Klettersteig Häntzschelstiege – Juli 2018

Neulich hatte ich erst etwas gelesen über die Lügen am Berg und wieviele Bergsteiger des Ruhmes wegen Gipfelerfolge vorweisen, die sie in Wahrheit nie erreicht haben. Dazu gehöre ich sicher nicht. Nun bin ich weder eine große Nummer, noch geht es bei mir um Geld oder Erfolg, doch oft muss man gar keine Berühmtheit sein, um sich in Lügen zu verstricken oder ein wenig zu mogeln.
Der Grund warum ich das jetzt gerade schreibe, ist, dass ich eine passende Überleitung für mein eigenes Versagen gesucht habe, welches ich gerne uneingeschränkt mir und meiner Umwelt eingestehe.

Schon einmal hatten wir den Versuch gestartet, die Häntzschelstiege zu durchklettern. Weit sind wir dabei allerdings nicht gekommen. Noch völlig ahnungslos haben mich, auf der Suche nach einer Tour, die Bilder im Internet derart fasziniert, dass ich die Stiege mit in unsere Planung einfließen lassen wollte. Um das Ganze nun nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen, unser Projekt scheiterte aus mehreren Gründen: Zum einen fing es plötzlich stark zu regnen und zu stürmen an, so dass bis auf eine einzige Person auch alle anderen Probanten wieder umgekehrt sind. Als zweites hatte ich alles andere als das passende Schuhwerk an, geschweige denn ein Klettersteigset. Und als drittes und letztes beliefen sich meine Erfahrungen auf Null, währenddessen sich meine Höhenangst ganz schnell und deutlich zu erkennen gegeben hat.
Trotz all dieser Warnzeichen sind wir eingestiegen. Schon zu Beginn wusste ich gar nicht richtig, wie man an einem Absatz ohne Bügel, Griffe oder Seile überhaupt nach oben klettert. Die erste Sicherung habe ich noch mitgenommen, aber meine Knie waren jetzt schon weich und meine Hosen voll, und ich hatte keine Ahnung, was noch alles kommen würde. Zum Glück kennt mich Flo so gut, dass er merkt, wenn etwas nicht stimmt, und so hat er mich überredet, wieder nach unten zu klettern, was sich für den Moment zwar auch nicht wirklich toll angefühlt hat, aber mit Sicherheit die bessere Wahl war, als vielleicht irgendwann regungslos in der Wand zu hängen, weil man völlig blockiert ist.
Nachdem ich endlich wieder festen Boden unter meinen Füssen und erst einmal einen Happen zu mir genommen hatte, war ich wirklich total erleichtert, aber auch ein bisschen enttäuscht. Doch unabhängig von meinem eigenen Zustand war die Entscheidung unter diesen Bedingungen auch so vernünftiger.
Es folgte im Anschluss trotzdem noch eine sehr schöne Tour, aber die Hätzschenstiege ging mir lange nicht aus den Kopf. So lange, bis wir sie dann doch noch irgendwann gemacht haben.

21.07.2018 / Häntzschelstiege / Sächsische Schweiz


Wir hatten extra im Auto auf dem Parkplatz am „Nassen Grund“ geschlafen, um ja die ersten an der Stiege zu sein, damit uns heute niemand aus der Ruhe bringen kann. Ich hab mich brutal darauf gefreut, war aber schon auch ganz schön nervös. Doch die Bedingungen würden zumindest heute alle passen: gutes Wetter, optimales Schuhwerk, Klettersteigset und die richtige Einstellung.

Nach dem etwas verstecktem Einstieg auf der Affensteinpromenade mussten wir nicht lange suchen, den kannten wir ja schon vom letzten Mal.

Bevor es nun aber losgehen würde, haben wir noch eine Kleinigkeit gegessen und dann in Ruhe unsere Sets angelegt. Nun konnte also nichts mehr schief gehen.


Besser als gedacht gelang mir nun der Aufschwung bis zu der Stelle, wo wir beim letzten Mal wieder umkehren mussten. Ich fühlte mich sicher, ich fühlte mich gut, das Eis war gebrochen. Gott sei Dank!

Und das war auch wichtig, denn nun folgte die erste Passage, wo es etwas exponierter auf einem schmalen Band um eine Ecke herum ging.

Doch danach war es auch schon bald wieder vorbei, und wir hatten schnell den unteren Teil hinter uns gebracht und konnten nun von einem Felsplateau aus das erste Mal auf die bizarren Affensteine schauen.

Hier, auf der Oberen Affensteinpromenda, ist es nun auch möglich auszusteigen, doch das wollten wir keineswegs und haben uns stattdessen zum Kamin vorgearbeitet, der den zweiten Teil des Klettersteigs einläutet. Eins sage ich aber gleich, großes Gepäck sollte man da nicht dabei haben. Selbst wir mit unseren kleinen Rucksäcken mussten uns ganz schön in die Spalte hineinzwängen.
Über diese ging es kerzengerade über Eisenklammern nach oben. 

Am Ausgang folgte das zweite brisante Stück, was für ein wenig Nervenkitzel sorgte, da man sehr luftig von der rechten auf die linke Seite zu wechseln hat. Doch auch das gelang uns besser als vermutet. Ich hatte sogar noch Nerven, mich über meinen Freund zu amüsieren, der anfänglich noch mit seinem Klettersteigset überfordert war, während ich kompromittierende Fotos geschossen hab.


Nun störte es mich auch fast gar nicht mehr, als wir plötzlich noch luftiger aus dem Fels gekrochen sind. Ich war so voller Adrenalin und von dem Panorama einfach nur noch begeistert, dass ich nun glatt hätte weitermachen wollen.

Doch leider war der Klettersteig an dieser Stelle fast schon zu Ende. Nur noch eine kleine Brücke galt es zu überqueren und sich durch ein paar Felsen zu schlängeln, dann konnten wir die Sets auch schon wieder ablegen. Schade, wirklich schade!!!


Über das Lange Horn haben wir uns nun zum Carolafelsen aufgemacht – auch ein sehr schöner Aussichtsfelsen, von dem man noch einmal auf die Affensteine und andere Schmankerl der Sächsischen Schweiz schauen kann.

Dann ging es über die Wilde Hölle auch schon wieder zum Auto zurück.

Lange noch hat dieses schöne Erlebnis in uns nachgewirkt. Nun waren wir bereit, die Klettersteige der Welt zu erkunden – gut, zumindest schon mal die in der Umgebung. 😉

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Ein Gedanke zu „Klettersteig Häntzschelstiege – Juli 2018

  1. […] am einzigen richtigen Klettersteig der Sächsischen Schweiz. Nun bin ich in meinem Eintrag „Klettersteig Häntzschelstiege“ ja schon darauf eingegangen und will nicht alles noch einmal […]

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