Schneeschuhtour Pleisenspitze – Februar 2019

Irgendwann einmal hat Flo erwähnt, dass wir auch mal die  „Pleisenspitze“ im Winter machen könnten. Auf der Suche nach einer geeigneten Tour für uns Beide, kam mir das wieder in den Sinn, und so habe ich ein bisschen nachgeforscht.
2569 hm hört sich doch gut an, somit wäre das unser bisher höchster Berg. Nun hatte ich Blut geleckt. Staffel, Heimgarten, Rofan bei Schnee, das kann alles warten.
Allerdings bin ich bei meinen Recherchen auch darauf gestoßen, dass man sich kurz davor beim Wirt der Pleisenhütte erst erkundigen sollte, wie die aktuellen Bedingungen sind und folglich, ob der Rest bis zum Gipfel überhaupt begangen werden kann oder nicht. Also dann doch nicht so ganz ohne?
Da es am Freitag erst wieder geschneit hatte, wollten wir nun noch einen Tag länger abwarten, damit sich der Neuschnee etwas verbinden kann und sich die Lawinenlage entschärft. Na hätten wir mal vorher schon gewusst, dass alles längst nicht so dramatisch werden würde.

24.02.2019 / Scharnitz-Pleisenspitze

Unser Tribut: 4:30 Uhr aus den Federn
Start: 6:45 Uhr in Scharnitz
Nun denke aber mal keiner, dass man um die Zeit alleine unterwegs ist. Wieder einmal bestens getimt, kam fast zeitgleich ein weiteres Paar an. Unser Vorteil war, dass wir schon fast komplett angestrapst waren und so direkt durchstarten konnten. 
Mit den Schneeschuhen auf dem Rücken ging es die Straße ins Hinterautal bis zum Wiesenhof im Stechschritt voran, und mit den Schneeschuhen auf dem Rücken ging es auch über die Forststraße bis zur Pleisenhütte weiter. Gut, dass wir sie später wenigstens noch einmal alibimäßig an unsere Füße schnallen konnten. Aber so weit bin ich noch lange nicht.

Der Forstweg bis zur Hütte war die reinste Autobahn. So angenehm das auch zum Gehen war, das hatten wir uns nicht gerade unter einer einsamen Tour vorgestellt. Da half es wirklich nur, früh dran zu sein.
Einen guten Vorsprung hatten wir uns ja zum Glück schon erarbeitet, leider aber nicht damit gerechnet, dass das Pärchen von soeben mit den Skiern gleich direkt durch den Wald schleicht; und so kam irgendwann der Punkt, ab dem wir uns ständig verfolgt fühlen mussten. Auch wenn die Beiden etwas langsamer als wir waren, kam die leuchtend gelbe Hose immer wieder aus dem Geäst, sobald wir um die nächste Kurve herum waren.
Einen Vorteil hatte das Ganze allerdings, so waren wir keine 2 Stunden später schon an der Hütte und in insgesamt 3 3/4 h am Gipfel, wo man normal mit mindestens einer Stunde länger rechnen muss – laut Angaben.


Ab der Hütte wollten wir doch etwas Ballast abwerfen, und haben uns dafür entschieden, es mal mit den Schneeschuhen zu probieren. Glich der Weg anfangs noch einem einzigen Schlachtfeld, konnten wir uns bei der Querung in Richtung Hinteren Pleisengrad unsere eigene Spur graben.

Der Schnee war tückisch – die Oberfläche geringfügig verharscht, darunter feinstes Pulver – was vielleicht für die Abfahrt eine Traum sein mag, aber nicht, wenn man vertikal den Hang nach oben will. Doch direkt über den Grad waren die Verhältnisse wieder etwas günstiger, und so sind wir unter Einsatz unserer Steighilfen ganz gut voran gekommen, auch wenn uns der sehr steile Hang so einiges abverlangt hat.

Kurz vor dem letzten steilen Anstieg hinauf zur Spitze frischte der Wind kurz noch einmal richtig auf, und es wehte eine kräftige Schneefahne ums Kreuz.

Uns schwante Schlimmes. Hatten wir das nicht schon einmal? Doch heute sah es zumindest nicht so aus, als würde das Wetter gleich umschlagen. Noch einmal haben wir all unsere Kräfte mobilisiert und uns die letzten Meter nach oben gekämpft.

Das Gipfelpanorama hier oben ist einfach konkurrenzlos. Nie waren wir bisher der Birkkarspitze so nah,

auch konnten wir nördlich direkt ins Wörnerkar hineinschauen.


Im Westen lag der Mittenwalder Höhenweg genau vor uns, dahinter schaute die Wettersteinspitze und in weiter Ferne sogar die Zugspitze heraus,

und im Süden hatten wir die Halltaler-Kette mit dem Hohen Gleirsch und dem Lafatscher vor unseren Augen.

Überhaupt, ich kann gar nicht sagen, wie weit wir schauen konnten – ein Meer aus Bergen hat sich vor uns ausgebreitet.


Unsere Kondition schien doch gar nicht so schlecht zu sein. So dauerte es wesentlich länger als vermutet, bis die Tourengeher aufgeschlossen hatten und auch endlich am Gipfel ankamen. In der Zwischenzeit hatten wir uns schon gestärkt und alles gesehen, was wir sehen wollten und konnten nun getrost wieder abrücken. 
Für den Abstieg haben wir die sperrigen Schneeschuhe ausgezogen und lieber die Schneeketten angelegt, damit wir die Steilstufe sicher überwinden konnten. Danach ließen wir es eh nur noch fetzen, und die Horde Tourengeher, die sich inzwischen den Weg nach oben gebahnt haben, schauten uns nur noch fragend an. Ja, man kann auch ohne Skier Spaß haben und schnell nach unten kommen – als Bergläufer ist das kein Problem.

Ab der Hütte mussten wir unser Tempo allerdings wieder etwas anpassen, dafür hatten Flo und ich genügend Zeit, uns einfach ein bisschen zu unterhalten und das Hirn auf Leerlauf zu stellen. Das ist eben das, was manche vielleicht nicht verstehen, die nur mit Tourenskiern unterwegs sind. Aber genau die Zeit, wenn man aus der Anstrengung heraus ist oder sich einmal nicht von irgendwelchen Eindrücken ablenken lassen muss, dann kann man auch die Seele baumeln lassen. Die Kombi macht es einfach aus, und das lieben wir, und deshalb werden wir auch immer wieder gerne vom Berg Step by Step absteigen.

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