Norwegen 2020 – Trolltunga

Kein Bild hatte sich bei mir mehr eingebrannt als das der Trolltunga. Welch Zeitschrift, Buch oder Reiseführer ich auch in die Hand nahm, in welchem Blog ich etwas über das Land las, sobald ich im Internet ein wenig über Norwegen recherchierte, immer wieder bin ich über dieses sensationelle Motiv gestolpert: eine riesige, horizontal herausragende Felsnase, die nahezu in der Luft zu schweben scheint; in der Tiefe türkisblaues Wasser, umgeben von kalten, steil abfallenden Granitwänden; und nicht zuletzt ein Protagonist, der sich eines riskanten Turnmanövers am Abgrund aussetzt.
Noch bevor ich irgendetwas über Norwegen wusste, geschweige denn, was es dort sonst noch so alles zu sehen gibt oder sich denn überhaupt jemals die Gelegenheit dazu bieten würde, dorthin zu reisen, war für mich zumindest eines klar: Einmal in meinem Leben musste ich genau dort obendrauf stehen.

Die steinerne Trollzunge

Um nun etwas konkreter zu werden: Die Trolltunga befindet sich ganz in der Nähe des Sørfjords und dahinter des Folgefonna Gletschers im Westen und grenzt im Osten an die Ausläufer der Hardangervidda. Sie ragt ca. 700 Meter über dem künstlich angelegten Stausee Ringedalsvatnet ganze 10 Meter waagerecht in den Luftraum hinein. Zu Deutsch die „Trollzunge“, macht sie ihrem Namen alle Ehre und verjüngt sich zur Spitze hin ähnlich einer Zunge auf nur wenige Zentimeter. Von daher sollte man den Fels also lieber nicht überstrapazieren und es tunlichst unterlassen, sich genau ans Ende zu stellen oder zu setzen – was gerne ignoriert wird. Trotzdem, ob man es glaubt oder nicht, kam es bisher nur einmal (im Jahre 2015) zu einem tödlichen Absturz und das, obwohl diese beeindruckende Aussichtsplattform pro Jahr von ca. 40000 Touristen aufgesucht wird.
Um die Trolltunga zu erreichen, gibt es mehrere Möglichkeiten, eine davon sogar über einen Klettersteig. – Diese jedoch jetzt alle einzeln aufzuführen, würde hier den Rahmen sprengen und soll meine Aufgabe auch nicht sein; schließlich gibt es derer Blogbeiträge schon zuhauf im Netz und kann bei Bedarf jederzeit gegoogelt werden. – Wir haben uns für eine der längeren Varianten mit schweren Gepäck entschieden, dafür aber eine Übernachtung am Berg eingeplant.

Wanderung zur Trolltunga – 05.-06. August 2020

Bevor es losgehen kann

Wenn man sich nicht schon im Vorfeld etwas informiert hätte, würde man die Trolltunga gar nicht so leicht finden, da sie hingegen zu anderen berühmten Aussichtsplateaus (wie Preikestolen oder Kieragbolten) in kaum einer Karte vermerkt ist. So wussten wir nun allerdings, dass wir am Sørfjord entlang an Odda vorbeifahren und kurz danach ins Tyssedal abbiegen mussten. Dort befand sich auch gleich schon der erste Parkplatz, an dem alle Wohnmobile und Kleinbusse zu parken hatten, da die Weiterfahrt ins Skjeggedal für größere Fahrzeuge verboten ist. Sehr auch zu unserer Freude, denn man vermag sich nicht auszumalen, in was für ein Verkehrschaos das ausarten würde, wenn einem auf dieser viel befahrenen, engen, kurvenreichen Strecke ständig so ein überbreites Vehikel entgegenkäme, wo man doch kaum Möglichkeiten zum Ausweichen hat. – Man sieht, allein schon deswegen ist es in Norwegen nicht immer die beste Entscheidung, mit einem WoMo zu verreisen.
Für uns hingegen war dann am Parkplatz Nr. 2 (am Vetlavatnet im Skjeggedal) Endstation. Einen dritten gäbe es zwar noch weiter oben am Mågelitopp, doch diesen hätte man zum einen schon im Vorfeld reservieren müssen, zum anderen konnten wir ja nicht einfach so 500 Höhenmeter wegbescheißen. Das war auch ein Grund, weshalb wir auf den Shuttlebus verzichtet haben, der zwischen P2 und P3 verkehrt ist. Denn entweder ganz oder gar nicht! 😉

Jedenfalls am Parkplatz angekommen, habe ich mich daran gemacht, noch einmal schnell unsere Rucksäcke zu kontrollieren, um ja nichts Wichtiges zu vergessen, währenddessen Flo sich um das Parkticket gekümmert hat. Als er mir hinterher offenbarte, was er dafür zahlen musste, hab ich mich fast auf den Arsch gesetzt. 700 NOK (70 EUR) für nicht einmal 24 Stunden, das ist echt heavy!!! Da muss man echt ’nen Spaß verstehen. Doch auch wenn er mich zuvor darüber in Kenntnis gesetzt hätte, wäre dieser Kelch nicht an uns vorübergegangen, schließlich wollte ja ich diese Wanderung unbedingt unternehmen.
Zum Glück war nicht viel los und außer uns nur noch 2 weitere Trekking-Duos am Start, so dass wir wenigstens dahingehend unsere Entscheidung nicht bereuen mussten, nun trotz Regen aufzubrechen. – Ja, der liebe Regen! Das war leider eins der Probleme, mit welchem wir uns während der gesamten Reise herumzuschlagen hatten. Denn aufgrund unseres selbst auferlegten (straffen) Pensums waren wir stets die Getriebenen, und so blieb uns selten ein ausreichendes Zeitfester, was uns auch mal erlaubte, schlechtes Wetter einfach auszusitzen. Ergo mussten wir es immer so nehmen, wie es gerade kam. So war es eben auch heute.

Es kann losgehen14:30 Uhr

Über den Alpenvereins-App hatte ich mir eine Route runtergeladen, die uns eigentlich über die 2500 Holzstufen entlang der alten Mågelibanen-Schienen schon mal die ersten 400 hm abverlangt hätte. – Diese Seilbahn wurde übrigens 1911/12 installiert, um Arbeiter und Ausrüstung für den Bau eines Kraftwerks auf der Hardangervidda hinaufzutransportieren. Später konnten etwas fußmüde Wanderer von dieser Errungenschaft profitieren. Im Jahre 2011 wurde der Bahnbetrieb aus Sicherheitsgründen allerdings eingestellt, und wie wir heute feststellen mussten, ist inzwischen auch die Treppe gesperrt.
Na toll! Was blieb uns nun also anderes übrig, als den 14 Kilometer langen und fast 1300 Meter hohen Aufstieg mit einem 4 km langen Hatscher über den Asphalt einzuläuten oder aber sich mittels Shuttlebus (natürlich ohne Maske und Mindestabstand) schon mal die ersten 500 Höhenmeter bequem nach oben befördern zu lassen. Für uns stellte sich die Frage nicht wirklich, auch wenn es noch so g’schert war, ständig einen vollbesetzten Bus an sich vorbeidüsen zu sehen und dabei noch dessen Abgase einzuatmen. Der einziger Trost war, dass zu dieser Zeit wenigstens alle nach unten gebracht wurden und ferner der wundervolle Ausblick auf den türkisfarbenen Vetlavatnet und all die Wasserfälle, die sich aus den umliegenden Bergen ihren Weg zum See bahnten.

Die ersten 4 Kilometer waren zum Glück bald geschafft, und endlich wurde der Weg auch eher zu dem, was man sich von einer Bergwanderung verspricht. Vor uns lag nun inmitten sanfter Hügel ein plattiges Terrain, auf dem uns das Wasser der vielen Bäche zugleich entgegenfloss. Kleine grüne Sträucher säumten den Weg, ein rot-gelber Flickenteppich breitete sich zu unseren Füssen aus, und immer wieder ragte eine (für meinen Geschmack) etwas überdimensionierte Brücke aus der natürlichen Idylle heraus und leitete uns über die ein oder andere Feuchtstelle hinweg.

Im Anschluss wurde es allerdings wieder etwas schweißtreibender, denn nun folgte ein kräftezehrender Anstieg über Steintreppen und Geröll hinauf in einen Sattel. Aber ehrlich gesagt, so schlimm (wie oft geschildert) habe ich es gar nicht empfunden, zu sehr war ich damit beschäftigt, die Landschaft zu bestaunen; die Weite des Fjells, die kleinen Holzhütten dazwischen und die schweren Wolken, die sich düster darüberlegten.
Immerhin hatte es jetzt schon mal zu regnen aufgehört. Dafür meldete sich so langsam mein Magen, und so legten wir eine kleine Essenspause ein. Bei der Gelegenheit haben uns auch 2 Typen eingeholt (die einzigen), und wir hofften nun inständig, dass es an der Trolltunga nicht so zugehen möge. In der Gegenrichtung sah es da schon ganz anders aus, denn nach und nach kamen nun die ganzen Tageswanderer wieder von ihrem Ausflug zurück. Doch auch dieser Strom sollte schon sehr bald abbrechen.

Es wurde zunehmend plattiger und ebener, aber auch karger und trüber. Umso schillernder leuchteten nun die gelben Flechten an den vielen Felsbrocken und den kleinen Steinpyramiden heraus und wiesen uns damit den rechten Weg.
Jetzt hatten wir auch den Sattel erreicht, der mit seinem einnehmenden See, dem zu querenden Schneefeld und den dahinterliegenden, von einem dunklen Schleier verhangenen Bergen des Folgefonna Gletschers eine äußerst dramatische Kulisse abgab. Und weit und breit war keine Menschenseele mehr zu sehen.

Auf dem folgenden Abschnitt ging es wieder relativ eben über ein von Platten, kleinen Pflanzen, Bächen und Brücken dominiertes Terrain; und zur Krönung noch mittendrin eine kleine Holzhütte. Immer tiefer legte sich schwerer Nebel über das Plateau, und sorgte somit für eine ganz besondere, ja mystische Stimmung. Auch wenn es zeitweise fast schon ein bisschen unheimlich war, bei diesen Verhältnissen und zu dieser Uhrzeit ganz allein immer höher in die Einsamkeit aufzusteigen. Doch eben gerade das hatte auch wieder seinen ganz besonderen Reiz, mit dem so manch Schönwetter-Erlebnis einfach nicht mithalten kann. Oftmals sind es ausgerechnet diese Situationen, an die man sich sehr viel länger erinnert, die sich einen für ewig einprägen.

So langsam kroch uns trotz Bewegung die Kälte in die Glieder, darum waren wir gar nicht bös, als es irgendwann auch wieder bergan ging. Doch je weiter wir aufstiegen, umso unangenehmer wurde inzwischen auch der Wind. Dafür zeigte sich uns nun aber zum ersten Mal der Ringedalsvatnet. Was soeben noch für einen kurzen Moment als blauer Punkt in der Tiefe aufblitzte, kam mit jedem Höhenmeter mehr zwischen den Felsflanken zum Vorschein. Flo musste mich fast schon ermahnen, nicht ständig stehenzubleiben, wenn wir heute denn noch ankommen wollten; aber ich konnte gar nicht anders.

Die letzten 3 km haben sich noch einmal gezogen. Auch wenn es meist relativ flach dahinging, galt es noch eine kleine Einbuchtung auszugehen. Die Zelte, die wir zuvor also erspäht hatten, waren demzufolge leider nicht unser Ziel.
Doch kurz danach tauchte in der Ferne auch schon eine kleine Seenlandschaft auf, die inmitten all der grauen, vom Dunst verhangenen Felsen und den Schneefeldern dazwischen zugegebenermaßen nicht gerade einladend auf einen wirkte. Dennoch, irgendwo mussten wir schließlich unser Zelt aufschlagen, und dafür würde sich diese Gegend eigentlich ganz gut anbieten. Außerdem sollte ganz in der Nähe auch die Trolltunga sein; auch wenn wir sie bisher noch nicht erblicken konnten.

Einige weniger anstrengende Auf und Abs später, erreichten wir nun auch diese unwirtlich erscheinenden Seen. Von dort noch 1 km bis zur Trolltunga, hieß es, und so haben wir noch einmal Gas gegeben. Die Trollzunge wollten wir heute auf jeden Fall schon mal sehen, bevor wir unser Zelt aufbauen und Feierabend machen würden. Dennoch hielten wir auf dem Weg dorthin unsere Augen schon mal nach einem geeigneten Plätzchen geöffnet. Das war auch so kein Fehler, wenn man sich denn bei dem Zickzackhüpfen über die Felsplatten keine nassen Füße zuziehen wollte. Was uns aber gleich positiv auffiel, war, dass wir neben 2 weiteren Personen die einzigen hier waren. Und auch diese hatten sich recht zügig wieder verkrümelt. Sehr schön! So lieben wir das! Wir genießen nun einfach mal die absolute Ruhe in der Natur. Kein Geschrei, kein Gelächter, kein lautes Gequatsche, keine Musik. Die Natur hat schon genug zu erzählen, mal ganz leise, mal laut; wenn das Wasser tost, wenn der Sturm über einen hinwegfegt, wenn die Raben am Himmel krächzen. Was braucht man da noch mehr?

Endlich am Ziel

Nach 4 Stunden war es endlich soweit, und wir hatten unser Ziel erreicht. Nun standen wir am Rande eines mächtigen Felsplateaus, tief unter uns der Rigedalsvatnet und direkt vor uns ragte die Trollzunge in die Luft – zum Greifen nah. Dass die Sonne nicht schien, dass der See nicht blau war, dass der Wind uns um die Ohren pfiff, dass wir Hunger hatten, all das war uns jetzt in diesem Moment egal. Ich hatte nur noch den einen Wunsch, endlich meinen Traum zu erfüllen und meinen Fuß persönlich auf diese phänomenale Felsformation zu stellen. Und das Beste ist, dass wir diesen wunderbaren Moment mit keinem teilen mussten; an einem Ort, wo stets Gedränge herrscht und sie sonst beängstigend lange für ein Foto Schlage stehen. Unvorstellbar!

Wanderung zur Trolltunga in Norwegen

Über 5 eiserne Trittbügel ging es nun die letzten Meter hinab zu einer kleinen Plattform, von der aus man gemütlich auf die Trollzunge spazieren konnte. Wenn man diese nun aus etwas anderen Perspektiven betrachtet, mag der anfängliche Zauber vielleicht ein wenig verfliegen. Jedoch überhaupt erst einmal sich in so luftiger Höhe in Richtung Abgrund zu bewegen, ist sicher nicht jedermanns Sache; zudem man vielleicht noch etwas weiche Knie von dem langen Marsch haben mag. – Und für all diejenigen, denen der Anblick dennoch zu langweilig erscheinen sollte, habe ich auch hier gratis für ein bisschen Nervenkitzel gesorgt. Flo hat sich allerdings damit begnügt, einmal darauf zu stehen.
Bei allem Philosophieren will ich jetzt aber nicht etwa vergessen, zu erwähnen, wie grandios es war, diese wundervolle Aussicht zu genießen. Für einen kurzen Moment gewährte uns die Wolkendecke sogar ein kleines Fenster, so dass ein paar Sonnenstrahlen den See im schönsten Türkis leuchten ließen. Wunderwunderschön!!!

Wanderung zur Trolltunga in Norwegen

Als sich nun tatsächlich noch ein weiteres Pärchen hierher verirrt hat, wurde es für uns dann allerdings Zeit, sich nach einem Nachtlager umzuschauen. Auch wollten wir nicht freiwillig das Publikum für einen Adonis auf dem Egotrip stellen, welcher sich trotz der Temperaturen nun bis aufs Unterhemd entkleiden musste, um die Muskeln seinen Facebook-Freunden zu präsentieren. Den Hintern hätte ich ja noch durchgehen lassen… 😉

Zelten an der Trolltunga

Es war gar nicht so einfach, einen geeigneten Stellplatz für unser Zelt zu finden. In den Vertiefungen der Felsplatten hatte sich Wasser zu riesigen Pfützen angesammelt. Außerhalb der Mulden pfiff der Wind so über einen hinweg, dass man Angst haben musste, er könnte das Zelt einfach so wegfegen. Doch mit etwas Geduld wurden wir schließlich doch noch fündig. Direkt am See war es zum Glück etwas windstiller und der Untergrund auch ebener. Dennoch hatten wir beim Aufbau einige Hürden zu meistern, da sich u.a. die Heringe partout nicht in den harten, felsigen Boden einschlagen lassen wollten. Tja, am Berg muss man halt ein wenig kreativer werden, und so wurde die Zeltplane nun zusätzlich noch mit Steinen beschwert.

20:30 Uhr stand unser Domizil nun endlich felsenfest, und wir waren froh, endlich den Reißverschluss hinter uns zuziehen zu können. Isomatten und Kopfkissen schnell aufgeblasen, Schlafsäcke ausgerollt, so langsam wurde es warm und heimelig. Und während ich für Ordnung im Haus gesorgt habe, durfte Flo sich in der Apsis zum Kochen ausbreiten. – Es geht doch nichts über einen heißen Kartoffelbrei und einer Dose Frühstücksfleisch, wenn es draußen stürmt und regnet. Nun aber erst einmal Gute Nacht! Die Revanche folgte sobald.

Morgenstund‘ hat … im Mund – 06. August 2020

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, es war so gegen 3 Uhr. Mann, war es mir auf einmal schlecht. Schnell habe ich die Ohrstöpsel entfernt, in der Hoffnung, dass sich dadurch mein Kreislauf wieder etwas stabilisieren könnte. Doch keine Chance, weder die Übelkeit noch das mulmige Gefühl in meinem Bauch wollten verfliegen. „Verflixtes Frühstücksfleisch, so etwas sollte man vielleicht nicht am Abend essen“, dachte ich mir nur.
In meiner Not warf ich mir meine Hardshelljacke über und krabbelte schlaftrunken aus dem Zelt. Zum Glück warf der Mond genug Licht zum Boden, dass ich mir die Stirnlampe – auf der Suche nach einem Platz für die Notdurft – sparen und somit unerwünschte Zeugen vom Hals halten konnte. Er verhalf mir jedoch nicht, es zu vermeiden, dabei mit einem Fuß in den See zu tappen. – „So ein Mist!“ – Ohne recht zu wissen, wo jetzt vorn und hinten ist, versuchte ich mitten in der Nacht mit einer kleinen Schaufel ein Loch zu graben; doch der Boden gab natürlich keinen Millimeter nach. Irgendwann war mir das alles zu blöd, und ich habe mich einfach hinter einen dicken Felsbrocken gehockt; gab ja genug Steine, um danach Pyramiden zu bauen. – Jetzt wisst ihr jedenfalls, warum so viele davon am Berg stehen! *lach*

So überzeugend war mein Gesundheitszustand danach zwar immer noch nicht, aber wenigstens konnte ich nun erst mal wieder 2 Stunden liegen, ohne das Gefühl zu haben, mich gleich übergeben zu müssen. Dann wurde es allerdings Zeit, auch Flo zu wecken, so dass wir uns 5:45 Uhr noch einmal zur Trolltunga aufmachen konnten. Vielleicht würden wir ja heute etwas mehr Glück haben und die Felsnase vielleicht noch einmal im Sonnenlicht erleben. Dass dieser Wunsch eher an Utopie grenzt, war eigentlich schon anzunehmen, als wir unsere eigenen Nasen aus dem Zelt streckten. Aber jetzt waren wir eh schon hier oben, dann konnten wir ja leicht auch noch einmal die 15 Minuten dorthin spazieren.
Wie bereits vermutet, präsentierte sich uns leider auch heute die Trolltunga nicht viel freundlicher, und auch vom Folgefonna Gletscher war nicht sehr viel zu sehen. Aber soll mal einer behaupten, wir hätten es nicht wenigstens versucht. Trotzdem haben wir uns die Laune keineswegs verderben lassen und auch dieses Mal den Moment voll und ganz ausgekostet. – Alleine 700 Meter über dem Ringedalsvatnet schwebend! – Das konnten mit Sicherheit all die Besucher am Nachmittag nicht von sich behaupten. Ja vielleicht (oder sogar recht sicher) hatten sie dann Sonne und eine bessere Fernsicht, doch all das durften sie sich nun mit Hunderten anderen teilen; all denen, die uns zu einem späteren Zeitpunkt in Scharen entgegenkamen.

Der Rückweg

Zeit, so langsam unser Zelt zusammenzupacken und uns wieder auf den Rückweg zu begeben. Gegen 8 Uhr waren wir letztendlich startklar und kaum unterwegs, kamen uns auch schon die ersten Tageswanderer mit leichtem Gepäck entgegen. Je weiter wir uns nun nach unten vorarbeiteten, umso mehr nahm die Zahl der Leute und später auch der größeren Rucksäcke zu, anhand derer man ablesen konnte, wer die folgende Nacht am Felsplateau verbringen wollte. Es wäre uferlos gewesen, mitzuzählen, der Strom wollte einfach nicht versiegen. Wir fühlten uns nun noch einmal mehr in unserer Entscheidung bestätigt, diese Wanderung bereits gestern unternommen zu haben, denn was bei gemeldeten Sonnenschein abgeht, konnte man ja jetzt sehen. Kaum auszudenken, wie das erst sein soll, wenn die Welt nicht von Corona geplagt wird. Dennoch fanden wir auf dem Rückweg auch noch genügend Gelegenheiten, unsere Aufmerksamkeit auf die Natur zu richten, wobei wir die „Wow-Momente“ eindeutig am Tag zuvor erlebt hatten.

Die letzten 4 (der insgesamt 28) km über den harten Belag der Asphaltstraße, hätte sich womöglich kein Mensch mehr freiwillig gegeben. Doch wie schon gesagt: „Ganz oder gar nicht!“ – Wobei wir innerlich schon ziemlich geflucht haben, als nun wieder die vollbeladenen, stinkenden Shuttlebusse bergauf an uns vorbeigedüst sind, während wir mit brennenden Füssen uns nach unten durchkämpften.
Nach 3 Stunden erreichten wir endlich den Parkplatz und waren heilfroh, die schweren Wanderschuhe gegen unsere weichen Duflex auszutauschen. Was wir allerdings niemals austauschen würden, ist dieses einmalige Erlebnis mit all den damit verbundenen Eindrücken und neuen Erfahrungen. Eins unserer absoluten Highlights dieses Urlaubs, wenn nicht gar das Highlight. – Wobei…, wir haben in den folgenden Wochen noch so viel Tolles gesehen und erlebt; aber unter den Top 3 verdient die Trolltunga auf jeden Fall einen Platz.

Wanderung zur Trolltunga in Norwegen

Auch dieser Tag war nun noch lange nicht zu Ende, und so fuhren wir mit dem Auto noch ein ganzes Stück weiter bis kurz vor die Tore Bergens – entlang des schmalen Sørfjords, des berühmten Hardangerfjords und des schluchtenartigen Eidfjords mit seinem spektakulären Wasserfall, dem >>Vøringsfoss<<. Doch dazu mehr im nächsten Blog!

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