Schneeschuhtour Rotwand-Hochmiesing – Februar 2019

20.02.2019 / Rotwand-Hochmiesing

Normalerweise sagt man, aller guten Dinge wären 3! Für die Rotwand scheinen allerdings andere Gesetze zu gelten. Aber warum mussten wir auch gerade hierher ausrücken, wenn nicht von Vornherein 36 Sonnenstunden am Tag gemeldet waren? Auch war seit 2 Tagen ausgerechnet der Erschließungsweg zum Rotwandhaus wegen Lawinengefahr gesperrt – der einzige Eintrag in den gesamten Bayrischen Voralpen. Also weshalb gerade heute hierher? Nun, die Wege der Doro sind unergründlich…

Vorbildlich mit kompletter Lawinenausrüstung ausgestattet, sind wir vom Parkplatz an der Taubensteinbahn zur Alten Wurzhütte und von dort über die reguläre Route zur Rotwand aufgestiegen. Selbst die Piepser hatten wir dieses Mal eingeschalten, damit die teure Anschaffung sich auch amortisiert – brauchen werden wir sie hoffentlich nie!!!
Der Weg war kaum wiederzuerkennen, so geräumt kannten wir ihn vom letzten Winter nicht. Doch der Lawinenwarndienst lügt nicht, kurz vor der Wildfeldalm war es vorbei, und man wurde darauf hingewiesen, den Winterzustieg zu benutzen.

Nach bestem Wissen und Gewissen haben wir das getan und sind den schon vorhandenen Spuren gefolgt, auch wenn wir meiner Meinung nach wieder viel zu schnell unter den Hängen der Rotwand herauskamen. Unter Umgehung verstehe ich etwas anderes.

Zum Glück waren wir aber noch so zeitig dran, dass uns die Oberfläche gut zu tragen vermochte und wir wirklich gleich den direktesten Zustieg vertikal zum Gipfelkreuz wählen und uns somit die total zertrampelten Schneefelder ersparen konnten.


Etwas einen Hals haben wir allerdings geschoben, als wir – selbst noch unterhalb der Hänge – eine Gruppe Schneeschuhgeher vom Rotwandhaus starten sehen haben, die tatsächlich zum Lempersberg querten. Ehrlich, ich könnte bei so was ja wirklich kotzen. Zum einen wurde der Weg darunter wegen Lawinengefahr gesperrt, und dann gehen die genau dort lang, von wo aus man so etwas am besten auslösen kann, zum anderen ist es ein Winterruhegebiet, welches man bei Schnee gar nicht betreten soll. 
Manchen gehört echt sauber rechts und links eine gewatscht, bis sie kapieren, dass sie nicht nur sich, sondern auch andere gefährden… Ich kann mich da gleich gar nicht mehr beruhigen.

Gerade wollte ich schreiben: „Reden wir doch wieder über was Schönes.“ Ähm, na schön war es auf der Rotwand auch dieses Mal nicht. Das dritte Mal in Folge haben wir nichts gesehen, obwohl, heute haben wir wirklich nichts gesehen, nicht einmal mehr den Abstieg. Kaum oben angekommen, wurde aus trist einfach NICHTS.

Trotzdem wollten wir uns nicht ärgern lassen, denn es stand ja noch mehr auf dem Plan, und irgendwie hatte ich schon fast wieder so was in der Art erwartet. Also haben wir zu unserer eigenen Sicherheit die Schneeketten angelegt und sind zum Rotwandhaus hinab gegangen. 

Keine 5 Minuten später dachte ich, wir müssten jetzt echt einen Besen fressen, hier verarscht uns doch wer gründlich. Der Wolkenschleier begann sich zu lichten, und die Rotwand trat hervor. Unglaublich! Scheinbar fängt der frühe Vogel nicht immer den Wurm. *arg* Doch dafür sollten wir den restlichen Tag reichlich entlohnt werden.


An der Nebelwand vorbei sind wir in Richtung Sebaldstein gequert, dabei immer die beeindruckenden Ruchenköpfe und den Auerspitz im Blick. Hin und wieder ist die Wolkendecke ein wenig aufgerissen und hat im Süden auch des Hintere Sonnwendjoch freigegeben.

Auch jetzt wieder großes Erstaunen, und wir wären fast darauf reingefallen. Die Spuren gingen doch tatsächlich nicht zur Großtiefentalalm hinab, sondern immer näher an die Südflanke der Rotwand heran. Nur weil manche Leute zu faul sind, hundert Höhenmeter mehr hinab zu steigen, riskieren sie ihr Leben. Da fehlen einem echt die Worte!

Wir sind also aus dem Suicide Commando ausgestiegen und über die Schneise fast komplett zur Alm hinab und danach wieder mühsam zum Miesingsattel aufgestiegen.

Das es natürlich gleich anschließend noch zum Hochmiesung weiter ging, war selbstverständlich.

Danach hatten wir uns aber tatsächlich auch die Brotzeit verdient. Doch bevor wir uns das einzig schneefreie Plätzchen zum Niederlassen gesucht haben, musste erst mal geschaut und gestaunt werden.

Schon im Aufstieg konnten wir im Süden auf den Lempersberg, die Rotwand, die Ruchenköpfe, das Maroldschneid und dahinter das Hintere Sonnwendjoch schauen.

Am Gipfel wurde uns nun auch noch im Norden der Dürrmiesing, der Wendelstein und der Große Traithen offeriert


und im Osten der Jägerkamp und der Aiplspitz. Sehr schön, der Tag war also wieder gerettet. 


Auf nahezu gleichem Weg ging es nun wieder bergab, und wer kam uns entgegen, die Vollpfosten vom Morgen. Hätte ich das 5 Minuten früher kapiert, wäre es mir sicher schwer gefallen, meinen Mund zu halten. So musste sich Flo halt eine Weile mein Geschimpfe anhören. Doch dann kam mein unglaublich ausgeglichenes Gemüt wieder zum Tragen, und wir haben einfach nur noch die Tour genossen. 
Wieder am Sattel angelangt, ging es nun weiter zur Kleintiefentalalm hinab. Mit dem Blick auf den Nordhang des Lempersberg gerichtet, mussten wir uns fragen, ob diese Lawine das „Wumm“ verursacht hat, was wir beim Abstieg vom Sebaldstein vernommen haben oder das Geräusch vom Rauhkopf oder vom Taubenstein kam, denn überall waren  heute kleine oder größere Lawinen auszumachen. Es konnte also nicht schaden, etwas sein Hirn einzuschalten und sich von solchen Stellen fern zu halten.


Ein letzter kleiner Aufstieg zum Taubensteinhaus und weiter bis zur Bergstation war noch zu bewältigen, dann ging es über den Lochgraben bis zum Parkplatz hinab – natürlich mit Schneeschuhen über die Skipiste. Doch in diesem Fall ist das sogar mal geduldet, auch wenn es sich irgendwie befremdlich anfühlt.

Ziemlich zum Ende der Tour kamen wir noch an einem der bereits erwähnten Lawinenfelder vorbei. So etwas mit eigenen Augen zu sehen, ist immer wieder beeindruckend und beängstigend zugleich. 

Wir haben überlegt, wann die wohl abgegangen sein könnte. Doch um das herauszufinden, musste ich erst einen Tag später zum Zahnarzt gehen. Es war der Samstag. Danke für die Info. 😉

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