Norwegen – der Weg nach Norden

Endlich wird das Wetter in Deutschland einmal schön, da hauen wir natürlich ab. Na prima, typisch wir! – Doch wir wollten uns gar nicht wirklich beklagen, denn nun sollte es tatsächlich doch noch mit unserer Norwegenreise klappen.
Erst vor 2 Wochen hatten sie die Grenzen nun auch für deutsche Touristen geöffnet, und auch jetzt war noch alles im grünen Bereich. Nur wenige Tage nach unserer Rückkehr war allerdings auch schon wieder alles dicht und an eine Einreise nicht mehr zu denken. Also gerade noch mal Glück gehabt!

Es geht los!

Am 01. August 2020 war es nun also soweit. Das Auto vollgepackt, noch einmal geduscht und rasiert (ihr lacht? – keine Selbstverständlichkeit während der nächsten 3 Wochen), die Steuer pünktlich abgeschickt, dann ging es gegen 13 Uhr auch endlich los. Mehr als 1300 Kilometer lagen jetzt vor uns; allein bis zur Fähre in Hirtshals (Dänemark). Diese sollte zwar erst am nächsten Abend um 23:30 Uhr ablegen, doch wir hatten bisher ja noch überhaupt keine Erfahrungswerte, wie lange man von uns aus für die Strecke benötigt, und wie der Ablauf vor Ort ist. So planten wir lieber mal ein großzügiges Polster ein, zur Not könnte man sich die überschüssige Zeit ja immer noch irgendwo vertreiben.

Gegen 22:30 Uhr fanden wir in der Nähe von Quickborn ein halbwegs geeignetes Plätzchen, um unser Dachzelt aufzuploppen; ausreichend müde waren wir auf jeden Fall. Wie immer verlief auch diese erste Nacht im Zelt nur mäßig erholsam, aber wir waren zumindest froh, schon einmal zu liegen und vor allem, an Hamburg ohne Staus vorbeigekommen zu sein.

ÜN-Stopp bei Quickborn auf dem Weg nach Norwegen

Am nächsten Morgen sprangen wir halb sieben auch schon wieder aus unseren kuscheligen Carinthias, um weiterzufahren. Zwar merkten wir jetzt schon, dass wir uns womöglich gar nicht so schicken hätten müssen, doch dank dieses Frühstarts kamen wir nur 2 Minuten einer Totalsperre zuvor. Wieder einmal Glück gehabt!

Stippvisite in Flensburg

Mein Großcousinchen in Kiel hatte so spontan dann bedauerlicherweise doch keine Zeit, so entschieden wir uns stattdessen dafür, mal zu schauen, wo mein Punkt abgeblieben ist 😉 und Flensburg einen Besuch abzustatten.
Nun bin ich es ja gewohnt, mich im Vorfeld immer schon ein wenig zu belesen, um dann zu wissen, was sehenswert ist. In dem Fall war das leider nicht möglich, und so sind wir etwas planlos umherspaziert und haben mit Sicherheit das ein oder andere Schmankerl ausgelassen, welches diese schöne Stadt zu bieten hat.
Jedoch aufgrund meiner Nachrecherche konnte ich zumindest herausfinden, dass Flensburg während des Zweiten Weltkrieges zum Großteil von größeren Zerstörungen verschont blieb und somit noch viel historische Bausubstanz vorzuweisen hat. Und diese haben wir auch bewundern können – in Form von alten Giebelhäusern, Backsteingotik und hanseatischer Gebäude -, als wir gemütlich durch die leeren Gassen zum Norder- und zum Südermarkt geschlendert sind.

Besonders nett fanden wir allerdings den Historischen Hafen mit der dazugehörigen Museumswerft. Leider war zu der Zeit noch nicht viel geöffnet; selbst ein warmer Kaffee uns nicht vergönnt, um die übernächtigten Glieder wieder auf Normaltemperatur zu bringen. Folglich hielt sich meine Begeisterung und auch das Urlaubsfeeling noch etwas in Grenzen, und so war ich gar nicht böse, als wir wieder ins Auto eingestiegen und weitergefahren sind. – Und Hand aufs Herz, das Fischbrötchen hätte ich mir echt sparen können…

Roadtrip durch Dänemark – Endstation Hirtshals

Etwas einschläfernd war es dann aber schon, endlose 360 Kilometer über die trostlose E45 durch ganz Dänemark nach Hirtshals zu zuckeln. Zwar sind Autobahnen selten spannend, doch 3 1/2 Stunden immer nur schnurstracks geradeaus, rechts NICHTS, links NICHTS, ist der schleichende Tod jeder guten Laune; und wenn man eh schon mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein scheint, wird es davon auch nicht unbedingt besser. Wir waren jedenfalls mehr als erleichtert, als wir 14 Uhr endlich in Hirtshals ankamen.

Jetzt hatten wir allerdings mehr als 9 Stunden Zeit, bis unsere Fähre nach Norwegen ablegen würde. So beschlossen wir, das Büro von Fjordline aufzusuchen und nachzufragen, ob es denn vielleicht möglich wäre, schon die Nachmittagsfähre zu nehmen. – Eigentlich ziemlich naiv von uns zu denken, dass auch nur ein Hauch einer Chance dazu beständen hätte. – Die Herren am Schalter machten uns zwar ein (offensichtlich für sie) sehr lukratives Angebot, einen eh schon deutlich überhöhten Fahrkartenpreis noch einmal bei ihnen zu entrichten und uns dann in der Autoschlange für die nächste Überfahrt hintenanzustellen, doch ob wir letzten Endes überhaupt noch auf die Fähre draufpassen würden, war die Gretchenfrage. Wenn doch nicht, hieß es, würden wir unser Geld (eine völlig überzogene Summe, die in keinem Preis-Leistungs-Verhältnis steht) natürlich wiederbekommen. Doch glauben wir weder an Märchen, noch gehört Pokern zu unserem bevorzugten Fachgebiet. – Grattler! Vom ersten Augenblick an haben wir Dänemark aus tiefsten Herzen zu lieben begonnen.

Es wurde auch nicht wirklich besser, als uns nun der eiskalte Wind mit gefühlten 80 km/h um die Ohren pfiff. Ich meinte schon zu Flo, dass wir gleich wieder heimfahren könnten, wenn sich Norwegen auch so anfühlt. Jedoch half es jetzt nichts, und wir mussten uns die Zeit irgendwie vertreiben. So sind wir eine Weile am Strand herumspaziert und haben vor lauter Langeweile neben anderen Schaulustigen beim Verfrachten eines Kutters zugeschaut, bis uns der Hintern endgültig eingefroren war. Kurz wieder im Auto aufgewärmt, eine Runde durch Hirtshals gedreht, Tankstelle gesucht, die irgendwann mal doch noch eine Kreditkarte akzeptiert, 2 alte Bunker der deutschen Wehrmacht inspiziert (Tageshighlight) und dann versucht, im Dachzelt etwas zu ruhen bis es endlich los geht. Es blieb beim Versuchen!

Das Fjordline-Fiasko

21:45 Uhr war es soweit, sich wenigstens schon mal mit dem Auto anzustellen. Die Zeit zog sich wie Kaugummi, bis sich endlich eine Schlange nach der anderen in Bewegung setzte und gen Deck rollte. Und wie es nun mal immer so ist, hat man stets das Gefühl, in der falschen Reihe zu stehen. Meine eh schon sehr gute Laune verschlechterte sich zusehends und explodierte förmlich wie ein Feuerwerk, als die Lotsen wirklich jeden vor, hinter und neben uns auf die Fähre dirigiert haben, uns hingegen aber anwiesen, stehenzubleiben. Als wir zum Schluss nur noch hinter einem einzigen Wagen standen, dessen Fahrer erst angehalten werden musste, um seine aufs Dach geschnallten Kajaks so umzudrehen, dass die maximal erlaubte Höhe nicht überschritten wird, bin ich vollends ausgerastet. Ich herrschte Flo an – der in seinem Leichtsinn laut erwähnte, dass wir ja schließlich alle auf die Fähre müssen, endlich zu fahren; denn irgendwie konnte ich das so langsam nicht mehr glauben und sah uns schon alleine am Kai zurückbleiben. Ich hatte wirklich echt die Schnauze gestrichen voll!
Ja, und was war nun der Grund für diese ganze unnötige Aufregung? – Vermutlich hatten wir bei der Buchung unser Fahrzeug wohl zu ausladend eingeschätzt (das Kreuzchen bei „unter 2 Meter“ wäre Ihr Preis gewesen), und so hat man uns eben einen größeren Stellplatz zugewiesen. Den hintersten und allerletzten auf der Fähre!

Gut, wir waren nun immerhin schon einmal an Bord, aber so schnell kommt kein Mensch von seinem persönlichen Trip wieder herunter. Und es wurde uns auch nicht leicht gemacht, die folgenden Stunden etwas entspannter angehen zu können.
Coronazeit ist Maskenzeit! So dachten wir zumindest. Aber weit gefehlt, hier hatte außer uns fast keiner eine Maske auf, nicht einmal das Personal; und das trotz der dicht gedrängten Massen an Passagieren. Unter diesen Umständen hielten es Flo und ich also für eine gute Idee, die Überfahrt lieber auf dem Außendeck zu verbringen. Doch 3 Stunden bei Nacht, Wind und Kälte hält echt kein Mensch aus, und so sind wir schließlich irgendwann dann doch rein ins Warme gedackelt. Zuerst haben wir uns noch abseits an ein Geländer gestellt und versucht, in zugegebenermaßen höchst unbequemer Position ein wenig zu dösen, aber dann holte uns die Müdigkeit gänzlich ein, und wir hielten nach einem etwas einsameren Sitzplatz Ausschau. Tief mit Kapuze und der Maske im Gesicht haben wir so nun ausgeharrt, bis wir endlich in Kristiansand einliefen.
Leicht zerstritten, mega frustriert, ziemlich durchgefroren, speiübel und völlig übernächtigt; Oh Gott, ich hatte so was von keinen Bock mehr auf diesen Urlaub. Was in jedem Fall aber schon jetzt amtlich war, dass wir auf dem Rückweg mit Sicherheit keine Fähre mehr nehmen würden.

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