Bergtour Fleischbank-Hölzelstaljoch – November 2018

21.11.2018 / Fleischbank-Hölzelstaljoch-Grasbergjoch

Völlig unerwartet war dieser November von extrem schönen Wetter geprägt, selten haben wir so lange unsere Touren in den Spätherbst hinein ohne Schnee machen können. Doch wie immer, kommt jedes Jahr der Winter völlig überraschend. 
Wenn es in Lenggries auch schon kalt war, mit Minus 8 Grad und zumindest so viel Schnee, dass die Zufahrt in die Eng gleich gesperrt ist, damit hatten wir nun echt nicht gerechnet. So waren wir tatsächlich gezwungen, beim Auto wieder den Rückwärtsgang einzulegen, um an der Mautstelle zu parken. 
Die wenigen Kilometer, die wir nun leider zu Fuß direkt auf der Straße zurücklegen mussten, bevor es den Steig über den Schönalmgraben hinauf ging, zogen sich schier endlos. Was hätte ich in dem Moment für eine lange Unterhose und meine beheizbaren Handschuhe gegeben. Aber wir wussten, schon bald würde es uns wieder warm werden, denn von Anfang an ging es gleich recht steil nach oben. 

Für die Jagdhütte Steilegg haben sie sich wirklich ein wundervolles Plätzchen ausgesucht. Während es im Tal oft eisig kalt ist, steht sie richtig schön in der Sonne, und man kann direkt in die Falken und bis zur Birkkarspitze schauen. Welch Plätzchen würde sich besser für eine Brotzeit anbieten.


Gut gestärkt ging es nun aber weiter zur Fleischbank, die man am Gipfelaufbau über eine Latschengasse erreicht. Doch bevor man den schmalen Grad entlang hinüber geht, muss man einfach einmal kurz innehalten und den Blick umherschweifen lassen.

Vor uns baute sich nun das pelzige Baumgartenjoch auf, dahinter der markante Schafreiter und links das Schönalmjoch, was sich im Winter durchaus zu besuchen lohnt – denn hingegen zu unseren 3 Zielen von heute liegt es nicht in einem kompletten Winterruhegebiet. 

Im Rücken hatten wir die Kaltwasserkarspitze, Birkkarspitze und Ödkarspitzen in hinterer Reihe, davor u.a die Östliche Karwendelspitze und den Wörner.

Jetzt konnten wir endlich auch auf die kargen Wände der Fleischbank zusteuern, die an dieser Stelle ihrem Namen alle Ehre macht – doch gemessen am Gradverlauf, wäre „Spanischer Reiter“ eher angebracht. Na, ganz so krass war es dann auch wieder nicht, aber man muss schon ein bisschen Vorsicht walten lassen, damit man sich mit den Füßen nicht versehentlich in den Latschen verhakt, denn viel Platz zum Landen hat man hier nicht. 


Vom Kreuz aus konnten wir nun auch sehr gut unseren weiteren Wegverlauf mit den 2 Gipfel einsehen, und so machten wir uns auch schon bald wieder auf, um das Hölzelstaljoch zu erreichen.

Wenn auch der Abstieg nur über den Grasrücken erfolgt, sollte man nicht leichtsinnig werden, denn steil und ausgesetzt ist es hier dennoch. Der Gegenanstieg erfordert dafür wieder einiges an Kondition, aber dafür wird man auch hier mit einem wunderschönen Panorama belohnt – direkt vor uns machen sich die Falken breit, gleich links daneben das Gamsjoch.


So langsam wurden die Temperaturen in der Höhe schon fast so etwas wie angenehm, und so konnten sich die Gamsen noch ein wenig in der Sonne aufwärmen, bevor sie übers Gradl flüchteten.
Danach folgte nun die technisch schwierigste Passage, was aber kein Problem ist, wenn man ein wenig schwindelfrei ist und weiß, wie man sich an einem Drahtseil festhält. Allerdings für den Winter ist es nichts, so viel steht fest.

Noch ein letztes Mal den Turbo zünden und an ein paar Felsblöcken steil hinauf zum Gipfelkreuz des Grasbergjochs,

dann hatten wir uns aber eine Pause verdient, auch wenn ein paar dicke Dohlen uns das Futter streitig machen wollten. Aber nicht mit uns! Mit Benediktenwand, Demeljoch, Juifen, Schreckenspitze und Montscheinspitze im Rücken ließen wir es uns munden, bevor es wieder galt, abzusteigen.


Je tiefer wir nun kamen, umso kälter wurde es auch wieder und der Schnee stetig mehr. In den Latschen hinüber zur Alm haben wir uns gleich mal ein wenig verirrt, und auf der Suche nach dem richtigen Weg hat es mir glatt die Beine weggezogen. Ich sag nur: „Wohl dem, der Laufen kann!“ Aber zum Glück ist bis auf ein paar Schürfwunden nichts passiert, denn wenn ich mich hinlege, dann wollte ich es dabei schon immer bequem haben. 😉
(Ich weiß Flo, dass du jetzt lächelst, aber meine Haltungsnoten beim Abflug neulich an der Isar, waren deutlich besser…)

An der Grasbergalm bot sich uns noch einmal eine optimale Kulisse für das perfekte Kalenderfoto – im Vordergrund die urige Hütte, dahinter links Schaufelspitze und Sonnjoch, rechts Roßkopfspitze und Gamsjoch. Wir waren begeistert.

Auch auf dem Weg hinunter ins Tal sollten wir noch das ein oder andere Mal visuell belohnt werden, und auch unsere 3 besuchten Gipfel konnten wir nun aus einer anderen Perspektive betrachten.

Den Obolus, den wir im Gegenzug zu entrichten hatten, war leider der lange Rückmarsch aus der Eng, wobei uns fast der Hintern abgefroren wäre. Aber das Opfer war es uns wert.

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