Klettersteig Rofan / 5-Gipfel-Klettersteig – September 2018

12.09.2018 / Maurach-Haidachstellwand-Rosskopf-Seekarlspitze-Spieljoch-Hochiss

Es war noch keine 4 Tage her, dass wir das erste Mal durchs Rofangebirge gewandert sind und hier oben diese ganz besondere Vegetation genießen konnten. Doch da wir von dieser Gegend so begeistert waren und nun auch endlich einmal richtig unsere Klettersteigsets einweihen wollten, haben wir kurzerhand beschlossen, heute gleich noch einmal anzugreifen.
Wir sind davon ausgegangen, dass wir eh nicht alle 5 Klettersteige bewältigen können, da immerhin 3 von 5 mit C, C/D oder sogar D angegeben waren. So etwas hatten wir noch nie gemacht, und wollten nun nicht gleich nach den Sternen greifen. Aber wir dachten uns, dass wir zumindest erst einmal hier hinauf gehen und dann einfach schauen, was wir uns zutrauen und was nicht. Die Gipfel würden wir ja trotzdem besuchen können, wenn wir das denn wollen, da man alle Berge auch über einen Normalweg erreichen kann, den man als Ferratist sonst als Abstieg nutzt. 
Auf jeden Fall waren wir nun sehr gespannt, was der Tag bringen wird.

Trotz unseres eh schon gewagten Vorhabens haben wir den fast zweistündigen Zustieg von Maurach aus nicht gescheut. Allerdings war es nötig, schon im Dunkeln mit den Stirnlampen loszuziehen, um wenigstens 7 Uhr in Höhe der Erfurter Hütte zu sein – immer noch zeitig genug, bevor das große Gipfelstürmen beginnen würde.
Dennoch sollte noch einmal eine weitere Stunde vergehen bis wir an der Südwestseite der Haidachstellwand ankamen, über die wir nun in entgegen gesetzte Richtung einsteigen wollten. Das war zwar nun wirklich etwas gewöhnungsbedürftig, doch anderenfalls hätte es sich nur schwer realisieren lassen, alle 5 Gipfel sinnvoll nacheinander zu verbinden. Wir wollten unserem Plan ja zumindest mal eine reale Chance geben.

Zuerst ging es am Drahtseil über eine paar Platten hinweg, so war es schon mal möglich, sich ein wenig daran zu gewöhnen auf Reibung zu gehen.

Schnell war von dieser Seite aus das Gipfelkreuz erreicht, und wir konnten schon einmal einen Blick auf unsere nächsten Ziele werfen.


Doch nun folgte erst der schwierigere Teil – den eigentlichen Klettersteig (B/C) im Blindflug HINAB. 

Der Einstieg war schnell geschafft, doch dann galt es, über die wackelige Seilbrücke die Nerven zu behalten.

Auch war es doch ein wenig gewöhnungsbedürftig, an der Felswand hinunter zu gleiten, wenn man oft gar nicht sieht, wo sich die nächsten Tritte befinden. Das hat schon ein bisschen Armkraft gekostet und man wusste auch gleich wieder, wo man seine 5 Finger hat.

Auf dem nun folgenden kurzen Gehstück konnte man noch einmal durchschnaufen, bevor es erneut über Stufen und Platten nach unten ging. 

Der erste Klettersteig war geschafft, jetzt hatten wir allerdings ein längeres Stück zu gehen, um über die Grubascharte zum Rosskopf zu gelangen.



Schon von Weitem konnten wir eine ganze Horde erkennen, die sich langsam auf die Südwand zu bewegte. Oh je, das hatten wir schon befürchtet, dass um die Zeit allmählich der Betrieb losgehen würde. Und da man ja nicht an jedem Klettersteig der Erste sein konnte, mussten wir da nun wohl durch.
Der Vorteil war, dass wir so gar nicht mehr darüber nachdenken konnten, ob wir diesen Klettersteig nun machen sollen oder nicht. Wir sind einfach nur an der Truppe vorbei gestürmt, die sich hingegen zu uns noch ihre Sets anlegen musste und ohne Zögern eingestiegen. Nur 2 Typen hatten wir vor uns, die sich auch recht zügig nach oben bewegt haben, so war das dann schon okay.

Wie so meist lagen auch hier die Schwierigkeiten ganz am Anfang, doch ein bisschen Kraft hatten wir uns ja noch aufgehoben – und die brauchten wir auch, denn der Klettersteig war verhältnismäßig lang. Trotzdem mussten wir das ein oder andere Mal unsere Arme kurz ausschütteln, bevor wir die nächste C/D Stelle überwinden konnten.

Kurz vorm Kreuz wurde es wieder entspannter, und es galt erst ein grasiges Band zu queren und danach einen letzten Aufschwung zum luftigen Gipfel in Angriff zu nehmen. 

Während ich nun total happy hier oben stand, konnte sich Flo noch überhaupt nicht mit dem Gedanken anfreunden, die anderen 3 Klettersteige auch noch zu machen. So musste ich wieder einmal meinen ganzen Charme spielen lassen und ein wenig tricksen, damit ich meinen Willen doch noch bekommen habe. Denn ich war nun ordentlich angefixt und wollte es unbedingt durchziehen. Hatten wir doch soeben den Rosskopf geschafft, dann würden wir die anderen nun wohl auch hinbekommen.


Den Klettersteig der Seekarlspitze konnten wir von hier aus schon ein Stück einsehen. Ich habe versucht Flo schmackhaft zu machen, was uns als nächstes erwarten würde, und dass wir zumindest den einen schon noch machen sollten. Er wollte es sich bis unten überlegen.

So ging es nun erst einmal wieder über leichteres A/B Gelände im Westen bis zur Einsattelung hinab, wo wir bald den Einstieg der Seekarlspitze erreichten. 

Okay, Flo wollte mitziehen. War ich erleichtert. Denn jetzt kam auch gleich die Stelle, die mir anhand der Bilder schon ein bisschen Respekt eingeflößt hat. Man musste am Drahtseil eine senkrechte Wand queren, in der nur teilweise Stifte steckten und der Rest auf Reibung zu gehen war. Das Unangenehmste war allerdings die extreme Ausgesetztheit, denn an dieser Stelle pfiff es ordentlich nach unten.
Seltsamerweise war von meiner Höhenangst überhaupt nichts mehr zu spüren, und ich behaupte, die Querung ganz souverän hinbekommen zu haben.

Über ein grasiges Band kamen wir nun zu der so genannten Schlüsselstelle – zuerst ging es plattig über wenige Bügel (C) und später immer mehr auf Reibung und kurz auch leicht überhängend (D) eine sehr steile Wand bis zum Kreuz hinauf. Wir hatten es tatsächlich geschafft, ich konnte es kaum glauben.

Doch wir starteten auch gleich wieder durch, denn über den Normalweg war soeben eine Gruppe aufgeschlagen, die den Großteil des Gipfels nun für sich in Anspruch genommen hat.


Relativ unspektakulär war dagegen das Spieljoch vom Osten aus zu besteigen. Als Klettersteig kann man hier eher den Abstieg bezeichnen, vorausgesetzt man rollt die Sache wie wir auf.

Allerdings hatten wir uns gar nicht so richtig darauf eingestellt und waren somit echt überrascht, dass es übers Gradl teilweise im Schwierigkeitsgrad C nach unten ging. Denn wie oben schon erwähnt, ist es immer etwas schwerer, wenn man ein Klettersteig ab- anstatt aufsteigt. 

Mein armer Flo war gleich so richtig genervt und hatte nun endgültig die Schnauze voll. Den Hochiss wollte er definitiv nicht mehr erklimmen. Er meinte, dass wir eh schon mehr gemacht haben als wir gedacht hätten. Ich kann aber sehr gut schmollen und gab ihm zu verstehen, dass ich dann eben alleine los leg, er über den Normalweg aufsteigen soll, und wir uns dann oben eben treffen. So!!!

Unterhalb vom Hochiss angekommen, habe ich sicherheitshalber noch einmal ganz sanft mit einem Augenzwinkern nachgefragt, ob wir denn nun tatsächlich getrennte Wege gehen wollen. Flo hat sich von mir die Topo noch einmal erklären lassen, und als er dann den Einstieg (C) gesehen hat, war er zum Glück doch dabei. Denn ehrlich gesagt, als wir die 2 Pfeiler (C/D) nach oben sind, war es mir wohler, ihn im Rücken zu haben. Hier ging es an vielen Stellen wirklich nur noch auf Reibung, und mit den Augen direkt am Seil konnte man nicht immer so gut abschätzen, ob es nun besser ist, die Platten rechts oder links davon hoch zu gehen. Mit etwas Abstand gesehen, ließ sich das wesentlich besser beurteilen, und so haben wir uns als gutes Team sicher zum letzten Kreuz hinauf gezogen und gerieben. 


Wow, ich hätte mir heute selber gratulieren können, na und Flo natürlich auch. Das hätten wir nie für möglich gehalten. Gerade erst haben wir mit unserem neuen Hobby angefangen und jetzt tatsächlich mit einem Ritt den 5-Gipfel-Steig ohne Probleme gemeistert. Wir waren so stolz. Und wenn ich jemals so etwas wie Höhenangst hatte, fühle ich mich nun fast schon geheilt.

Völlig beflügelt sind wir nun auf dem Normalweg wieder vom Hochiss abgestiegen, weiter am Gschöllkopf vorbei zur Erfurter Hütte, dort schnell ein glückliches Bier gezischt und zu Fuß wieder nach Maurach hinab. Was für ein Tag. 🙂

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