Rheinsteig – September 2018

Eigentlich wollten wir in dem Jahr noch eine dritte Fernwanderung in Angriff nehmen. Da uns die Zeit dafür dann doch nicht mehr ausgereicht hat, mussten wir kurzerhand etwas umdisponieren. 
Über den Rheinsteig hatten wir viel Gutes gehört, und so haben wir uns die 3 schönsten zusammenhängenden Etappen ausgewählt, die für uns in 2 Tagen machbar wären.

1. Tag / 01.09.2018 / Lorch-Kaub-Loreley-St.Goarshausen

Einen der heißesten Sommer hatten wir uns gerade auch noch ausgesucht. Doch davon bekamen wir nichts zu spüren. Genau eine Woche machte die extreme Hitze mal eine kurze Verschnaufpause.
Weil es immer mal wieder etwas Neues sein darf, haben wir den Kofferraum unseres Passats kurzerhand zur Liegefläche umfunktioniert und mit einer fetten Matratze aufgepimpt. Nach einigen Testläufen in der Sächsischen und Hersbrucker Schweiz waren wir fest davon überzeugt, dieses Mal komfortabler schlafen und in aller Früh gut ausgeruht gleich vor Ort starten zu können. Doch außerhalb meines heimischen Federbettes sind mir stets Schlaf und Kälte liebster Feind.
Bevor wir nun tatsächlich aufbrechen wollten, war es uns ein letztes Bedürfnis, noch einmal in einem Cafe bei einem warmen Getränk und einem kleinen Frühstück zu verweilen.
Doch haben wir die Pfälzer im Frühjahr noch zu den freundlichsten Menschen im Lande gezählt, neige ich sehr dazu, von den Rheinländern das Gegenteil zu behaupten. Ließ man uns doch wissentlich vor einem schon geöffnetem Hause frierend stehen, nur um noch das letzte Brötchen in die Auslage zu verfrachten. Natürlich habe ich meinen Unmut kund getan, doch das hob meine Laune auch nicht so gleich wieder an. Mangels Alternativen haben wir uns etwas später doch noch kurz hier rein gesetzt; Trinkgeld gab es aber keins.

Wenn das Koffein erst einmal wirkt und man endlich den felsigen Steig gefunden hat, den es nach oben zum Nollig geht, dann ist es einem zum Glück schnell wieder warm. 

Diese Ruine des ehemaligen Festungsturms gehörte im 14. Jahrhundert zur Stadtmauer und ist nun im Privatbesitz. Von daher kann sie leider auch nicht besichtigt werden. Dafür wird man aber an dieser Stelle mit einem ersten wunderschönen Ausblick auf den Rhein, das Städtchen Lorch und die Ruine Fürstenberg auf der gegenüber liegenden Uferseite entschädigt – ganz besonders, wenn es wie in unserem Fall auch schon ganz leicht zu herbsteln beginnt.

Das Schöne ist, dass wir im Verlauf unserer Wanderung immer wieder auf sämtliche Burgen und Ruinen auf der anderen Rheinseite schauen konnten, währenddessen wir durch die Weinberge am hiesigen Ufer spaziert sind und das ein oder andere Mal auch eine Traube genascht haben. Verhungern würde man hier ganz sicher nicht, wobei die meisten womöglich eher ans Trinken denken werden. Aber wir bleiben bescheiden.

Inmitten der pflückreifen Weinberge – immer schön am Hang entlang – gingen wir nun weiter oberhalb an Lorchhausen vorbei und gelangten als nächsten zur kleinen Clemenskapelle. Jetzt wussten wir auch wie die Kilometer zusammen kommen, denn die Täler durften immer schön brav ausmarschiert werden. 

Nun möchte ich keine detaillierte Wegbeschreibung liefern, denn davon gibt es im Internet genug, und so spannend liest sich das dann auch nicht. Lieber beschränke ich mich auf ein paar Höhepunkte und berichte darüber, was wir so persönlich erlebt haben.

Immer wieder kamen wir an netten Plätzchen zum Verweilen vorbei, von wo sich einem tolle Perspektiven über den Rhein boten. Der Aussichtspunkt „Panoramablick“ sei hier zu nennen

oder aber auch „Wirbelley“. Von Zweiterem waren wir besonders angetan. Als wir die romantische Stadt Bacharach mit der imposanten Burg Stahleck und der Ruine der Wernerkapelle sahen, überlegte ich kurz, ob wir uns nicht vielleicht doch am falschen Rheinufer befanden. Doch wer weiß, ob diese Festung überhaupt zu besichtigen gewesen wäre. Wie wir am eigenen Leib immer wieder erfahren mussten, scheint das meiste eh privat und ein Betreten nicht möglich zu sein; was wir echt schade fanden.


Nachdem wir irgendwann die Landesgrenze von Hessen nach Rheinland-Pfalz passiert hatten, konnten wir nun auch schon das erste Mal einen Blick auf Burg Pfalzgrafenstein und Burg Gutenfels bei Kaub werfen.

Auch war es krass zu sehen wie wenig Wasser der Rhein inzwischen führte. Nach all den Wochen der extremen Trockenheit hatte es auch dieser Region übel mitgespielt. Nur noch einige Frachtschiffe mit wenig Tiefgang durften überhaupt noch fahren, und ab Sankt Goarshausen überhaupt nichts mehr. Dagegen hatten wir in Bayern nun wirklich keinen Grund zum Jammern und konnten von Glück reden, dass es bei uns hin und wieder ein wenig geregnet hat.

Das Besondere an Burg Pfalzgrafenstein ist eindeutig ihre Lage mitten im Rhein auf einer kleinen Insel. Wie sagen sie doch so schön hier in der Region: „Die einzige Burg, die immer nasse Füße hat.“
Im 14. Jh. diente diese als Zollstelle, um sicherzugehen, dass die Rheinschiffer auch ihre rechtmäßigen Gebühren an die Stadt Kaub abführten. Wundersamerweise wurde sie nie zerstört und kann heute im Zuge einer Führung auch besichtigt werden, nachdem man sich von einer Fähre übersetzen lassen hat.

Wir indessen sind weiter gezogen, vorbei an der Ruine der Staufenburg Gutenfels aus dem 13. Jahrhundert, die Napoleon 1806 gesprengt hat und nun ebenfalls in Privatbesitz ist.

Normalerweise würde in Kaub die erste Etappe enden, für uns war das gerade erst einmal der Auftakt. Nun folgte die schönste und auch bekannteste, mit Abstand aber auch längste Etappe mit den meisten Höhenmetern. Aber alles der Reihe nach!

Kaum nach Kaub hinab gestiegen, ging es auch schon wieder auf der anderen Seite – beim Leiterbergturm – über steile Treppen in die Weinberge hinauf.

Ein wenig kurzatmig nun oben angekommen, standen wir inmitten der Reben und hatten noch einmal einen super Blick auf Kaub mit seinen 2 Burgen.


Das allerbeste war aber ein kleiner Schrein vom Weingut Hillesheim, der direkt am Wegesrand angebracht war. Flo hätte ihn fast übersehen. Aber da ich meinte, irgendwann irgendwo mal etwas gelesen zu haben, öffneten wir ihn neugierig. Und tatsächlich, darin befanden sich Gläser und kleine Probierfläschchen neben einer Geldkassette. Wenn es uns auch mehr ums Wandern als ums Trinken geht, hatten wir uns trotzdem ein kleine Belohnung verdient.

Außerdem, wenn man sich schon in DIE Weinregion Deutschlands verirrt, dann sollte man zumindest auch einmal ein Gläschen Wein probiert haben.

Ein passierendes Pärchen hat sich zwar gewundert, wie man gleich zu Beginn der Tour schon etwas trinken kann, wir haben ihnen aber schnell begreiflich gemacht, dass wir hingegen zu ihnen nicht gerade erst begonnen, sondern schon eine Etappe hinter uns gebracht haben.
Immer wieder sind wir den Beiden unterwegs begegnet und haben uns sehr viel später auch mal zusammen ein Bier gegönnt.

Im Vorfeld hatten wir schon etwas Sorge, dass dieser Weg recht überlaufen sein könnte. Doch wie auch schon bei unseren 2 Fernwanderungen war uns das Glück hold, und wir sind kaum Wanderern begegnet – bis auf die wenigen Verdächtigen, mit denen wir uns gegenseitig immer wieder überholt haben…


Auf dem Weg nach Dörscheid ging es zur Abwechslung mal etwas weiter vom Rhein weg, dafür bot uns dieser Abschnitt so viele Möglichkeiten, um sich mit Obst aller Art einzudecken. Äpfel, Birnen, Pflaumen, Beeren, das konnten wir unmöglich alles auf dem Boden liegen lassen.

Eine besonders herrliche Aussicht hat sich uns wieder von der Hahnenplatte auf Oberwesel mit der Ruine Schönburg und dem Ochsenturm eröffnet.

Von hier aus ging es gleich zum Rossstein mit der Christophorus-Skulptur, die den Heiligen mit dem Jesuskind auf den Schultern darstellt.


Dort konnte man sogar ein wenig kraxeln. Auf Eisenspangen ging es versichert ein Stück am Felsen hinab und dann wieder über Waldwege weiter immer in Richtung Loreley-Felsen.


Schon von „Der Burg“ aus konnte man die steinige Prominenz in weiter Ferne ausmachen. Aber nun denkt mal nicht etwa, dass wir deshalb auch gleich da gewesen wären. Das Urbachtal galt es noch zu durchqueren, und das hieß auch wieder weit auszuholen – vor allem nach unten und dann wieder nach oben… Nach der „Waldschule“ noch einmal das gleiche Spiel. 

Aufgrund der ganzen Schinderei hatten wir nun aber ordentlich Durst bekommen; bot sich einem ja vorher nirgendwo eine Möglichkeit zur Einkehr.
Im Gehöft Leiselfeld gab’s immerhin ein Bier und einen netten Plausch mit dem Pärchen vom Vormittag.

Sie haben uns ein ganz besonderes Schmankerl empfohlen, auf was wir aber auch selbst gekommen wären. Die Felsklippen und der Aussichtspunkt Spitznack sind nicht nur ein Highlight in Sachen Ausblick auf die Rheinschlaufe, Oberwesel flussaufwärts und die Loreley flussabwärts, es macht auch echt Laune, auf den Steinblöcken herumzuspazieren. Flo war das allerdings nicht immer so ganz geheuer.

Nun waren wir aber ganz nah dran am berühmten Loreley-Felsen. Leider wurde genau zu der Zeit das Plateau der Aussichtsform restauriert und musste von daher großräumig umgangen werden. Ich war etwas enttäuscht, dass das genau jetzt geschehen sollte. Doch als wir uns dem Epizentrum näherten und sahen, dass die ganzen Wiesen davor schon voller Zelte standen und die Parkplätze proppenvoll waren, haben wir schon Lunte gewittert. Je weiter wir in Richtung Besucherzentrum hervorgerückt sind, umso betriebsamer wurde es. Horden von Menschen und Schlangen von Autos brachen über die Loreley herein und mussten koordiniert werden. Wir dachten uns nur noch: „Nichts wie weg hier!“
Ein großes Schlager-Konzert sollte es auf einer eigens dafür errichteten Freilichtbühne geben. Dafür schien nun das ganze Rheinland ausgerückt zu sein. Und wir mitten drin.
Das konnte Flo aber vergessen, dass wir uns da irgendwo in unmittelbarer Nähe einen Schlafplatz suchen würden. Also ging es auch über die 2. Etappe etwas hinaus.

Die Ballade von der „Lore Lay“ kennt sicher jeder, aber wusstet ihr auch, dass sich an dieser Stelle der Rhein nur noch auf 145 Meter halbiert und über 20 Meter in die Tiefe geht? Damit ist dies die engste schiffbare Passage des Stroms, und viele gefährliche Unglücke sind in der Vergangenheit hier passiert.

Weiter nun an der Burg Katz vorbei, welche genau wie die Burg Rheinfels – auf der linken Flussseite – als Zollstation diente, ging es erst einmal in Serpentinen hinunter nach Sankt Goarshausen.

Da wir aus genannten Gründen nun immer noch keinen Platz gefunden hatten, um unser Zelt aufzuschlagen, mussten wir weiter und nun noch einmal nach oben. 2 Aussichtspunkte hatten wir in der Karte ausgemacht, alle Hoffnungen setzten wir nun auf einen der Beiden.
Das Licht war gerade so optimal, dass wir alle uns verbliebenen Kräfte noch einmal mobilisierten, um schnell den „Dreiburgenblick“ auf dem Patersberg zu erreichen. Und wir wurden reichlich belohnt.

Zum einen hatten wir die besten Voraussetzungen, um einen Blick auf Burg Katz in Sankt Goarshausen, Burg Maus in Wellmich und Burg Rheinfels auf der anderen Rheinseite zu werfen, nicht umsonst der Name „Dreiburgenblick“, zum anderen fanden wir hier nach 34 km und 1300 hm das erhoffte Nachtlager.  


Noch waren wir allerdings nicht alleine und mussten uns ein wenig die Zeit totschlagen, indem wir erst eine Kleinigkeit gegessen und dann noch eine Runde gedreht haben. Nicht, dass wir heute noch nicht genug auf den Füssen gewesen wären! Den Blick haben wir dabei aber keine Sekunde von unserem begehrten Schlafplatz abgewandt. Auch wenn wir uns stets ordentlich aufzuführen wissen, war es notwenig etwas abzuwarten, muss man ja nicht mit Gewalt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Als sich das Sonnenlicht langsam verabschiedet und ebenso ein enttäuschter Fotograf, der das Zeitfenster um ein Haar verpasst hat, haben wir unseren Tarn-Tunnel aufgestellt und uns schnell darin verkrochen. So schön der Blick auf die beleuchteten Burgen war, wenn es dunkel ist, so kalt und feucht wurde es allerdings auch in dieser exponierten Lage.

So richtig einsam waren wir dennoch nicht. Der Aussichts-Pavillon schien ein begehrter Jugendtreff zu sein, die Wiese nett zum Gassi gehen. Schnell wurde das Schnüffeln der Hunde aber durch das lautstarke Konzert auf dem Loreley-Felsen übertönt. Wir waren wirklich froh, heute noch ein paar Kilometer weitergegangen zu sein. Schließlich hat uns die Musik doch noch in den Schlaf gewogen. Wenn auch nicht lang und effektiv, aber schlimmer geht’s immer.

2. Tag / 02.09.2018 / St.Goarshausen-Wellmich-Kestert

Ganz schön feucht und kalt hier, und den Sand von der Ostsee haben wir auch noch am Zelt kleben. Das dachten wir, als wir mit klammen Fingern unser kleines Domizil abgebaut haben. Aber das traumhafte Panorama schon ganz in der Früh auf die Burgen und den Rhein, das war es allemal wert. 

Noch bevor überhaupt jemand den Morgen mit uns teilen konnte, waren wir schon wieder zum Aufbruch bereit. Erst einmal ging es erneut hinunter nach Sankt Goarshausen. Dort erwartete uns auf der anderen Seite ein kleiner Klettersteig, den wir keinesfalls auslassen wollten. Über den 500 Meter langen Rabenacksteig ging es dann wieder aufs alte Höhenniveau hinauf. Stellenweise etwas ausgesetzt, stellte sich bei uns versierten Berggehern kein so rechter Nervenkitzel ein. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem, und die Ausblicke waren wir immer gigantisch. Die Burg Rheinfels wirkte von hier zum Greifen nah.

Leider war uns das Wetter nicht so hold wie noch am Tag zuvor. So schön der Morgen bei Sonnenschein angefangen hat, so schnell haben uns allerdings auch die Wolken eingeholt, und die Decke wollte nicht mehr aufreißen. 

Unser nächstes Ziel war die Burg Maus. Mit den letzten Sonnenstrahlen an Weinreben und Blumenfeldern vorbei, näherten wir uns auch ihr wieder im Zickzackkurs.

Burg Maus wurde gebaut, um den 2 anderen Wehranlagen etwas entgegenzusetzen. Aus diesem Wettrüsten wurde ein sprichwörtliches „Katz- und Mausspiel“.

Langsam waren wir es allerdings leid, dass man keine einzige Anlage besichtigen kann. Es wurde Zeit, endlich mal wieder etwas Neues zu sehen.
Nachdem wir kurz das Städtchen Wellmich gestreift haben, konnten wir uns ein wenig in Sachen Bergbau fortbilden. An dieser Stelle soll es sogar einen 136 Meter tiefen Stollen unter dem Rhein hindurch gegeben haben, um den Abtransport der Erze aus der Grube „Gute Hoffnung“ zu gewährleisten.


Der Abschnitt Richtung Pulsnachklamm war noch einmal etwas fürs Gemüt. Über einen schmalen Felsenpfad galt es, unsere inzwischen schon etwas müden Füße nach Kestert zu bringen. Die restlichen Meilen waren gut zum Auslaufen, ansonsten nicht mehr erwähnenswert.

Mit dem Zug ging es nach langem Warten schließlich zu unserem Ausgangspunkt nach Lorch zurück. Dort haben wir uns endlich etwas Leckeres zum Essen gegönnt, nachdem wir 2 Tage zu darben hatten.

Auch wollten wir uns wenigsten noch eine Spur Kultur gönnen, und haben dem Hilchenhaus und dem Wehrturm Strunk einen Besuch abgestattet, bevor es dann wieder in den Süden zurück ging.


Fazit

Ich denke, ich kann es dieses Mal recht kurz halten. Die Gegend ist wirklich sehr beeindruckend mit der Unzahl an Burgen und Ruinen direkt am Rhein, und es war sehr schön, wieder einmal mit Flo gemeinsam unterwegs zu sein. Doch haben wir in der Vergangenheit schon viele andere Sachen gemacht, die wir sicher länger im Gedächtnis behalten werden. Trotzdem haben wir nichts bereut, und ich hoffe ihr auch nicht, mit uns auf virtuelle Reise gegangen zu sein.

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