Schneeschuhtour Rofan – März 2019

20.03.2019 / Maurach-Rofanspitze

Was gibt es Schöneres als an Flo seinem Geburtstag das zu tun, was man am liebsten mag – mit den Schneeschuhen auf den Berg zu gehen.
Eigentlich hatten wir es uns den ganzen Winter schon vorgenommen, die Rofanspitze von Maurach aus zu besteigen. Doch die meiste Zeit waren die Bedingungen suboptimal, und so hatten wir ehrlich gesagt gar nicht mehr daran geglaubt, dass es diese Saison noch klappen würde. Aber spontan ist bekanntlich am Besten!

Gleich von Anfang an lag doch noch deutlich mehr Schnee als vermutet, und so haben wir uns teilweise über die Piste, teils über den Sommerweg in nicht einmal 2 Stunden mit Schneeketten und Schneeschuhen nach oben gekämpft. 

Wir waren angenehm überrascht wie wenig los ist, um nicht zu sagen, dass wir lediglich 2 Tourenskigeher getroffen haben. An der Mauritzalm wurde uns auch klar warum – die Piste war aufgrund erhöhter Lawinengefahr gesperrt. Na, das hätten sie vielleicht auch im Tal mal anschreiben sollen.
Nicht desto trotz hatten wir uns im Vorfeld mehr als genug Gedanken gemacht und die Bedingungen für günstig erachtet. Die Schneedecke hatte sich inzwischen soweit gesetzt, wir waren von exponierten Hängen weit genug entfernt, und es war heute auch ausreichend kalt. Die Tage zuvor sah das noch ganz anders aus.

Von der Alm aus ging es nun weiter über die Grubastiege zur Grubalacke.

Ein Blick in die Richtung verhieß allerdings nichts Gutes, aber laut Wetterbericht sollten sich im Laufe des Tages die Wolken immer mehr auflösen. Meines Erachtens sah das aber gerade gar nicht danach aus. Je weiter wir zur Lacke kamen, umso bewölkter wurde es. Ich war schon recht grummelig, doch Flo wollte zu seinem heutigen Ehrentag kein Jammern und Meckern hören. Er hätte sich wirklich alles wünschen dürfen, nur nicht DAS…

Einen kurzen Moment schien die Sonne hervorbrechen zu wollen und hat den Roßkopf wunderbar in Szene gesetzt. Doch leider war dieses Schauspiel auch genauso schnell wieder vorbei wie es kam.


Endlich waren wir an der Grubascharte angekommen, und Erleichterung machte sich breit. Die letzten 3 1/2 Stunden hatten uns ganz schön geschlaucht. Es hatte die vergangenen Tage erst geschneit, und so war anstrengende Spurarbeit zu leisten, wo man noch dazu eh kaum erkennen konnte, wo man entlang geht – vor einem Weiß, hinter einem, rechts, links und oben auch noch. Es waren kaum Konturen auszumachen, und wir wussten, dass irgendwo ja auch noch ein kleiner See sein müsste, über den wir auch nicht versehentlich spazieren wollten. Aber nun standen wir 150 hm vorm Gipfel, gleich würden wir es geschafft haben.

Die Gleitschneerisse oberhalb des steilen Hangs, den wir nun queren mussten, waren gerade noch zu erkennen und für 2 Sekunden auch noch der Gipfel, dann war es vorbei. Wir konnten einfach nichts mehr sehen, und ich meine wirklich NICHTS!!! 30 Meter haben wir uns noch in den Hang gewagt, sind dann aber schnell wieder umgekehrt, um darauf zu warten, dass es wieder aufklart.

Zu allem Unheil kam noch dazu, dass der Schnee so weich war und gleich am Hang abzurutschen begann, so dass ich gar keine vernünftige Spur bauen konnte. Vielleicht mag das einem noch mit Skiern gelingen, aber definitiv nicht mit Schneeschuhen.
Mit immer kälter werdenden Zehen haben wir bestimmt eine halbe Stunde gewartet und uns dann leider für den Abbruch der Tour entschieden. Meiner Laune war das nicht förderlich, so kurz vorm Ziel nach dem langen Hatscher unverrichteter Dinge aufgeben zu müssen. Aber unter den Umständen war es einfach zu gefährlich, wenn man rein gar nichts sieht, keinerlei Halt auf dem Schnee hat und dann auch noch einen Hang queren soll, wo oberhalb die Schneedecke deutliche Risse aufweist. Wir hatten die letzten Monate so viel gemacht und gewagt, aber das wäre wirklich unvernünftig gewesen.

Das Gscheade war nur, dass uns auf dem Rückweg zig Tourengeher entgegen kamen, die garantiert durchgezogen haben. Ich beruhigte mein Gewissen damit, dass es mit Skiern ja was anderes und auch nicht mein Leben ist, aber geärgert habe ich mich trotzdem.
Einziger Trost war, dass es auch in den nächsten Stunden Richtung Rofanspitze nicht aufriss, und wir wohl weiterhin vergeblich auf Besserung gewartet hätten. Dafür zog es aber zum Tal hin etwas auf, und wir hatten einen wundervollen Blick auf die Erfurter Hütte und die verschleierten Karwendelriesen.


Und wenn man gar nicht mehr daran glaubt, dann wird man auch wieder einmal angenehm überrascht. 
Für den Abstieg ging es auf selbem Weg ins Tal. Gleich am ersten steilen Hang fingen meine Schneeketten zu stollen an, und es hat mir die Füße weggezogen. Doch anstatt mich wieder aufzurichten, hatte ich meine wahre Freude daran, auf den Hintern nach unten zu rutschen.

Flo kam daraufhin die zündende Idee, unsere Lawinenschaufeln zweckzuentfremden, und so sind wir abwechselnd darauf mit Highspeed die Hänge hinab gesaust. Das hat mal wirklich Laune gemacht, und so hatte sich unsere Ausrüstung auch gleich amortisiert.
Die letzten Meter mussten wir allerdings noch einmal auf unsere Füße zurückgreifen, doch das war nun leicht zu verschmerzen. Der Tag war wieder gerettet und erst Recht, als wir am Achensee auf den verschneiten Dristenkopf, Sonnjoch, Schaufelspitze, Bettlerkar und Falzturnjoch schauen konnten.

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