Ostsee 2018

Man muss nicht immer die ferne Welt bereisen, sondern kann sich auch an dem erfreuen, was vor der Haustür liegt. Gut, kürzer als bis nach Italien fährt man von uns aus an die Ostsee auch wieder nicht. Aber es gibt eben auch in Deutschland so unheimlich viel zu sehen, dass es schade wäre, diese Eindrücke nicht zu teilen.
Zu DDR-Zeiten war sie für mich und meine Familie so ziemlich die einzige Möglichkeit, Ferien zu machen. Ich verbinde meine schönsten Kindheitserinnerungen damit und war neugierig, was sich in fast 30 Jahren alles verändert hat. Außerdem haben sich meine Interessen und Ansichten inzwischen auch etwas geändert. So geht es nicht mehr ums reine Baden, sondern es stehen Natur, Kultur und Geschichte im Vordergrund. Davon gibt es reichlich, speziell auch auf Deutschlands größter Insel – Rügen.

07.06.2018 – Eine lange Anreise 

Immerhin mit dem Auto, vergingen 10 Stunden Fahrt wesentlich angenehmer als wie üblich mit dem Flugzeug; auch mussten wir uns so nicht mehr darüber den Kopf zerbrechen, was alles in einen Rucksack passt und möglichst noch so leicht ist, dass man es die ganze Zeit tragen kann. So waren wir sowohl ganz spartanisch aufs Zelten als auch sehr viel komfortabler, auf eine schöne Zeit mit den Eltern, im Ferienhäuschen eingerichtet. Doch die ersten 2 Tage wollten wir vorab schon etwas erkunden und haben uns gleich nach dem Frühstück aufgemacht, damit wir am nächsten Morgen mit der ersten Fähre nach Hiddensee übersetzen konnten.

Auf der Insel angekommen, haben wir nach der Überquerung der spektakulären Rügenbrücke einen kleinen Abstecher nach Altefähr unternommen, um im Abendlicht einen Blick über die Strelasund auf Stralsund zu erhaschen. 


Doch dann musste es auch schon schnell weitergehen, da es schon recht spät war, und wir natürlich der Flexibilität zu Liebe noch keine Unterkunft gebucht hatten. 

Ich dachte, so ein kleines Zelt findet immer irgendwo Platz. Findet es auch; notfalls auf einem Zeltplatz in Schaprode, auch wenn keiner mehr da ist und auch noch nicht am nächsten Morgen, wenn man schon vor den Hähnen aufsteht… 

Aber zuvor hatten wir noch den schönsten und einzigen Sonnenuntergang seit Gedenken und auch für den restlichen Urlaub, den wir dann an der Ostküste verbrachten. Natürlich mit bestem Blick auf den „Luchte“ (Leuchtturm) am Gellen auf Hiddensee. Der nächste Tag durfte also kommen.


08.06.2018 – Hiddensee

Nix mehr zum Essen bekommen am Abend, das einzige Bier treibt, kalte Füße zwecks nasser Verbände, weil man sich den Sonnenuntergang vorzugsweise im Wasser anschauen wollte, und dann sägt es im Nachbarzelt, dass kein Baum mehr stehen bleibt. Eine Nacht, die nicht enden wollte. So habe ich diese gegen 3 Uhr schon für beendet erklärt und mir die Zeit im Waschraum und beim Sonnenaufgang allein am Strand vertan, damit wenigstens Flo noch bis 5 Uhr schlafen konnte, was ohne mich im Zelt dann auch für ihn schon viel besser ging.


Doch dann hieß es, sehr früh das Zelt zusammenpacken und mit wenigen Einheimischen die erste Fähre nach Hiddensee zu nehmen. Wir hatten uns viel vorgenommen und musste die letzte Fähre zurück auf Rügen wieder schaffen. Denn warum soll man sich ein Fahrrad mieten, wenn man die ganze Insel (27 km in unserem Fall) auch zu Fuß abspazieren kann. 

Wir kamen also schon 7 Uhr in Vitte an, dass „betriebsamste“ der winzigen Örtchen, wenn man das überhaupt so sagen kann. 
Schon am winzigen Hafen sind uns gleich die ganzen Handwagen mit den Namen der Unterkünfte aufgefallen. Denn die ganze Insel ist (bis auf wenige Ausnahmen) autofrei. Wer also für länger anreist, muss sein Gepäck im Handwagen ziehen oder sich von einer Pferdekutsche abholen lassen. Finde ich echt super und lässt Hiddensee’s Charme und ihre sensible Natur erhalten.


2 besonders schöne Häuser haben wir uns natürlich anschauen müssen, wenn es auch noch zu früh war, sie von innen zu besichtigen. „Die blaue Scheune“, leider in Privatbesitz, und das „Karusel“ von der dänischen Schriftstellerin Asta Nielsen. 


Danach ging es auch schon auf nach Kloster, welches im 13 Jh. vom Orden der Zisterzienser gegründet, aber im Zuge der Säkularisierung wieder aufgelöst wurde. Inzwischen ist auf dem Gelände das kleine Fischerdorf entstanden, und hier steht auch die einzige Kirche der Insel. 


Viel spannender war für uns aber der Aufstieg zum Leuchtturm über den Dornbusch. Wir haben extra bei Einheimischen nach dem Weg mit der besten Perspektive gefragt, und sind so einen kleinen Pfad durch herrlich gelb-blühende Gingstersträuche gefolgt, bis wir das erste Mal den Leuchtturm hindurch erblicken konnten. Eine wunderschöne Sicht und ein gelungener Urlaubsauftakt.


Leider war auch der um diese Zeit noch verschlossen, und so blieb uns die Aussicht von oben und das Innere des Turms verwährt. Doch das sollte nicht das letzte Mal im Urlaub sein.

Trotz allem konnte man von hier oben die Haken von Alt- & Neubessin wunderbar erkennen. Haken entstehen durch Anlagerung von Sand, woraus wie auf Altbessin Nehrungen entstehen, wenn diese sich durch Vegetation verfestigen und irgendwann auch begangen werden dürfen, unter Einhaltung des Naturschutzes. Die noch nicht verfestigten Haken, wie auch Gellen im Süden der Insel, dürfen hingegen nicht betreten werden.


Auf jeden Fall sehr interessant, das Wechselspiel der Natur mit eigenen Augen zu sehen; was sie an einer Stelle nimmt (Steilufer), lagert sie an anderer Stelle wieder an; so ist nix für die Ewigkeit.

Somit sind wir bei unserem Versuch, den Dornbusch weiter in Richtung Norden bis zum „Toten Kerl“ zu erwandern, auch kläglich gescheitert. Nicht etwas nur deshalb, weil den Weg keiner zu gehen scheint, und wir nach einem Kilometer durch stachelige Sträucher und Büsche die Schnauze und auch Beine voll hatten, nein, vielmehr weil einfach der Weg dann aufgehört hat, weil die Küste abgebrochen ist.
Gut, dann haben wir das also auch gesehen und sind wieder zurück zum Leuchtturm. Wollten ja eh noch ganz in den Süden…


„Dornbusch“ übrigens, weil hier die stachelige „Zitrone des Nordens“ wächst. So exponiert in sonniger Lage, gedeiht der Sanddorn prächtig und wird in jeder Form – von Honig, Marmelade, Kuchen, Senf, Saft, Schnaps usw.- ordentlich vermarktet. 

Das Stück Sanddornkuchen hat uns auf jeden Fall sehr gut geschmeckt, genau wie das Fischbrötchen mit frischem Cherry-Hering, welches ich leider nur auf Hiddensee bekommen habe. 


Auf dem Weg wieder Richtung Vitte haben wir gemerkt, dass wir am Morgen keine Sekunde zu früh los sind. Wenn eine Pferdekutsche nach der anderen an dir vorbeibrettert, dann kann man sich ausmalen, wie das in der Hochsaison aussehen mag.


So sind wir bei der ersten Gelegenheit auf die „Strandpromenade“ ausgewichen, bis wir einen kleinen Weg durch die Dünenheide gefunden haben, wo wir wieder ganz für uns allein waren, da Kutschen und auch Radlfahrer auf die einzige Strasse nach Neuendorf/Plogshagen ausweichen.


Tolle Idee, Schuhe ausziehen und barfuss weitergehen. Im zweiten Moment eine sehr sportliche Angelegenheit, da nach 7 km der Sand mit jedem Schritt unter den Füssen zu brennen schien. Aber das ziehen wir jetzt mal durch, zum Wohle des Fersensporn. 

Im dritten Moment war die Idee so richtig dumm. Denn als ich beim Auffüllen unseres Flüssigkeitsdefizits bei „Rosi“ den Führer befragt habe, stand da was von giftigen Kreuzottern in der Dünenheide. Ah, da war das also; wusste ich doch, dass ich das schon mal irgendwo gelesen hab. Gut, dass die vermutlich mehr Angst als ich haben. Die Mücken allerdings nicht. Selbst Antibrumm ist denen ziemlich egal und auch mein Elefantenfuss am nächsten Tag.


Endlich angekommen, am südlich begehbarsten Punkt der Insel, dem Gellen mit seinen niedlichen Leuchtturm – den „Luchte“, den wir am Abend zuvor schon vom Festland aus wild blinkend erleben durften.


Doch dann mussten wir uns auch so langsam schicken, um die letzte Fähre 18:30 Uhr in Neuendorf zu bekommen und vorher noch unsere Speicher nachzutanken. Über einen Hochwasserschutzdamm ging es also zurück zum Hafen. Diesen haben sie nach der verheerenden Sturmflut von 1872 angelegt, die Hiddensee (wie auch Fischland-Darß-Zingst) auseinander gerissen hat.


Neuendorf ist im Übrigen eins der wenigen Dörfer, an deren Häuser man noch die runenartigen Zeichen findet. So genannte Hausmarken waren vor tausenden Jahren weit verbreitet, sind einem bestimmten Haus zuzuordnen und wurden mit diesem weitervererbt oder -verkauft; ganz ähnlich dem Hausnamen im schönen Bayernland.


Wieder in Schaprode gelandet, ging es auch gleich weiter; mit der Wittower-Autofähre auf die Halbinsel Wittow, wo wir dieses Mal auf einem Zeltplatz an der Schaabe in Juliusruh sogar telefonisch noch einen Platzwart erreichten und unser Zelt aufbauen konnten.


Gut, dass gerade hier heute Nacht Dreharbeiten stattfinden sollten. Aber ich war so hinüber, dass ich sogar etwas schlafen konnte, obwohl es im Norden einfach nicht dunkel zu werden scheint.

09.06.2018 – Kap Arkona / Schifffahrt Kreidefelsen Jasmund

5 Uhr hatte ich mir schon den Wecker gestellt. Der Wetterbericht hat verlautet, dass es gegen 8 Uhr zuziehen soll, was sich zum Glück nicht bewahrheitet hat. Trotzdem kann es bei unseren Aktionen nie schaden, ganz vorn dabei zu sein, auch wenn der frühe Vogel im Norden Deutschlands verhungert und krepiert, das Auto am Abend vorm Zeltplatz geparkt werden und man am nächsten Tag zum Auschecken 10 Uhr noch mal wiederkommen muss; auch Leuchttürme, Bunker und Museen um diese Uhrzeit noch nicht zu besichtigen sind. Na ja, dafür bleibt mehr Zeit, sich die Füße wund zu spazieren…  

Putgarten ist fürs Auto Endstation. Hier befindet sich ein großer Parkplatz. Der Ticketautomat ist immer geöffnet, hingegen zu irgendetwas, was nach der Möglichkeit zur Nahrungsbeschaffung aussieht. Zum Glück haben wir stets ein heißes Eisen oder Chiliwürstchen im Rucksack.
Der Weg zum kleinem Fischdörfchen Vitt (nicht zu verwechseln mit Vitte auf Hiddensee, die den selben namentlichen Ursprung vom Einlegen der Fische am Hafen, zu gut Deutsch „Fischerdörfchen“, haben) ist etwas fürs Auge. Überall stehen Mohn und Kornblumen in voller Blühte und zaubern einen leuchtend, rot-blauen Teppich; und im Hintergrund die Kulisse der 2 Leuchttürme vom Kap Arkona.


Vitt versteckt sich etwas, da es direkt unterhalb an der Küste liegt. Winzig klein, touristisch aufgeputzt, aber suchen wir nicht diese künstlich geschaffene Idylle so oft? Trotzdem ist es um diese Zeit verträumt, völlig menschenleer und den Besuch absolut wert.


Die beeindruckende Steilküste unter der Jaromarsburg am Kap, diese hat allerdings die Natur geschaffen. Man sollte den Blick genießen, solange noch etwas davon steht.


Einen großen Teil hat sich das Wasser schon zurück erobert, und so dürfen die Reste, der darauf befindlichen Tempelbefestigung der Slawen, inzwischen gar nicht mehr betreten werden; zum eigenen Wohl und dem Erhalt der Natur.

Wir haben den Weg an der Küste dem Hochuferweg vorgezogen und gehofft, dass es den Aufgang direkt am Kap nach oben noch gibt. Keine Selbstverständlichkeit, da sich im Winter immer viel verändert und Wasser und Eis nicht nur für Klippenabstürze sorgt, sondern auch regelmäßig Leitern abrasiert. Das Glück war uns aber hold, und so mussten wir nach einem schönen Spaziergang am Ufer, unterhalb der steilen Hängen der Kreideabbrüche (in denen viele Uferschwalben nisten), nicht wieder umkehren, sondern konnten uns direkt zum Kap mit seinen 2 Leuchttürmen und dem Peilturm hinauf schlagen.


Letzten Turm passierten wir zuerst. Dieser ist kein Leuchtturm, sondern ein ausgedienter Funkpeilturm der Kriegsmarine, in welchem sich nun einige Künstler ihr Atelier eingerichtet haben.


Die 2 eigentlichen Leuchttürme sind zum einen der etwas exzentrisch anmutende, viereckige Schinkelturm und der neue Leuchtturm, welcher noch in Betrieb ist.


Beide könnte man besichtigen, ebenso wie den Arkona- und den NVA-Bunker, wäre man nicht schon so früh beim Zeug.


So schleichen wir etwas im Gelände umher und staunen nicht wenig darüber, wie so riesige Leuchtfeuer an der Meeresoberfläche bleiben können, wenn sie nicht vom Eis zerstört worden wären.


Der nördlichste Punkt Rügens ist der Gell-Ort. Wenn wir schon mal hier sind, dann schauen wir uns den auch an. Doch die Königstreppe nach unten an den Strand ist aufgrund heftiger Abbrüche auch nicht mehr passierbar.


Auf dem Rückweg wundern wir uns noch, warum der Pfad immer unwegsamer wird, bis wir an bekannte Absperrung kommen; allerdings von hinten. Es wäre nicht schlecht gewesen, das „Betreten verboten“ Schild nicht nur in eine Richtung aufzustellen. Aber wie sagt man so schön: „Das Leben ist lebensgefährlich!“

Über den „Rügenhof“ in Putgarten können wir leider nix sagen. Dreimal darf geraten werden warum.


So fahren wir weiter nach Altenkirchen und sind glücklich über ein kleines Stück Zupfkuchen, auch wenn wir lieber eine Leberwurststulle verzehrt hätten. Aber man darf zu so früher Stunde nicht wählerisch sein. 

Für den Leser interessanter ist aber wahrscheinlich die zweitälteste Kirche auf Rügen – eine Backsteinkirche mit einem hölzernen Kirchturm nebenan.


Nun hatten wir noch etwas Zeit, bevor wir uns mit meinen Eltern in Baabe treffen wollten. Das Wetter war auch großartig.

Was lag also näher, als schon einmal in Sassnitz die Lage zu peilen und auf ein Schiff zu steigen.


Es gibt doch nix Besseres, als die berühmten Jasmunder Kreidefelsen des kleinsten Nationalparks Deutschlands sowohl vom Hochuferweg, als auch unterhalb der Klippen und noch die Totale vom Wasser aus zu sehen. 

Gesagt, getan! Bilder sagen mehr als 1000 Worte!!!


Am späten Nachmittag haben wir unser Domizil für die nächsten 7 Tage in Baabe beziehen können. Ein kleines gemütliches Häuschen in einem idyllischen Kiefernwäldchen, ohne Durchgangsverkehr, mit unverbautem Blick auf nichts als den Wald und keine 2 Minuten zum Strand. Was will man mehr.


10.06.2018 – Baabe (Mönchsgut)

An einem Sonntag tut man gut daran, daheim zu bleiben. So haben wir hinreichend unsere gemütliche Terrasse, Strandkorb, das Lieblingscafe meiner Eltern („Café Klatsch“) mit seinen entzückenden Zwillingen und zu Abend die „Aalkaten“ in Augenschein genommen. Nicht, dass man im Urlaub noch Pfunde verliert… Aber es war auch ausgesprochen lecker. 🙂   


11.06.2018 – Nationalpark Jasmund / Die Stubbenkammer

Ohne Frage, eines der absoluten Highlights, nicht nur dieses Urlaubs, nicht nur Rügens oder Deutschlands, sondern etwas, was man unbedingt einmal in seinem Leben gesehen haben sollte, sind die berühmt-berüchtigten Kreidefelsen von Jasmund auf Rügen und den Urwald der Stubbenkammer; von oben bzw. mittendrin und von unten.
Nach einem kurzen Frühstück mit Brathering vom „Kutterfisch“ – gab ja nix anderes – sind wir gemütlich den Hochuferweg entlang erst Richtung Königsstuhl, dann weiter bis nach Lohme. 


Der erste Blick, den wir durch den dichten Buchenwald hinunter auf die Kreidefelsen erhaschen konnten, war überwältigend und beängstigend zugleich.


Ich hatte viel im Vorfeld über die Geologie und die nicht zu unterschätzenden Abbrüche und damit verbundenen Gefahren gelesen. Durch meine Wintererfahrungen am Berg bin ich inzwischen etwas sensibilisiert und gerne etwas bedachter, bevor ich einen Schritt in die falsche Richtung setze. Wenn man später die Küste von unten sieht, weiß man auch, dass das nicht die schlechteste Idee war und man gerne das ein oder andere „Betreten verboten“ Schild ernst nehmen darf.

Bestes Beispiel sind die berühmten „Wissower Klinken“ (von Caspar David Friedrich einst wunderschön in Szene gesetzt und eines der bekanntesten Bilder Rügens), die 2005 einem Rutsch zum Opfer gefallen sind. Wenn man oberhalb derer steht, kann einem schon etwas anders werden. Alles was nicht fest ist, erobert sich das Meer über kurz oder lang zurück. Von daher kann man von unterhalb gar nicht mehr so viel von dem Unglück erkennen, da das Wasser schon alles weggespült hat. Die Zacken sind aber immer noch erkennbar, allerdings ein oder zwei Köpfe kürzer; nur daneben klafft noch ein großer Erdrutsch.


Leider gibt es davon viele, und so ist jedes Jahr, was man früher sich dieses Wunder anschauen kann, eine gute Entscheidung. Man weiß nie wie lange es die Stubbenkammer in dieser Form noch geben wird.


Es steht so oft geschrieben, dass man sich den Ausblick vom Königsstuhl selbst sparen kann, wofür noch zudem Eintritt verlangt wird, da man von der Viktoria-Sicht einen besser Blick hat.


Auf Ersteres haben wir tatsächlich verzichtet, doch auch die Viktoria-Sicht empfanden wir nicht als das Gelbe vom Ei. Hierher kommen alle die, die sich vom Bus direkt vor dem Nationalparkzentrum absetzen lassen und gehen halt dann die paar Meter zu den Aussichtspunkten. Zuvor beschriebener Abschnitt ist viel idyllischer und aussichtsreicher.

Seit vergangenem Winter kann man auch nicht mehr die Treppe am Königsstuhl zur Golchaschucht hinabsteigen, da die Leiter unten einfach vom Wasser weggerissen wurde.
Zu unserem Nachteil sollte das nicht sein. So haben wir uns am Hochuferweg weiter Richtung Lohme (ganz im Norden) durchgeschlagen und sind dann den gesamten Weg an der Küste bis nach Sassnitz zurück.


Teilweise sehr sportlich, weil zum einen sehr lang, zum anderen nicht gerade immer wegsam, dafür waren wir mutterseelenallein, und wenn an anderen Stellen geballte Touristenladungen nach Hühnergöttern suchen, brauchten wir sie auf dem gesamten Weg nur aufzulesen. Einziges Mango, am Abend hing der Rucksack und die Arme in den Knien und am nächsten Tag haben wir eine Nackenmassage gebraucht.


Hühnergötter sollen Glück bringen. Früher hat man sie an einer Schnur aufgefädelt und über dem Hühnerstall aufgehängt, damit sie die Tiere schützen. Daher auch der Name.

Letztendlich sind es Feuersteine mit Einschlüssen, die sich im Laufe der Zeit auflösen. So entstehen die Löcher im Stein.


Auf jeden Fall die Sicht von unten auf die Kreidefelsen war spektakulär. Riesige Wände bauen sich über einem auf. Man ist dagegen so klein und schaut ganz andächtig nach oben.


Trotzdem sollte man die Gefahr gerade unterhalb nicht unterschätzen. Regelmäßig kommt es auch zu Unfällen am Fuße der Klippen, weil etwas ins Rutschen kommt. Doch da es die Tage davor nicht geregnet hat, wollten wir uns diese einmalige Chance nicht entgehen lassen. 

Mit uns war nur noch eine Unzahl an Möwen und Kormoranen von der Party, welche ihre ausgebreiteten Flügel in der Sonne getrocknet haben. Wir konnten uns gar nicht satt sehen, und die Kamera ist bald heiß gelaufen.


An der Piratenschlucht war es dann vorbei mit der Ruhe, da es an dieser Stelle einen Zugang von oben gibt und Sassnitz auch nicht mehr weit war. Doch das hat uns nach 12 einsamen Kilometern auch nicht mehr gestört.

Auf der ganzen Strecke existiert momentan nur noch der Abstieg am Kieler Bach. Aber da gehen die meisten auch wieder nach oben zurück, weil es sonst keine weiteren Treppen mehr hat.


Leider ist nun doch alles viel später geworden als gedacht, und Mutti hat schon mit den Flecken auf mich gewartet. Meine Leibspeise von Kindesbeinen an. Den Westler graut’s, den Hund freut’s – wenn er was abbekommt. 😉

12.06.2018 – Zickersches Höft

Endlich haben wir uns mal eine Tour ausgesucht, wo meine lieben Eltern uns beiwohnen und auch mithalten konnten. 


Das Zickersche Höft ist die südöstlichste Region von Rügen und gehört zum Mönchsgut, wie auch Baabe, welches wiederum das Eingangstor desselben ist.

Wie man unschwer erraten kann, war das Mönchsgut früher in klösterlichen Besitz. Durch die strengen Ordensregeln wurde der Kontakt zur Außenwelt stark beschnitten und der Handel mit anderen Regionen weitestgehend unterbunden. Das Christentum konnte hier viel früher Fuß fassen. Durch die zeitweilige Isolation sind hier noch besonders viele der alten reetgedeckten Fischerkaten mit dem bekannten Zuckerhutdach erhalten geblieben.


Eines davon, für viele auch das Schönste, ist das Pfarrwitwenhaus in Groß-Zicker. Diese wurde aus Spenden der Gemeinde für die Witwe des Pfarrers gebaut, damit diese nach dem Tod ihres Gatten eine Unterkunft hat, da in das Pfarrhaus selbst ja die Nachfolger einzogen.

Wirklich ein nettes Häuschen, vor allem mit seinem lieblichen, kleinen Garten davor.


Doch zuvor haben wir noch den Rügenmarkt in Thiessow besucht, wo neben allerhand Trödel auch leckere, regionale Produkte angeboten werden. Bis dahin wusste ich noch nicht, dass auch Honig und Senf mit Sanddorn angereichert werden kann und wie scharf eigentlich Störtebecker ist.


Lange aufzuhalten braucht man sich aber nicht, da sich die Attraktion wohl herumgesprochen hat. Ich wüsste bessere.

Unsere kleine Wanderung von Groß-Zicker und dem Pfarrwitwenhaus aus ging erst einmal über Trockenrasen auf den Bakenberg, der höchsten Erhebung der „Zicker Alpen“. Immerhin 66 Meter von NN aus!


Zwar ganz schön windig, aber der Ausblick von dort oben über das weite Land war sehr schön und eine willkommene Abwechslung zu den ganzen Steilküsten-Geschichten der Tage zuvor. Sogar bis auf Usedom kann man schauen, und das Jagdschloss lugt auch aus dem Wald der Granitz hervor.

Der Abstieg zum Nonnenloch herunter lohnt sich in jedem Fall auch, wenn man nicht von den Eindrücken der letzten Tage übersättigt ist.


Warum das Nonnenloch nun so heißt, überlasse ich eurer Phantasie. Ihr werdet sicher nicht falsch liegen…
Nicht unbedingt empfehlenswert ist es, mit Turnschuhen die glatte Oberfläche der Findlinge hinaufklettern zu wollen. Ich bin zwar irgendwie rauf- und auch heil wieder heruntergekommen, doch die Blamage meiner Nachahmerin war absehbar. Autsch!!!


Leider hat die Zeit nicht mehr gereicht, um sich das Schulmuseum in Middelhagen anzuschauen, doch alles geht nun mal nicht. Nicht einmal bei mir. 😉


13.06.2018 – Sellin / Binz / Jagdschloss Granitz
 

Mit 1850 Sonnenstunden im Jahr ist Rügen gleich nach Usedom (mit 1906 Sonnenstunden) Deutschlands Spitzenreiter in Sachen gutes Wetter. Scheinbar haben wir genau die wenigen sonnenarmen Tage im Jahr erwischt. Nach einen tollen Start, an dem wir den Strandbesuch auf andere Tage verschoben haben, wollte es nicht mehr so recht aufreißen. Aber immerhin hat es nur ein einziges Mal kurz geregnet, und so konnten wir wenigsten immer etwas unternehmen. Mutti hätte das gerne anders gehabt, aber so mussten wir keine Ausreden erfinden, um immer wieder aus Baabe zu flüchten. Nicht, dass ich meine Eltern nicht sehen möchte, aber wir wollten doch so viel wie möglich auf Deutschlands größter Insel erkunden.

So haben Flo und ich auch heute wieder, weit vor dem Frühstück, unsere Rucksäcke aufgehuckelt und sind der hervorragend ausgebauten Strandpromenade entlang nach Sellin gewandert.


Kurz zuvor steht im Wasser eine merkwürdige Skulptur, über die man in keinem Reiseführer was lesen kann. So musste ich erst Mr. Google befragen und habe erfahren, dass die Bronze-Lady auf den skandinavischen Namen „Kaysa“ hört, und von einem gewissen Künstler namens Thomas Jastran erschaffen und 2014 zu Wasser gelassen wurde.


Wie viele andere Urlauber schon zuvor, haben auch wir uns im Fotografieren geübt, damit zum Schluss ein semiprofessionelles Bild hier im Blog landet. Doch dann haben wir es kaum erwarten können, uns weiter in Richtung der berühmtesten Seebrücke der Ostsee am Strand entlang vorzuarbeiten. Schon von weitem konnte man seine Ausläufer mit der gigantischen Tauchgondel ausmachen.


Selten wird man auf der Brücke so allein sein. Der einzige optische Fehler war ein weißer Lieferwagen. Immerhin weiß!!!


Da die Ostsee zur Küste hin sehr flach wird, war es nicht möglich, die ersten Badegäste per Bäderdampfer direkt an Land zu bringen. Aufwendig wurde diese in Segelschiffe umverfrachtet. So entstand die Idee, Seebrücken zu errichten, die weit ins Meer hinausragen – 508 Meter im Fall Sellin. Nach Binz war sie 1902 die zweite Seebrücke und die einzig bebaute auf Rügen.
Doch immer wieder wurde sie durch schwere Orkane und Eis zerstört, immer wieder aufgebaut. In den 50er Jahren stand nur noch das Brückenhaus. Erst nach der Wende hat man die Brücke wieder nach altem Vorbild aufgebaut und dient nun erneut als Flaniermeile.
Dem Zeitgeist angepasst, befindet sich am Ende eine Tauchgondel, mit der man in die Ostsee ohne Tauchausrüstung abtauchen kann.


Doch da auch diese zu so früher Stunde noch nicht begehbar ist, (selbst die Toiletten machen hier erst 9 Uhr auf), sind wir die 99 Stufen der Himmelsleiter nach oben Richtung Wilhelmstraße gestiegen, um bei selbst belegten Stullen vom Rügenmarkt den Blick auf die wunderschöne Brücke von oben zu genießen, die gerade bei dem Wetter besonders majestätisch im Wasser thront.


Noch einen kurzen Blick der Bäderarchitektur von Sellin von seitens der Küste her gewidmet, dann ging es durch einen lichten Wald am Hochuferweg entlang Richtung Binz. Den kleinen Abstecher zum „Schwarzen See“ kann man machen, muss man aber nicht. Das soll sich nicht respektlos anhören, aber Seen und Moore haben wir in Bayern selbst mehr als genug, dass wir uns lieber an Unbekanntem laaben.


Durch die „Teufelsschlucht“ sind wir schließlich zum Strand von Binz hinab gestiegen, um uns dem „Nizza des Ostens“ zu nähern. Schon von Weitem ist das gigantische, bei jedem Wetter weiß strahlende Kurhaus, auszumachen.


An der Promenade stehen jede Menge prachtvoll verzierte Villen mit ornamentreichen Balkonen, Erkern und Türmchen.


So gar nicht ins Bild passen will das „Raumschiff“ in der Düne, und ist doch zum Wahrzeichen von Binz geworden. Ulrich Müther ist bekannt geworden, durch seine Schalenbauten, insbesondere dem „Teepott“ in Warnemünde. Dieser skurrile Bau ist sogar in meinen kindlichen Erinnerungen haften geblieben.

Der ehemalige Rettungsturm der Wasserwacht dient heute auf jeden Fall als Außenstelle des Standesamts; wie wir auch sehen konnten.


Auch auf der älteste Seebrücke muss man einmal umhergewandelt sein, und es bietet sich einem ein wunderschöner Blick auf die Schokoladenseite von Binz.


Kaum vorstellbar, mit wie viel Schmutz ein so schöner Fleck behaftet sein kann. Herrschte in den „Goldenen Zwanzigern“ noch der Wohlstand, beendete die Nationalsozialisten hier das unbeschwerte Urlaubmachen und Hitlers wahnwitziges Projekt in Prora ging an den Start. Doch dazu später. 

Nach dem Krieg ging der Badebetrieb wieder an den Start, und im Zuge der „Aktion Rose“ wurden sämtliche Hotelbesitzer enteignet und als Wirtschaftsverbrecher verurteilt. Unter der Einheitsgewerkschaft der DDR entstanden zahlreiche Ferienheime in den folgenden Jahren.
Inzwischen ist wieder alles privatisiert, und der „Geldadel“ hat Einzug gehalten. 
Ich lobe mir unterdessen mein Zelt, aber anschauen kann man sich diese Prachtbauten ja mal. 

Unsere Wanderung sollte noch ein Stück weitergehen, zur höchsten Erhebung der Granitz – dem 107 Meter hohen Tempelberg – mit seinem Jagdschloss, welches Fürst Malte von Putbus errichten ließ.


Besonders sehenswert ist der 38 Meter hohe Turm, mit seiner (für Karl Friedrich Schinkel typisch) gusseisernen 154 Stufen hohen Wendeltreppe. Schnell war mir auch klar, warum man sich wie zu DDR-Zeiten hinten anstellen musste, um auf den Turm zu kommen. Die Treppe ist frei schwebend im Inneren des Turms angebracht und geht Schwindel erregend nach oben. Gegenverkehr macht sich hier nicht so gut. Allerdings muss man auch recht lange warten, wenn man wieder absteigen will. Es kann dauern, bis sich der letzte Puster schweren Schrittes heraufgekämpft hat und die Treppe nach unten wieder frei gegeben wird.


Der Ausblick von oben über die Granitz und das Mönchsgut ist aber recht ordentlich.


Doch nun hat es uns langsam gereicht. Wenigstens einmal sollte es noch an den Strand gehen. Doch vorher haben wir uns auf den „Rasenden Roland“ gefreut. Mit maximal 30 km/h über 750mm-Schmalspurgleisen, im Waggon einer historischen Dampflok, nach Baabe gehupt zu werden, gefällt nicht nur kleinen Jungs.


14.06.2018 – Göhren / Baaber Bollwerk

Flo hat für heute schönes Wetter bestellt und beschlossen, im Häuschen sich einen Chilligen zu machen. Die Frau nimmt ihr Schicksal lieber selbst in die Hand und vertreibt sich die Zeit, bis das Wetter dem Geschmack nach ist.
Bis nach Göhren war ich noch in Begleitung meiner ortskundigen Eltern und einem gemütlichem Hund namens Emmi, der sicherlich es lieber Flo gleich getan hätte.


Ab da war ich allerdings froh, dass ich ohne Betreuung war, die sich bestimmt über die Wegverhältnisse brüskiert hätte, wenn man sich abseits der üblichen Routen ins unwegsame Terrain vorwagt. Doch ich wollte nicht schon wieder irgendwo auf einem Hochuferweg entlang schleichen. Ein junger Typ hat mir versichert, dass man mit etwas Klettergeschick auch das Nordperd am Ufer umrunden kann. Gesagt, getan. Zum Glück waren die Mücken heute noch Langschläfer, und es gab daheim nichts zu versäumen.


Da die 4 Stunden noch nicht voll waren, und mein Frühstück auch noch nicht soweit verdaut war, dass ich mich mit den Eltern schon wieder im „Café Klatsch“ hätte treffen wollen, habe ich meine Runde noch etwas Richtung Baaber Bollwerk ausgedehnt.
Ein malerisches Plätzchen. Hier wird noch selbst Hand angelegt; sowohl an der Glocke, um Kay Uwe heranzuläuten, als auch am Ruder, welches seit 50 Jahren von einem Fährmann, über den Selliner See nach Moritzdorf, bewegt wird.


So, nun ließ sich die Zuckersucht nicht mehr länger leugnen, und die Sonne war uns auch wohlgesonnen.


15.06.2018 – Prora

Heute steht alles im Zeichen Hitlers größenwahnsinnigen Projekts. 
Wer nach Rügen fährt, sollte sich auch dieses geschichtsträchtige Gebäude einmal angesehen haben. Richtig erfassen kann man diesen 4,5 km langen Gebäudekomplex zwar nur aus der Luft, aber sobald man vor den Mauern steht, spürt man die unheimliche Aura und ist irgendwie fasziniert zugleich.  


Eigentlich sollte an dieser Stelle ein anderes gruseliges Projekt an den Start gehen. Doch die ehemalige Heeresversuchsanstalt steht bzw. stand nun in Peenemünde auf Usedom. Der größte Reiseveranstalter zu NS-Zeiten, KdF (Kraft durch Freude), ist Wernher von Braun zuvorgekommen, und hat dieses riesige Areal aufgekauft. Von einem zentralen 40000 Quadratmeter großem Festplatz aus, sollten auf der „Schmalen Heide“, sowohl nach Nord als auch nach Süd, auf jeweils 2 km Länge insgesamt acht 6-geschößige, baugleiche Gebäude á 500 Meter entstehen, um jährlich 1,5 Millionen Menschen einen 10tägigen Urlaub zu ermöglichen. So hätte bei einer Auslastung von 20000 Badegästen, jeder Bürger 5 Quadratmeter Strand zur Verfügung gehabt. Soweit die Zahlen. Nun schaffe man es noch, sich dies bildlich vorzustellen!

Den Zuschlag für das Projekt erhielt ein Kölner Architekt namens Clemenz Klotz – wie passend…
Ziel war es, die Arbeiter auch in ihrer Freizeit lückenlos kontrollieren zu können. Nur der Schlaf galt als unkontrollierte Freizeit.
Sind wir froh, dass an dieser Stelle diese Ära zu Ende ging, und die Gebäude nie völlig fertig gestellt wurden. Denn 1939 wurden alle Zwangsarbeiter abrupt nach Peenemünde abgezogen, um sich noch Schrecklicherem zu widmen.
Während dem Krieg wurden die Häuser notdürftig hergerichtet und dienten russischen Zwangsarbeitern. In den 50er Jahren hielt die Rote Armee Einzug und die Abteilung der Fallschirmjäger der NVA. Prora wurde weiträumig hermetisch abgeriegelt; ganze Straßenzüge wurden von Binz nach Sassnitz gesperrt.

Seit 1994 steht der „Koloss von Prora“ unter Denkmalschutz. Ein Großteil der Gebäude wurde an private Investoren verkauft und beherbergen nun schicke Apartments, Ferienwohnungen, Hotel, Museen und die längste Jugendherberge der Welt. Vieles ist noch im Bau.
Gerade Neues und Altes so direkt nebeneinander zu sehen ist krass.


Doch besonders unheimlich ist ein Gang durch die Ruinen des letzten Gebäudes, welches gar nicht so leicht zu finden ist, da ein Komplex dazwischen komplett fehlt, und man erst weiter nördlich im Wald suchen muss. Die Natur hat sich den Lebensraum über die Jahre zurück erobert. 


Man mag sich nun streiten, ob es gut ist, dieses Gigantosum stehen zu lassen, und wenn ja, besser als Mahnmal oder es für was auch immer umzubauen. Soll sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Es ist auf jeden Fall sehr interessant, sich im Internet weiter mit dem Thema zu beschäftigen und über weitere größenwahnsinnige Projekte der NS-Zeit an der Ostseeküste (Peenemünde, „Die verbotene Insel Wittow“ usw.) zu erfahren.

Noch etwas weiter geschichtlich zurück, liegt die Entstehung der Hünengräber bei Lancken-Granitz. Die jungsteinzeitlichen Großsteingräber sind aus der Zeit um circa 2300 v. Chr. und gehören zu den ältesten Grabanlagen Mitteleuropas. Von insgesamt 54 dieser Gräber gelten diese als die größten und am besten erhaltenen auf ganz Rügen.
Etwas versteckt liegen sie unter Bäumen auf einer Wiese, streng nach Ost-West ausgerichtet. In manche kann man sogar ein Stück hineinschlüpfen. Zugegebenermaßen, etwas Fantasie bedarf es aber schon, diese als Gräber zu erkennen.


Nun wollten wir aber noch etwas Zeit mit meiner Familie verbringen, und den letzten Abend gemütlich bei einem leckeren Fischgericht in den „Aalkaten“ ausklingen lassen. Die Räucherfischplatte war schon vorbestellt und frisch für uns zubereitet worden.
Saulecker und reichlich (!!!), aber die nächsten Tage brauche ich erst einmal keinen Fisch mehr; und auch keinen Kuchen…


An dieser Stelle sei noch etwas zu den Katen erklärt:

Rauchkaten (Rookhus) waren kleine reetgedeckte Fischerhäuser, die keinen Schornstein besaßen. Da früher nur mit offenem Feuer gekocht wurde, konnte der Rauch nur über kleine Giebelöffnungen entweichen. Die Rauchentwicklung in den Häusern war enorm, und die Balken des Daches davon geschwärzt. Geräuchert im heutigem Sinne hat man daran nicht, nur verderbliche Lebensmittel in den Balken abgehangen, die durch den Rauch konserviert wurden.
Es gibt auch heute noch einige dieser schönen Häuser in der Region zu bewundern, z.B. schon erwähntes Pfarrwitwenhaus auf Groß-Zicker.

16.06.2018 – Stralsund / Barth / Prerow (Darß) 

Noch ein letztes gemeinsames Frühstück, dann hieß es Abschied zu nehmen, sowohl von Baabe als auch von den Eltern und Emmi-Tier. Während sie leider nach Sachsen zurück mussten, haben wir uns noch einen Tag gegönnt und sind zum „Tor nach Rügen“ aufgebrochen. 

Stralsund gehört mit seiner fast komplett erhaltenen mittelalterlichen Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe und besticht durch allerhand Backstein-Gotik, alten Patrizierhäusern, imposanten Kirchen und einer alten Klosterruine genauso wie mit gemütlichen, kleinen Gässchen und einem großen Hanse-Hafen, der Altes und Neues in sich vereint. Kurzum, es gibt viel zu sehen.

1209 gegründet, 1234 das Lübische Stadtrecht verliehen und 1293 sich mit anderen norddeutschen Handelsstädten zur Hanse zusammen geschlossen, um sich vor zahlreichen Überfällen (von seitens der See) zu schützen, blühte Stralsund zu einer mächtigen Stadt auf.
Im Laufe der Jahrhunderte immer wieder von der Geschichte gebeutelt, avancierte Stralsund in der DDR zur drittgrößten Hafenstadt des Landes und ist heute dem Tourismus gegenüber durchaus aufgeschlossen.

Zuerst suchten wir den Alten Markt mit der mächtigen Nikolaikirche und dem Rathaus mit seiner auffälligen Schaufassade auf; ein Paradebeispiel für Backstein-Gotik. Doch wie sagen so schön die konkurrierenden Lübbecker über das Rathaus ihrer Hanse-Brüder verächtlich: „Hoch hinaus und nix dahinter!“ Doch das stört unsereiner heute herzlich wenig. Wir haben jedenfalls den Anblick sehr zu schätzen gewusst und sind gleich mehrmals daran vorbei gezogen.


Um den Platz herum und auch in den Seitenstraßen kann man noch sehr viele dieser alten Giebelhäuser entdecken, wie auch das Wuflam- und das Dielenhaus Nr.1. Dazwischen fügen sich andere Barock- und neoklassizistische Gebäude wunderbar ins Bild ein.


Auch das Scheele-Haus aus der Spätrenaissance, benannte nach dem Chemiker und Entdecker des Sauerstoffs, sticht mit seiner roten Fassade aus der Menge deutlich hervor. Aber lieber so, als alte Architektur mit Zweckbauten aus DDR-Zeiten zu verschandeln, wie sooft an anderer Stelle geschehen.

Eine Oase der Ruhe, zumindest wenn am Samstagvormittag die meisten Touris noch mit An- und Abreise beschäftigt sind, findet man um die Ruinen des Johannisklosters.


Die kleinen bunten Häuschen, die sich in der Anlage um den Hof herum gruppieren, wurden nach dem Krieg u.a. als Waisenhäuser, Lazarett oder Gefängnis genutzt. Inzwischen wurden diese Fachwerk-Raritäten wunderhübsch hergerichtet, mit netten Rosengärtchen, dass einem warm ums Herz wird und man an dieser Stelle gerne länger verweilen würde. Doch uns treibt es weiter, es gibt schließlich noch mehr zu sehen.


Wenn man entlang der Stadtbefestigung wandelt, kann man 2 besonders gut erhaltene Stadttore in Augenschein nehmen – das Knieper- und das Kütertor mit dem historischen Torschließerhaus gleich nebenan.


Doch nun wollen wir auch die City von oben sehen. Auf dem Neuen Markt steht die zweite beeindruckende „Gottesburg“ von Stralsund – die Marienkirche.


Weniger das Innere interessiert uns, zielstrebig steuern wir den Turm an und kraxeln die engen Stufen und Leitern des 90 Meter hohen Turms zur Aussichtsform hinauf. Dort eröffnet sich uns ein großartigen Blick auf die farbenprächtige Stadt mit ihren 3 markanten Kirchen, dem Hafen mit dem Ozeaneum, die neue Rügenbrücke und noch weiter über den Strelasund auf Rügen und Altefähr, wo wir noch am ersten Abend genauso auf Stralsund geschaut haben.


Der Hafen mit seinen alten, gigantischen Backsteinspeichern ist auch beeindruckend.


Direkt davor liegt die „Gorch Fock I“, ein Nachbau des Vorgängermodels des bekannten Segelschulschiffes der Reichsmarine. Natürlich kann es gegen Entgelt besichtigt werden.


Geschmacksache hingegen ist der skurrile Bau des Ozeanums, doch bei schlechtem Wetter sicherlich eine gute Alternative, sich die Zeit mit dem ein oder anderen Meeressäuger zu vertreiben.

Noch einmal bei Kaffee und Kuchen und einem herrlichen Blick aufs Hinterteil des Rathauses durchatmen, mit Hilfe des neu erworbenen Reiseführer unsere Zukunftspläne besprechen, dann ging es am frühen Nachmittag auch schon wieder weiter.


Wir wollten uns heute unbedingt noch einen Vorgeschmack auf Fischland-Darß-Zingst holen. Einen kurzen Zwischenstopp in der alten vorpommernschen Hafenstadt Barth, um das mächtige Dammtor und die (für den kleinen Ort etwas zu groß geratene) Stadtkirche St. Marien aus nächster Nähe zu begutachten und dann wieder ins Auto springen, bevor die Zeit uns davon rannte. 


Über die neue Meiningerbrücke ging es auf die Halbinsel. Leider war die historische Drehbrücke, die Zingst seit 1912 mit dem Festland verbindet und deren Schienen nach dem 2. Weltkrieg für die Sowjets als Reparationsleistung abmontiert wurden, zuerst nur noch für den Straßenverkehr einseitig befahrbar und inzwischen gar nicht mehr.


Unser Ziel war das gut erschlossene Darßer Örtchen Prerow, was zu DDR-Zeiten schon sehr beliebt und es mir und meiner Familie nie möglich war, dort Quartier zu beziehen.
Ausnahmsweise kümmerten sich Flo und ich schon mal am späten Nachmittag um unser Schlaflager, bevor wieder alle ausgeflogen wären. 


Zelt stand, Mückenschutz hätten wir dringend benötigt, war aber zur Neige gegangen, so ging es per pedes durch einen langen Kiefernwald zum Darßer Ort. Das allgemeine Volk bemüht sich nicht so, es lässt sich von schweren Reittieren über die langen Zubringerwege ziehen.


Es war schon recht spät, so konnten wir leider nicht mehr das älteste, noch in Betrieb befindliche, Leuchtfeuer der Ostseeküste von Innen in Augenschein nehmen.


Doch wir hatten durchaus noch Zeit, ein Stück am Weststrand entlang zu wandern, bis der Weg, zur Kernzone des Naturschutzgebiets zum nördlichsten Teil der Insel, vollkommen abgesperrt war.
 


Doch es gab eine nette Umleitung über einen Holzbohlenpfad durch die
Vordüne, Heide- und Moorlandschaft, mit gelegentlichen Aussichtspunkten
zur Vogelbeobachtung.


Wie schon an anderer Stelle erwähnt, werden auch am Darßer Ort jährlich bis zu einem halben Meter Sand & Sedimente angespült, die u.a. am Weststrand abgetragen werden; die Insel ändert ständig ihre Gestalt. In diesen, den Menschen unzugänglichen Bereichen, können seltene Vögel ungestört nisten. Gerade im Frühjahr und im Herbst kann man Scharen von Kormoranen auf den Nehrungen von Darß-Zingst und Umanz beobachten, wenn sie hier einen Zwischenstopp einlegen, bevor es weiter in wärmere Gefilde geht.

Aber auch der feinsandige, weniger wilde Nordstrand, mit dem einzigen Dünencamp an der Ostsee, wäre noch einmal einen Besuch am Tage wert, 


genau wie das hübsche Dörfchen Prerow selbst mit seinen alten Fischerhäusern.


Um 22 Uhr fing es dann doch etwas zu dämmern an, und es war Zeit für die letzte kurze Nacht in unserem Zeltchen.


17.06.2018 – Alles geht einmal zu Ende

… auch der schönste Urlaub. 
Pläne hätten wir noch viele gehabt, was man sich auf Fischland-Darß-Zingst anschauen kann, bevor man wieder gen Süden aufbricht. Gereicht hat es nur für einmal aussteigen am kleinen Hafen am Prerow-Strom, der vor der verheerenden Sturmflut 1872 noch den Bodden mit der Ostsee verband und zum Schutz vor weiteren Schäden danach komplett versandet wurde.


Nun hat uns allerdings der Regen doch noch eingeholt, und so konnten wir im Künstlerdorf Ahrenshoop nur noch vom Auto aus einen Blick auf die Kunstkaten riskieren.


Aber wie immer haben wir oder ich (wie man’s nimmt) fürs kommende Jahre große Pläne. Nicht nur Fischland-Darß-Zingst wird von uns unsicher gemacht, wir wollen die gesamte mecklenburgische Ostsee-Küste von Usedom bis Wismar erkunden. Bis dahin werde ich euch allerdings nicht vor weiteren Reiseberichten verschonen. Wer das hier liest, ist selber Schuld!!! *ggg*

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