Datong – September 2019

Erste Fahrt im Chinesischen Nachtzug

Zum Glück hatten sich unsere schlimmsten Vermutungen nicht bestätigt, im Gegenteil, auf dem Vorplatz des Pekinger Bahnhofs war es noch relativ leer, und so konnten wir uns blitzschnell durch die meterlangen Absperrungen hindurchschlängeln und danach sofort die Eingangshalle betreten. Selbst am Sicherheitscheck mussten wir nur 5 Minuten anstehen, dann befanden wir uns auch schon in dem riesigen Bahnhofsgebäude. So hatten wir nun genügend Zeit, um den richtigen Warteraum zu suchen, von dem aus man, 5-10 Minuten bevor der Zug einfahren würde, zum entsprechenden Gleis vorgelassen wurde.
Währenddessen wir übers Handy noch etwas Korrespondenz und auf der Bahnhofstoilette unsere Körperpflege betrieben haben, schielten wir immer wieder zu der Anzeige hinüber, die uns den Startschuss zum Sturm auf unseren Nachtzug geben sollte.
Kurz vor halb zwölf ging es dann auch schon los. Über nicht enden wollende Gänge und Treppen kamen wir schließlich zu dem Gleis, an dem unser Zug bereits eingefahren war. Da die Abteile ordnungsgemäß durchnummeriert und die Ziffern ebenso auf dem Bahnhofssteig aufgezeigt waren, fiel es uns nicht schwer, das richtige Abteil zu finden. Wie an jedem anderen Einstieg, wartete auch an unserer Tür ein Bahnbeamter, der die Papiertickets kontrolliert und gegen einen Metallchip ausgetauscht hat. – Diesen sollte man allerdings nicht verlieren, denn nach der Bahnfahrt erhält man dafür sein Originalticket wieder zurück, ohne welches man den Bahnhof nicht mehr verlassen könnte.

Für unsere erste Nacht im Zug hatten wir uns für die teuerste Kategorie – die Soft Sleeper – entschieden. Hingegen zu den Hard Sleepern, welche jeweils mit 6 schmalen Betten (3 übereinander) in einem türenlosen Abteil ausgestattet sind, enthalten diese nur 2 Doppelstockbetten, auf denen man auch wesentlich komfortabler liegt; zudem gibt es Türen, die man obendrein von Innen verschließen kann. Das war uns schon von Vietnam her bekannt und zum Eingewöhnen nun doch erst einmal lieber.
Wir hatten sogar noch das Glück, uns das Abteil mit einem jungen chinesischen Paar zu teilen, das uns anbot, die beiden oberen Betten zu nehmen. In der unteren Etage war die Bewegungsfreiheit wesentlich weniger eingeschränkt, und so konnten wir uns nun schön ausbreiten. Da kann man sich ja fast schon ans Schlafen im Zug gewöhnen.

09.09.2019 – Datong & Umgebung

Ankunft in Datong

Fast schon ausgeruht, wachte ich auf und wunderte mich noch, was das für ein seltsames Geräusch ist. Vorsichtig schob ich die Gardine zur Seite. Tatsächlich, draußen regnete es. Noch waren wir ja nicht am Ziel, aber ein wenig beunruhigte mich das schon. Was, wenn das Wetter denn nun plötzlich nicht mehr mitspielen sollte?
Als der Zug gegen halb sechs in der Früh endlich in den Bahnhof von Datong einfuhr, war von Regen erfreulicherweise keine Spur. Trotzdem begannen plötzlich alle, ihre dicken Jacken hervorzukramen. Was die nur hatten. Voller Zuversicht stiegen wir aus unserem Abteil und waren froh, nun wenigstens mal nicht mehr schwitzen zu müssen. Keine 10 Minuten später hatten wir unsere Jacken dann aber auch an. Ein junger Chinese klärte uns darüber auf, dass wir uns inzwischen auf 1200 m ü. NN befinden, und es deshalb hier nun mal kälter ist. Aha! Das war mir bis dahin noch gar nicht so bewusst.
Nachdem wir diesem kontaktfreudigen Burschen deutlich gemacht hatten, dass wir uns mit ihm nicht zum Kentucky setzen, sondern unser Frühstück lieber an einem Straßenimbiss einnehmen wollen, mag dieser sich vielleicht etwas gewundert haben; wir waren jedoch sehr dankbar, nicht gleich am Morgen jemand unterhalten zu müssen. Außerdem gab es ja noch so viel auszuprobieren, was wir noch nie zuvor gegessen hatten.

Das >>Green Island Youth Hostel<< war nicht schwer zu finden, schließlich sollte es gleich gegenüber vom Bahnhof liegen; der richtige Eingang mit dem dazugehörigen Fahrstuhl, in diesem verwinkelten Hochhaus, dafür umso mehr.
Schon den Eingangsbereich des Hostels hatte man recht witzig gestaltet, und nun waren wir erst recht gespannt, was uns wohl im Inneren erwarten würde. Zweimal geklingelt, dann summte die schwere, rote Metalltür, und wir kamen in einen Flur, dessen Wände durch und durch von lustigen Graffiti, detaillierten Karten, Wegbeschreibungen, Notizen und Tourvorschlägen übersät waren. So brauchten wir schon eine Weile, bis wir uns zur Rezeption vorgearbeitet hatten.
Da unser Zimmer zu dieser unchristlichen Zeit natürlich noch nicht fertig war, checkten wir nur kurz ein und deponierten irgendwo unsere Rucksäcke; dann stürzten wir uns auch schon wieder ins Getümmel.

Xuan Kong Si – Hängendes Kloster

Wir hatten uns im Vorfeld schon über die entsprechende Buslinie informiert, da wurden wir auch gleich wieder von einem Taxifahrer überrollt, der auf uns unentwegt einzureden begann, sobald wir den Fuß auf die Straße gesetzt hatten. Es mag sich für den Leser womöglich nach schlichter Bequemlichkeit anhören, doch ihr könnt euch nicht vorstellen, wie beharrlich Asiaten sein können. Die, die mich kennen, wissen, dass es wirklich Einiges bedarf, um mich vom etwas zu überzeugen, was ich nicht will. – Sollten wir das jetzt wirklich glauben, dass es morgen den ganzen Tag regnen würde, und wir nun deshalb unsere ursprünglichen Pläne wieder ändern müssen? Sollte dieser Taxifahrer uns tatsächlich heute erst zu dem Hängenden Kloster und danach zu den Yungang-Grotten fahren, weil es morgen dafür zu spät wäre? War das alles ein eigennütziges Geschäft für den Herren, und versuchte er uns vielleicht nur zu verarschen? – Wir waren in diesem Moment etwas durcheinander und wussten nicht, was wir jetzt machen sollen. Eigentlich wollten wir ja heute zuerst das Kloster besuchen und anschließend die Altstadt von Datong erkunden, und uns für morgen die zweite Attraktion – die Wolkengrad-Grotten – aufheben. Aber was denn, wenn er wirklich Recht behielt?
Wir willigten schließlich ein. Der ausgehandelte Preis war fair, dafür, dass er uns den ganzen Tag über die langen Strecken umherkutschieren würde.

Schon Chinas erster Kaiser – Qin Shi Huangdi – kletterte einst in der Provinz Shanxi auf die Zweitausender des Heng Shans; einer der fünf heiligen daoistischen Berge. Doch heute ist das Gebirge hauptsächlich durch das Hängende Kloster bekannt, welches für ein friedliches Miteinander der wichtigsten Religionen Chinas – Konfuzianismus, Buddhismus, Daoismus – steht.
Während der Nördlichen Wei-Dynastie im 6. Jh., beauftragte man den genialen Baumeister Zhang, 50 Meter über dem Boden dieses außergewöhnliche Kloster entlang einer Steilwand zu errichten. Um die Bauteile für die 40 kleinen Hallen am Fels anzubringen, transportierte man das benötigte Material zum Gipfel und ließ es von dort zu den Arbeitern in der Wand herab; die selbst nur an einem Seile hingen, welches an Hüfte und Füssen fixiert wurde.
Die natürlichen Vertiefungen im Stein wurden weiter ausgehöhlt, davor setzte man dann hölzerne Fassaden, welche man mittels geölter Holzpfeiler abstütze. Um das Ganze zu stabilisieren, mussten tiefe Löcher in den Fels gebohrt und die dünnen Stäbe zu 2/3 versenkt werden. Die einzelnen Tempelgebäude verband man durch kleine Stege und Brücken miteinander.
Das Innere der Höhlen birgt um die 80 konfuzianische, daoistische und buddhistische Statuen aus Stein, Bronze und Eisen. Doch nur in einer einzigen Halle wurde alle 3 Religionen vereint.
Warum gerade an so einer unwirtlichen Stelle das Kloster errichtet wurde, darüber mögen sich die Geister streiten. Erwiesen ist jedenfalls, dass hier einst die Pilgerroute zum heiligen buddhistischen Berg Wutai Shan vorbeiging, und die Gläubigen an diesem Ort zur Rast einkehrten. Zum anderen sorgte der Fluss Hun regelmäßig für Überschwemmungen, und sollte durch den Hängenden Tempel besänftigt werden. Inzwischen ist der Aberglaube ein Stück weit dem Pragmatismus gewichen, und ein Staudamm kümmert sich um das Hochwasser.
Noch bis 1985 lebten hier Mönche, die gegen all die Kälte, das spärliche Sonnenlicht und den Schwindel zu kämpfen hatten. Inzwischen steht das Kloster aber leer und kann besichtigt werden. Doch seit einiger Zeit kursiert das Gerücht, den Zugang komplett zu sperren, da die Konstruktion auf Dauer wohl dem großen Besucherstrom nicht standhalten würde. Wir waren jedoch froh, es vorher noch zu Gesicht bekommen zu haben, und dass sogar noch während der wenigen Sonnenstunden ganz früh am Morgen.

Schon auf dem Weg zum 70 km entfernten Hängenden Kloster wurde die Gegend immer bergiger. Der rote Fels begann sich immer höher aufzutürmen und rückte immer näher an die Straße heran. Unser Fahrer versuchte uns von Zeit zu Zeit etwas zu erklären und verhalf mir, meine Aussprache ein wenig zu verbessern. Er war ein lustiger, unterhaltsamer Kamerad, und so verging die 90 minütige Fahrt wie im Flug.
Halb 9 standen wir schließlich vor dem Xuan Kong Si, in der Schlucht des Goldenen Drachens. Die Pforten hatten gerade erst geöffnet, und so hielt sich der Besucherstrom auch noch in Grenzen. Schon von Weitem konnten wir die eigenwillige Holzkonstruktion in der steilen Felswand erkennen; und das Licht stand günstig zu dieser Zeit. Ein Glücksgriff!
Schnell noch einmal auf Toilette gerannt, wie alle Touristen das obligatorische Eröffnungsfoto gemacht, dann ging es auch schon über die Hängebrücke am trocken gelegtem Flussbett entlang und … WOW!, hier waren wir nun endlich. Vollkommen beeindruckt richteten wir unsere Blicke nach oben und staunten nicht schlecht, dass so etwas hält.

Jetzt konnte es also losgehen. Wir reihten uns brav in die Schlange ein, denn die nächsten Minuten würde es gemütlich im Entengang weitergehen. Überholen war auf den engen Stegen nicht zu empfehlen und auch nicht wirklich angebracht. Doch nun hatten wir es auch nicht mehr eilig.
Auf der verhältnismäßig geräumigen untersten Ebene war noch keine Schwindelfreiheit von Nöten, doch schon bald ging es auf die in luftiger Höhe angebrachten, schmalen Treppen, von wo aus man das seltsame Pfahlwerk aus nächster Nähe bewundern konnte. Wirklich nichts für schwache Nerven! Gut, dass wir jedoch keine Höhenangst haben, so konnten wir nun voll und ganz die tolle Aussicht genießen und dieses Meisterwerk in vollen Zügen bewundern.

Im Gegenzug wurde unsereins bewundert; vor allem auf mich schienen es die Leute abgesehen zu haben. Ob Männel oder Weibel, ich wüsste keinen anderen Ort, wo während unserer Reise mehr Chinesen ein Foto von mir geschossen haben. Einmal angefangen, gab es kaum noch jemanden, der nicht noch schnell mit mir abgelichtet werden musste. Ich hatte irgendwann das Gefühl, die eigentliche Attraktion zu sein und will nicht behaupten, dass mich das gestört hätte. So war dieser Ausflug nicht nur des Klosters wegen für mich ein wahres Highlight, sondern auch der netten Menschen wegen. – Und nicht das ihr denkt, Flo war dafür ein anderes Mal an der Reihe.

Yungang-Grotten

Mit unserem gewitzten Taxifahrer ging es nun erst einmal wieder zurück nach Datong, da sich die Yungang-Grotten ca. 16 km westlich der Stadt befinden; also genau auf der entgegengesetzten Seite. Dazu mussten wir einmal komplett durch die einstige Kohlehauptstadt hindurchfahren, was vielleicht nicht gerade der schönste Anblick, dafür sehr aufschlussreich war.
Inzwischen verschwand die Sonne nun vollständig hinter den Wolken. Im ersten Moment waren wir uns noch nicht sicher, ob dafür der Smog Rechnung trug oder das Wetter jetzt doch umschwingen würde. – Unser Fahrer sollte leider Recht behalten. Auf der einen Seite waren wir froh über unsere Entscheidung am Morgen, über die Tatsache allerdings weniger.

Am Ziel angekommen, klärten wir schnell noch ab, wo unser Taxifahrer auf uns warten würden, dann haben wir uns auch gleich zur Tickethalle begeben, in der wir schon das erste Mal von vielen kleinen, beleuchteten Buddhas begrüßt wurden. Wir nutzten die Gelegenheit, uns noch einmal kurz auf einer Bank niederzulassen, um einen Happen zu essen und durchzuatmen.

Die Yungang Shiku, zu Deutsch Wolkengrad-Grotten, sind nicht nur die größten und bekanntesten buddhistischen Grotten, sondern sie enthalten auch die ältesten buddhistischen Steinmetzarbeiten Chinas. Auf einer Länge von fast einem Kilometer verteilen sich am Südhang des Wuzhou Shan 42 Grotten und 210 Nischen, mit 51000 (noch erhaltenen) unterschiedlich großen Statuen. Die Höchsten davon messen 17 Meter, während andere wieder winzig sind.
Die neue Staatsreligion wurde von den Kaisern der Nördlichen Wei aus den Klöstern der Seidenstraße übernommen, da man der Meinung war, ein vom Glauben geprägtes Volk besser beherrschen zu können.

Im Jahre 460 begann ein Mönch, namens Tan Yao, mit der Errichtung des ersten Höhlentempels. Diese Zeit (460-465) stellt die erste der drei Bauphasen dar, in der die 5 monströsen Grotten im westlichen Abschnitt der Anlage entstanden. In der mittleren Phase (471-494) zogen die kaiserlichen Herrscher nach und ließen im zentralen Teil weitere Höhlen für ihre Ahnen in den Sandstein schlagen und diese mit Großskulpturen ausstatten. Insgesamt 65 Jahre lang waren die Arbeiter damit beschäftigt, bis schließlich alle 252 Höllen fertig waren. Durch die vielen Einflüsse, die über die Seitenstraße nach China schwappten, weisen die Bildnisse sowohl persische, indische, griechische als auch zentralasiatische Züge auf.
Als man 494 die damalige Hauptstadt von Datong nach Luoyang verlagerte, wurde die von Mäzenen geförderte Spätphase eingeleitet, die bis 525 anhielt. In dieser Zeit entstanden nun die letzten und kleinsten Höhlen und Nischen im östlichsten Teil der Anlage. Danach kamen die Baumaßnahmen allerdings endgültig zum Erliegen. Geblieben ist uns dennoch ein einmaliges buddhistisches Vermächtnis.

Da der Sandstein jedoch stark der Verwitterung ausgesetzt war, begannen die Grotten im Laufe der Zeit mehr und mehr zu verfallen. Immer wieder musste man die Höhlen restaurieren und die Statuen neu bemalen. Erst während der Qing-Dynastie errichtete man vor den 2 größten Höhlen zum Schutz die monumentalen hölzernen Tempelfassaden; die denen heute noch vorgelagert sind. Doch auch das eindringende Wasser, die Sandstürme und die Luftverschmutzung durch die ansässigen Kohlebergwerke, das alles setzt den Grotten stark zu. So ist man auch in der jetzigen Zeit noch damit beschäftigt, die Höhlen immer wieder aufs Neue instand zu setzen. Deshalb sollte sich der Besucher nicht wundern, wenn der ein oder andere Bereich gerade nicht zugänglich ist. Doch es gibt auf jeden Fall auch so noch mehr als genug zu sehen.

Alles in dieser Anlage steht im Zeichen Buddhas. Auch auf dem Weg zu den Höhlen wurde man immer wieder daran erinnert, was man gleich zu sehen bekommen würde. So waren selbst in die von Elefanten getragenen Säulen, die den Weg zu einem rekonstruierten buddhistischen Kloster säumen, winzige Figuren des „Erleuchteten“ gemeißelt.

Der inmitten eines Sees errichtete Tempel, zu dem wir nun über eine steinerne Bogenbrücke hinüberspazierten, schien erst kürzlich restauriert wurden zu sein. Für chinesische Verhältnisse ging es hier ziemlich ruhig zu, da die meisten Besucher voraussichtlich mit der Touristenbahn gleich direkt zu dem Areal mit den Grotten fuhren, ohne dabei das Tempelgelände zu durchstreifen. Doch ehrlich gesagt, hielt es uns hier jetzt auch nicht so lang, und so zogen wir schon bald weiter.

Zuerst kamen wir zu der Östlichen Gruppe, mit den Höhlen 1-4. Auch wenn diese um einiges kleiner als die älteren Grotten sein mögen, war das ein guter Auftakt, um nicht schon von Anfang an von den Eindrücken überfahren zu werden.
Die Wände im Inneren der Höhlen waren über und über mit bunt bemalten Fresken gespickt, überdies saß in jeder einzelnen Nische eine Buddhafigur. In der Mitte von Höhle 2 konnte man zudem eine wunderschöne Pagode bewundern, die sich vom Boden bis hin zur Decke erstreckt.
Leider fehlten sämtlichen Figuren die Köpfe, wo ich mir nur schwer vorstellen kann, dass dafür der Umwelt Rechnung getragen werden kann. Wer auch immer dafür zuständig war, hat hier arg gewütet und viele Statuen enthauptet.

Yungang-Grotten in Datong / China

Da Höhle 3 gerade restauriert wurde, ging es nun unverzüglich weiter durch ein kleines, verziertes Holztor, welches den Östlichen von dem Mittleren Bereich (4-15) trennt. Hier befinden sich einige der eindrucksvollsten und schönsten Grotten von Yungang.
Sofort sprangen mir die monströsen tempelartigen Holzfassaden ins Auge, die den Höhlen zum Schutz vorgelagert waren. Diesen Anblick haben wir besonders genossen und gleich unzählige Male abgelichtet. Das blieb uns im Inneren der spektakulärsten Grotten leider verwehrt. Nicht das es gereicht hätte, dass man auf zig Schildern auf das Fotografierverbot verwies, wurden wir nun auch noch mit Argusaugen bewacht. Zu gern hätte ich mich nur dieses eine Mal über geltendes Gesetz hinweggesetzt, doch das Überwachungspersonal folgte uns auf Schritt und Tritt, so dass wir es einfach nicht riskieren wollten, zum Schluss vielleicht noch unsere komplette Speicherkarte formatieren zu müssen…
Die Innenräume der Zwillingshöhlen 5 und 6 waren aber einfach auch überwältigend; insbesondere die Höhle 5, in welcher sich der größte Buddha des gesamten Komplexes befindet. Der sitzende Shakyamuni ist sage und schreibe 17 Meter hoch, hat ein vergoldetes Gesicht und ist zudem sehr detailgetreu ausgearbeitet. Die Wände sind von bunten Zeichnungen und 1000-Buddha-Motiven nur so übersät. – Letztere findet man übrigens in nahezu jeder dieser Höhlen. – Leider haben die Vandalen hier besonders gewütet.
Die Höhle 6 (Shakyamuni Grotte) ist zusätzlich durch einen 16 Meter hohen, reich verzierten Pagodenpfeiler gekennzeichnet. Mit all ihren Buddhastatuen, Bodhisattwas und Engeln stand diese der Höhle 5 in nichts nach.

Mit den Grotten 9 und 10 folgte nun noch eine weitere Zwillingshöhle, deren Bezeichnung sich von den doppelten Kammern ableitet. Auch diese waren wieder mit zahlreichen Flachreliefs, Malereien und Statuen versehen. Doch nach so viel kulturellen Input hätte es uns jetzt eigentlich schon mal fürs Erste gereicht.

Yungang-Grotten in Datong / China

Nichtsdestotrotz wartete mit den Höhlen 16-20 nun auch noch der älteste Teil auf uns, den zu seiner Zeit der Mönch Tan Yao ins Leben gerufen hat. Noch einmal wurden wir regelrecht erschlagen von der Masse an Eindrücken und der Überdimensioniertheit der jeweiligen Statuen. Nur durch die Öffnungen und die Löcher im erodierten Fels konnte man von außerhalb die kolossalen Buddha-Statuen der Höhlen 16-19 in ihrer Gesamtheit betrachten, deren Größe in keiner Relation steht: einen sitzenden Shakyamuni (Nr. 16), einen sitzenden Maitreya (Nr. 17), einen stehenden Shakyamuni (Nr. 18) und einen weiteren sitzenden, 17 m hohen Shakyamuni, umringt von meditierenden Bodhisattwas (Nr. 19).
Hölle 20 bewahrte letztendlich noch die fünfte Buddha-Darstellung; den komplett im Freien sitzende Buddha der Dreifaltigkeit – mit einer Höhe von 14 Metern.
Die Gesichter dieser 5 Statuen wurden den damals herrschenden Kaisern nachempfunden; den Personifizierungen Buddhas.

Zum Glück wurden wir zwischendurch von ein paar chinesischen Studentinnen zu einem Interview angehalten, was wenigstens für etwas Abwechslung gesorgt hat. Dafür schenkten sie uns stolz 2 Fahnen ihres Landes, die wir natürlich als Andenken mit nach Hause genommen haben. Und auch hier waren wieder einige asiatische Touristen ganz scharf darauf, sich mit uns fotografieren zu lassen. Doch irgendwann waren die Kapazitäten unseres Gehirns erschöpft, noch zudem lassen wir ungern jemand warten – sollte es auch nur der Taxifahrer sein, den man für seine Dienstleistung bezahlt -, und so machten wir uns allmählich wieder auf den Weg Richtung Ausgang.
Bereut haben wir allerdings, dass wir uns doch nicht mehr die Zeit genommen haben, etwas in der eigens für Touristen angelegten Einkaufsstraße zu essen oder einmal auf einem Kamel eine Runde zu drehen; denn da das Wetter nun tatsächlich sich zu verschlechtern begann, hätten wir nicht wirklich was versäumt.

Datong – Stadtmauer & Altstadt

Kurzzeitig im Hostel zurück, konnten wir nun zumindest schon mal in unser sehr kreativ gestaltetes Zimmer einchecken. Hier hätten wir es wirklich länger als die eine Nacht aushalten können. Dennoch trieb es uns gleich wieder ins Freie, damit wir noch etwas von Datongs Altstadt zu sehen bekommen würden, bevor es anfing zu regnen.

Auch wenn wir gerne zu Fuß unterwegs sind, hatten wir die Entfernung in die Stadt eindeutig unterschätzt. Allein bis zur Stadtmauer waren wir bestimmt eine Stunde unterwegs; natürlich immer schön an den Hauptverkehrsstraßen entlang. Irgendwie vergisst man das immer, wenn man sich so die Bilder von den Sehenswürdigkeiten anschaut, dass diese nicht zwingend am Rande kleiner, niedlicher Dörfchen gelegen sind, sondern dass es um die Hotspots auch einer gewissen Infrastruktur bedarf, und sie oft inmitten weniger schöner Bauten liegen. Und ich muss gestehen, dass wir persönlich Datong als eine ziemlich hässliche Stadt wahrgenommen haben, mit der wir so gar nicht warm geworden sind. Vielleicht mag das dem Wetter geschuldet sein oder eben, dass wir auf unserem Weg durch die Straßen etliche Male hinter die Kulissen schauen konnten. Ich will hier sicher keinem Unrecht tun, aber unsere Lieblingsstadt war es jedenfalls nicht.
Man muss dazu aber auch ergänzen, dass sich Datong gerade im großen Umbruch befindet und das komplette Stadtbild verändert bzw. verschönert werden soll.

Datong in China

Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage an der Mauer und der Nähe zur Mongolei, war Datong schon immer von militärischer Bedeutsamkeit. Im 5. Jahrhundert wurde es unter den Kaisern der Nördlichen Wei zu ihrer Hauptstadt auserkoren. Auch zu Zeiten der Ming betrieb man über die Seidenstraße regen Handel, und so konnte sich Datong zu einer wohlhabenden Stadt entwickeln. Nach dem Scheitern dieser Dynastie wurde sie allerdings nahezu komplett dem Erdboden gleichgemacht.
Im 20. Jh. erhielt Datong sein neues Gesicht und wuchs durch die nun entdeckten Kohlevorkommen zur Bergwerksstadt heran. Doch das tat dem Ruf der Stadt nicht wirklich gut. Immer wieder machte sie negative Schlagzeilen, wenn es um das Thema Umweltverschmutzung oder Grubenunglücke im Norden der Provinz Shanxi ging. Dem sollte irgendwann ein Ende gesetzt werden, und so verkündete 2008 (der sich gerade erst seit 10 Tagen im Amt befindende) Bürgermeister Geng Yanbo den Wiederaufbau der Altstadt, im Stile der Ming des 17. Jahrhunderts. Mit diesem überambitionierten Vorhaben wollte er die Parteiführung auf sich aufmerksam machen, um selbst zu glänzen. Dafür investierte er 50 Mrd. Yuan (ca. 6 Mrd. EUR), das Vierfache des Jahreseinkommens der Stadt; an den Schulden hat man noch heute zu knabbern.
Komplette Häuserreihen wurden einfach abgerissen und 40000 weniger betuchte Einwohner in die neuen Vorstädte zwangsumgesiedelt. Ziel war es, den Tourismus anzukurbeln, um die durch den rückgehenden Bergbau lahmende Wirtschaft in Gang zu setzen. Auch die 6,5 km lange Stadtmauer, die zwischenzeitlich nur noch einem unbefestigten Erdwall glich, wurde wieder komplett aufgebaut und ist nun seit 2013 vollständig begehbar.
Also ist alles doch nur eine einzige Fälschung, ein Prestigeprojekt der Obrigkeit oder geht es vielleicht auch ein bisschen um die Rückbesinnung auf alte Werte, nach all den Jahren der Unterdrückung und Zerstörung?

Es dauerte noch einmal eine gewisse Zeit, bis wir endlich ein Tor gefunden hatten, wodurch wir ins Innere der Mauer gelangten und weiter zum restaurierten Teil der Altstadt vordringen konnten. Die grauen Fassaden, der wirklich sehr nett hergerichteten Häuser, bescherten uns allerdings an diesem grauen Tag nicht den erhofften Hochgenuss. Und leider war auch das touristische Zentrum nahezu ausgestorben; kaum Menschen, kaum geöffnete Restaurants, irgendwie wirkte auch alles abweisend und verschlossen. Eigentlich hatten wir inzwischen ganz schön Hunger bekommen, und so trotteten wir etwas resigniert durch die verlassenen Gassen und passierten nach und nach die wichtigsten Attraktionen Datongs; die wir uns allerdings erst am nächsten Tag anschauen wollten. Trotzdem mussten wir heute noch ein bisschen durchhalten, wenn wir denn die Straßen mit all den rot erleuchteten Laternen am Abend sehen wollten. Denn morgen würden wir um diese Zeit schon wieder im Zug nach Pingyao sitzen.

Endlich fanden wir doch noch ein Restaurant, wo wir unseren Hunger stillen konnten. Aber auch hier bewiesen wir wieder mal kein so glückliches Händchen. So bestellte Flo versehentlich irgendwelche Innereien, die ich dann alleine essen durfte, dafür bekam er von mir die süße wabbelige Nachspeise, die ich mir als herzhaftes Hauptgericht vorgestellt hatte.

So langsam gingen die Roten Laternen an den Häusern an, so langsam wurde aber auch der Regen immer stärker. Jetzt war es wirklich an der Zeit, diesen Tag für beendet zu erklären; wenn nur nicht der lange, nasse Fußmarsch zum Hotel gewesen wäre. Aufgrund unserer leichten Schuhen zogen wir sogar ein Taxi in Betracht. Doch jetzt, wo es in Datong regnete, waren wir wohl nicht die einzigen mit dieser Idee, und so stapften wir trotzig zu unserer Unterkunft, ohne uns weiter den Hals nach einem fahrbaren Untersatz zu verrenken. Geschlafen haben wir danach allerdings vortrefflich.

10.09.2019 – Datong Altstadt & Kohle

Oh je, heute tatsächlich Regen, und das nicht zu knapp. Schon in der Früh hörten wir von unserem Bett aus, den Verkehr über die nassen Straßen rollen. Aber es half ja nichts, wir konnten schlecht den ganzen Tag im Zimmer bleiben; noch zudem wir gegen 10 Uhr sowieso auschecken mussten. Für uns eher ungewöhnlich, hatten wir unsere Morgentoilette eh etwas hinausgezögert. Doch jetzt klopfte sogar schon voreilig das Personal, um uns zum Verlassen anzuhalten.
Das Reisegepäck konnten wir zum Glück wieder stehenlassen, dann ging es ein weiteres Mal per pedes in die Stadt.
Aufgrund der ruckzuck durchnässten Schuhe waren wir überglücklich, als wir irgendwann am Straßenrand so etwas wie eine Bäckerei gefunden hatten. Dort genehmigten wir uns erst einmal ein ausgiebiges Frühstück mit jeder Menge an Süßkram, wo es uns fast schon den Magen umzudrehen vermochte.

Frühstück in Datong / China

Danach nahmen wir uns etwas mehr Zeit, um die Stadtmauer auch aus nächster Nähe zu betrachten. Gerade das kleine Areal im Nordwesten der Befestigung, mit all den verzierten Steinhäuschen, weißen Zickzack-Brücken, grünen Lotusblättern und bunten Tretbooten, war sehr nett anzuschauen. Ich versuchte mich nicht unterkriegen zu lassen und mir einfach vorzustellen, wie das wohl alles bei Sonne wirken könnte. – Es sollte tatsächlich noch ein paar Tage dauern, bis ich den Reiz des Regens für mich zu entdecken begann. 😉

Huayan Si

Hingegen zu den meisten Tempeln in China, ist dieser hier nach Osten hin ausgerichtet, was vermutlich auf den Gründer der Liao-Dynastie (907-1125) zurückgeht, welcher dem Sonnenkult zugetan war.
Der große Komplex gliedert sich in 2 Bereiche. Im Zentrum des Oberen Tempels, der auch noch als aktives Kloster genutzt wird, steht eine 1560 m² große Halle, die als eine der größten – noch erhaltenen – buddhistischen Tempelhallen Chinas gilt. Im Inneren befinden sich 5 riesige Buddha-Statuen und 20 kleinere Götterskulpturen aus der Ming-Zeit; umgeben von einzigartigen, flächendeckenden Wandmalereien aus der Qing-Dynastie.

Im dahinter liegenden Unteren Tempel, der wesentlich verschachtelter ist, kommt man zuerst zu einer Bibliothek, die ca. 18000 Bände buddhistischer Schriften bewahrt. Ganz in der Nähe führt eine Treppe die 4 Meter hohe Terrasse zur Mahavira-Halle hinauf, in deren Inneren eine Handvoll vergoldeter Bodhisattwas den Altar schmücken. Wenn man seinen Blick nach oben schweifen lässt, erblickt man eine wundervoll gestaltete Kassettendecke. Auch die Wände sind durch und durch von zahlreichen, detaillierten Malereien überzogen, die das Leben des Gautama Buddhas darstellen.

Als letztes haben wir uns natürlich auch noch die 43 Meter hohe Huayan Pagode angeschaut. Um diese besichtigen zu dürfen, musste man sich allerdings erst ein Paar sehr originelle Überschuhe drüber streifen. Dann ging es auch schon hinunter in den 500 m² großen Unterirdischen Palast, der aus 100 Tonnen Kupfer gefertigt wurde.

Huayan Si in der Altstadt von Datong / China

Wir trauten unseren Augen kaum. Mit so etwas hatten wir unter der Erde jetzt gar nicht gerechnet. Zum Schluss wussten wir gar nicht mehr, was am meisten funkelt; die Wände, die unzähligen Buddhas oder das Blitzlicht der ganzen Kameras.
Abschließend sind auch noch die Stufen zur Pagode hinaufgestiegen. Von hier oben bot sich uns eine schöne Aussicht auf die Altstadt von Datong, aber auch auf die Wolkenkratzer außerhalb und die ganzen Baustellen innerhalb der Mauer.
Doch egal, Hauptsache die Sonne schien nun endlich wieder. Wenn auch nicht lang…

Huayan Si in der Altstadt von Datong / China

Steinkohlebergwerk

Da wir das Meiste ja gestern schon geschafft hatten, und uns so noch etwas Zeit überblieb, war Flo einfach nicht von der Idee abzubringen, sich mal ein chinesisches Steinkohlebergwerk von Innen anzuschauen. Normalerweise interessiert mich so etwas ja auch, doch jetzt, wo es endlich einmal nicht regnete, wieder unter Tage zu gehen, stieß nicht gerade auf meine Begeisterung.
Es war gar nicht so einfach, an irgendwelche Informationen heranzukommen; doch Flo hatte dann schließlich doch noch etwas in Erfahrung gebracht. Nun mussten wir uns dennoch ein wenig beeilen, da das einzige Bergwerk, was Besichtigungen zuließ, schon bald schließen würde und noch zudem mit den Öffentlichen gar nicht so einfach zu erreichen war. Also blieb uns auch hier wieder nur das Taxi. Doch überlass mal meinem Freund die Preisverhandlungen, dann kommt mit Sicherheit nichts Gescheites heraus. Und wo er bereits diesem „unmoralischen“ Angebot zugestimmt hatte, konnte ich nun auch nicht wieder zurückrudern, ohne dass dabei jemand sein Gesicht verloren hätte. Männer!!!

Als wir dann endlich an der gegoogelten Adresse ankamen, waren wir erst einmal eine ganze Weile damit beschäftigt, den Eingang zum Museumsgelände zu finden. Selbst unser Fahrer wusste nicht so recht wohin. So richtig gefiel mir das Ganze nicht, und mein Bauchgefühl verhieß mir auch nichts Gutes. Doch irgendwann fand er dann doch noch die richtige Zufahrt und ließ uns auf dem komplett leeren Parkplatz aussteigen. Wir baten ihn, an Ort und Stelle auf uns zu warten und gingen dann zu der Pforte hinüber, an der 3 ältere Männer herumlungerten. Unser Fahrer kam uns – oder vielmehr denen – zur Hilfe, und nun redeten alle 4 Typen auf uns im fließenden Chinesisch ein. Keine Ahnung, was sie versucht haben, uns mitzuteilen. Zumindest lachten sie immer noch, als wir ins Gelände verschwunden sind… und auch noch, als wir kurz darauf wieder zurückkamen.
Wenn wir das richtig verstanden hatten, standen gerade keine internationalen Guides zur Verfügung, die uns durch das immer noch aktive Bergwerk hätten führen können. Fürs Erste waren wir bedient; all das Geld und die Zeit für die Katz‘.
Doch dann konnten uns die Pförtner doch noch irgendwie begreiflich machen, dass wir uns zumindest auf dem Gelände etwas umschauen dürfen. Na besser als nichts!

Neben dem nicht geöffneten Museum standen ein paar Grubenfahrzeuge mit kohlebeladenen Hunten, ferner eine Lok und so manch Undefinierbares herum, während der ein oder andere Kumpel in seiner Arbeitskleidung an uns vorbeirannte. Doch wesentlich interessanter fanden wir die alten, inzwischen vom Zerfall bedrohten Gebäude, die dreckigen Kohleschütten, die riesigen Maschinen und vor allem die Schienenanlagen, auf denen noch immer die Züge mit den beladenen Wagons vorbeizuckeln. Das Tollste war allerdings noch einmal der Blick hinüber zu den Yungang-Grotten.
Abschließend ging es nun auch noch auf den Aussichtshügel des Museums, dann hatten wir aber genug gesehen und wollten wieder nach Datong zurück, um dort etwas zu essen und nun auch noch die letzten Sehenswürdigkeiten mitzunehmen.

Good Bye Datong

Inzwischen ging es in der Altstadt schon etwas belebter zu, und es gab an der ein oder anderen Ecke sogar so etwas wie ein kulturelles Programm. Die überbackene Durian, die außer mir in Deutschland sicherlich nicht vielen munden wird, hat mich fast schon wieder friedlich gestimmt; sowie auch der leckere Eiscafé in einem kuscheligen Lokal und die lustig gekleideten Teens davor.

Altstadt von Datong / China

Noch ein letztes Mal sind wir die Gassen und Plätze der Altstadt entlangspaziert und kamen dabei auch am Shanhua Tempel vorbei, der im 12. Jh. den Flammen zum Opfer fiel und inzwischen wieder aufgebaut wurde. An der einstigen Palastanlage (Dai Wangfu) werkelt man heute allerdings noch immer. Die kunterbunten Ballons vor den Toren waren für uns dann aber zu viel des Guten, und so zogen wir uns in ein ruhiges, muslimisches Kloster zurück, was nur auf den ersten Blick von den typisch Chinesischen Tempeln zu unterscheiden war.
Das anschließende Abendessen ließ Flo nun endgültig den Entschluss fassen, seinerseits in China die fleischlose Variante zu bevorzugen.

Auf dem Weg zum Bahnhof rührte sich noch einmal was in der Stadt. Während laute Musik aus den Lautsprechern dröhnte und bereits einige Passanten auf den Bordsteinen herumtänzelten, formierten sich eine Anzahl komplett in Rot gekleideter Damen mit bunten Tüchern und Fächern, vor einem hell beleuchteten Häuserblock. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, und so warteten wir geduldig die halbe Stunde, bis sie endlich, von Trommeln begleitet, ihre Performance zum Besten gaben. Für Flo seine Ohren nun allerdings weniger erträglich, sind wir leider 10 Minuten später schon wieder Richtung Zug aufgebrochen.

22:30 Uhr ging es – dieses Mal jedoch im Hard Sleeper – weiter nach Pingyao; und trotz der lärmenden Franzosen im Abteil, ließ es sich mit Ohrstöpsel ganz gut schlafen. In jedem Fall war es eine Erfahrung wert, und ich kann nun auch verstehen, warum die Fahrgäste immer nur auf den unteren Betten Platz nehmen; denn in den 2 oberen Etagen kann man sich unmöglich aufrecht sitzend die Hose anziehen.

Fazit

Wie aus meinem Bericht sicher unschwer zu erkennen ist, waren wir von dem Hängenden Kloster sehr angetan. Die Yungang-Grotten sollte man auf jeden Fall einmal gesehen haben, wenn man sich für das Land und seine Geschichte interessiert. Die Stadt Datong darf zumindest für ihre außerordentliche Leistung bewundert werden, aus einem ehemaligen, dreckigen Moloch das Unmöglichste herauszuholen. Ich bin mir sicher, dass sie das Zeug dazu hat, in Zukunft zu anderen Städten aufzuholen. Für uns war Datong zu dieser Zeit, unter den Umständen sicher nicht das Highlight des Urlaubs. Aber es ist auch wichtig, das andere China zu erleben, das, was nicht nur glänzt. Umso mehr weiß man auch wieder andere Dinge zu schätzen. In diesem Sinne: Wir sehen uns bald wieder in Pingyao!

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Ein Gedanke zu „Datong – September 2019

  1. […] bereits in meinem Blogbeitrag über die Yungang-Grotten erwähnt, verlegten die Nördlichen Wei im Jahre 494 ihr Regierungszentrum von Datong nach Luoyang; […]

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