schauen, wo später der Weg zu den Rauhalmen abgehen soll. So richtig schlau geworden sind wir allerdings nicht, aber wir mussten uns ja eine Alternative offen lassen, falls man am Schönberg nicht weiter kommt. Dann ging es aber vorerst wieder zurück gen Süden und über geländetaugliche Wege zum Schönberg hinauf – immer mit Blick auf Roß- und Buchstein und mit steigender Höhe auch auf den beeindruckenden Guffert. 


Auf dem Gipfel herrschte heute Hochbetrieb, auch wenn das Wetter nicht gerade als spitzenmäßig zu bezeichnen gewesen wäre; aber eine Abfahrt am Morgen ist für Skifahrer wohl immer drin. Ich kann da leider nicht mitreden, aber manchmal würde es mich schon zwacken, einfach mal so ins Tal hinab zu rauschen. 

Wir haben unterdessen zuerst das großartige Gipfelpanorama von der höchsten Stelle aus genossen und sind im Anschluss tatsächlich auch einmal zum Kreuz hinab, von wo aus man eine noch bessere Sicht auf Lenggries und das Brauneck hat.


Wie vermutet war der Abstieg zur Schönbergalm an dieser Stelle nicht möglich, denn den Hang unterhalb kann man bei den Bedingungen auf gar keinen Fall queren. Auch den direkten Weg zur Amperthal-Alm hinunter, den wir im Oktober noch gemacht haben, sollte man sich unbedingt sparen. Das dachten wir uns aber schon vorher, und so sind wir bis zum Mariaeck zurück gegangen.

Wirklich nur mit einem gutem Navigations-App war es uns möglich, sich nun weiter über die Zinnerleite durch den unverspurten Schnee zu den Rauhalmen durchzuarbeiten. Auf dem Weg dorthin konnten wir immer wieder einen Blick aufs Mariaeck werfen. Der schmale Grad, mit den leichten Kletterpassagen und den mächtigen Wechten bietet sich wirklich nicht für eine Winterüberschreitung an. Und spätestens seitdem ich im Sommer die Strecke auch einmal gelaufen bin, und mich vor Ort mit eigenen Augen davon überzeugen konnte, rate ich wirklich dringend allen semiprofessionellen Berggehern davon ab. Aber nun genug darauf herum geritten!

Endlich kamen wir dem Seekar und den darunter liegenden Rauhalmen immer näher. Wunderschön und unheimlich zugleich lagen sie so mitten im Schnee.

An dieser Stelle baue ich für euch alle nun ein Suchbild ein. Wer die Häuser zuerst findet, hat gewonnen. Dem ersten Preis winkt eine Wintertour zu den Rauhalmen. Lawinensonde zum Aufspüren der vergrabenen Hütten wird gestellt… *ggg*

Spaß bei Seite! Wirklich krass zu sehen, wie eingeschneit die Almen waren. Wir mussten erst einmal Suchen, wo es überhaupt möglich ist, eine kleine Rast einzulegen. Natürlich sind wir fündig geworden und konnten während unserem Mahl den Skifahrern dabei zuschauen, wie sie vom Seekar abgefahren oder auch mal herunter gekugelt sind. 


Lange haben wir uns allerdings nicht aufgehalten, waren wir doch noch lange nicht am Ende unserer Reise. Nun galt es erst einmal wieder einen geeigneten Weg zu suchen, wo man am besten aufsteigen konnte, ohne zu sehr ins abrutschgefährdete Steilgelände zu kommen. Kurz, das erste Stück hinauf bis zur Zielgerade war recht anspruchsvoll, aber zum Gipfel hin konnte man es fast schon genussvoll ausklingen lassen. Da ich das Ganze noch nicht so lange mache, bin ich nur immer wieder von den Wechten beeindruckt. Je nach Situation machen sie mir etwas Angst oder aber faszinieren mich auf ihre Art.


Den Gipfel hatten wir nun ganz für uns allein und konnten auf unseren Wegverlauf und die Almen zurückblicken. Das war wirklich ein gebührender Abschluss zu einer nahezu einsamen Tour.

Ich glaube, über den Grasleitensteig ging es wieder zurück, was rein parktechnisch logisch erscheinen würde, aber soweit reicht mein Erinnerungsvermögen leider gerade nicht mehr aus.

Und, hat nun jemand das Rätsel gelöst? 😉

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