Norwegen 2020 – Kap Lindesnes

Ich habe eine gute Nachricht: Ihr könnt euch wieder entspannen. Denn tatsächlich ging es nicht so nervenaufreibend weiter, wie es noch auf unserer Anreise begonnen hatte. Aber seid gewarnt, erholsam war dieser „Urlaub“ dennoch nicht. Dafür haben wir allerdings in den 3 Wochen jede Menge gesehen und erlebt, und ich werde euch bestimmt die ein oder andere Anekdote zum Besten geben, über die ihr sicher schmunzeln könnt oder aber mit offenen Mund dasitzen werdet. Doch entscheidet selbst!

Ankunft in Norwegen – 03. August 2020

Pünktlich 1:45 Uhr war es nun endlich soweit, und die Fjordline-Fähre lief in den Hafen von Kristiansand ein. Wenig später konnten wir auch schon norwegischen Boden betreten bzw. erst einmal befahren. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schnell wir im Unterdeck in unser Auto gesprungen sind und unserer Unabhängigkeit entgegengefiebert haben. Um diese zu erlangen, sollten uns nun nur noch circa 10 Wohnmobile trennen, hinter denen wir von Bord hinterherschleichen mussten. Zum Glück bog die Karawane der Furchtlosen aber nach wenigen Minuten schließlich in Richtung Oslo ab, und so konnten wir auf dem Weg zum Kap Lindesnes eine fast autofreie E36 genießen.
Nach 2 Stunden wurde aus dem anfänglichen Genuss allerdings ein kleiner Kampf, denn wir waren inzwischen so müde, dass wir nur noch mit Müh und Not unsere Augen offenhalten konnten. Was für eine Erleichterung, als wir 4 Uhr endlich am Kap Lindesnes ankamen und uns auf einem riesigen Parkplatz nebst unzähligen Wohnmobilen ins Dachzelt hauen durften. Dass ich mir den Wecker auf 6 Uhr gestellt hatte, will ich jetzt lieber mal gar keinem verraten…

Kap Lindesnes

Das war hart, richtig hart… als uns nach 2 Stunden schon wieder Silke Bischoff mit „Under your skin“ aus dem Schlaf riss. Schnell versuchte ich in meiner Totenstarre nach meinem Handy zu greifen und den Wecker auszuschalten, um ja niemanden aufzuwecken. Das letzte, was wir nun hätten gebrauchen können, war Gesellschaft.
Als ich meine Nase zum Zelt raussteckte, war ich begeistert und hielt Flo an, sich zu beeilen. Denn die Sonne ging gerade auf und tauchte die rundgeschliffenen Felsen unter dem wolkenverhangenen Himmel in ein goldenes Licht. Ich wusste nicht, wie lange dieses reizende Schauspiel andauern würde, und so wurde ich schon ganz hippelig, bis Flo endlich auch so weit war.
Doch es sollte noch besser kommen, und so durften wir nun live miterleben, wie sich ein imposanter Regenbogen von den Felsen ins Meer hinabspannte. In so kräftigen Farben hatte ich dieses Naturphänomen noch nie beobachten können. – Wunderwunderschön! – Keine Sekunde wollten wir es nun mehr bereuen, so früh aufgestanden zu sein; und auch die Strapazen der Anreise waren plötzlich vergessen. Selbst die paar Tröpfchen, die plötzlich vom Himmel fielen, sollten uns in diesem Moment nicht die Laune verderben; genauso gut hätte uns der Wind die Gischt entgegenwirbeln können.
Nun standen wir also endlich auf norwegischen Boden, um genau zu sein am südlichsten Zipfel von Sørlandet (die südlichste der 5 Region des Landes) und somit auch von Norwegen.

Dort, wo die Schärenküsten des Skagerraks im Osten und die schroffen, vegetationslosen Felsklippen der Nordsee im Westen aufeinandertreffen, befindet sich der südlichste Punkt des norwegischen Festlandes; das Kap Lindesnes, welches oft auch als „Südkap“ bezeichnet wird. – Exakt auf 57°58´53´´ nördlicher Breite liegen übrigens auch die Hebriden vor Nordschottland und ebenso der Hudson Bay in Kanada. – Von hier aus ist das wesentlich bekanntere Nordkap ganze 2518 Kilometer (bzw. 1682 Kilometer Luftlinie) entfernt.
Der Name Lindesnes entstammt eigentlich aus dem Altnordischen und bedeutet nicht nur „Ende“ sondern genauso „Gefahr“. Das kommt sicher nicht von ungefähr, denn an dieser Stelle ereigneten sich aufgrund der rauen See sehr viele Schiffsunglücke. Deshalb errichtete man auf der Halbinsel im Jahre 1655 schließlich auch das älteste Leuchtfeuer des Landes. Allerdings ist der immer noch aktive Leuchtturm – Lindesnes Fyr -, der heute gut 30 Meter über dem Meeresspiegel auf dem Kapfelsen thront, ein Umbau aus dem Jahre 1915.
Doch nicht nur für die Seefahrt hatte der Leuchtturm immense Bedeutung, auch die Deutschen erkannten während des Zweiten Weltkrieges seine strategisch günstige Lage und besetzten somit dieses Gebiet. Noch heute kann man die Reste dieser alten Bunkeranlage besichtigen.

Kap Lindesnes in Norwegen

Nach wie vor war weit und breit keine Menschenseele auszumachen. – Hach, war das schön. – Und so stiegen wir nun ganz entspannt die wenigen Treppen zum Lindesnes Fyr empor. Der Weg dorthin war von leuchtend roten und strahlend weißen Häuschen gesäumt, wofür die Skagerrak-Küste vielleicht bekannt sein mag, wir aber bis zu diesem Zeitpunkt noch nirgends gesehen hatten. Für uns war all das Neuland, genauso wie die malerischen Schäreninseln, die bis weit ins Meer hineinverstreut lagen und im morgendlichen Gegenlicht kein Ende erkennen ließen. – Das nenne ich mal einen würdigen Empfang. Es wurde uns wirklich leicht gemacht, dieses Land von Anfang an zu lieben; selbst wenn der Wind uns jetzt noch so scharf um die Ohren pfiff.
So idyllisch dieser Ort in diesem Moment auch auf uns wirkte, so gut konnten wir uns jedoch auch vorstellen, wie ungemütlich es werden kann, wenn erst einmal die Natur ihr ganze Kraft entfaltet und das Meer in ein tosendes, schäumendes Ungeheuer verwandeln. Doch davon war es heute zum Glück weit entfernt.

Leider waren wir viel zu früh dran, um nun auch noch die Aussicht vom Turm aus auf die Umgebung zu genießen und außerdem das Innenleben des Bunkers zu inspizieren. Zu dieser Uhrzeit schliefen nicht nur noch die Touristen, sondern vermutlich auch noch das Museumspersonal. Doch es gab auch so noch mehr als genug zu besichtigen; allein schon durch die in den Fels gehauenen ehemaligen Wehrmachttunnel zu schleichen, war ein kleines Erlebnis.

Kap Lindesnes in Norwegen

Selbstverständlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, auch von der gegenüberliegenden Seite noch einmal den herrlichen Ausblick auszukosten. Doch den kompletten Rundweg wollten wir uns ausnahmsweise einmal nicht geben, zu viel hatten wir heute noch vor uns; und das nicht etwa ums Eck. Also saßen wir 2 Stunden später auch schon wieder im Auto weiter Richtung Norden.

Das Sirdal

Wir hätten wohl auch über Stavanger zu unseren nächsten Zielen am Lysefjord fahren können, doch dann wären uns ein paar hübsche Spots im Sirdal (und natürlich im Anschluss der Lysevegen, auf den ich im folgenden Blog näher eingehen werde) entgangen. Diese Gegend ist zwar sicher kein Highlight, wenn man nur mit dem Auto durchfährt, aber immerhin kamen wir so schon mal an unserem ersten Wasserfall vorbei – dem Dorgefoss -; ein kleiner Vorgeschmack auf das, was nun in den nächsten Wochen noch folgen sollte und uns zugleich auf die wilde Landschaft Norwegens eingestimmt hat.
Eingestimmt wurden wir hier allerdings auch auf die hiesigen Coronaregeln, nämlich, dass Händedesinfizieren hoch im Kurs steht, das Tragen von Masken aber belächelt wird. Gut, dass wir zukünftig die Supermärkte lediglich dann aufsuchen mussten, wenn mal wieder die Eiskaffeevorräte knapp wurden. 😉

Norwegischer Eiskaffee

Dieser erste Tag war nun zwar noch lange nicht zu Ende, doch möchte ich den Rest in einem neuen Beitrag abhandeln, um euch nicht gleich zu Beginn mit meinen Eindrücken zu erschlagen. Also, ihr könnt euch schon mal auf eine Fortsetzung freuen…

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